03.01.2020 | Presseinfo Nr. 1

Arbeitsmarkt Dezember

Mit der niedrigsten Dezemberarbeitslosigkeit seit 1990 endete das Jahr 2019. Karsten Froböse, Chef der Nordhäuser Arbeitsagentur zieht regelmäßig Anfang Januar Bilanz.

Niedrigste Arbeitslosigkeit

Mit der niedrigsten Dezemberarbeitslosigkeit seit 1990 endete das Jahr 2019. Karsten Froböse, Chef der Nordhäuser Arbeitsagentur zieht regelmäßig Anfang Januar Bilanz: „Saisontypisch haben wir mehr Arbeitslose als im November, aber zum Vorjahr ist die Arbeitslosigkeit um über vier Prozent gesunken. Das ist ein gutes Ergebnis zum Ende des Jahres.“ Die Arbeitslosenquote sei mit 5,9 Prozent erstmals in einem Dezember unter sechs Prozent geblieben.

 

Jahresrückblick 2019

Der Jahresrückblick 2019 lässt schnell die Fakten erkennen: Etwas über 8.000 Männer und Frauen waren 2019 im Jahresdurchschnitt ohne Arbeit. Vor einem Jahr gab es noch über 300 Personen mehr. Die Arbeitslosenquote liegt bei sechs Prozent. Der Arbeitsmarkt in Nordthüringen habe längst den Anschluss an viele westliche Regionen erreicht und niedrigere Arbeitslosenzahlen als beispielsweise im Ruhrgebiet, in Hamburg oder in der Region um Hannover. „Noch nie waren in einem Jahresdurchschnitt seit der Wende so wenig Menschen ohne Beschäftigung.“ Die Prognose vom Jahresbeginn habe sich bestätigt, so Froböse. Vor zehn Jahren habe man noch über rund 19.000 Arbeitslose und eine Quote von 13 Prozent gesprochen. „Seitdem hat sich Vieles zum Positiven gewendet. Da stimmen mir die meisten sicherlich zu.“ Das vergangene Jahr hatte allerdings nicht nur erfreuliche Entwicklungen.

Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung rückläufig

Nach Jahren des Beschäftigungswachstums in Nordthüringen bis 2017 ging die Zahl der Erwerbstätigen im letzten Jahr zurück. Im Juni wurden rund 700 Beschäftigte weniger gezählt als im Jahr zuvor.

Seit Monaten zeige sich hier die nachlassende Konjunktur, insbesondere bei der Zeitarbeit und bei Automobilzulieferern. 86.129 Menschen waren zur Jahresmitte 2019 in Nordthüringen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Während die Beschäftigung im Landkreis Eichsfeld konstant blieb (+/- 0,0%), ging im Landkreis Nordhausen und im Kyffhäuserkreis die Entwicklung zurück (-1,3%; -1,5%). In Thüringen blieb die Beschäftigung praktisch stabil. Das Land verzeichnete im Juni noch einen Beschäftigungszuwachs von 0,1 Prozent.

Hohe Fachkräftenachfrage aus vielen Bereichen

Die konjunkturelle Abschwächung dürfe allerdings auch nicht über die hohe Personalnachfrage beispielsweise aus Gesundheit und Pflege, Baugewerbe und aus dem Handwerk hinwegtäuschen. Entscheidend sei heute das Qualifikationsniveau. „Als junger Mensch ohne Ausbildung einzusteigen, ist kein guter Plan für die Zukunft“, so der Agenturchef. „Berufsausbildung ist das A und O.“ Wer sich nicht anstrengt, wird einen Preis zahlen. „Ausbildung ist der sichere Weg in das Berufsleben.“  Für die meisten jungen Leute sei dies allerdings selbstverständlich.

Mehr arbeitslose Jugendliche 2019

580 jugendliche Arbeitslose waren durchschnittlich 2019 registriert. Gegenüber dem Vorjahr waren es knapp fünf Prozent mehr. Die Arbeitslosenquote lag bei glatt 6,0 Prozent. Bei den Fachkräften nahm die Arbeitslosigkeit nicht zu. Deutlich anders ist es bei den Helfern. Über 300 arbeitslose Jugendliche ohne Berufsabschluss suchen derzeit eine Beschäftigung. Zum Vorjahr sei der Anteil um 11 Prozent gestiegen. Eine Ausbildung kann anstrengend sein. Ohne Ausbildung wird es dauerhaft anstrengend bleiben, meint Karsten Froböse.

Zahl der Langzeitarbeitslosen konnte auf niedrigsten Stand gesenkt werden

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen lag im Jahresdurchschnitt 2019 erstmals deutlich unter 3.000.

2.719 Männer und Frauen sind aktuell noch länger als 12 Monate ohne Job, über zehn Prozent weniger als im Jahresdurchschnitt 2018. Die neuen Fördermöglichkeiten für Langzeitarbeitslose hätten sich positiv ausgewirkt. Über 200 Männer und Frauen gehen seit Jahresbeginn durch die neue Förderung einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach. Einen großen Anteil daran hatte in Nordhausen das Jobcenter und der KreisSportBund e.V., der allein über 30 Arbeitslosen auf diesem Weg eine berufliche Perspektive gab. „Die Menschen können sich mit ihrer Arbeit in die Gesellschaft einbringen und erfahren Anerkennung“, betont Agenturchef Froböse. Es sei für die meisten erstmals seit Jahren wieder die Bestätigung, gebraucht zu werden. An Aufhören denke wohl so schnell niemand. Die Zahl der Abbrüche liege aktuell im einstelligen Bereich.

Arbeitslosigkeit und Förderung

Neben den Arbeitslosen wurden 2019 durchschnittlich noch rund 3.400 weitere Personen unterstützt, vor allem in Weiterbildungen oder in Eingliederungsmaßnahmen. Das waren knapp 300 Männer und Frauen weniger als im Jahr zuvor. Menschen in Förderung zählen offiziell bundesweit nicht als Arbeitslose. Sie suchen dennoch Beschäftigung. Addiert man Arbeitslose und Menschen in Förderung, so hätten rund 570 Personen weniger im letzten Jahr eine Beschäftigung gesucht. Karsten Froböse fasst zusammen „Wie man es auch dreht und wendet: Auch mit Förderung zusammen ist die Zahl der Menschen ohne Arbeit gesunken.“

2019 in den Landkreisen:

Arbeitslosenquote sank im Kyffhäuserkreis

Im Landkreis Nordhausen blieb die Arbeitslosenquote im Jahresverlauf und verglichen mit dem Vorjahr mit 7,0 Prozent konstant. Erstmals weniger als 3.000 Personen waren 2019 hier ohne Arbeit (2.984).

Der Kyffhäuserkreis lag 2019 bei 7,9 Prozent und damit deutlich unter der Vorjahresquote von 8,3 Prozent. Auch hier sank die Arbeitslosigkeit unter die 3.000 er Marke. 2.990 Jobsuchende gab es im letzten Jahr. 2018 waren es noch fast über 3.200.

Die Arbeitslosenquote im Landkreis Eichsfeld blieb im Jahresdurchschnitt mit 3,9 Prozent zum Vorjahr unverändert. Knapp 2.100 Arbeitslose waren auf Jobsuche.

Mehr Menschen qualifizieren sich

Das Thema Qualifizierung stand 2019 in der Nordhäuser Arbeitsagentur weiter im Fokus. Über 1.000 Männer und Frauen begannen im vergangenen Jahr eine Weiterbildung oder Umschulung, über fünf Prozent mehr. „Es geht darum Kenntnisse auf den neuesten Stand zu bringen. Wer aktuell qualifiziert ist, hat gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt“, meint Karsten Froböse. Zudem würden Digitalisierung und Demografie neue Herausforderungen mit sich bringen. „Ohne Weiterbildung geht es nicht.“.

Was kommt 2020?

„Wir können nicht erwarten, dass die Arbeitslosigkeit jedes Jahr weiter sinkt“, sagt Froböse. „Ich gehe davon aus, dass die Zahl der Arbeitslosen ähnlich hoch sein wird, wie 2019.“

2020 werde das Thema Qualifizierung weiter einen Schwerpunkt bilden. Ein wesentlicher Aspekt sei die Weiterbildung von Menschen, die im Erwerbsleben stehen. Rund achtzig Arbeitnehmer ließen sich in diesem Jahr qualifizieren. „Wir werden hier weiter unterstützen. Die gemeinsame Entscheidung zur Weiterbildung müssen aber Unternehmen und Beschäftigte treffen“, so Froböse.

Ab März 2020 wird ausländischen Fachkräften mit dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz der Weg in den deutschen Arbeitsmarkt erleichtert. Das wird ein weiteres Thema sein. „Wir dürfen nicht vergessen: Ein Viertel unserer Arbeitnehmer ist über 55 und geht in den nächsten Jahren in Rente“, so Froböse. „Und es kommen deutlich weniger junge Leute nach. Wir sind in Ostdeutschland stark von der Demographie betroffen und brauchen qualifizierte Arbeitnehmer, etwa für Pflegeberufe, die Gastronomie oder für das Handwerk. Auch wenn manche Menschen den Blick für die Zukunft verschließen: Wir brauchen qualifizierte Menschen, um das Beschäftigungsniveau und unseren Lebensstandard zu sichern.“