28.10.2021 | Presseinfo Nr. 41

Jahresbilanz Ausbildungsmarkt 2020/2021

•Ausbildungsmarkt ist weiterhin von den Auswirkungen der
 Corona-Pandemie geprägt

•Zahl der Ausbildungsstellenbewerber bei der Arbeitsagentur und
 den Jobcentern geht erneut zurück

•Viele Ausbildungsstellen bleiben unbesetzt

•Kammern melden mehr eingetragene Ausbildungsverträge als im Vorjahr

Das Berufsausbildungsjahr 2020/2021 endete am 30.September. Zusammen mit den Ausbildungsmarktpartnern der Industrie- und Handelskammer, der Handwerkskammer, dem Grafschafter Jobcenter und dem Jobcenter Emsland bilanziert die Agentur für Arbeit Nordhorn die Situation auf dem Ausbildungsmarkt.

Agentur für Arbeit Nordhorn

Im Ausbildungsjahr 2020/2021 haben nahezu alle Lehrstellensuchenden eine Berufsausbildung beginnen können.

Lediglich 50 Ausbildungsplatzsuchende für beide Rechtskreise (6 in der Grafschaft Bentheim und 44 im Emsland) blieben in diesem Jahr unversorgt. Es meldeten sich insgesamt 124 Ausbildungsplatzsuchende weniger bei der Berufsberatung der Arbeitsagentur und bei den Jobcentern als im letzten Jahr. Insgesamt verzeichneten die Arbeitsagentur und die Jobcenter 2.242 Bewerberinnen und Bewerber. Mit allen bei der Agentur für Arbeit Nordhorn gemeldeten Personen wird weiterhin intensiv an einer individuellen Lösung gearbeitet.

„Viele Jugendliche konnten ihre angestrebten Wunschberufe nicht in der Praxis kennenlernen. Dadurch ist der Prozess der beruflichen Orientierung nicht zum Abschluss gekommen. Die Agentur für Arbeit ist in jeder Schule präsent und unterstützt gerne jede Schülerin und jeden Schüler“, kommentiert René Duvinage, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Nordhorn, die Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt. „Durch unsere langjährige Erfahrung und gerade in der Corona Zeit haben wir die Erkenntnis gewonnen, dass viele Auszubildende mit den alternativen Lernformen überfördert wurden. Die assistierte Ausbildung (ASA Flex) stellt jetzt eine wirksame Möglichkeit dar, sowohl die Bewerberinnen und Bewerber als auch die Betriebe individuell bei Problemen in der Ausbildung zu unterstützen. Bei Bedarf stehen wir gerne Bewerberinnen, Bewerbern und Betrieben zur Seite“, so Duvinage.

Aus Sicht der Arbeitsagentur wird es auch in den kommenden Jahren zu einem verschärften Engpass an Bewerberinnen, Bewerbern und erhöhter Konkurrenz untern den Betrieben kommen. „Arbeitgeber sollten daher eine klare Strategie bei der Bewerbergewinnung verfolgen“, erläutert Duvinage. „Die Vorteile einer beruflichen Ausbildung, die Attraktivität des Ausbildungsberufes und des Betriebs sollten deutlich herausgestellt werden.“

In vielen Berufen, in denen die Agentur für Arbeit bereits im Jahr 2019 Engpässe festgestellt hat, konnten jetzt überdurchschnittlich viele Ausbildungsstellen nicht besetzt werden. Dazu zählen z. B. Handwerksberufe (wie Elektroniker/-in Energie- und Gebäudetechnik, Anlagenmechaniker/-in Sanitär-, Heizung-, Klimatechnik), Bauberufe, Berufskraftfahrer/-innen oder auch Köchinnen/Köche.

Viele potentielle Studentinnen und Studenten haben sich nach dem Abitur vorübergehend gegen ein Studium oder eine Ausbildung entschieden. Sie haben sich zur Überbrückung in Richtung Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) oder sonstige Angebote orientiert. Ein Studium möchten sie erst aufnehmen, wenn sich das Hochschulleben in Präsenz normalisiert hat. „Auch nach Abschluss der Schulzeit unterstützt die Berufsberatung vor dem Erwerbsleben bei Fragen zur beruflichen Orientierung und zum Studium. Gerne helfen wir auch kurzfristig per Videoberatung in Fragen der beruflichen Orientierung“, unterstreicht Duvinage.

Grafschafter Jobcenter

Auch in den Jahren 2020/21 ist der Ausbildungsmarkt aus Sicht des Grafschafter Jobcenters von einem großen Angebot an offenen Ausbildungsstellen in unterschiedlichen Branchen gekennzeichnet.

Nach einem weitgehenden Stillstand des Ausbildungsmarktes in den Monaten des corona-bedingten Lockdowns holte der Markt merklich auf. Auch in der aktuellen Arbeitsmarktlage engagieren sich also viele regionale Unternehmen als Ausbildungsbetrieb und geben auch Bewerberinnen und Bewerbern eine Chance, die nicht auf einen geradlinigen Lebenslauf oder gute Schulnoten verweisen können. Die Unternehmen sind nach ihren Möglichkeiten darum bemüht, auch in der momentanen Situation die Entwicklung von künftig dringend benötigten Fachkräften voranzutreiben.

Die Integrationszahlen liegen weiterhin auf einem guten Niveau. Lediglich vereinzelte Jugendliche aus dem SGB-II-Bezug blieben zum 30.09.2021 ohne konkrete Perspektive. Dies ist nicht allein auf individuelle Passungsprobleme zurückzuführen, sondern ebenso auf leider unmittelbar erfolgte Abbrüche. Diesen Jugendlichen werden im Zuge der Nachvermittlung und/oder über vorbereitende Einstiegsqualifizierung weitere Angebote unterbreitet.

In diesem Jahr hat sich der Anteil von jungen Flüchtlingen, die in den Ausbildungsmarkt eingemündet sind, weiter reduziert. Diese Entwicklung ist darauf zurückzuführen, dass ein Großteil der in den Jahren 2015/16 eingetroffenen jungen Flüchtlinge bereits eine Ausbildung aufgenommen hat. In diesem Jahr haben nur mehr diejenigen einen Ausbildungsplatz gesucht, die aktuell die Schule verlassen haben. Das Integrationszentrum hat vielen Schulabgängern unter den Asylbewerbern bzw. im Leistungsbezug des Jobcenters den Start in eine betriebliche Ausbildung oder in eine Einstiegsqualifizierung ermöglicht.

In der Region werden die vergangenen und aktuellen Integrationen der jungen Flüchtlinge in den Ausbildungsmarkt als Erfolg des Integrationszentrums gewertet. Mit dem kooperativen Ansatz der Arbeitsmarktakteure im Integrationszentrum sind in der Grafschaft Bentheim die Voraussetzungen für ein umfassendes Beratungsangebot für Migranten vorhanden. Das Angebot wird sowohl durch Unternehmen als auch Migranten gern genutzt. Für die jungen Menschen, die nach dem Ausbildungsstart Unterstützung benötigen, können Unternehmen über die „Assistierte Ausbildung“ Hilfen zur fachlichen und persönlichen Begleitung durch Coaching sowie Beratung zum Spracherwerb in Anspruch nehmen.

Jobcenter Emsland

Auch im Berufsausbildungsjahr 2020/2021 waren die Auswirkungen der Corona Pandemie trotz einsetzendem Impfeffekt weiterhin deutlich zu spüren. Trotzdem konnten im Bereich des Jobcenters Emsland weiterhin gute Vermittlungsergebnisse erzielt werden. Insgesamt kann man daher im Emsland von einem robusten Ausbildungsmarkt sprechen. Auch in diesem Jahr ist aus Sicht des Jobcenter Emsland mit „verspäteten“ Integrationen in Ausbildung zu rechnen, da die Nachvermittlung aktuell noch im vollen Gange ist. Für spät entschlossene Jugendliche gelten weiterhin erschwerte Rahmenbedingungen, da viele gängige Angebote der beruflichen Orientierung oder auch Möglichkeiten zur direkten Kontaktaufnahme z.B. über Ausbildungs-Messen in 2020 entfallen sind.

Die direkte Vermittlungsunterstützung durch das Fallmanagement oder beauftragte Bildungsträger erfolgte zunächst weiterhin über alternative Kontaktkanäle und nicht über den gewohnten persönlichen Kontakt. Erst mit beginnendem Sommer 2021 konnte wieder verstärkt persönlich beraten werden. Die Lage am regionalen Ausbildungsmarkt war auch in diesem Jahre für die Jugendlichen aus dem SGB II gut. Sowohl die Handwerkskammer Osnabrück/Emsland als auch die IHK Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim verzeichneten ein Plus an Ausbildungsplätzen. Bewerber, die im Bewerbungsverfahren flexibel waren und nicht auf einzelne Berufsbilder festgelegt waren, haben in der Regel einen Ausbildungsbetrieb gefunden.

Die Integrationszahlen liegen weiterhin auf einem hohen Niveau und pendeln sich im Verhältnis zum Betreuungsbestand bei den Vorjahreswerten ein. Die fehlenden bzw. eingeschränkten Möglichkeiten der beruflichen Orientierung haben sich in 2021 bisher nicht deutlicher auf die Ausbildungsplatzintegration im Bereich des Jobcenters Emsland niederschlagen. Auch die guten Integrationszahlen bei den Flüchtlingskunden konnten weiter fortgeführt werden, obwohl sich die Vermittlungspotenziale durch die starken Einschränkungen bzw. ausgesetzten Angebote im Bereich der Sprachförderung verschlechterten.

Der Wandel des emsländischen Ausbildungsmarktes hin zu einem Bewerbermarkt wird immer deutlicher. Die Arbeitgeber müssen im Wettbewerb um gute Bewerber die Netzwerkarbeit intensivieren und sich neben einer inhaltlich und qualitativ guten Ausbildung auch weitere Maßnahmen, wie zum Beispiel die Nutzung von Social Media, einfallen lassen, um Bewerber für sich zu gewinnen. Direkte Ansprachen bei Schulbesuchen und Messen waren wegen der Corona-Pandemie kaum möglich. So fanden, nach einer einjährigen Corona bedingten Pause, die Berufsinformationsbörsen Emsland, kurz BIB Emsland, erst ab September 2021 wieder in Präsenz statt.

Die gute Lage am Ausbildungsmarkt spiegelt sich insbesondere auch bei den „Neu-Bewerbern“ wieder. Hier gibt es unter den Schulabgängern im Emsland kaum unversorgte Jugendliche. Nach wie vor entscheiden sich aber auch viele Jugendliche für eine Fortsetzung der Schullaufbahn. Auch der Gesamtwert der unversorgten Bewerber befindet sich weiterhin auf niedrigem Niveau. Bei der Zielgruppe der Flüchtlinge hat sich der Trend der letzten Jahre hinsichtlich einer guten Ausbildungsbereitschaft fortgesetzt.

Weiterhin gilt es die positiven Zahlen zu bestätigen und Ausbildungsabbrüche zu vermeiden. Gerade die, nach wie vor vergleichsweise hohen, Zahlen der Ausbildungsabbrüche machen dabei Sorgen, wobei die Ausbildungsabbrüche im Emsland nach wie vor sowohl unter dem Landesdurchschnitt des Landes Niedersachsen als auch unter dem bundesweiten Durchschnitt liegen. Auch bedeutet nicht jede vorzeitige Vertragslösung gleich einen Abbruch der Ausbildung. Aufgrund des Überhangs an möglichen Ausbildungsplätzen wird die Ausbildung oft bei einem anderen Betrieb fortgesetzt. Die Ausbildungsqualität der Ausbildungsbetriebe sowie die Ausbildungsreife und -bereitschaft der Auszubildenden sind wesentliche Gründe für vorzeitige Vertragslösungen. Gründe im Bereich der Persönlichkeit der Auszubildenden liegen häufig in fehlender Zuverlässigkeit, Unpünktlichkeit, unzureichendem Sozialverhalten und der, corona-bedingten, veränderten Beschulung wodurch schulische Defizite zum Tragen kommen. Hier ist es umso wichtiger, die möglichen Unterstützungsangebote wie z.B. die, aus den bisherigen ausbildungsbegleiten Hilfen (abH) und der Assistierte Ausbildung nach § 130 SGB I weiterentwickelte, Assistierte Ausbildung-

„AsA flex“ sowie das nachgelagerte Coaching frühzeitig zu nutzen. Diese bleiben daher wie auch die Einstiegsqualifizierung und die Ausbildung in außerbetrieblichen Einrichtungen wichtige Bestandteile der Förderstrategie des Jobcenters.

Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim

Positive Daten gegenüber 2020. Vor-Corona-Niveau aber noch nicht erreicht.

Im Kammerbezirk Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim wurden bis Ende September insgesamt 2.484 neue Ausbildungsverträge im Handwerk abgeschlossen. Im Vorjahresvergleich ist das ein Anstieg von 5,5 Prozent.

In den Landkreisen Emsland und Grafschaft Bentheim haben sich insgesamt 1.324 junge Menschen für eine Ausbildung im Handwerk entschieden (Emsland: 987; Grafschaft Bentheim: 337). Dies bedeutet sogar eine Zunahme von 7,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Allerdings konnte das Niveau vor Beginn der Corona-Pandemie noch nicht wieder erreicht werden. Die Regionen Emsland und Grafschaft Bentheim liegen zusammen bei einem Minus von 3 Prozent. Gerade im Emsland bestätigt sich der Negativtrend der vergangenen Jahre mit einem Minus von 6,5 Prozent. Gegenteilig ist dagegen die Entwicklung in der Grafschaft Bentheim. Hier sind mit einem Plus von 8 Prozent auch im Vergleich zu 2019 deutliche Zuwächse bei den neu eingetragenen Ausbildungsverträgen zu verzeichnen.

In nahezu allen Bereichen des Handwerks besteht wegen der anhaltend hohen Nachfrage nach handwerklichen Leistungen in den Betrieben ein großer Bedarf an Auszubildenden und Fachkräften. Das Handwerk sucht händeringend Nachwuchskräfte, um auch in Zukunft handwerkliche Qualitätsprodukte anbieten zu können. „Insbesondere die Eltern sollten ihre Kinder darin bestärken, den Weg in eine krisensichere handwerkliche Berufsausbildung einzuschlagen“, so Anna Brockhoff, Geschäftsführerin des Dezernats Berufsbildung & Recht bei der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim.

Industrie- und Handelskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim

"Die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe ist unverändert hoch. Für die regionalen Unternehmen bleibt es aber eine große Herausforderung, ihren Fachkräftenachwuchs über die Ausbildung zu sichern. Gründe sind die demografische Entwicklung sowie der anhaltende Trend zur höheren Schulbildung und zum Studium. Aufgrund der Pandemie ausgefallene Veranstaltungen zur Berufsorientierung haben diesen Trend noch verstärkt", erläutert Eckhard Lammers, IHK-Geschäftsbereichsleiter Aus- und Weiterbildung.

Bis Ende September 2021 registrierte die IHK im Agenturbezirk Nordhorn 1.796 neue Ausbildungsverträge. Dies entspricht einem Anstieg von 4,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dieser Anstieg hätte noch deutlicher ausfallen können, wenn es den Betrieben gelungen wäre, die zahlreichen offen gebliebenen Ausbildungsplätze insbesondere im gewerblich-technischen Bereich zu besetzen. Die IHK unterstützt den Prozess der Berufsorientierung und den Übergang von der Schule in den Beruf ganz intensiv durch Initiativen und Projekte wie Azubi-Speed-Datings und Passgenaue Besetzung in bewährter Kooperation mit den regionalen Partnern. "Auf dem Ausbildungsmarkt ist nach wie vor Bewegung und die Ausbildungsbetriebe bieten freie Ausbildungsstellen in unterschiedlichen Branchen an. Unser Appell an alle, die jetzt noch einen Ausbildungsplatz suchen: Nutzen Sie die Chancen, die geboten werden", so Lammers.

Hinweis der Agentur für Arbeit Nordhorn

Arbeitgeber, die freie Ausbildungsstellen melden möchten, können sich an ihren Ansprechpartner oder ihre Ansprechpartnerin im Arbeitgeber-Service wenden oder unter der kostenfreien Telefonnummer 0800 4 5555 20 melden.

Jugendliche, die im nächsten Jahr mit einer Ausbildung starten möchten, sollten nicht länger zögern und umgehend einen Beratungstermin bei der Berufsberatung unter der kostenlosen Servicerufnummer 0800 4 5555 00 vereinbaren.