25.03.2021 | Presseinfo Nr. 12

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort! Alles eine Frage der Logistik?

Ein Erfahrungsbericht, wie Ausbildung und Studium auch in Pandemiezeiten erfolgreich gelingen kann.
 

Das anhaltende Pandemiegeschehen stellt Betriebe vor Herausforderungen bei der Durchführung der Ausbildung und des dualen Studiums. Kurzarbeit, Homeoffice und Betriebsschließungen erschweren die Betreuung von Auszubildenden und Studierenden sowie das Lernen im Betrieb. Angesichts unsicherer Geschäftserwartungen sind Betriebe zum Teil zurückhaltender mit ihrem Ausbildungs- und Studienangebot. Auch die Übernahme der Nachwuchskräfte nach erfolgreichem Abschluss ist nicht in jedem Betrieb sicher.

Wie man sich als Unternehmen gut auf die geänderten Anforderungen einstellen kann, welche Maßnahmen konkret ergriffen wurden und was auch in Zukunft beibehalten werden soll, dazu berichtet Frau Nancy Weyrich vom zur Rhenus Gruppe gehörenden Logistikunternehmen RCL Velten. Hier ist es im vergangenen Jahr trotz Pandemie gelungen, die Auszubildenden und Studierenden erfolgreich zu begleiten.

Inwieweit hatte die Covid-19-Krise Einfluss auf die Anzahl Ihrer Ausbildungsplätze im Ausbildungsjahr 2020/2021 und auf die Übernahme von Nachwuchskräften?

Von Beginn der Pandemie bis zum Sommer 2020 standen wir vor der großen Unsicherheit, nicht einschätzen zu können, wie unsere Kunden, von denen alles abhängt, diese Krise meistern würden und welche Anforderungen in Bezug auf die Pandemiebekämpfung noch auf uns zukommen würden. Wir waren daher im Frühjahr noch vorsichtig mit der Besetzung der Stellen. Im Sommer haben wir dann sehr kurzfristig rekrutiert, als abzusehen war, dass keine größeren Auftragsrückgänge drohten, sondern im Gegenteil an unserem Standort sogar Wachstum zu verzeichnen war. Eine Übernahme unserer Auszubildenden konnten wir daher gewährleisten.

Wie verlief der Bewerbungs- und Einstellungsprozess im vergangenen Jahr im Allgemeinen? Suchen Sie noch Bewerber/innen für das Ausbildungsjahr 2021?

Der gesamte Bewerbungs- und Einstellungsprozess war 2020 viel später als sonst. Das lag sicher auch daran, dass den Schüler/innen die Orientierung durch Messen oder auch Schülerpraktika fehlte. Darauf haben wir uns eingestellt und auch kurzfristig Praktika ermöglicht. Dadurch konnten wir unsere Ausbildungsstellen besetzen. Für das Ausbildungsjahr 2021 haben wir deutlich mehr Bewerbungen erhalten und unsere Stellen zum großen Teil jetzt schon besetzt.

Wie lief der Recruiting Prozess ganz konkret ab? Welche Möglichkeiten auf der Suche nach geeigneten Bewerber/innen haben Sie genutzt?

Wir haben unsere Stellen auf den einschlägigen Suchportalen (Agentur für Arbeit, IHK, ausbildung.de…) geschaltet und gezielt Praktika angeboten. Die erhaltenen Bewerbungen steuern wir über eine Bewerbermanagementsoftware. Dies ermöglicht uns eine zügige Bewertung und Korrespondenz. Die Vorstellungsgespräche haben wir per Video-Interview durchgeführt und tatsächlich nur gute Erfahrungen gemacht. Natürlich gab es ein paar technische Anlaufschwierigkeiten, es konnten aber alle geplanten Termine stattfinden. Nach einer Vorauswahl haben wir zu einem kurzen Vor-Ort-Termin mit Maske und Abstand eingeladen, um insbesondere den Bewerber/innen für die Fachkraft für Lagerlogistik die Möglichkeit einzuräumen, sich unser Lager aus der Nähe anzusehen und einen Eindruck zu gewinnen.

Wenn Beschäftigte in Kurzarbeit oder im Homeoffice sind, kann es herausfordernd sein, die Ausbildung angemessen fortzuführen und die Auszubildenden gut zu betreuen. Wie wurde dies in Ihrem Unternehmen gelöst?

Entscheidend bei unseren Planungen war und ist immer, neben den vielen anderen Anforderungen auch unsere Ausbildungsqualität sicher zu stellen. Das war und ist insbesondere für die Ausbildung der Kaufleute und der Studentinnen und Studenten eine große Herausforderung. Azubis und Studierende, die bereits eingearbeitet sind und schon selbständig Aufgaben erledigen können, arbeiten teilweise im Homeoffice und werden über E-Mails, Online-Meetings oder Telefonate betreut.

Für alle anderen haben wir mit Büro-Einsatzplänen (versetzte Arbeitszeiten, Wechsel zwischen Präsenz und Homeoffice, Nutzung von Besprechungsräumen als Büro…), Trennwänden und Masken gewährleistet, dass eine Betreuung und Ausbildung vor Ort weiterhin möglich sind.

Welche Erkenntnisse konnten sie gewinnen, die zu Veränderungen in den Prozessen führten und auch „nach Corona“ fortgeführt werden?

Wir haben auf jeden Fall die Erkenntnis gewonnen, dass man mit den Video-Interviews sehr gut eine Vorauswahl treffen kann. Das werden wir durchaus beibehalten. Insbesondere Bewerber/innen, die eine weitere Anreise haben, kann man so schnell und unkompliziert kennenlernen und vorab wichtige Details zur Ausbildung klären.

Eine persönliche Begegnung zur Endauswahl ist für uns unerlässlich, um den bereits gewonnen Eindruck noch einmal zu schärfen. Außerdem wird das mobile Arbeiten, da wo es möglich ist, weiter fortgeführt. Und wir haben festgestellt, was man alles virtuell erledigen kann. Hierzu gehört neben den üblichen Besprechungen z.B. auch das Vermitteln von Wissen per Online-Schulung.

Welche Unterstützungsmöglichkeiten wünschen Sie sich, um bei der Bewerbergewinnung erfolgreich zu sein?

In unserer Branche ist es wichtig, das Interesse für die Logistik zu wecken. Bei unseren Gesprächen merken wir immer wieder, dass vielen Interessierten die weitreichenden Dimensionen und die Vernetzungen in die unterschiedlichen Wirtschaftszweige gar nicht bewusst sind. Eine noch engere Einbindung der Berufsberater/innen und der WAT-Lehrer/innen der Schulen ist wünschenswert, um Ihnen aufzuzeigen, wie vielfältig die Berufe in der Logistik sind.

Frau Weyrich, kurz zusammengefasst, was ist Ihr Geheimnis einer guten Nachwuchskräftearbeit?

Wir haben im letzten Jahr gelernt, wie wichtig es ist, schnell und flexibel zu sein. Viele gute Bewerbungen treffen frühzeitig ein und die Jugendlichen erwarten zurecht ein schnelles Feedback. Hier haben wir die direkte Rückmeldung von den Jugendlichen bekommen, dass wir im Beantworten und Entscheiden schneller als andere sind. Eine frühe Zusage gibt besonders den Schulabsolventinnen und Schulabsolventen das gute Gefühl, sich in Ruhe auf den erfolgreichen Schulabschluss konzentrieren zu können und nicht nebenbei noch weitere Bewerbungen schreiben zu müssen.

Das erfolgreiche Absolvieren einer Ausbildung hängt von vielen Faktoren ab, sicher sind eine gute Planung, aber auch die Flexibilität bei Veränderungen wichtig, genauso aber auch gut ausgebildete und motivierte Fachkräfte, die unseren Azubis zum Erfolg verhelfen. Nicht zu unterschätzen ist eine regelmäßige Betreuung der Azubis, z.B. mit Gesprächen, in denen es um Entwicklungswünsche geht oder wie es in der Berufsschule läuft. Das ist in „Corona-Zeiten“ nicht einfach, aber wir versuchen es, manchmal eben auch per WhatsApp, wenn es für die Azubis einfacher ist.

Das Logistikunternehmen RCL Velten, Teil der weltweit agierenden Rhenus Gruppe, bildet jährlich am Standort Velten in den Bereichen Fachkraft Lagerlogistik und Kaufmann/Kauffrau Spedition und Logistikdienstleistung aus. Zudem besteht die Möglichkeit des dualen Studiums Bachelor of Arts Spediti