01.12.2020 | Presseinfo Nr. 54

Arbeitsmarkt im November

„Der Arbeitsmarkt in der Seenplatte hat im November saisonbedingt von seiner Dynamik eingebüßt, zeigt sich während der Pandemie aber belastbar und widerstandsfähig. Allerdings: Im November-Lockdown mussten viele Betriebe, die die Kurzarbeit bereits beenden oder reduzieren konnten, wieder in „Kurzarbeit Null“ zurückkehren. Der Einsatz von Kurzarbeit verhindert eine massive Erhöhung der Arbeitslosigkeit“, sagte der Vize-Chef der Neubrandenburger Arbeitsagentur, Stephan Bünning, heute anlässlich der monatlichen Pressekonferenz.
 

Neubrandenburg | Im November waren in der Seenplatte 261 Menschen mehr arbeitslos gemeldet als im Oktober. Insgesamt 11.221. Das entspricht einer Arbeitslosenquote von 8,6 Prozent. Im Vergleich zum November des Vorjahres 502 Arbeitslose mehr.

„Auch, wenn die COVID-19-Pandemie im Monat November Spuren auf dem Arbeitsmarkt hinterlässt, fiel der Anstieg der Arbeitslosenzahlen – mit 261 - deutlich geringer aus, als im fünfjährigen Mittel von knapp über 460 (+465). Ein Indiz dafür, dass viele Unternehmen versuchen, während der Pandemie ihre Arbeitskräfte zu halten. Auch durch den Einsatz von Kurzarbeit“, weiß Vize-Arbeitsagenturchef Stephan Bünning.

Der zweite Lockdown ist für viele Branchen - die sich über die Sommermonate teilweise wirtschaftlich erholt haben - eine weitere Bewährungsprobe. „Denn viele Betriebe, die die Kurzarbeit bereits beenden oder reduzieren konnten, mussten wieder in „Kurzarbeit Null“ zurückkehren. Aber: Der Einsatz von Kurzarbeit verhindert eine massive Erhöhung der Arbeitslosigkeit“, erklärte Bünning.

Für den Vize-Agenturchef ist der Anstieg der Arbeitslosigkeit im November nicht nur eine Folge der COVID-19-Pandemie, sondern ist auch „auf dem saisonbedingten Rückgang der Arbeitskräftenachfrage sowie den Rückgang der Teilnehmerzahlen in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen zurückzuführen. Eines ist jedoch deutlich: Der Einsatz von Kurzarbeit verhindert eine massive Erhöhung der Arbeitslosigkeit“, so der Arbeitsmarktexperte. Ohne Kurzarbeit läge die Arbeitslosigkeit noch einmal deutlich höher. Bis Mitte November wurde für 31.810 Menschen im Landkreis vorsorglich Kurzarbeit angezeigt. Nach aktuellen Hochrechnungen befanden sich im Juli 2020, 5.298 Mitarbeitende – aus 792 Unternehmen - in Kurzarbeit.

Der Ausbildungsmarkt im sogenannten 5. Quartal
Die Ausgleichsprozesse am Ausbildungsmarkt waren in der zweiten Hälfte des Beratungsjahres 2019 / 2020 aufgrund der Corona-Krise deutlich erschwert und zeitlich verzögert. Daher liegt in diesem Jahr ein besonderes Augenmerk auf dem Nachvermittlungszeitraum bis Ende des Jahres.

Jugendliche in der Seenplatte können auch im sogenannten 5. Quartal (Oktober – Dezember) in eine Ausbildung einsteigen, sofern die zuständige Kammer ihre Zustimmung erteilt.

„Auf dem Ausbildungsmarkt hat mit dem 1. Oktober die entscheidende Phase – das 5. Quartal - begonnen. Wir hatten in den vergangenen Jahren bereits in vielen Branchen Fachkräfteengpässe. Damit sich diese nicht durch Corona zusätzlich verschärfen, müssen wir besonders darauf achten, dass wir trotz aller schwierigen Einschränkungen den Ausbildungsmarkt auf Kurs halten“, sagte Bünning.

So sind in den vergangenen Monaten die Beratungsmöglichkeiten der Agenturen ausgebaut und weiterentwickelt worden – digital, aber auch vor Ort, in der Agentur für Arbeit und in den Schulen. „Mir ist wichtig, dass jeder junge Erwachsene ihre und seine Chance für den Start in die berufliche Zukunft erhält“, betonte Bünning

Die Chancen auf einen Ausbildungsplatz stehen weiterhin gut und es ist noch nicht zu spät. Ende September gab es 213 freie Stellen und damit 58 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Außerdem gab es zum Stichtag 30.09.20 mehr freie Ausbildungsstellen als unversorgte Bewerberinnen und Bewerber. 94 junge Menschen waren noch auf der Suche nach einem dualen Ausbildungsplatz.

„Positiv ist, dass viele Unternehmen trotz Corona-Krise weiter ausbilden, sagte Bünning. Zurzeit gebe es in den Lehrstellenbörsen der drei Industrie- und Handelskammern noch mehr als 1000 offene Angebote. Wer von den diesjährigen Schulabgängern noch ohne Lehrstelle sei, der könne es auch mit einem Langzeitpraktikum – der sogenannten Einstiegsqualifizierung - versuchen. „Diese betrieblichen Angebote könnten später in eine Lehrstelle münden“, weiß der Arbeitsmarktexperte aus vielen Beispielen.

„Viele Unternehmen richten den Blick bereits auf das kommende Ausbildungsjahr, das im Sommer 2021 beginnt. Dafür könnten sich Interessenten bereits bewerben“, appellierte Bünning.

Aktionswoche: Menschen mit Behinderung
Abschließend wies Bünning auf die am Montag (30. November) begonnene Aktionswoche für Menschen mit Behinderung hin. „Am Donnerstag, dem 3. Dezember, wird international der ‚Tag der Menschen mit Behinderung‘ begangen. Wie schon in den vergangenen Jahren nutzen die Arbeitsagenturen und Jobcenter diesen Anlass, um eine Woche lang bundesweit auf die besondere Situation von Menschen mit Behinderung am Arbeitsmarkt aufmerksam zu machen. Auch wenn in diesem Jahr coronabedingt keine Präsenzveranstaltungen möglich sind, werden die Arbeitsagentur und Jobcenter in der Seenplatte - insbesondere bei Arbeitgebern - dafür werben, dass Potenzial dieser Gruppe noch stärker zu nutzen. Grundlegend ist dabei, dass wir unsere zu oft an vermeintlichen Defiziten orientierte Wahrnehmung verändern und stattdessen die Ressourcen und Talente erkennen, die Menschen mit Behinderung besitzen.“

Aktuell sind in der Seenplatte mehr als 1.000 (1.035) Menschen mit Handicap arbeitslos gemeldet, 61 Prozent von ihnen haben eine abgeschlossene Berufsausbildung. „Leider müssen sie“ - so Bünning - „noch immer gegen Vorbehalte und Vorurteile ankämpfen, die sich negativ auf ihre Beschäftigungschancen auswirken. Hier wünsche ich mir - auch angesichts der vorhandenen Fachkräfteengpässe in einzelnen Branchen - eine noch größere Bereitschaft der Betriebe, engagierten Bewerberinnen und Bewerbern mit Handicap eine Chance zu geben. Wir, die Arbeitsagentur und Jobcenter, stehen mit Rat und Tat zur Seite.“

Zu- und Abgänge
903 Männer und Frauen mussten sich im November nach dem Verlust ihres Arbeitsplatzes in der Seenplatte neu oder erneut arbeitslos melden. Das sind 326
(-26 Prozent) weniger als im November 2019 und deutlich unter dem dreijährigen Mittel von knapp über 1.300

543 Arbeitslose konnten ihre Arbeitslosigkeit durch Aufnahme einer Arbeit auf dem ersten Arbeitsmarkt beenden. Das sind 36 (-6 Prozent) weniger als im November 2019.

Entwicklung der Arbeitslosigkeit nach Personengruppen
Nach Personengruppen entwickelte sich die Arbeitslosigkeit recht unterschiedlich. Die Spanne der Veränderungen reicht im November von –1% bei 50-Jährigen und Älteren bis +16% bei 15- bis unter 25-Jährigen.

Entwicklung der Arbeitslosigkeit nach Rechtskreisen
Im Bereich der Arbeitslosenversicherung nach dem Sozialgesetzbuch III, also bei all denjenigen, die Arbeitslosengeld I erhalten, waren im November 4.040 Menschen arbeitslos. 256 mehr als im Vormonat und 699 mehr als im November 2019. Das entspricht einem Anstieg von 21 Prozent.

Die Zahl der Bezieher von Arbeitslosengeld II nach dem Sozialgesetzbuch II - umgangssprachlich Hartz-IV-Empfänger genannt - lag im November bei 7.181 Arbeitslosen. 5 mehr als im Oktober und 197 weniger als im November 2019. Das entspricht einem Rückgang von 3 Prozent

Geldleistungen
Insgesamt 3.857 Personen erhielten im November 2020 Arbeitslosengeld, 790 mehr als vor einem Jahr. Die Zahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten in der Grundsicherung für Arbeitsuchende (SGB II) lag im November bei 15.127.  Gegenüber November 2019 war dies ein Rückgang von 1.217 Personen.

Gemeldete Arbeitsstellen
Auf hohem Niveau bewegt sich weiterhin die Zahl der gemeldeten sozialversicherungspflichtigen Stellen. Insgesamt haben die Betriebe seit Jahresbeginn unserem Arbeitgeberservice-Team von Arbeitsagentur und Jobcentern im Landkreis 6.934 sozialversicherungspflichtige Arbeitsangebote gemeldet. Hinweg über alle Branchen - insbesondere im verarbeitenden Gewerbe, im Handel, im Gesundheits- und Sozialwesen sowie bei den unternehmensnahen Dienstleistungen und im Gastgewerbe - bestehen Einstiegschancen.

Die Zahl der gemeldeten Arbeitsstellen liegt im November bei 2.489. Gegenüber dem Vorjahresmonat bedeutet dies einen Rückgang von 46 oder 1,8 Prozent.

Die größte Nachfrage gab es im November aus den Bereichen:    Callcenter und Zeitarbeit (633 freie Stellen im Bestand), im verarbeitenden Gewerbe (316), im Baugewerbe (297), Gesundheit, Soziales, Lehre und Erziehung (289), sowie Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen (270).

Unternehmen in der Seenplatte, die noch keinen festen Ansprechpartner haben, erreichen den Arbeitgeberservice telefonisch unter der kostenfreien Arbeitgeber-Service-Rufnummer: 0800 4 5555 20.

Der Arbeitsmarkt in den Dienststellen des Agenturbezirks
Im Agenturbezirk Neubrandenburg entwickelte sich die Arbeitslosigkeit im November recht unterschiedlich. Am günstigsten war die Veränderung der Arbeitslosigkeit in Demmin; dort sank der Bestand an Arbeitslosen gegenüber dem Vorjahresmonat um 4 Prozent. Dem gegenüber steht die Entwicklung in Altentreptow mit einer Zunahme von 10 Prozent.