26.11.2021 | Presseinfo Nr. 52

Arbeitsagenturchef gibt Startschuss zur bundesweiten Aktionswoche für Inklusion am Arbeitsmarkt in der Seenplatte!

Arbeitsagenturchef Thomas Besse will anlässlich der bundesweiten Aktionswoche, vom 29. November bis 3. Dezember 2021 das Thema Inklusion durch die öffentliche Diskussion stärker in das Bewusstsein der Gesellschaft rücken. Die jährliche Woche der Menschen mit Behinderung findet rund um den Internationalen Tag der Menschen mit Behinderungen statt, der in diesem Jahr auf den 3. Dezember fällt.
 

Neubrandenburg – Auch Menschen mit Behinderung spüren die Auswirkungen der Corona-Pandemie am Arbeitsmarkt in der Seenplatte. So stieg die Arbeitslosigkeit von Menschen mit Behinderung[i] während des ersten Lockdowns (April 2020) bis April 2021 um 4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Bei den nichtbehinderten Menschen stieg die Arbeitslosigkeit im selben Zeitraum um 2 Prozent. 

Auch konnten Menschen mit Behinderung nicht vergleichbar von der im Frühjahr einsetzenden Erholung auf dem Arbeitsmarkt profitieren. Während die Arbeitslosigkeit von April auf Juni 2021 insgesamt um 9 Prozent zurückging, waren es bei den schwerbehinderten Arbeitslosen 6 Prozent.

„Trotz der aktuellen Pandemie darf die Inklusion von Menschen mit Behinderung am Arbeitsmarkt nicht aus den Augen verloren werden“, sagte der Arbeitsagenturchef zum Start der elften Woche der Menschen mit Behinderung. „Aus allen Teilen der Gesellschaft brauchen wir gerade jetzt noch mehr Engagement für Menschen mit Handicap – denn Inklusion am Arbeitsplatz ist eine Chance zur Fachkräftesicherung!“ 

Insgesamt profitieren Schwerbehinderte auf dem Arbeitsmarkt immer noch weniger als Menschen ohne Behinderung. “Unsere Daten zeigen: „Schwerbehinderten Arbeitslosen gelingt es seltener als nicht Schwerbehinderten, eine Beschäftigung am ersten Arbeitsmarkt aufzunehmen. Und Schwerbehinderte bleiben länger arbeitslos.“

Dabei bringen Menschen mit Handicaps genauso Kompetenzen und Qualifikationen mit. Angesichts der Kluft, die der vermeintliche Mangel an Fachkräften hierzulande aufreißt, sollte es keinen Zweifel darangeben, „dass alle Fachkräfte eine Chance auf eine gute berufliche Zukunft bekommen.“ Gleichzeitig können mehr als 2.840 freie Arbeitsstellen in der Seenplatte nicht besetzt werden.

An die Arbeitgebenden gerichtet sagt Besse: „Unter den schwerbehinderten Arbeitslosen befinden sich viele gut qualifizierte Arbeitskräfte. Ihnen keine Chance zu geben – ist in der aktuellen Diskussion um den Fachkräftemangel – fatal. Denn gut ausgebildete und motivierte Mitarbeitende sind die wichtigste Ressource, die unsere Region hat. Diesen Schatz müssen wir hegen, pflegen und manchmal auch erst heben. Das gilt umso mehr für die Menschen mit gesundheitlichem Handicap. Und Unternehmen werden es sich nicht mehr leisten können, auf das Potential dieser Menschen zu verzichten. Denn der Wettbewerb um die besten Köpfe hat sich spürbar verschärft. Eine effektive Personalpolitik – frei von Vorurteilen – ist ein entscheidender Schlüsselfaktor im Wettbewerb.“

In der Aktionswoche - die Menschen mit Handicap in den Mittelpunkt stellt - setzen die Arbeitsagentur und Jobcenter im Landkreis auf fundierte Beratung durch besonders geschulte Fachkräfte. Diese beraten Personalentscheider und unterstützen sie dabei, wie zum Beispiel Arbeitsplätze an die besonderen Bedürfnisse von Menschen mit Handicap angepasst werden können, unterstützen den Betrieb bei der Organisation und zeigen letztlich finanzielle Fördermöglichkeiten auf.

Hintergrund:

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) startet am 29. November die bundesweite Aktionswoche für Menschen mit Behinderung. Mitarbeiter und Führungskräfte der Arbeitsagenturen werben in Gesprächen für mehr Inklusion im Arbeitsleben. Die BA möchte darauf aufmerksam machen, dass Menschen mit Behinderung einen wertvollen gesellschaftlichen Beitrag auch auf dem Arbeitsmarkt leisten können.

Neben der Aktionswoche engagiert sich die BA bereits in zahlreichen Initiativen und Maßnahmen, um Inklusion in Deutschland voranzutreiben. Außerdem veröffentlicht die BA zum Auftakt der Aktionswoche online eine Kurzinformation mit Daten zur Arbeitsmarktsituation von Menschen mit Behinderung.

Die BA unterstützt mit der Woche der Menschen mit Behinderung den Nationalen Aktionsplan der Bundesregierung zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention.

Die vom Gesetzgeber geforderte Beschäftigungsquote:

Private und öffentliche Arbeitgeber mit mindestens 20 Arbeitsplätzen (beschäftigungspflichtige Arbeitgeber), sind gesetzlich (SGB IX) verpflichtet, auf mindestens fünf Prozent der Arbeitsplätze schwerbehinderte Menschen zu beschäftigen. Arbeitgeber, die dieser Vorgabe nicht nachkommen, müssen eine Ausgleichsabgabe zahlen. Die Höhe dieser Abgabe ist abhängig von der Beschäftigungsquote.

[i] Als schwerbehindert zählen Menschen mit einem anerkannten Grad der Behinderung von mindestens 50. Behinderte Menschen mit einem Grad der Behinderung von unter 50 aber mindestens 30 sollen schwerbehinderten Menschen gleichgestellt werden, wenn sie ansonsten einen geeigneten Arbeitsplatz nicht erlangen oder behalten können (§ 2 Absatz 3 Neuntes Buch Sozialgesetzbuch - SGB IX). Die Gleichstellung wird auf Antrag des Behinderten durch die Bundesagentur für Arbeit festgestellt (§ 151 Absatz 2 SGB IX).

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