06.11.2020 | Presseinfo Nr. 51

Gemeinsame Pressemitteilung

Jahresbilanz: Ausbildungsmarkt 2019/2020 in der Seenplatte

„Der Ausbildungsmarkt in der Seenplatte zeigt sich nach den alarmierenden Aussichten im Frühsommer inzwischen robust - doch die Covid-19-Pandemie sorgt weiter für Unsicherheit. Aber trotz der momentanen Corona-Situation ist die Ausbildungsbereitschaft der vielen Ausbildungsbetriebe ungebrochen hoch.  Gemeinsam haben wir in diesem Jahr alles dafür getan, dass es nicht zu einer Generation-Corona gekommen ist. Erfreulicherweise verzeichnen wir weniger unversorgte Bewerber*innen als im Vorjahr, so bilanziert Vize-Agenturchef Stephan Bünning, die Entwicklung auf dem Ausbildungsjahr.

1.736 gemeldete Ausbildungsstellen; 11 weniger als im Vorjahr

  • 1.462 Bewerber; 149 weniger als im Vorjahr
  • 213 unbesetzte Berufsausbildungsstellen, 78 mehr als im Vorjahr
  • 94 nicht vermittelte Bewerber; 6 weniger als im Vorjahr

Neubrandenburg: Von Oktober 2019 bis September 2020 haben sich insgesamt 1.462 Jugendliche bei der Neubrandenburger Arbeitsagentur, den beiden Jobcentern im Landkreis und im JugendserviceMSE gemeldet und bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz beraten lassen. Das sind 149 oder 9 Prozent weniger als im letzten Jahr. Im gleichen Zeitraum wurden 1.736 Lehrstellen gemeldet. Das sind 11 oder 0,6 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

Aktuell sind noch 94 Jugendliche auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Demgegenüber stehen noch 213 freie Ausbildungsstellen; 78 mehr als im Vorjahr.

Die rechnerischen Chancen auf eine Ausbildung haben sich damit gegenüber dem Vorjahr kaum verändert: Bis September 2020 gab es rechnerisch 274 mehr gemeldete betriebliche Ausbildungsstellen als gemeldete Bewerber.

Covid-19 hält sowohl Arbeitgeber wie auch Jugendliche in Atem. Das führt sowohl auf Seiten der Betriebe als auch auf Seiten der Bewerber zu Verunsicherungen.

Insbesondere die strikten Maßnahmen in Folge der Corona-Krise, wie Schulschließungen, Einschränkungen bei der Berufsberatung und die allgemeine wirtschaftlich angespannte Lage. Die Schüler konnten nicht wie üblich mit Angeboten zur Berufsorientierung und -beratung versorgt werden und auch die Akquise von Ausbildungsstellen in den Betrieben wurde durch die Einschränkungen und die fehlende Planungssicherheit der Unternehmen deutlich erschwert. Hier war ein verzögertes Einstellungsverhalten der Unternehmen spürbar.

Stephan Bünning, Geschäftsführer operativ, Agentur für Arbeit Neubrandenburg: „Wir sind uns einig, wir konnten gemeinsam – mit unseren Unternehmen - einen Corona-Einbruch und damit eine Generation-Corona, im Seenplattelandkreis verhindern. Glücklicherweise konnten wir jedem Jugendlichen – der will und kann - ein Angebot unterbreiten. Und dass trotz der alarmierenden Aussichten zu Beginn der Covid-10-Pandemie. Das zeigt deutlich: Die duale Berufsausbildung geht trotz Corona weiter. Denn es gibt keine bessere Versicherung gegen Arbeitslosigkeit und Fachkräftemangel als eine Berufsausbildung. Nicht zuletzt sind es unsere Unternehmen die wissen, dass der Nachwuchs, den wir heute nicht ausbilden, der Wirtschaft in wenigen Jahren fehlt. Und darum ist die Ausbildungsbereitschaft auch ungebrochen hoch. Denn: Die eigene Ausbildung ist neben der externen Rekrutierung von Fachkräften über den Arbeitsmarkt auch in der Krise die wichtigste Möglichkeit für Betriebe, ihren Arbeitskräftebedarf zu decken.“

Ellen Grull, Leiterin Aus- und Weiterbildung, IHK Neubrandenburg für das östliche Mecklenburg-Vorpommern:

„Mit 1.350 neu eingetragenen Ausbildungsplätzen zum 31. Oktober 2020 wurde quasi auf den letzten Metern das Vorjahresergebnis erzielt. Die neuen Auszubildenden lernen dabei in 106 unterschiedlichen kaufmännischen oder gewerblichen IHK-Berufen in den Unternehmen der IHK-Region. Darunter befinden sich auch 70 Auszubildende mit ausländischen Wurzeln aus 23 Nationen, die eine Ausbildung begonnen haben. Leider blieben aber auch Ausbildungsplätze unbesetzt. Das duale Ausbildungssystem zeigt in 2020 einmal mehr, dass es sich insbesondere auch in Krisenzeiten schnell auf neue Bedingungen einstellen kann und den perfekten beruflichen Karriereeinstieg ermöglicht. Wir freuen uns besonders, dass es gerade in diesem Jahr viele junge Frauen gibt, die eine gewerblich-technische Ausbildung gewählt haben. Darunter sind Elektronikerinnen, Fahrradmonteurinnen oder Berufskraftfahrerinnen, die in diesen Berufen beruflich durchstarten möchten. Drängend bleibt die nun schnelle Einführung eines Azubitickets, das allen Auszubildenden die Kosten für die durch Konzentration oft langen Anfahrtswege zur Berufsschule erstattet.“

Im Bereich der Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern (HWK) wurden bis zum 1. November 2020 bisher 1297 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen. Dazu HWK-Hauptgeschäftsführer Jens-Uwe Hopf: „Im Vergleich zum Vorjahr ist dies ein leichter Zuwachs von mehr als einem Prozent. Davon haben annähernd 170 Jugendliche in der Region der Mecklenburger Seenplatte einen Ausbildungsvertrag im Handwerk abgeschlossen. Zu den ausbildungsstärksten Berufen gehören u.a. das Kfz- und Elektronikerhandwerk sowie die Land- und Baumaschinenmechatroniker. Während in anderen Wirtschaftsbereichen die Ausbildungszahlen rückläufig sind, ist im Handwerk der Region Stabilität erkennbar.“ Dennoch würden sich oft noch mehr potenzielle Lehrstellenbewerber für eine Ausbildung vor allem auch in der ländlichen Region entscheiden, wenn das von der Landesregierung bereits zugesagte Azubiticket für die kostenintensiven Fahrten zu den zentrierten Berufsschulen bereits zur Verfügung stehen würde. Aufgrund der demografischen Entwicklung werden im Bereich der Handwerkskammer noch rund 300 freie Ausbildungsplätze angeboten. Die Ausbildungsberater stehen den Jugendlichen und deren Eltern gern beratend zur Seite. Ebenso kann das kostenfreie Lehrstellenradar zur Orientierung genutzt werden (www.hwk-omv.de/lehrstellenboerse).

Rotraud Geiger, Referentin für Bildung, Bauernverband Mecklenburg-Vorpommern e.V. „Die Landwirtschaft stellt sich auch in schwierigen Zeiten der dualen Ausbildung zur Fachkräftesicherung. Bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte ist per 15.09. 2020 im Vergleich zum Vorjahr ein leichter Anstieg von 80 auf 84 Verträge zu verzeichnen. Viele Betriebe bieten Langzeitpraktika in Form der Einstiegsqualifizierung an. Hier lernen die Jugendlichen die Besonderheiten eines Arbeitstages in der Landwirtschaft kennen. Das ist eine gute Voraussetzung für den Weg in eine spätere erfolgreiche Lehre. Aufgrund der Covid19-Pandemie hat der Bauernverband Mecklenburg-Vorpommern in diesem Jahr auch verstärkt digitale Varianten der Berufsberatung angeboten. Über das Karriereforum auf der Verbandswebsite und einem Whats-App-Chat können sich Interessierte über die grünen Berufe informieren.“

    

Der Ausbildungsmarkt geht im 5. Quartal in die Verlängerung:

Jugendliche können auch im sogenannten 5. Quartal in eine Ausbildung einsteigen, sofern die zuständige Kammer ihre Zustimmung erteilt.

Mit dem Langzeitpraktikum in Form einer Einstiegsqualifizierung besteht für die Jugendlichen zudem eine gute Möglichkeit, sich im Unternehmen auf den Berufseinstieg vorzubereiten.  „Wir hatten in den vergangenen Jahren bereits in vielen Branchen Fachkräfteengpässe. Damit sich diese nicht durch Corona zusätzlich verschärfen, müssen wir besonders darauf achten, dass wir trotz aller schwierigen Einschränkungen den Ausbildungsmarkt auf Kurs halten“, sagte Bünning. „So sind in den vergangenen Monaten die Beratungsmöglichkeiten der Agenturen ausgebaut und weiterentwickelt worden – digital, aber auch vor Ort, in der Arbeitsagentur und in den Schulen. Mir ist wichtig, dass jeder junge Erwachsene ihre und seine Chance für den Start in die berufliche Zukunft erhält.“

Denjenigen, die noch nicht in der Berufsberatung waren, legt Bünning nahe: „Besorgen Sie sich einen Beratungstermin. Das geht am schnellsten mit einem kostenfreien Anruf im Service Center der Arbeitsagentur unter 0800 4 5555 00.“ Das Service Center der Arbeitsagentur ist montags bis freitags von 8.00 Uhr bis 18.00 Uhr zu erreichen.