09.11.2022 | Presseinfo Nr. 53

Ausbildungsmarktbilanz 2021/22 - in der Seenplatte

„Das für mich wichtigste Resümee ist: Das System der dualen Ausbildung hat sich auch in der Krise bewährt. Die enge Zusammenarbeit der Partner in der Seenplatte ist auch weiterhin wichtig bei der Bewältigung der Krisen. Die Unternehmen investieren trotz wirtschaftlich unsicherer Zeiten in Ausbildung. Die zentrale Herausforderung bleibt, die angebotenen Ausbildungsplätze und die Ausbildungswünsche der jungen Leute in Einklang zu bringen“, sagte Agenturchef Thomas Besse heute (09.11.2022) bei der Vorstellung der Bilanz des Berufsberatungsjahres 2021/22 in Waren (Müritz) – bei MEDICLIN Müritz-Klinikum. 

Neubrandenburg / Waren (Müritz): Die Corona-Pandemie hat die Situation auf dem Ausbildungsmarkt in der Seenplatte zeitweise deutlich erschwert: Viele Betriebe waren im Zuge der zur Bekämpfung der Corona-Pandemie ergriffenen Maßnahmen durch phasenweise Einschränkungen wie bspw. Betriebsschließungen, gestörte Lieferketten oder Umsatzeinbrüche betroffen. Zusätzlich waren für Jugendliche auch die Suche nach einem Ausbildungsplatz und die Berufsorientierung eingeschränkt, weil Berufsorientierung und das Absolvieren von Betriebspraktika durch Betriebsbeschränkungen nur eingegrenzt möglich waren. Viele Ausbildungsmessen fielen aus oder mussten auf digitale Formate ausweichen.

Von Oktober 2021 bis September 2022 haben sich insgesamt 1.337 Jugendliche bei der Neubrandenburger Arbeitsagentur, den beiden Jobcentern im Landkreis und im JugendserviceMSE gemeldet und bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz beraten lassen. Das sind 35 oder 2,7 Prozent mehr als im letzten Jahr. Im gleichen Zeitraum wurden 1.902 Lehrstellen gemeldet. Das sind 103 oder 5,7 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Zur Lage auf dem Ausbildungsstellenmarkt in der Mecklenburgischen Seenplatte stellt Neubrandenburgs Arbeitsagenturchef fest: „Trotz Corona-Pandemie, Krieg in der Ukraine, steigende Energie- und Rohstoffpreise, Materialengpässe und hoher Inflation hat sich die Lage am Ausbildungsmarkt für die Jugendlichen weiter verbessert. Für die Unternehmen - gerade für kleinere - werden die Probleme aber auch größer. Viele Lehrstellen blieben unbesetzt.“  

Besse betont: „Die beruflichen Chancen auf einen Ausbildungsplatz sind so gut wie schon lange nicht mehr.“ Ende September gab es 247 freie Ausbildungsstellen und damit 27,3 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Außerdem gab es zum Stichtag 30.09.2022 mehr freie Ausbildungsstellen als unversorgte Bewerberinnen und Bewerber. 90 junge Menschen waren noch auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz.

Gefühlt sei für viele Menschen die Corona-Pandemie bereits Geschichte. Doch auf dem Ausbildungsmarkt habe sie auch in diesem Jahr noch eine gewichtige Rolle gespielt: „Zum Teil sind die wegweisenden Entscheidungen für oder gegen eine Bewerbung auf eine Ausbildungsplatz noch im vergangenen Jahr getroffen worden. Viele Schülerinnen und Schüler haben damals die Weichen gestellt, was sich in diesem Jahr und in der Bilanz zum Ausbildungsmarkt, die wir jetzt ziehen, spürbar ausgewirkt hat“, sagte Besse.

Für den Arbeitsagenturchef zeigen die Daten: „Neben der allgemeinen demografischen Entwicklung wollen immer mehr Jugendliche nach dem mittleren Schulabschluss lieber höhere Abschlüsse erreichen, viele auch studieren.“ „Auch dadurch wird es für Unternehmen und Betriebe immer schwieriger“ - sagte Besse - „Ausbildungsstellen zu besetzen.“  

An die Abiturienten gerichtet sagte Besse: „Eine duale Ausbildung kann auch für junge Menschen mit Abitur eine tolle Alternative zum Studium sein - und die Karrierechancen mit einer Ausbildung sind vielfältig - nahezu perfekt. Man kann seinen Meister machen, einen Betrieb übernehmen oder einen Fachwirt aufsetzen.“  „Junge Menschen sollen den Weg einschlagen“ - sagt Besse - „der zu ihnen und ihren Talenten passt.“ 

Die passgenaue Vermittlung ist und bleibt eine der zentralen Herausforderungen auf dem Ausbildungsmarkt
Für Arbeitsagenturchef Besse „ist und bleibt die passgenaue Vermittlung - also die angebotenen Ausbildungsplätze und die Ausbildungswünsche der jungen Leute in Einklang zu bringen - eine der zentralen Herausforderungen auf dem Ausbildungsmarkt.“ Wir stellen fest, dass sich die Jugendlichen für die immer gleichen Berufe interessieren. 38,7 Prozent der Bewerberinnen und Bewerber konzentrierte sich auf die zehn beliebtesten Ausbildungsberufe.  Hier ist von unserer Seite eine gute Beratung wichtig, denn weniger bekannte Alternativen gibt es zu jedem Beruf. Allerdings müssen auch die Ausbildungsbewerber mehr Flexibilität zeigen, sowohl was den Wunschberuf angeht, als auch die räumliche Mobilität. Viele Unternehmen haben ihre Anforderungsmerkmale schon deutlich gesenkt und investieren auch in Nachhilfe während der Ausbildungszeit. Es ist allerdings zu befürchten, dass sich Unternehmen, die über Jahre keine qualifizierten Bewerber gefunden haben, aus der Berufsausbildung zurückziehen. Das gilt es zu verhindern.“ Besse rät daher den Unternehmen, bei der Auswahl ihrer Azubis Kompromisse einzugehen, und Jugendlichen mit ungeraden Lebensläufen eine Chance auf Ausbildung zugeben.

Nachvermittlung bietet noch Chancen für Ausbildungsbeginn
Auch in den kommenden Wochen besteht noch die Möglichkeit, eine Ausbildung zu beginnen. Jugendliche in der Seenplatte können durch die Nachvermittlungsaktionen der Arbeitsagentur und der Kammern noch später ihre Ausbildung beginnen.

„Die Chancen für alle, die noch auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind, stehen nicht schlecht. Es gibt noch Ausbildungsangebote, die in diesem Jahr besetzt werden sollen. Auch in den nächsten Wochen ist noch Bewegung am Ausbildungsmarkt“, sagte Besse.

Ausblick
Die Nachwirkungen der Corona-Virus-Pandemie werden auf dem Ausbildungsmarkt auch im kommenden Jahr noch spürbar sein. Die gesunkene Zahl der Bewerberinnen und Bewerber deutet daraufhin, dass Jugendliche durch Corona zunächst keine Ausbildung aufgenommen haben. „Wir rechnen damit, dass im kommenden Jahr verstärkt junge Menschen auf uns zukommen werden. Darauf freuen wir uns. Es ist uns wichtig, jeden einzelnen Jugendlichen auf dem Weg in eine Ausbildung zu unterstützen“, so Thomas Besse mit Blick auf das nächste Jahr.    

Diejenigen, die noch nicht in der Berufsberatung waren, legte Besse nahe: „Besorgen Sie sich einen (Video-)Beratungstermin. Das geht am schnellsten mit einem kostenfreien Anruf im Service Center der Arbeitsagentur unter 0800 4 5555 00.“ Das Service Center der Arbeitsagentur ist montags bis freitags von 8.00 Uhr bis 18.00 Uhr zu erreichen.

Unsere digitalen Services erreichen Sie ganz einfach und flexibel online: www.arbeitsagentur.de/eservices

Entwicklung im Überblick

  • 1.902 gemeldete Ausbildungsstellen; 103 mehr als im Vorjahr
  • 1.337 Bewerber*innen; 35 mehr als im Vorjahr
  • 247 unbesetzte Berufsausbildungsstellen, 53 mehr als im Vorjahr
  • 90 nicht vermittelte Bewerber*innen; 11 mehr als im Vorjahr