04.08.2021 | Presseinfo Nr. 37

Das ist nur unser Anfang, wir machen weiter!

Wie eine Familie aus dem Iran ihren Weg in Deutschland gefunden hat

Das vergangene Jahr wurde stark durch die Pandemie geprägt. Menschen wurden teilweise erstmals mit Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit konfrontiert.
Das Beispiel einer jungen Familie aus dem Iran zeigt, dass es trotz dieser ereignisreichen Zeit Menschen gegeben hat, die Ihren Weg in eine neue Zukunft finden konnten.

„Alle Menschen haben einen Traumjob, wie etwa im Büro“, sagt die junge Iranerin zu Beginn des Gesprächs. Massomeh Ebadi, ist vor vier Jahren mit ihrem Mann und dem gemeinsamen Sohn aus dem Iran nach Deutschland gekommen. Als religiöse Minderheit mussten sie in ihrer Heimat alles hinter sich lassen: Er Kameramann, sie mit einem Universitätsabschluss in englischer Literatur. „Im Iran hatten wir alles. Wir hatten ein eigenes Haus mit Garten, zwei Autos und haben beide gearbeitet“, sagt sie. Aber es sollte der Tag kommen, an dem dies alles nicht mehr zählen sollte.  Der Tag, an dem sie ihre Heimat verlassen würden, um in Deutschland ein neues Leben zu beginnen. Ein Leben ohne Angst und Unterdrückung.
Die Familie reiste im Mai 2017 nach Deutschland ein und wohnte zunächst in Hassel, einem kleinen Ort zwischen Nienburg und Verden. Hier in Deutschland hatten sie nichts. Sie hatten keinen Job, konnten die deutsche Sprache nicht sprechen und es fehlte ein soziales Umfeld, um Fuß zu fassen. Schnell fanden sie jedoch überraschend Anschluss in der Nachbarschaft. „Wir wurden herzlich empfangen und alle waren sehr nett zu uns, sie haben uns geholfen, auch wenn wir sie kaum verstanden haben. Das hätten wir nicht gedacht“, gibt Frau Ebadi offen zu. Sie und ihr Mann besuchten einen Integrationskurs und Sprachkurse, um einen ersten Schritt in eine bessere Zukunft zu gehen. Aber einen Job hatten sie nicht. Sie waren nur zu Hause und hatten keine berufliche Aufgabe. Durch den Kontakt zum Jobcenter im Landkreis Nienburg wurde ihnen geholfen, ihren Weg zu finden. „Wir haben immer viele Briefe bekommen, die wir erst nicht verstanden haben“, sagt Herr Ebadi. „Aber der Berater beim Jobcenter hat uns geholfen. Uns gezeigt was wir machen können. Das war toll, das kannten wir aus unserer Heimat nicht“.
Beide waren aber eben auch gefrustet, keinen Job zu haben, nur zu Hause zu sitzen und zu „warten“. Im Iran war es eben anders, sie haben viel und hart gearbeitet. Nichts zu tun fühlte sich einfach nicht gut an".
Die Ehefrau hat es dann als Erste geschafft, aus dieser Situation herauszukommen. Die junge Mutter fand einen Job in der Systemgastronomie in einem Schnellrestaurant in Neustadt. Sie ist glücklich, ihr Mann stolz – aber die Familie im Iran nicht. Warum arbeitet eine Frau mit Universitätsabschluss in Deutschland in einem „Imbissladen“? Das konnten sie einfach nicht verstehen. Doch die 37-Jährige sieht die Situation auch heute noch ganz anders: „Wir haben immer für uns selbst sorgen können, immer gearbeitet. Ich wollte einen Job, Geld verdienen und mit anderen Menschen Kontakt haben. Ich wollte einfach diese Sprache lernen und eine Zukunft haben“.
Ihr Mann zog nach und wollte nun auch die gemeinsame Zukunft mitgestalten. „Im Jobcenter hatte ich einen netten Berater, der hat mir erzählt, was man alles so machen kann. Und dann hat er mir erzählt, dass er mir helfen kann, dass ich LKW-Fahrer werde. Ich konnte erst nicht glauben, dass ich den Führerschein bezahlt bekomme und mir geholfen wird, eine Firma zu finden“, erzählt er freudig. Doch so war es. Mit der Unterstützung des Jobcenters konnte der Familienvater eine Weiterbildung zum Berufskraftfahrer absolvieren, für ihn kostenlos.

Gemeinsam mit seiner Frau und seinem Sohn fing er an, intensiv an seinen Sprachkenntnissen zu arbeiten. Die Sorge vor den Prüfungen für den LKW Führerschein waren stets in seinem Kopf, aber seine Frau motivierte ihn, weiterzumachen. Vielleicht war es auch die Nachricht seiner Frau, dass sie in ihrem Betrieb einen Ausbildungsplatz bekommen würde, die ihn motivierte weiter zu lernen. Oder der Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben, genau kann er das gar nicht sagen.
Es sollte sich auszahlen, dass auch er den Mut niemals verloren hatte. Er absolvierte erfolgreich die Weiterbildung und schaffte alle Prüfungen im ersten Anlauf, auf Deutsch! Parallel dazu half ihm auch sein Berater im Jobcenter, einen Job als LKW-Fahrer zu finden. „Ich hätte nie gedacht, dass ich das schaffe. Ich glaube meine Sprache ist noch nicht gut, aber auf der Arbeit lerne ich jeden Tag neue Sachen dazu, das ist toll“, schwärmt der Familienvater. Nun arbeitet er seit Februar als Fahrer in einer Spedition in Nienburg und seine Chance genutzt – seine Chance für ein selbstbestimmtes Leben in Deutschland.
Und Frau Ebadi? Die Mutter hat nun das erste Lehrjahr fast geschafft, ist in der Berufsschule eine der besten mit den Noten 2 und 3 auf dem Zeugnis.
Noch pendelt sie mit dem Bus zur Arbeit, aber sie verrät, dass dies nicht mehr lange so sein wird. „Ich habe im August meine praktische Führerscheinprüfung, dann kann ich Auto fahren. Die schriftliche Prüfung habe ich sofort geschafft“, sagt sie. Wie auch ihr Mann ist die 37-Jährige motiviert, ein unabhängiges Leben zu führen.
Auf die Frage, wie sie sich ihre weitere Zukunft vorstellen, antworten beide freudestrahlend: „Das ist nur unser Anfang, wir machen weiter!“

Frank Köhring, Geschäftsführer des Jobcenters Nienburg fasst den tollen Weg dieser Familie zusammen: „Die Integration von Geflüchteten auf dem Arbeitsmarkt war eine riesen Aufgabe in den vergangenen Jahren und ist auch weiterhin ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit. Wir als Jobcenter haben uns stets als Partner am Arbeitsmarkt verstanden und die Integration unterstützt. Wenngleich diese Aufgabe viel von meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern abverlangt, sind es genau diese Erfolgsgeschichten, die zeigen, dass auch in schwierige Zeiten viel erreicht werden kann“.