01.09.2020 | Presseinfo Nr. 43

Generelle Trendwende am Arbeitsmarkt noch nicht erkennbar

• Arbeitslosigkeit weiterhin auf Vormonatsniveau

• Lichtblicke: Personalnachfrage steigt – weniger Menschen melden sich im August arbeitslos 

• Chancen am Ausbildungsmarkt weiter vorhanden: Bewerbungen lohnen sich - Ausbildungsbeginn auch nach 1. September möglich
 

Der Bestand der Arbeitslosigkeit ist entgegen dem Landestrend gegenüber dem Vormonat nahezu unverändert. Aktuell sind 18.621 Menschen arbeitslos gemeldet, das sind 33 mehr als im Monat Juli. Zum Vorjahr ist ein deutlicher Anstieg der Arbeitslosigkeit zu verzeichnen, da im August 2019 noch 2.881 weniger Menschen arbeitslos waren. Die Arbeitslosenquote liegt, wie im letzten Monat, bei 6,3 Prozent. Vor einem Jahr lag sie noch bei 5,4 Prozent.

Im August haben sich 2.906 Menschen neu arbeitslos gemeldet – im Juli waren es 2904 Menschen. Demgegenüber konnten in diesem Monat 2.870 Menschen ihre Arbeitslosigkeit beenden, 275 mehr als im Vormonat. Im Monat August gab es weniger Zugänge aus Erwerbstätigkeit (-48) und mehr Abgänge in Erwerbstätigkeit (+151), was für eine leichte Entspannung am Arbeitsmarkt spricht.

„Es gibt erste positive Signale, dass der Markt wieder etwas aufnahmefähiger ist. Von einer generellen Trendwende oder gar einem Herbstaufschwung können wir deshalb aber noch nicht sprechen. Wir beobachten weiterhin unterschiedliche Entwicklungen in den Landkreisen unseres Agenturbezirkes. In den Kreisen Prignitz und Ostprignitz-Ruppin sinkt die Arbeitslosigkeit wieder etwas, in Oberhavel ist die Arbeitslosigkeit jedoch erneut um 120 Personen zum Vormonat angestiegen, hier merken wir deutlich, dass der Berliner Arbeitsmarkt noch nicht wieder so aufnahmefähig ist“ so Beate Kostka, Leiterin der Agentur für Arbeit Neuruppin.

Sorge macht, wie in den Vormonaten, der anhaltend hohe Bestand der Jugendarbeitslosigkeit. Aktuell sind in den vier Landkreisen des Agenturbezirkes 2.043 Menschen unter 25 Jahre arbeitslos gemeldet.  

„Die Arbeitssuche gestaltet sich für junge Fachkräfte aktuell komplizierter als in den Vorjahren. Gerade deshalb sollten sich sowohl junge Menschen, als auch die Unternehmen an uns wenden. Wir können beispielsweise mit Weiterbildungen oder Coachings beim Einstieg in den Arbeitsmarkt unterstützen. Wer bisher in Berlin gearbeitet hat, kann sich bei unseren Vermittlungsfachkräften zu den Arbeitsmöglichkeiten in Brandenburg beraten lassen. Wir sind uns sicher, dass der Fachkräftebedarf in der Prignitz, Ostprignitz-Ruppin, dem Havelland oder in Oberhavel bestehen bleibt.“

Kurzarbeit entlastet Arbeitsmarkt weiterhin

Das Instrument Kurzarbeit wird weiterhin genutzt und trägt somit zur Entlastung des Arbeitsmarktes bei. Die Inanspruchnahme hat sich in den letzten Monaten aber deutlich abgeschwächt. Im Agenturbezirk Neuruppin wurden im August 31 neue Anzeigen zu Kurzarbeit gestellt. Im Juli waren es 32 und im März rund 1.600 Anzeigen. Insgesamt wurden seit April in der Agentur für Arbeit Neuruppin rund 5.300 Anzeigen gestellt, rund 49.000 Menschen sind von Kurzarbeit betroffen. Eine abschließende Aussage für wie viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die Unternehmen tatsächlich Kurzarbeit abrechnen, ist erst nach einer Wartezeit von 5 Monaten möglich.

Arbeitgeber fragen stärker Personal nach

Seit Jahresbeginn haben die Unternehmen im Agenturbezirk Neuruppin 7.271 Stellen gemeldet. Das sind 8,7 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Aktuell sind insgesamt 4.832 Arbeitsstellen zu besetzen und damit 503 mehr als im Vormonat.

Die Personalnachfrage ist im Monat August mit 1.298 neu gemeldeten Stellen im Vergleich zum Vormonat um 467 gestiegen.

„Die erhöhte Personalnachfrage bezieht sich vorwiegend auf den Bereich Lager und Logistik und ist auf die Deckung von Saisonbedarfen ausgerichtet. Die Stellenmeldungen der Arbeitnehmerüberlassung liegen weiterhin unter dem Vorjahresniveau. Diese sind ein Indikator für die Personalnachfrage und konjunkturelle Entwicklung. Insgesamt ist damit noch keine generelle Trendwende mit dem moderaten Zugang an Stellen eingeleitet, so Beate Kostka.

Unternehmen in der Region suchen nach Auszubildenden – Bewerbungen lohnen sich weiterhin

Seit dem 1. Oktober 2019 haben sich 2.577 Jugendliche bei der Berufsberatung gemeldet, weil sie eine duale Ausbildung aufnehmen oder studieren wollen. Das sind 105 Jugendliche mehr als im gleichen Zeitraum vor einem Jahr. Die Unternehmen haben bisher 2.668 Ausbildungsstellen gemeldet, 118 mehr als noch im Vorjahreszeitraum.

„Die jungen Menschen und auch Eltern sollten sich nicht entmutigen lassen, die Chancen auf einen Ausbildungsplatz sind gut. Die Jugendlichen können sich über offene Ausbildungsstellen informieren - unter unserer Jobbörse unter www.jobboerse.arbeitsagentur.de sind tolle Ausbildungsangebote veröffentlicht, auch ein Gespräch mit der Berufsberatung ist ein wirklicher Tipp. Für die Landkreise Ostprignitz-Ruppin und Prignitz unter 03391 69 5000, für Oberhavel und Havelland unter 03391 69 4000 ist unsere Berufsberatung telefonisch zu erreichen. Jobbörse und Gespräch lohnen sich: viele Betriebe haben die Bewerbungsfrist verlängert, ein Einstieg ist auch noch nach dem 1. September möglich. Die Unternehmen sehen in der Ausbildung eigener Fachkräfte ihre Zukunft. Und das weiterhin ausgebildet wird: Das zeigen die mehr als 150 eingegangenen Anfragen nach der Ausbildungsprämie“ so die Leiterin der Agentur für Arbeit Neuruppin.

Den ganzen September über beteiligt sich die Agentur für Arbeit mit Ihrer Beratungsdienstleistung der Berufsberatung und als Ausbildungsbetrieb in eigener Sache an der digitalen Ausbildungsmesse https://jobstartdigital.de/.

 

Zahlen, Daten, Fakten
Arbeitsmarkt im Agenturbezirk Neuruppin

Beschäftigte

Mit Datenstand Dezember 2019 sind 168.616 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt, ein Plus von 2,1 Prozent oder 3.436 Personen im Vergleich zum Dezember 2018.

Stellen

Seit Jahresbeginn wurden der Agentur für Arbeit von den Unternehmen 7.271 Stellen gemeldet, im Vergleich zum Vorjahr ein Rückgang um 690 Stellen. Die TOP 5 Branchen mit dem größten Personalbedarf seit Jahresstart sind die Zeitarbeit, das Verarbeitende Gewerbe, der Handel und die öffentliche Verwaltung/ Sozialversicherung sowie das Gesundheits- und Sozialwesen.

Arbeitslose

Im August 2020 waren 18.621 Personen arbeitslos gemeldet, 33 mehr als im Juli. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Arbeitslosigkeit um 2.881 Personen gestiegen. 7.870 Arbeitslose werden von der Agentur für Arbeit betreut (SGBIII), 10.571 Arbeitslose von den Jobcentern (SGBII).

Arbeitslosenquote

Die Arbeitslosenquote beträgt derzeit 6,3 Prozent und ist im Vergleich zum Vormonat unverändert. Im August 2019 betrug die Arbeitslosenquote noch 5,4 Prozent.

Entwicklung in den Landkreisen

Die Zahl der Arbeitslosen ist in allen Landkreisen bis auf den Landkreis Oberhavel im Vergleich zum Vormonat gesunken. Die Spreizung bei der Arbeitslosenquote reicht von 5,7 Prozent im Landkreis Oberhavel bis 8,1 Prozent im Landkreis Prignitz.

Unterbeschäftigung

Im August umfasste die Unterbeschäftigung (ohne Kurzarbeit) 23.823 Personen. Die Unterbeschäftigungsquote liegt weiterhin bei 8,0 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Vor einem Jahr betrug sie 7,5 Prozent.

Arbeitsmarktpolitische Maßnahmen

In Aktivierungsmaßnahmen befinden sich derzeit 607 Personen. An einer beruflichen Weiterbildung nehmen aktuell 745 Personen teil. In Arbeitsgelegenheiten befinden sich derzeit 982 Personen.

Um diejenigen Menschen zu unterstützen, die schon besonders lange ohne Arbeit sind, hat der Gesetzgeber zum 1. Januar 2019 das Teilhabechancengesetz in Kraft gesetzt. Aktuell nehmen 250 Personen an diesem Programm teil.

An Maßnahmen der Fremdförderung nehmen aktuell 368 Personen teil. Das sind vor allem Menschen, die an Integrationskursen des BAMF, des Landes aber auch an ESF-Programmen, zum Beispiel für Langzeitarbeitslose, teilnehmen.