03.06.2020 | Presseinfo Nr. 28

Der Arbeits- und Ausbildungsmarkt im Agenturbezirk Neuruppin im Mai – Auswirkungen der Pandemie weiterhin spürbar

- Arbeitslosigkeit steigt im Mai an, Anstieg deutlich abgeschwächt

- Arbeitsaufnahmen und Nachfrage nach Fachkräften auf niedrigem Niveau

- hohe Inanspruchnahme von Kurzarbeit federt noch stärkeren Anstieg der Arbeitslosigkeit ab

- Ausbildungsmarkt weiterhin robust: Chancen für Jugendliche und Betriebe in der Region

Die Arbeitslosigkeit ist gegenüber dem Vormonat und dem Vorjahresmonat erneut gestiegen. Aktuell sind 18.331 Menschen arbeitslos gemeldet, 869 mehr als im letzten Monat und 2.415 mehr als im Mai 2019. Die Arbeitslosenquote beträgt 6,2 Prozent. Vor einem Jahr lag sie noch bei 5,2 Prozent. Damit ist, nach vielen Jahren des kontinuierlichen Absinkens, zum zweiten Mal seit Beginn der Corona-Pandemie, ein Anstieg der Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahresmonat zu verzeichnen.

In der Altersgruppe bis 25 Jahre ist ein deutlicher Anstieg der Arbeitslosigkeit um 36,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen. Mit dieser Entwicklung liegt die Agentur Neuruppin im Brandenburger Trend. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit fällt deutlich moderater als noch im April 2020 aus. Viele Firmen sind weiterhin bemüht, ihre Fachkräfte zu halten und nutzen die Möglichkeit der Inanspruchnahme von Kurzarbeit. Dieses Vorgehen hat in den letzten drei Monaten im Wesentlichen dazu beigetragen, Schlimmeres zu verhindern.

„Sorge bereitet uns der hohe Zugang an Jugendlichen, die entweder gerade erst begonnen hatten zu arbeiten oder kurz davor stehen ihre Ausbildung zu beenden. Diese Entwicklung werden wir dezidiert beobachten, angesichts aber auch weiterhin bestehender demografischer Veränderungen und des sich abzeichnenden Fachkräftebedarfes ist die Übernahme von jungen Menschen eine Investition in die Zukunft“ so Beate Kostka.

Kamen im April 2020 die Arbeitslosmeldungen im Schwerpunkt aus den von der Corona-Krise besonders betroffenen Branchen, stellt sich die Situation im Mai anders dar. Arbeitslosmeldungen erfolgten zwar wie im Vormonat aus dem kaufmännischen Bereich, dem Verkauf/ Einzelhandel sowie Hotel- und Gaststättengewerbe, auffällig sind nun aber auch die Bereiche Verkehr/Logistik, Führen von Fahrzeugen bzw. Transportgeräten sowie der Bereich Maschinen- und Fahrzeugtechnik.

 

Kurzarbeit entlastet den Arbeitsmarkt auch im Mai

Im Agenturbezirk Neuruppin wurden im Mai 320 Anzeigen zu Kurzarbeit gestellt. Im April waren es noch 3.252 Anzeigen und im März rund 1.600 Anzeigen. Damit sind deutlich weniger Anzeigen im Mai eingegangen als noch im April und März 2020. Der überwiegende Teil der Betriebe hat frühzeitig Kurzarbeit angezeigt. Trotz der aktuell geringeren Anzahl an Anzeigen ist die Kurzarbeit in unserer Region unverändert auf hohem Niveau. Seit Verschärfung der Corona-Krise im März wurde für rund 45.000 Personen konjunkturelle Kurzarbeit angezeigt.

„Gemessen an der Gesamtzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten von rund 169.000 Menschen in den Landkreisen Ostprignitz-Ruppin, Prignitz, Oberhavel und Havelland ist das Instrument Kurzarbeit ein wesentlicher Eckpfeiler zur Stabilisierung der Beschäftigung in unserer Region“ weiß Beate Kostka.

Eine abschließende Aussage für wie viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die Unternehmen tatsächlich Kurzarbeit abrechnen, ist jedoch erst nach einer Wartezeit von 5 Monaten möglich.

 

_Stellenmarkt – Arbeitgeber suchen Fachkräfte

Die Personalnachfrage ist rückläufig, aber noch auf hohem Niveau. Seit Jahresbeginn haben die Unternehmen im Agenturbezirk Neuruppin 4.293 Stellen gemeldet. Das sind 914 Stellen oder 17,6 Prozent weniger als vor einem Jahr. Im Vergleich zum Vormonat sank die Nachfrage nach Arbeitskräften um 15,5 Prozent. Aktuell sind insgesamt 4.118 Arbeitsstellen vakant und damit 10,2 Prozent weniger als im Mai 2019. Arbeitsaufnahmen erfolgen weiterhin in den systemrelevanten Berufen wie Verkehr/ Logistik und Verkauf/ Einzelhandel, aber auch im Bereich der Baubranche, dies jedoch mit abgeschwächter Dynamik.

 

Mit „jobsNow“ aus der Krise – Hilfe für Betriebe und Arbeitssuchende

Erste Erfolge

Seit dem Kampagnenstart am 03. April 2020 unterstützt die Agentur für Arbeit Neuruppin Unternehmen, die aufgrund der Corona-Pandemie dringend Arbeitskräfte suchen. Gleichzeitig ist die Agentur für Arbeit Neuruppin für Jobsuchende ansprechbar, die eine Aufstockungsmöglichkeit des Entgelts bei Kurzarbeit oder eine berufliche Perspektive z.B. aufgrund einer Kündigung suchen. Das Ganze schnell, einfach und unbürokratisch über die regionalen Hotlines und die Jobbörse.

„Die Kampagne wird sehr gut angenommen, 83 Stellenangebote wurden erfasst, 43 Stellen konnten bereits besetzt werden. Besonders hervorzuheben ist die Besetzung von 18 Stellen im Logistikbereich. Weiterhin ist es uns gelungen kurzfristige Personalbedarfe in der Lebensmittelproduktion und in der Landwirtschaft zu decken. Mit Erntehelfern konnten Personalengpässe in der Spargelsaison abgefedert werden. Weitere Schwerpunktbranchen waren die Logistik im Havelland, der Einzelhandel in Oberhavel und Ostprignitz-Ruppin und die Pflege in der Prignitz. Darüber hinaus haben sich 98 Jobsuchende gemeldet, die sich für verschiedene Tätigkeiten und Branchen zur Verfügung gestellt haben“ so Beate Kostka.

_Die Kampagne wird in jedem Fall fortgesetzt, Arbeitgeber erreichen die Agentur für Arbeit Neuruppin über folgende Hotline: 0800 4 555520, Arbeitnehmer wählen 03391 69 2000. Weitere Informationen können Sie auf der Internetseite der Agentur Neuruppin https://www.arbeitsagentur.de/vor-ort/neuruppin/startseite finden.

 

Grundsicherung im Jobcenter Prignitz

Die Arbeitslosenquote des Landkreises Prignitz ist in den letzten zwei Monaten von 7,0 Prozent im März, 7,9 Prozent im April auf nun 8,3 Prozent im Mai 2020 gestiegen.

Trotz der grundsätzlich hohen Inanspruchnahme von Kurzarbeit konnten Kündigungen nicht gänzlich vermieden werden, was zu einem Anstieg des Bestandes der Arbeitslosen um 13,3 Prozent zum Vorjahr geführt hat. Ursächlich ist aber auch, dass Qualifizierungs- und Aktivierungsmaßnahmen aufgrund der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie nicht im gewohnten Umfang und als Präsenzmaßnahme durchgeführt werden konnten. Da diese Teilnehmerinnen und Teilnehmer im statistischen Sinne als nicht arbeitslos gelten, wirkte sich das Teilnahmeverbot, welches seinen Ursprung in der Covid 19 – Eindämmungsverordnung hatte, ebenfalls in einer steigenden Arbeitslosenquote aus.

 

Ausbildungsmarkt robust – trotzdem viele Anstrengungen weiterhin notwendig

Seit dem 1. Oktober 2019 haben sich 2.186 Jugendliche bei der Berufsberatung gemeldet, weil sie eine duale Ausbildung aufnehmen, oder studieren wollen. Das sind 121 Jugendliche mehr als im gleichen Zeitraum vor einem Jahr. Die Unternehmen haben bisher 2.380 Ausbildungsstellen gemeldet, 36 mehr als noch im Mai 2019.

„Ziel muss es sein, einen „Ausbildungsjahrgang Corona“ zu verhindern. Die Berufsberatung und der Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit Neuruppin tragen mit Beratung und verlässlichen Unterstützungsleistungen ihren Teil dazu bei, dass Betriebe und Bewerber auch in unsicheren Zeiten sicher zueinanderfinden können. Für die Jugendlichen, die jetzt noch einen Ausbildungsplatz suchen, haben wir seit dem 02. Juni 2020 zwei zusätzliche Hotlines geschalten“ so Beate Kostka.

Die Hotlines sind montags bis mittwochs 10-15 Uhr sowie donnerstags 10-18 Uhr erreichbar.

  • für die Landkreise Ostprignitz-Ruppin und Prignitz: 03391 69 5000
  • für die Landkreise Oberhavel und Havelland: 03391 69 4000

Zusätzlich können Jugendliche in diesem Jahr noch intensiver digitale Angebote nutzen, zum Beispiel das Online-Selbsterkundungstool Check U. Ausbildungsbetriebe sprechen wir verstärkt persönlich an und beraten zur Begründung und Stabilisierung von Ausbildungsverhältnissen, insbesondere auch zu ausbildungsbegleitenden Hilfen (abH). Betriebe, die ausbilden möchten oder Fragen zum Thema Ausbildung haben, können sich gerne an unseren Arbeitgeberservice unter 0800 4 555520 wenden.

„Wir ermutigen die Betriebe, auch in dieser unsicheren Lage, bei der Ausbildung nicht nachzulassen. Denn wir werden nach der Krise wieder über dringend benötigte Fachkräfte reden. Aber auch die Jugendlichen sollten sich nicht von den veränderten Rahmenbedingungen entmutigen lassen: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, sich um einen Ausbildungsplatz zu kümmern und nach dem Schulabschluss eine Ausbildung zu starten“ so Beate Kostka.