30.04.2020 | Presseinfo Nr. 31

Arbeitsmarktbericht April 2020

Agenturbezirk Nordhorn verzeichnet höchsten Anstieg der
Arbeitslosigkeit in Niedersachsen

  •  Arbeitslosenquote steigt auf 2,9 Prozent
  •  Im April wurden 3.643 Anzeigen auf Kurzarbeitergeld erfasst und geprüft
  •  Nachfrage nach Arbeitskräten hat krätig abgenommen

Arbeitslosenzahl

7.623

Arbeitslosenquote

(+Vorjahreswert)

2,9%

(+0,6%-Punkte)

ggü. Vormonat

+1.115

+17,1%

Stellenzugang

(ggü. Vorjahresmonat)

454 (-68,9%)

ggü. Vorjahresmonat

+1.750

+29,8%

Stellenbestand

(ggü. Vorjahresmonat)

4.419 (-33,7%)

 

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie werden nun auch auf dem Arbeitsmarkt sichtbar. Gegenüber dem Vormonat ist die Zahl der Arbeitslosen im Bezirk der Agentur für Arbeit Nordhorn deutlich angestiegen. Insgesamt nahm die Arbeitslosigkeit um 1.115 auf 7.623 Personen zu, eine Steigerung um 17,1 Prozent. Gegenüber dem Vorjahresmonat stieg die Arbeitslosigkeit an Ems und Vechte sogar um 29,8 Prozent. „Das ist der höchste Anstieg im Land Niedersachsen", kommentiert Hans-Joachim Haming, Chef der Nordhorner Arbeitsagentur, die aktuellen Arbeitsmarktzahlen. „Der Arbeitsmarkt ist negativ in Bewegung. Leider müssen wir auch in den kommenden Monaten mit einer Steigerung der Arbeitslosenzahlen rechnen". Die Arbeitslosenquote lag im April bei 2,9 Prozent.

Dass der Arbeitsmarkt unter Druck steht, wird auch an der Entwicklung der Zahlen zur Kurzarbeit deutlich. Im Berichtsmonat April wurden durch die Agentur für Arbeit Nordhorn 3.643 Anzeigen auf Kurzarbeitergeld erfasst und geprüft. Im Vormonat lag diese Zahl bei 414. „Die enorme Zunahme bei den Anzeigen auf Kurzarbeitergeld zeigt die Wucht der Pandemie für den Arbeitsmarkt", so Haming. „Rund ein Drittel der Betriebe sind derzeit von Kurzarbeit betroffen. Wir haben massiv Personal aufgestockt, damit Anträge zügig bearbeitet und Kurzar-beitergeld schnell ausgezahlt werden kann." Haming weist daraufhin, dass vor allem die schnelle und unbürokratische Hilfe der vergangenen Wochen vielen Unternehmen geholfen hat. „So konnten Entlassungen und Insolvenzen vorerst vermieden werden. Wie es in den nächsten Wochen und Monaten weitergeht, hängt primär davon ab, wie schnell die Pande-mie eingedämmt und die Wirtschaft wieder hochgefahren werden kann. Es ist aber davon auszugehen, dass es nicht jedem Unternehmen gelingen wird, das Personal zu halten, so dass wir auch mit einem weiteren Anstieg der Arbeitslosenzahlen rechnen."

 

Kurzarbeit

Betriebe müssen vor Beginn von Kurzarbeit eine schriftliche Anzeige bei der zuständigen Agentur für Arbeit (Betriebssitz) erstatten. Dies hat spätestens bis zum Ende des Monats zu erfolgen, für den erstmalig Leistungen bezogen werden sollen. Im April sind bei der Agentur für Arbeit Nordhorn 3.643 Anzeigen elektronisch erfasst und geprüft. Davon 2.490 aus dem Landkreis Emsland und 1.153 aus dem Landkreis Grafschaft Bentheim.

Die in den Anzeigen enthaltene Anzahl der Beschäftigten liegt im Agenturbezirk bei 45.929. Im Landkreis Emsland betrifft es 32.108 und im Landkreis Grafschaft Bentheim 13.821 Be-schäftigte. Ob und in welchem Umfang für diese Beschäftigten dann Kurzarbeit eintritt, lässt sich allerdings aktuell nicht prognostizieren.

Besonders betroffen sind die Branchen Einzelhandel, das Gesundheitswesen und das Gastgewerbe.

 

Stellenmarkt

Im April zeigten Betriebe und Verwaltungen der Agentur für Arbeit Nordhorn 454 offene Stellen an. Das sind 583 oder 56,2 Prozent weniger als im Vormonat - einer der stärksten Rückgänge im Agenturbezirk überhaupt. Insgesamt gab es im April 4.419 Stellen, über de-ren Besetzung noch nicht endgültig entschieden war.

Stellenzugänge kamen vor allem aus der Produktion und Fertigung, dem Gesundheits- und Sozialwesen und aus der Logistik.

 

Entwicklung der Arbeitslosigkeit nach Rechtskreisen

Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit in der Arbeitslosenversicherung (Sozialgesetzbuch III / Arbeitslosengeld I) und in der steuerfinanzierten Grundsicherung (Sozialgesetzbuch II / Ar-beitslosengeld II) verlief im April im Vergleich zum Vormonat tendenziell gleich.

Im Bereich der Arbeitslosenversicherung nahm die Zahl der Arbeitslosen gegenüber dem Vormonat um 764 oder 22,6 Prozent auf 4.151 Personen zu. Bei den für die steuerfinanzierte Grundsicherung verantwortlichen Jobcentern ist die Arbeitslosenzahl im April gegen-über dem Vormonat um 351 bzw. 11,2 Prozent auf 3.472 Personen gestiegen.

 

Entwicklung der Arbeitslosigkeit nach Personengruppen

Mit 4.314 arbeitslosen Männer waren 669 mehr im Bestand als noch im März. Bei den Frauen war eine Steigerung von 446 auf insgesamt 3.309 Personen zu verzeichnen. Der Anteil der Frauen an allen Arbeitslosen betrug 43,4 Prozent, der der Männer lag bei 56,6 Prozent.

Von den Arbeitslosen waren 11,5 Prozent Jugendliche. Die Arbeitslosenzahl stieg auf 875 Personen (+194).

Die Zahl der arbeitslosen Ausländer stieg auf 1.904 Personen. Das waren 297 oder 18,5 Prozent mehr als im Vormonat und 542 oder 39,8 Prozent mehr als im April 2019. Zu der Gruppe der Ausländer gehören sowohl Menschen, die schon länger im Emsland und in der Grafschaft Bentheim leben, als auch neu hinzugekommene Flüchtlinge und Zuwanderer.

 

Entwicklung der Arbeitslosigkeit in den Landkreisen

Im Emsland waren im Monat April insgesamt 5.401 Personen arbeitslos gemeldet, die Arbeitslosenquote liegt bei 2,9 Prozent. Verglichen mit dem Vormonat nahm die Zahl der Arbeitslosen um 792 Personen (+17,2 Prozent) zu.

In der Grafschaft Bentheim nahm die Zahl der Arbeitslosen ebenfalls zu. Hier gab es mit 2.222 Arbeitslosen 323 Personen (+17,0 Prozent) weniger als im Monat März. Die Arbeitslosenquote beträgt 2,9 Prozent.

 

Unterbeschäftigung (ohne Kurzarbeit)

Ergänzend zur Arbeitslosenstatistik werden auch Daten zur Unterbeschäftigung veröffentlicht. Dazu zählen die gesetzlich definierten Arbeitslosen sowie Personen, die nicht als arbeitslos gelten, aber ohne Beschäftigung sind, z.B. in Maßnahmen beruflicher Weiterbildung, Arbeitsgelegenheiten und Sonderregelungen für Arbeitslose. Die Unterbeschäftigung umfasste im Agenturbezirk nach vorläufigen Angaben im April 11.319 Personen.