01.02.2019 | Presseinfo Nr. 6

Wail Tanos ist in der Grafschaft angekommen

Zweifacher Familienvater aus Syrien startet mit Unterstützung der Agentur für Arbeit beruflich durch!

Wail Tanos hat Spaß an seiner Arbeit. Wenn er von seinen Tätigkeiten in der Küche des Hotel-Restaurants Nickisch spricht, merkt man dem zweifachen Familienvater aus Syrien an, dass er seine Arbeit gerne ausübt. Der 45-Jährige nutzte seine Chance und absolviert momentan im Rahmen des Programms WeGebAU der Bundesagentur für Arbeit eine Umschulung zum Koch. Und auch sein Chef ist mehr als zufrieden. „Es passt!“, so Eric Nickisch, Inhaber des familiengeführten Unternehmens in Schüttorf. 

Bis es allerdings soweit war, hat Wail Tanos einen steinigen Weg zurückgelegt. Geboren und aufgewachsen in Syrien, flüchtete er Mitte 2015 auf Grund des verheerenden Krieges in seinem Heimatland mit Frau und Kindern nach Deutschland. Hier wurde er als Flüchtling anerkannt. Die Familie fand eine Wohnung in Bad Bentheim und versucht sich seitdem an die neue Heimat zu gewöhnen. Das klappt gut und mittlerweile fühlt sich die Familie in der Grafschaft sehr wohl. Auch seine Frau hat Fuß gefasst und absolviert derzeit eine Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin.

Tanos hat in Syrien eine Ausbildung als Fachkaufmann im Bereich Marketing abgeschlossen und arbeitete bis zu seiner Flucht bei einer internationalen Organisation in Damaskus. In Deutschland besuchte der Syrier zunächst einige Integrations- und Sprachkurse. Schnell war aber klar, dass die Sprachkenntnisse nicht für eine Zukunft im kaufmännischen Bereich oder für eine Bürotätigkeit reichen. Darum entschied sich der passionierte Hobbykoch, in die Gastronomie zu wechseln. Über ein Projekt der hiesigen Volkshochschule kam Tanos dann im September 2017 als Praktikant zum Schüttorfer Traditionsunternehmen Nickisch. Hier arbeitet er seitdem als Helfer in der Küche mit.

Und hier hat er einen guten Eindruck hinterlassen. „Wail ist höflich und zuvorkommend“, so Nickisch. „Wir haben schnell gemerkt, dass es passt“. Das Unternehmen braucht aber, wie so viele Grafschafter Betriebe, Fachkräfte. Und da kommt Dunja Turhan, Qualifizierungsberaterin der Agentur für Arbeit Nordhorn, ins Spiel. Gemeinsam mit dem Betrieb wurden die Möglichkeiten einer Umschulung erörtert. Im Rahmen des Programms WeGebAU (Weiterbildung Geringqualifizierter und Beschäftigter in Unternehmen) wird Tanos nun in 2 Jahren zum Koch ausgebildet. Vorher hatte das Unternehmen auf eigene Kosten noch einen Kurs finanziert, damit Tanos seine Sprachkenntnisse verbessern und so den schulischen Teil der Umschulung besser bestehen kann.

Mit dem Programm WeGebAU können sowohl gering qualifizierte Arbeitnehmer als auch ältere Mitarbeiter ohne großen Arbeitsaufwand und hohe Kosten geschult werden. „Die Gastronomiebranche sucht händeringend Fachkräfte“, so Turhan. „Viele Betriebe vergessen, dass im eigenen Betrieb oftmals noch Potenzial vorhanden ist“. Hier knüpft das Programm WeGebAU an: „Wo die Qualifikation der eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter noch nicht oder nicht mehr ganz den Bedürfnissen entspricht, kann mit Hilfe der Förderung die Qualifizierungslücke geschlossen werden“. Das hat im Falle Tanos gut geklappt.

Das Programm WeGebAU fördert Weiterbildungen, die für den allgemeinen Arbeitsmarkt verwertbare Kenntnisse vermitteln und die für die Weiterbildungsförderung zugelassen sind. Ausgenommen von der Förderung sind gesetzlich vorgeschriebene Qualifizierungen. Vor allem kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) mit weniger als 250 Arbeitnehmern profitieren von diesem Programm. Für Erich Nickisch war es das erste Mal, dass er eine Umschulung über das Programm im Betrieb durchführt. „Es kostet Zeit und Kraft, das wollen wir aber gerne investieren“. Nickisch lobt dabei den Einsatz der Nordhorner Arbeitsagentur. „Die Vorbereitung und Unterstützung waren hervorragend“, so der Gastronom. 

Auch Tanos ist zufrieden. „Die Arbeit gefällt mir und das Team ist gut“, so der Syrier. Er übernimmt immer mehr Aufgaben, inzwischen auch außerhalb der Küche. So ist er bereits im Cateringbereich tätig und fährt selbständig raus. „Einige Kunden fragen schon gezielt nach Wail!“, so Nickisch. Etwas, was den Syrier sichtlich stolz macht. Und auch Turhan zeigt sich begeistert. „Die Familie strahlt so viel positive Energie aus, da hilft man gerne“.

Wail Tanos ist mit seiner Familie in der Grafschaft angekommen. Er nutzte seine Chance und startet jetzt beruflich durch!