30.04.2020 | Presseinfo Nr. 34

Arbeitsmarkt April

Erwartbare Folgen für den Arbeitsmarkt
 

Die Corona-Krise belastet wie erwartet die Zahl der Arbeitslosen im April in Nordthüringen. Die Auswirkungen der eingeschränkten Wirtschaftsaktivitäten seien zuerst bei den Kunden der Arbeitsagentur zu spüren, so Karsten Froböse, Chef der Nordhäuser Arbeitsagentur: „Normalerweise gehen die Zahlen im Frühjahr zurück. Das ist jetzt nicht der Fall. Wir haben fast acht Prozent mehr Arbeitslose als im März und dreizehn Prozent mehr als vor einem Jahr.“ Noch lägen die Zahlen unter 9.000, doch die statistische Erhebung erfolge immer zur Mitte eines Monats. Deshalb würde die zweite Aprilhälfte erst Ende Mai sichtbar werden.

8.995 Menschen waren im letzten Monat ohne Arbeit. Die Quote liegt bei 6,7 Prozent. Vor einem Jahr gab es rund 1.000 Arbeitslose weniger.

Entlassungen in Zeitarbeit am höchsten

Über 700 Männer und Frauen meldeten sich im April nach einer Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt arbeitslos. Das waren rund vierzig Prozent mehr als im März und über 50 Prozent mehr als im April 2019. Den größten Anteil an Entlassungen hatte mit über achtzehn Prozent die Zeitarbeitsbranche, gefolgt vom verarbeitenden Gewerbe mit knapp siebzehn Prozent. Hier verloren 125 Menschen im letzten Monat ihre Arbeit.

Markt in bestimmten Branchen aufnahmefähig

Die Nachfrage nach Fachkräften ist in Teilen deutlich eingebrochen, erläutert Karsten Froböse. Arbeitgeber meldeten im April nur etwa 100 freie Stellen. Das waren zum Vorjahr fast siebzig Prozent weniger. Allerdings habe man derzeit, trotz Krise, gute Beschäftigungsmöglichkeiten in den sogenannten systemrelevanten Bereichen. „Gesucht werden Fachkräfte in Gesundheit und Pflege und in Teilen der Lebensmittelbranche.“

Der Blick in die Landkreise

3.302 Arbeitslose waren im Landkreis Nordhausen gemeldet, fast 300 mehr als vor vier Wochen und rund 360 mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote lag im April bei 7,8 Prozent. Im Vorjahresmonat betrug sie noch 6,8 Prozent.

Für den Landkreis Eichsfeld wurden 2.454 Jobsuchende registriert, über 200 mehr als im März und rund 380 mehr als im April 2019. Die Arbeitslosenquote liegt aktuell bei 4,6 Prozent. Im Vorjahr betrug die Quote 3,8 Prozent.

3.239 Personen waren im Kyffhäuserkreis ohne Arbeit, knapp 150 mehr als vor einem Monat und fast 300 mehr als im Vorjahresmonat. Der Kyffhäuserkreis hatte im April eine Arbeitslosenquote von 8,6 Prozent und lag damit über den 7,6 Prozent des Vorjahres.

Kurzarbeit sichert Beschäftigung

Mehr als ein Drittel der Betriebe in Nordthüringen haben aufgrund der Corona-Krise Kurzarbeit angemeldet. Seit Anfang März sind bei der Nordhäuser Arbeitsagentur über 2.800 Anzeigen auf Kurzarbeit für rund 29.000 Beschäftigte eingegangen. Zum Vergleich: Zur Finanzkrise 2009 waren in Nordthüringen rund 660 Unternehmen von Kurzarbeit betroffen. Wieviel Menschen tatsächlich Kurzarbeit geleistet haben, wird immer erst mit der Abrechnung des Unternehmens nachträglich ersichtlich.

„Die Zahlung des Kurzarbeitergeldes hat Priorität. Entlassungen wird damit vorgebeugt und Menschen behalten ihre Beschäftigung“, betont Karsten Froböse. Noch immer würden Abrechnungen für März fehlen. „Wer seine Abrechnung später einreicht, muss sich in den kommenden Wochen bei der Bearbeitung hinter den anderen Unternehmen einreihen.“

 

Froböse: „Wer gute Azubis sucht, könnte jetzt profitieren“

Von Oktober 2019 bis Mitte April 2020 meldeten sich 995 junge Menschen bei der Arbeitsagentur, um in eine Ausbildung vermittelt zu werden. Gleichzeitig waren 1.200 Ausbildungsstellen registriert. „Wir stellen fest, dass Unternehmen, die bislang stark ausgebildet haben, jetzt Ausbildungsplätze stornieren“, so Froböse. „Von der Situation könnten Arbeitgeber profitieren, die bisher bei Nachwuchskräften zu kurz gekommen sind.“