18.06.2019 | Presseinfo Nr. 33

Weltflüchtlingstag am 20. Juni 2019

„Die aktuellen Beschäftigten- und Arbeitslosenzahlen zeigen deutlich, dass auch geflüchtete Menschen von der guten Arbeitsmarktentwicklung der letzten Jahre profitiert haben. So ist die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung von Menschen aus den nichteuropäischen Herkunftsländern im Vergleich zum Vorjahr um fast 30 Prozent gestiegen, während die Beschäftigung insgesamt nur um 1,8 Prozent zugenommen hat. Bezogen auf das Jahr 2015 ist für diesen Personenkreis die Beschäftigung – von niedrigem Niveau ausgehend – um den Faktor 6,5 gestiegen, für alle Beschäftigten betrug der Zuwachs 4,1 Prozent. Gleichzeitig ist die Arbeitslosigkeit dieser Menschen im Mai 2019 im Vergleich zum Vorjahresmonat um 6,6 Prozent gesunken und damit deutlich stärker als insgesamt. Hier beträgt der Rückgang 3,1 Prozent. Die Erfahrung zeigt aber auch, dass die Arbeitsmarktintegration aufgrund fehlender Sprachkenntnisse, geringer Anteile von Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung sowie rechtlicher und institutioneller Hürden sowie kultureller Unterschiede langsamer als bei anderen Personengruppen erfolgt.“ - so Cornelie Schlegel – Leiterin der Neuruppiner Arbeitsagentur.

Im gesamten Agenturbezirk sind zurzeit 897 geflüchtete Menschen arbeitslos gemeldet, die im Wege des Zuzugs aus den nichteuropäischen Kriegs- und Krisen-Ländern nach Deutschland gekommen sind. Das sind 63 oder 6,6 Prozent weniger als vor einem Jahr. Mit einem Anteil von 60 Prozent kommen die meisten arbeitslos gemeldeten Menschen aus Syrien/Arabische Republik, jeder fünfte kommt aus Afghanistan.

Von allen Arbeitslosen mit Fluchthintergrund werden 912 Menschen oder 83 Prozent von den Jobcentern betreut, 190 von der Agentur für Arbeit Neuruppin. Bezogen auf alle 1.728 arbeitslosen Ausländer gehört also jeder zweite diesem Personenkreis an.

Am stärksten ist die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung für geflüchtete Menschen aus Syrien/Arabische Republik (+ 62,6 Prozent) und aus Afghanistan (+ 41,8 Prozent) gestiegen. Die meisten geflüchteten Menschen arbeiten in Brandenburg auf Helferebene im Gastgewerbe, der Zeitarbeit und im Logistikbereich. Hier ist aber zu beachten, dass es sich oft um Menschen handelt, die schon länger in Deutschland leben.

Gleichzeitig sank die Arbeitslosigkeit für Flüchtlinge aus Syrien/Arabische Republik im Mai 2019 um fast 14 Prozent, während sie für Menschen aus Afghanistan um über 14 Prozent anstieg.

Die Anzahl der Teilnehmenden an Sprachkursen nimmt kontinuierlich ab. Aktuell sind es noch 784 Personen, die an Integrations- bzw. sonstigen Sprachkursen teilnehmen, 254 oder knapp 25 Prozent weniger als im Mai vor einem Jahr.

Weitere 292 Personen nehmen aktuell an Maßnahmen zur Verbesserung ihrer beruflichen Eingliederungschancen teil. Darunter sind 80 Personen, die an einer Aktivierungsmaßnahme, 77 an einer Maßnahme der Berufswahl und Berufsausbildung sowie 36 an Weiterbildungsmaßnahmen teilnehmen. Für weitere 80 wird ein Zuschuss zur Aufnahme einer Erwerbstätigkeit gewährt.

Die Anzahl junger geflüchteter Ausbildungsbewerberinnen und Bewerber aus den nichteuropäischen Asylherkunftsländern betrug im Mai 2018 insgesamt 65 Personen. Aktuell sind 43 von ihnen noch unversorgt. Das entspricht in etwa dem Niveau des Vorjahresmonats. Damals waren 57 junge Menschen gemeldet, 40 waren noch unversorgt.

Der sofortige Einstieg geflüchteter Jugendlicher in eine Ausbildung wird fast immer durch fehlende Sprachkenntnisse erschwert. Insbesondere die Vermittlung der theoretischen Inhalte der Ausbildung setzt angemessene Sprachkenntnisse voraus. Grundsätzlich liegt daher zunächst der Schwerpunkt auf der Teilnahme an Integrations- und weiterführenden Sprachkursen.

„Nachdem die Mehrheit der geflüchteten Menschen bereits an Sprach- und Integrationskursen teilgenommen hat, kommt es jetzt darauf an, die für den regionalen Arbeitsmarkt benötigten berufsfachlichen Kenntnisse und berufsbezogenen Sprachkenntnisse auszubauen. Das gelingt dann erfolgreich, wenn Arbeitsagentur und Jobcenter in enger Abstimmung mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge sowie den vielen lokalen Netzwerken handeln. Gerade der von vielen beklagte Fach- und Arbeitskräftemangels sollte von allen Akteuren als Chance für die Integration geflüchteter Menschen gesehen werden“ fasst Cornelie Schlegel zusammen.