31.07.2019 | Presseinfo Nr. 41

Ferienbeginn lässt Arbeitslosigkeit steigen

Der Anstieg der Arbeitslosigkeit im Juli ist nicht überraschend und vor allen Dingen auf saisonale Gründe zurückzuführen.

„Der Anstieg der Arbeitslosigkeit im Juli ist nicht überraschend und vor allen Dingen auf saisonale Gründe zurückzuführen. Insbesondere vor den Sommerferien melden sich junge Menschen nach Ende ihrer schulischen oder betrieblichen Ausbildung beziehungsweise ihres Studiums arbeitslos, Bildungsmaßnahmen enden zu Beginn der Ferienzeit und Einstellungen werden von Arbeitgebern auf die Zeit nach den Betriebsferien verschoben“ bewertet Cornelie Schlegel – Leiterin der Neuruppin Arbeitsagentur – die Entwicklungen.

Aktuell sind im Agenturbezirk Neuruppin 16.027 Menschen arbeitslos gemeldet, 453 mehr als im letzten Monat und 1.243 weniger als im Juli 2018. Die Arbeitslosenquote ist zum Vormonat um 0,2 Prozentpunkte angestiegen und liegt jetzt bei 5,5 Prozent. Im Juli 2018 betrug die Arbeitslosenquote noch 5,9 Prozent. Die Arbeitslosigkeit im Rechtskreis SGB III steigt zum Vormonat um 324 auf 5.577 arbeitslose Menschen und im Rechtskreis SGB II um 129 auf 10.450 Arbeitslose.

Insgesamt haben im Juli 963 Menschen eine Beschäftigung am 1. Arbeitsmarkt aufgenommen, im Monat Juni waren es 112 Menschen mehr. Wie in den vergangenen Monaten fanden insbesondere Arbeitslose mit Verkehrs- und Logistikberufen, Verkaufsberufen und Berufen der Unternehmensorganisation, Buchhaltung, Recht und Verwaltung einen neuen Arbeitsplatz.

Die Personalnachfrage liegt unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums. In Juli sind 932 Stellen neu gemeldet worden. Aktuell sind 4.559 Stellen vakant, 4 von 5 gemeldeten Stellen sind Angebote für Fachkräfte.

Die Arbeitskräftenachfrage ist insbesondere in der Zeitarbeit, im Handel, Verarbeitendem Gewerbe, öffentlichen Dienst und dem Gesundheits- und Sozialwesen weiterhin hoch. Fast jede fünfte seit Jahresbeginn gemeldete Stelle entfällt auf die Zeitarbeit. Während im letzten Jahr 23,8 Prozent der gemeldeten Stellen auf die Zeitarbeit entfielen, sind es jetzt noch 19,8 Prozent. Insgesamt mehr als ein Drittel der zu besetzenden Stellen werden von Handel; Instandhaltung und Reparatur v. Kfz, Verarbeitendem Gewerbe sowie öffentlicher Verwaltung gemeldet.

Weiterhin überdurchschnittlich günstig entwickelt sich die Langzeitarbeitslosigkeit. Im Vergleich zum Vorjahr sind 944 oder 13,9 Prozent weniger Menschen langzeitarbeitslos. Mit 5.843 Arbeitslosen beträgt der Anteil 36,5 Prozent, vor einem Jahr betrug der Anteil noch 39,9 Prozent. Insbesondere Menschen in der Grundsicherung sind davon betroffen. Etwa Neun von Zehn werden von einem Jobcenter betreut. Um diejenigen Menschen zu unterstützen, die schon besonders lange ohne Arbeit sind, hat der Gesetzgeber zum 1. Januar 2019 das Teilhabechancengesetz in Kraft gesetzt. Durch Lohnkostenzuschüsse und individuelles Coaching sollen Langzeitarbeitslose wieder am Arbeitsleben teilnehmen können. Mit dem Instrument der „Teilhabe am Arbeitsmarkt“ sollen Personen, die über 25 Jahre alt sind und in den letzten sieben Jahren mindestens sechs Jahre Arbeitslosengeld II bezogen haben, gefördert werden. „Das Instrument wird von Arbeitgebern zunehmend genutzt. Im Agenturbezirk Neuruppin können bereits 111 Menschen von dieser Förderleistung profitieren, 56 im Havelland und 36 in der Prignitz“ resümiert Schlegel.

„Die Nachfrage der Arbeitgeber insbesondere nach Fachkräften ist anhaltend hoch. Deswegen gehen wir davon aus, dass die Arbeitslosigkeit nach den Sommerferien wieder zurückgehen wird. Die konjunkturelle Eintrübung wirkt sich aktuell noch nicht erkennbar auf den regionalen Arbeitsmarkt aus. Wir werden die weiteren Entwicklungen genau beobachten. In den kommenden Wochen werden wir intensiv mit den jungen Ausbildungsabsolventen arbeiten, um den Start in die berufliche Zukunft bestmöglich zu unterstützen. Das sollte in Anbetracht des von vielen Unternehmen reklamierten Fachkräftemangels möglich sein“ gibt Schlegel einen Ausblick.

 

Ausbildungsmarkt

Seit Beginn des Berichtsjahres am 1. Oktober 2018 haben sich 2.331 junge Menschen gemeldet, die auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind. Dem stehen insgesamt 2.504 zu besetzende Ausbildungsstellen gegenüber. Aus Bewerbersicht haben sich damit rechnerisch betrachtet die Chancen auf eine Ausbildungsstelle weiter verbessert.  Allerdings ist es für eine abschließende Bewertung noch zu früh, da der Ausbildungsmarkt noch stark in Bewegung ist.

Von allen gemeldeten Jugendlichen sind bereits 1.467 versorgt. 875 sind in eine Ausbildung eingemündet, 138 Jugendliche haben sich in Erwerbstätigkeit abgemeldet, 180 besuchen weiter die Schule oder beginnen ein Studium. Aktuell stehen damit 100 Bewerberinnen und Bewerbern noch 145 Ausbildungsstellen gegenüber. Vor einem Jahr waren es 116.

Damit stellt sich die aktuelle Situation aus Bewerbersicht besser als vor einem Jahr dar.

„Das neue Ausbildungsjahr steht in den Startlöchern. Während einerseits die Unternehmen zunehmend Probleme haben, ihre Ausbildungsstellen – aktuell sind noch 1.250 Ausbildungsplätze frei – zu besetzen, suchen gleichzeitig noch fast 860 junge Menschen einen Ausbildungsplatz. Regionale, berufliche und qualifikatorische Unterschiede werden aber auch in diesem Jahr den Ausgleich am Ausbildungsmarkt erschweren. Jugendliche ohne Ausbildungsplatz sind gut beraten, sich umgehend in der Berufsberatung zu melden. Unsere Beratungsfachkräfte bieten kurzfristig Termine an, um gemeinsam berufliche Perspektiven zu entwickeln und das regionale Ausbildungsplatzangebot vorzustellen.

Mit Beginn des neuen Schuljahres werden wir in der Agentur für Arbeit Neuruppin – wie in allen Agenturen bundesweit - die Lebensbegleitende Berufsberatung vor dem Erwerbsleben einführen. Mit einem erweiterten Angebot gibt die Bundesagentur für Arbeit Antworten auf die Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt. Mit einer modernen Berufsorientierung, die sich inhaltlich an den Erwartungen der jungen Menschen ausrichtet, dem Ausbau des Beratungsangebots an Gymnasien und der höheren Präsenz an Schulen werden die Berufsberatungsfachkräfte den jungen Menschen dort begegnen, wo sie sind. Damit soll der Zugang zum Beratungsangebot unserer Fachkräfte erleichtert werden. Digitalisierung und Automatisierung werden den Arbeitsmarkt in Zukunft verändern. Eine Berufswahl zu treffen, die dies im Blick hat, ist das zentrale Ziel dieses neuen Angebotes. Damit soll auch erreicht werden, dass junge Menschen seltener ihre Ausbildung oder ihr Studium abbrechen“ informiert Schlegel.