30.07.2020 | Presseinfo Nr. 38

Anzeichen für Stabilisierung am Arbeitsmarkt erkennbar

Arbeitslosigkeit steigt im Juli 2020 aber saisonbedingt leicht an

• Nachfrage nach Arbeitskräften zieht langsam wieder an

• Ausbildungsmarkt trotz Pandemie stabil

 

Die Arbeitslosigkeit ist gegenüber dem Vormonat leicht gestiegen. Aktuell sind 18.588 Menschen arbeitslos gemeldet, 294 mehr als im Juni 2020 und 2.561 mehr als im Vorjahresmonat Juli 2019. Die Arbeitslosenquote ist um 0,1 Prozentpunkte auf 6,3 Prozent gestiegen. Vor einem Jahr lag sie noch bei 5,5 Prozent.

Im Juni haben sich noch 2.622 Menschen neu arbeitslos gemeldet, im Juli waren es 2.904 Menschen, also 282 mehr. Demgegenüber konnten im Juli 2.595 Menschen ihre Arbeitslosigkeit beenden, im Juni waren es 2.642.

„Aktuell sehen wir keine Anzeichen für eine erneute, pandemiebedingte Verschlechterung der schwierigen Arbeitsmarktlage, da wir im Juli regelmäßig einen saisonal bedingten Anstieg beobachten können. In den Sommermonaten werden aufgrund von Urlaubszeiten weniger Arbeitsverträge geschlossen und befristete Verträge laufen zu Ferienbeginn aus. Zusätzlich beginnen Aktivierungsmaßnahmen oder Fortbildungskurse erst wieder nach den Sommerferien, so dass die Entlastung des Arbeitsmarktes durch arbeitsmarktpolitische Maßnahmen schwächer ausfällt.“ so Stefan Dirkes, Geschäftsführer operativ der Agentur für Arbeit Neuruppin.

„Der Anstieg der Arbeitslosigkeit betrifft alle Landkreise, ist aber in Oberhavel und im Havelland stärker ausgeprägt, da Beschäftigungsmöglichkeiten am Berliner Arbeitsmarkt fehlen.“ erläutert Stefan Dirkes.

Arbeitslosmeldungen waren im Juli verstärkt aus den Bereichen Verkehr und Logistik, aus der Produktion/Rohstoffgewinnung, dem Verkauf/Einzelhandel sowie aus dem Bereich Gesundheit, Soziales und Erziehung zu verzeichnen.

Sorge macht nach wie vor die Jugendarbeitslosigkeit. Aktuell sind in den vier Landkreisen unseres Agenturbezirkes 1.955 Menschen unter 25 Jahre arbeitslos. Dies entspricht einer Arbeitslosenquote von 8,8 Prozent. Dies ist zum einen auf die 3.375 Zugänge seit Jahresbeginn zurückzuführen, stärker aber noch auf die fehlenden Abgänge. Seit Jahresbeginn konnten 2.545 junge Menschen die Arbeitslosigkeit beenden – 889 weniger als im Vorjahreszeitraum.

Kurzarbeit entlastet Arbeitsmarkt weiterhin

Im Agenturbezirk Neuruppin wurden im Juli 24 neue Anzeigen zu Kurzarbeit gestellt. Im Juni waren es 97 und im März rund 1.600 Anzeigen. Es sind deutlich weniger Anzeigen eingegangen als noch in den Vormonaten. Insgesamt wurden seit April in der Agentur für Arbeit Neuruppin rund 5.300 Anzeigen gestellt, danach sind rund 48.000 Menschen von Kurzarbeit betroffen. Bezogen auf die Zahl der versicherungspflichtig Beschäftigten (Stand 31.12.2019) von 168.616 etwa ein Viertel aller Beschäftigten. Eine abschließende Aussage für wie viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die Unternehmen tatsächlich Kurzarbeit abrechnen, ist erst nach einer Wartezeit von 5 Monaten möglich.

„Über welchen Zeitraum die Betriebe letztendlich finanzielle Unterstützung benötigen, bleibt noch abzuwarten. Wir haben jedoch auch Anträge von Unternehmen, die bereits in den 4. Monat der Kurzarbeit gehen.“ so Stefan Dirkes.

Leichte Entspannung bei der Personalnachfrage

Die Personalnachfrage ist im Juli 2020 mit 831 neu gemeldeten Stellen im Vergleich zum Vormonat auf einem ähnlichen Niveau. Betriebe fragen wieder mehr Arbeitskräfte nach.

„Wir sehen, dass die Personalnachfrage wieder vorsichtig anzieht. Ein Indikator für eine gesteigerte Personalnachfrage sind auch die Stellenmeldungen der Zeitarbeit. Hier gibt es noch keine positiven Signale – die Entwicklung werden wir weiterhin beobachten.“ so Stefan Dirkes

Seit Jahresbeginn haben die Unternehmen im Agenturbezirk Neuruppin 5.973 Stellen gemeldet. Das sind 1.166 Stellen oder 16,3 Prozent weniger. Im Vormonat waren es noch 17,2 Prozent weniger als vor einem Jahr. Aktuell sind insgesamt 4.329 Arbeitsstellen zu besetzen und damit 130 mehr als im Vormonat.

Arbeitsaufnahmen erfolgten im Juli im Verkaufsbereich, im Verkehr und Logistikbereich einschließlich Führen von Fahrzeugen und Transportgeräten und im kaufmännischen Bereich.

Ausbildungsmarkt bleibt trotz Corona stabil

Seit dem 1. Oktober 2019 haben sich 2.439 Jugendliche bei der Berufsberatung gemeldet, weil sie eine duale Ausbildung aufnehmen oder studieren wollen. Das sind 108 Jugendliche mehr als im gleichen Zeitraum vor einem Jahr. Die Unternehmen haben bisher 2.565 Ausbildungsstellen gemeldet, 61 mehr als noch im Juli 2019.

„Wichtig ist, dass die Jugendlichen jetzt mit uns Kontakt über unsere Hotline 03391 69 5000 (für die Landkreise Prignitz und Ostprignitz-Ruppin) oder 03391 69 4000 (für die Landkreise Oberhavel und Havelland) aufnehmen. Der Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit Neuruppin und die Berufsberatung unterstützen bei der kurzfristigen Vermittlung in Ausbildung, verraten Tipps und Tricks für ansprechende Bewerbungsunterlagen, fungieren als Türöffner oder suchen nach passenden Unterstützungsmöglichkeiten. Ganz neu im Programm haben wir jetzt auch eine online-Hilfe über einen Bildungsträger, wenn Schwächen in der Berufsschule befürchtet werden.“ erläutert Stefan Dirkes

Die Förderrichtlinie, Antragsformulare sowie die Fachliche Weisung zur Ausbildungsprämie werden in Kürze erwartet. Unternehmen müssen sich bei den Abschlüssen von Ausbildungsverträgen nicht zurückhalten, weil Sie Nachteile bei der Förderung erwarten. Auf den Zeitpunkt des Abschlusses des Ausbildungsvertrags kommt es dabei nicht an, d.h., es können auch Ausbildungen gefördert werden, für die der Ausbildungsvertrag bereits vor Inkrafttreten der Förderrichtlinie abgeschlossen worden ist.

 

Zahlen, Daten, Fakten

Arbeitsmarkt im Agenturbezirk Neuruppin

Beschäftigte

Mit Datenstand Dezember 2019 sind 168.616 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt, ein Plus von 2,1 Prozent oder 3.436 Personen im Vergleich zum Dezember 2018.

Stellen

Seit Jahresbeginn wurden der Agentur für Arbeit von den Unternehmen 5.973 Stellen gemeldet, im Vergleich zum Vorjahr ein Rückgang um 1.166 Stellen. Die TOP 5 Branchen mit dem größten Personalbedarf seit Jahresstart sind die Zeitarbeit, das Verarbeitende Gewerbe, der Handel und die öffentliche Verwaltung/ Sozialversicherung sowie das Gesundheits- und Sozialwesen.

Arbeitslose

Im Juli 2020 waren 18.588 Personen arbeitslos gemeldet, 294 mehr als im Juni. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Arbeitslosigkeit um 2.561 Personen gestiegen. 7.814 Arbeitslose werden von der Agentur für Arbeit betreut (SGBIII), 10.774 Arbeitslose von den Jobcentern (SGBII).

Arbeitslosenquote

Die Arbeitslosenquote beträgt derzeit 6,3 Prozent und ist im Vergleich zum Vormonat um 0,1% Punkte gestiegen. Im Juli 2019 betrug die Arbeitslosenquote noch 5,5 Prozent.

Entwicklung in den Landkreisen

Die Zahl der Arbeitslosen ist in allen Landkreisen im Vergleich zum Vormonat gestiegen, die Arbeitslosenquoten bis auf Ostprignitz-Ruppin ebenfalls.

Unterbeschäftigung

Im Juni umfasste die Unterbeschäftigung (ohne Kurzarbeit) 23.820 Personen. Die Unterbeschäftigungsquote ist auf 8,0 Prozent im Vergleich zum Vormonat 7,9 Prozent gestiegen. Vor einem Jahr betrug sie 7,6 Prozent.

Arbeitsmarktpolitische Maßnahmen

In Aktivierungsmaßnahmen befinden sich derzeit 546 Personen. An einer beruflichen Weiterbildung nehmen aktuell 777 Personen teil. In Arbeitsgelegenheiten befinden sich derzeit 980 Personen.

Um diejenigen Menschen zu unterstützen, die schon besonders lange ohne Arbeit sind, hat der Gesetzgeber zum 1. Januar 2019 das Teilhabechancengesetz in Kraft gesetzt. Aktuell nehmen 244 Personen an diesem Programm teil.

An Maßnahmen der Fremdförderung nehmen aktuell 401 Personen teil. Das sind vor allem Menschen, die an Integrationskursen des BAMF, des Landes aber auch an ESF-Programmen, zum Beispiel für Langzeitarbeitslose, teilnehmen.