12.03.2021 | Presseinfo Nr. 7

In der Krise Chancen nutzen

Jetzt das Personal fortbilden – die Agentur für Arbeit und das Jobcenter helfen weiter

Nienburg. Jetzt nachholen, was früher versäumt wurde und in Zukunft dringend benötigt wird:  Fachwissen und Qualifikationen. Die Arbeitsagentur und das Jobcenter helfen mit Beratung und finanzieller Förderung aus der aktuellen Krise als Sieger hervorzugehen.
 

Der Job könnte besser nicht sein: Laster fahren. Einen richtig großen – so „King of the Road-mäßig“. Immer nur im regionalen Umkreis; also abends immer auf dem eigenen Sofa die Füße hochlegen; im Bauch eine echt spannende Ladung: Die komplette Ausrüstung für Konzerte. Eine Arbeit mit Rock’n’Roll-Flair. „Aber leider haben wir trotz intensiver Suche keinen Berufskraftfahrer gefunden“, sagt Jan Gutjahr.



Gutjahr arbeitet als Projektleiter für den mks-Veranstaltungsservice in Nienburg und pendelt zwischen Hannover und Hamburg mit allen Gerätschaften, um große Veranstaltungen perfekt über die Bühne zu bringen. Einen Fahrer für den großen Sattelzug hätten sie gebraucht, aber keiner wollte hinters Steuer. „Das ist tatsächlich unglaublich“, sagt Ralf Cordes, der in der Nienburger Arbeitsagentur die Logistiker betreut. „Viele Kandidaten hätten einen Führerschein gehabt, aber den Meisten fehlte irgendwie die Motivation.“ Cordes hatte einen anderen Weg für Gutjahr gefunden: die eigenen Mitarbeiter zu qualifizieren, mit finanzieller Unterstützung der Agentur für Arbeit.
 

„Auf die Idee wären wir tatsächlich selbst kaum gekommen“, sagt Gutjahr. Aufgrund der wirtschaftlichen Krise haben die mks-Mitarbeiter aktuell Zeit. Diese nutzen sie für ihre Weiterbildung: Die Agentur bietet dem Unternehmen Zuschüsse zum LKW-Führerschein, je nach Betriebsgröße können die Kosten auch komplett übernommen werden. Gutjahr: „Wir werden demnächst wieder gut zu tun bekommen, spätestens dann brauchen wir auch mehr Personal. Aber wir müssen uns wohl tatsächlich mit dem Gedanken anfreunden, unsere eigenen Mitarbeiter stärker zu qualifizieren, weil der Markt weniger bietet, als wir benötigen. Das fängt schon bei Bewerbern für Ausbildungsplätze an.“


Auch die Fleischerei Twachtmann aus Nienburg setzt auf die Qualitäten des eigenen Personals: Petra Falldorf geht jetzt wieder zur Berufsschule, sitzt da zwischen Jugendlichen, die fast ihre Kinder sein könnten und fühlt sich pudelwohl – angekommen im wahren Leben. „Dass ich mit meinen 52 Jahren noch lerne, nötigt den jungen Leuten richtig Respekt ab“, sagt sie. Die Nienburgerin hat vor einigen Monaten angefangen, ihre Ausbildung zur Fachverkäuferin in der Fleischerei nachzuholen und das, was sie vorher immer schon mal gemacht hat mit einer Qualifikation zu veredeln beziehungsweise zu beweisen, was in ihr steckt.

Möglich wird das mittels des Qualifizierungschancengesetzes, das vielen Menschen Förderungen für berufliche Qualifikationen auf Kosten der Bundesagentur für Arbeit ermöglicht.

„Leider nehmen das noch zu wenig Arbeitgeber richtig ernst“, sagt der Nienburger Arbeitsvermittler Ralf Cordes, der die Qualifikationen für Gutjahr und Falldorf bearbeitet. „Hier schlummern noch echte Chancen für die Betriebe“, sagt er. Gerade die aktuelle Situation mit reduzierter Auftragslage würde seiner Meinung nach geradezu zu Weiterbildung einladen. Die Zeit ist ja da. Je kleiner ein Betrieb, desto höher der Zuschuss zu beruflichen Bildung für den einzelnen Arbeitnehmer. Ein hervorragendes Instrument für die Personalentwicklung und die Sicherung des Fachkräftebedarfs. Darüber hinaus ein deutliches Zeichen, wie sehr die eigenen Mitarbeiter geschätzt werden.

Das sieht auch Petra Falldorf so: „Ich habe lange nach so einer Chance wie dieser gesucht, aber mich auch nach meinen eigenen Möglichkeiten weitergebildet, beispielsweise mit Word, Excel und moderner Kommunikationstechnik. Jetzt, wo der Unterricht hauptsächlich online läuft, bin ich auf der Höhe der Zeit und kann für mich eine neue Tür aufstoßen.“


Infobox

Der gemeinsame Arbeitgeberservice von Jobcenter und Agentur für Arbeit am Standort Nienburg bietet folgende Leistungen, um bestehendes Personal weiterzubilden und neues Personal zu gewinnen.

Das Qualifizierungschancengesetz / WeGebAU-Programm fördert individuelle Weiterbildungen von Mitarbeitern durch anteilige oder vollständige Übernahme der Schulungskosten inklusive der Übernahme des Arbeitsentgelts während der Weiterbildung; beispielsweise ein FS Kl. C/CE, Schweißscheine oder komplette innerbetriebliche Umschulungen.

Der Eingliederungszuschuss trägt einen Teil des Bruttolohns während der Einarbeitungsphase eines neuen Mitarbeiters mit fehlenden Qualifikationen für die zu besetzende Stelle; beispielsweise durch einen Lohnkostenzuschuss von bis zu 50 Prozent für bis zu sechs Monate – das gilt unter Umständen auch für Betriebe in Kurzarbeit, wenn Mitarbeiter für Abteilungen abseits vom KUG eingestellt werden.

Die Jobbörse ist das bundesweit reichweitenstärkste Online-Medium für freie Arbeits- und Ausbildungsstellen. Das Angebot ist kostenfrei und wird regelmäßig durch Mitarbeiter des Arbeitgeberservice betreut. Das bedeutet: inhaltliche Gestaltung der Stellenanzeige und passgenaue Suche nach geeigneten Bewerbern durch den Arbeitgeberservice sowie durch die Arbeitsvermittler.

Die Einstiegsqualifizierung bietet die Möglichkeit, Bewerber für einen Ausbildungsplatz für ein halbes Jahr kennenzulernen. Dieses praktikumsähnliche Beschäftigungsverhältnis wird von Agentur für Arbeit bzw. Jobcenter finanziell unterstützt. Anfang März wäre der ideale Einstieg für das kommende Ausbildungsjahr.

Erreichbar ist der gemeinsame Arbeitgeber-Service von Agentur und Jobcenter unter der gebührenfreuen Hotline: 0 800-4 555 520.

(Text und Bild: Kartsen-Dirk Hinzmann, Agentur für Arbeit)