September-Arbeitslosigkeit: Zahl der Arbeitslosen erneut gesunken

„Der Arbeitsmarkt im Seenplattelandkreis erlebte im September die übliche saisonale Belebung nach der Sommerpause - mit einem Rückgang der Arbeitslosenzahlen um 256 Personen - trotz der herausfordernden Umstände. Allerdings sind erste Anzeichen einer Konjunkturflaute erkennbar, wenn auch nicht deutlich spürbar. Auffällig war jedoch, dass die Zahl derjenigen, die aus der Arbeitslosigkeit heraus eine neue Beschäftigung fanden, in noch keinem September so niedrig war wie in diesem Jahr. Dies spiegelt die veränderte Dynamik auf dem Arbeitsmarkt wider und deutet darauf hin, dass Unternehmen bei Neueinstellungen von arbeitslosen Personen vorsichtiger agieren. Dennoch zeigt sich der Arbeitsmarkt weitgehend solide, während wir in den Herbst übergehen“, sagte der Chef der Neubrandenburger Arbeitsagentur, Thomas Besse, heute anlässlich der monatlichen Pressekonferenz.

29.09.2023 | Presseinfo Nr. 43

Neubrandenburg | Im September waren in der Seenplatte 256 Menschen weniger arbeitslos gemeldet als im August. Insgesamt 10.823. Das entspricht einer Arbeitslosenquote von 8,4 Prozent. Im Vergleich zum September des Vorjahres 201 Arbeitslose oder 2 Prozent mehr.

Thomas Besse: „Der Arbeitsmarkt im Seenplattelandkreis erlebte im September die übliche saisonale Belebung nach der Sommerpause, mit einem Rückgang der Arbeitslosenzahlen um 256 Personen, trotz der herausfordernden Umstände. Allerdings sind erste Anzeichen einer Konjunkturflaute erkennbar, wenn auch noch nicht deutlich spürbar. Auffällig war jedoch, dass die Zahl derjenigen, die aus der Arbeitslosigkeit heraus eine neue Beschäftigung fanden, in noch keinem September so niedrig war wie in diesem Jahr (Durchschnitt der vergangenen sieben Jahre: 806). Dies spiegelt die veränderte Dynamik auf dem Arbeitsmarkt wider und deutet darauf hin, dass Unternehmen bei Neueinstellungen von arbeitslosen Personen vorsichtiger agieren. Dennoch zeigt sich der Arbeitsmarkt weitgehend solide, während wir in den Herbst übergehen.“

In Anbetracht der Spätsommerbelebung am Arbeitsmarkt äußerte sich Besse vorsichtig optimistisch: " Besonders erfreulich ist der überproportionale Rückgang der Jugendarbeitslosigkeit[1], die im Vergleich zum Vormonat um 85 Personen oder 7 Prozent gesunken ist. Insbesondere junge Menschen, die nach ihrer Ausbildung vorübergehend arbeitslos waren, haben nun wieder eine Arbeitsstelle gefunden. Dies zeigt, dass Unternehmen die Gelegenheit genutzt haben, engagierte junge Fachkräfte einzustellen.“

Trotz der aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen, über die Unternehmen aufgrund des konjunkturellen Gegenwinds berichten, spiegelt sich dieser bisher nur vereinzelt in den Arbeitsmarktzahlen wider. "Wir werden genau beobachten, ob die Herbstbelebung, auf die die ersten Anzeichen im September hindeuten, anhält. Im September verzeichneten wir einen erfreulichen Anstieg von 24 Prozent bei denjenigen, die erfolgreich aus der Arbeitslosigkeit heraus eine neue Beschäftigung gefunden haben. Gleichzeitig sank die Zahl derer, die sich nach dem Verlust ihres Arbeitsplatzes neu oder erneut arbeitslos melden mussten, um 21 Prozent. Beide Entwicklungen tragen zu einer gesteigerten Dynamik auf dem Arbeitsmarkt im September bei", erklärte Besse. Er fügte hinzu: "Im Frühjahr gab es eine gewisse Zurückhaltung bei Neueinstellungen, was zu einer geringeren Dynamik auf dem Arbeitsmarkt führte. Jetzt, im Spätsommer, sehen wir jedoch eine leichte Belebung, was uns verhalten optimistisch stimmt."

Mit Blick auf die kommenden Monate äußerte der Arbeitsagenturchef: „Für das kommende Winterhalbjahr erwarten wir aufgrund saisonaler Gegebenheiten einen üblichen Anstieg der Arbeitslosenzahlen. Darüber hinaus gestaltet es sich derzeit als äußerst herausfordernd, die Auswirkungen der wirtschaftlichen Lage auf den Arbeitsmarkt in den nächsten Monaten verlässlich einzuschätzen. Daher ist der Umfang dieser Veränderungen aktuell nicht seriös einzuschätzen. Diese Prognose ist auch deswegen besonders herausfordernd, da Unternehmen trotz erheblicher Belastungen viel tun, ihre Fachkräfte zu halten. Besse unterstrich: „Unsere Analyse der Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt in der Seenplatte basiert ausschließlich auf Fakten, nicht auf subjektiven Einschätzungen.“ 

Arbeitsmarktsituation von langzeitarbeitslosen Menschen
Im September waren 10.823 Menschen im Landkreis der Mecklenburgischen Seenplatte arbeitslos. Darunter 4.662 Männer und Frauen - die ein Jahr oder länger auf arbeitslos sind – sogenannte Langzeitarbeitslose. Damit war jeder zweite Arbeitslose langzeitarbeitslos. Neun von zehn beziehen Bürgergeld.

Thomas Besse: „Mit Beginn der Pandemie sind die Jobchancen von langzeitarbeitslosen Menschen stark zurückgegangen und haben sich seither nicht wieder erholt. Entsprechend liegt die Langzeitarbeitslosigkeit aktuell deutlich über dem Vor-Corona-Niveau und das, obwohl wir insgesamt einen hohen Arbeitskräftebedarf haben.“

So ist der Anteil der Langzeitarbeitslosen im Landkreis in den letzten fünf Jahren merklich gestiegen.  Lag dieser vor der Corona-Pandemie im September 2019 bei 42 Prozent (insgesamt 4.358 Personen), waren es im September dieses Jahres 55 Prozent. Insgesamt 4.662 Personen. Und damit jeder Zweite.

„Wir wissen“ – ergänzte Besse – „dass viele der länger als ein Jahr arbeitslosen Menschen, nicht über ausreichende Qualifikationen verfügen. Die Arbeitsagentur sowie die beiden Jobcenter im Landkreis gehen auf diese Menschen zu und prüfen mit ihnen gemeinsam, mit welchen Qualifizierungen sie wieder Fuß am Arbeitsmarkt fassen können. Unser Ziel ist es, aktiv die berufliche Weiterbildung dieser Menschen zu fördern, bis hin zu vollwertigen beruflichen Abschlüssen. Die Unterstützung und Förderung von Qualifizierung ist uns ein wichtiges Anliegen, denn am Arbeitsmarkt werden vor allem qualifizierte Bewerberinnen und Bewerber gesucht.“

Hohe Nachfrage nach Arbeits- und Fachkräften
Trotz Arbeitslosigkeit bewegt sich die Nachfrage nach neuen Arbeits- und Fachkräften weiterhin auf hohem Niveau. Alleine im September haben unsere Arbeitgeberservice-Teams – von Arbeitsagentur und Jobcentern im Landkreis – 335 freie Arbeitsstellen akquiriert. Insgesamt 2.931.

Besse erklärte: "Es erfreut mich, dass im September fast 650 (642) Personen ihre Arbeitslosigkeit beenden konnten, darunter auch Menschen, die ein Jahr oder länger arbeitslos gemeldet waren. Bedauerlicherweise entspricht dies auch einem Rückgang um 50 Personen oder 7 Prozent zum Vorjahresmonat September.“
Der Arbeitsagenturchef fügte hinzu: „Diese Entwicklung deutet darauf hin, dass Unternehmen nach wie vor Personal einstellen, wenn auch nicht im gleichen Umfang wie vor der Pandemie. Interessanterweise richten sich 7 von 10 Stellenausschreibungen an qualifizierte Fachkräfte mit dualer Ausbildung. Leider verfügen derzeit 4 von 10 (4.787 oder 44 Prozent) der arbeitslos gemeldeten Personen in der Seenplatte nicht über einen beruflichen Abschluss. In dieser Gruppe sehen wir das größte Potenzial, um sie für den Fachkräftemarkt zu qualifizieren und zu fördern."

Arbeitsmarktdaten für Geflüchtete aus der Ukraine[2]
Bis Mitte September wurden 746 arbeitslose Ukrainerinnen und Ukrainer in den Jobcentern betreut. 2 weniger als im August. Und 32 weniger als im September des Vorjahres.

Kurzarbeit sichert Arbeitsplätze und verhindert Arbeitslosigkeit
Nach aktuellen Hochrechnungen befanden sich im Mai 2023 26 Mitarbeitende – aus 4 Unternehmen - in Kurzarbeit. „Das ist kein Vergleich zu den Höhepunkten während der Corona-Pandemie, als meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Mai 2020 Kurzarbeitergeld-Anträge für 25.000 Beschäftigte zu entscheiden hatten“, erinnert sich der Arbeitsagenturchef.

Entwicklung der Arbeitslosigkeit nach Personengruppen
Nach Personengruppen entwickelte sich die Arbeitslosigkeit recht unterschiedlich. Die Spanne der Veränderungen reicht im September von –0,1% bei Frauen bis +11% bei 15- bis unter 25-Jährigen.

Entwicklung der Arbeitslosigkeit nach Rechtskreisen
Im Bereich der Arbeitslosenversicherung nach dem Sozialgesetzbuch III, also bei all denjenigen, die Arbeitslosengeld I erhalten waren im September 3.128 Menschen arbeitslos. 163 weniger als im Vormonat und 85 mehr als im September 2022. Das entspricht einem Anstieg von 2,8 Prozent. Die Zahl der Bezieher von Bürgergeld lag im September bei 7.695 Arbeitslosen. 93 weniger als im August und 116 mehr als im September 2022. Das entspricht einem Anstieg von 1,5 Prozent.

Geldleistungen
Insgesamt 2.966 Personen erhielten im September Arbeitslosengeld, 141 mehr als vor einem Jahr. Die Zahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten in der Grundsicherung für Arbeitsuchende (SGB II) lag im September bei 14.623. Gegenüber September 2022 war dies ein Rückgang von 108 Personen.

Mehr als 2.900 gemeldete freie Arbeitsstellen: Qualifizierte Arbeitskräfte sind gefragt
Im Landkreis der Mecklenburgischen Seenplatte ist die Zahl der offenen Stellen gegenüber dem Vormonat gesunken. Zurzeit gibt es 2.931 freie Arbeitsstellen. 114 weniger als im Vormonat und 150 weniger als im September des Vorjahrs. Die größte Nachfrage gab es im September aus den Bereichen: Baugewerbe (471 freie Stellen im Bestand); Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen (335); verarbeitendes Gewerbe (317); Gesundheits- und Sozialwesen (316); sowie im Gastgewerbe (225).

Unternehmen in der Seenplatte, die noch keinen festen Ansprechpartner haben, erreichen den Arbeitgeberservice telefonisch unter der kostenfreien Arbeitgeber-Service-Rufnummer: 0800 4 5555 20.

Der Arbeitsmarkt in den Dienststellen des Agenturbezirks
Im Agenturbezirk Neubrandenburg entwickelte sich der Arbeitsmarkt im September recht unterschiedlich. Am günstigsten war die Veränderung der Arbeitslosigkeit im Geschäftsstellenbezirk Neustrelitz; dort sank der Bestand an Arbeitslosen gegenüber dem Vorjahresmonat um 6 %. Demgegenüber steht die Entwicklung im Bezirk der Geschäftsstelle Neubrandenburg mit einer Zunahme von 6 %.

Hinweis: Ausbildungsmarkt MV
In diesem Monat veröffentlichen wir keine Ausbildungsmarktdaten. Arbeitsagenturchef Besse wird zum Abschluss des Berufsberatungsjahres am 2. November eine „Bilanz am Ausbildungsmarkt in der Seenplatte“ ziehen.


[1] Jüngere 15 bis unter 25 Jahre

[2] Aufgrund gesetzlicher Änderungen werden ukrainische Geflüchtete seit dem 01.06.2022 durch die Jobcenter betreut. Dies hat einen regional unterschiedlich starken Einfluss auf die Entwicklung der Arbeitsmarktdaten. Anhaltspunkte für die Betroffenheit einer Region sind erhöhte Anstiege im Vorjahresvergleich bei der Zahl der Arbeitslosen (insbesondere im Rechtskreis SGB II, bei Frauen und Ausländern).