25.01.2022 | Presseinfo Nr. 6

Corona-Pandemie beeinflusst den Arbeitsmarkt auch in 2021

Die Corona-Pandemie hat auch im Jahr 2021 Spuren auf dem Arbeitsmarkt im Bezirk der Agentur für Arbeit Nordhorn hinterlassen, aber die Spuren sind diesmal nicht so tief. Seit Mai 2021 ist die Arbeitslosigkeit im Agenturbezirk Nordhorn zum Vorjahr stetig gesunken. „Wir hatten in der Spitze im Februar rund 28 Prozent mehr Arbeitslose als vor einem Jahr. Ab April konnte sich die Lage merklich entspannen und der Arbeitsmarkt war im Wesentlichen von Aufholprozessen geprägt“, blickt René Duvinage, Chef der Nordhorner Arbeitsagentur, auf das vergangene Jahr zurück.
 

Insgesamt sank die Zahl der Arbeitslosen im Jahr 2021 um 4,9 Prozent zum Vorjahr. Im Jahresdurchschnitt 2021 waren im Agenturbezirk Nordhorn 1.383 Personen mehr arbeitslos gemeldet als in 2019. „Das höhere Niveau der Arbeitslosigkeit im Vergleich zu 2019 ist zu einem großen Teil auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie zurückzuführen“, stellt Duvinage fest. Die Arbeitslosenquote betrug im Jahresdurchschnitt 2,9 Prozent. „Im Vergleich der niedersächsischen Agenturen ist das der mit Abstand niedrigste Wert“, so Duvinage. „Die Kurzarbeit hat sich auch in 2021 als Stabilisator bewährt. Ohne dieses Instrument wäre die Zahl der Arbeitslosen wohl deutlich höher ausgefallen.“

Eine Prognose für das Jahr 2022 ist schwierig, denn neben der Entwicklung der Corona-Pandemie sind die Auswirkungen der Liefer- bzw. Materialengpässe und des Fachkräftemangels auf den Arbeitsmarkt schwer absehbar. „Jetzt kommt es darauf an, die guten Aufholprozesse zu bestätigen.“ Duvinage hofft jedenfalls, dass die Firmen im Agenturbezirk die Kurzarbeit weiter abbauen können, ihre Beschäftigten nicht entlassen und nach Eindämmung der Omikron-Variante schnell wieder Tritt fassen können. Das Jahr 2021 habe ab dem Frühjahr gezeigt, dass sich die Wirtschaft schnell erholen kann.

Arbeitslosigkeit und Beschäftigung

Im Jahresdurchschnitt 2021 waren im Emsland und der Grafschaft Bentheim 7.619 Personen arbeitslos gemeldet, das sind 396 (-4,9 Prozent) weniger als im Vorjahresdurchschnitt. Die Arbeitslosenquote sank um 0,1 Prozentpunkte auf 2,9 Prozent. Das ist erneut der mit Abstand geringste Wert im Bundesland. Die Arbeitslosenquote des Landes Niedersachsen betrug im vergangenen Jahr 5,5 Prozent. Von Arbeitslosigkeit betroffen waren im Jahresdurchschnitt 3.576 Arbeitslose (46,9 Prozent) im Rechtskreis SGB III und 4.043 Arbeitslose (53,1 Prozent) im Rechtskreis SGB II (Grundsicherung). Die Arbeitslosigkeit hat sich in den Rechtskreisen unterschiedlich entwickelt. Im Bereich der Arbeitslosenversicherung sank die Arbeitslosigkeit um 18,6 Prozent; im Bereich der steuerfinanzierten Grundsicherung erhöhte sie sich um 11,7 Prozent. Bei der Gruppe der Langzeitarbeitslosen und Älteren war im Jahr 2021 ein Anstieg zu verzeichnen. Die Steigerung der Arbeitslosigkeit bei diesen Personengruppen betrug 36,4 Prozent (+610 Personen) bzw. 7,4 Prozent (+123 Personen). Bei der Gruppe der Ausländer sank die Arbeitslosigkeit um 5,5 Prozent auf 1.939 Personen (-114 Personen). Die Frauenarbeitslosigkeit stieg leicht um 0,3 Prozent auf 3.551 Personen. Bei den Männern sank die Arbeitslosigkeit um 9,1 Prozent auf 4.067 Personen. Die Unterbeschäftigung, die auch Personen in Maßnahmen der Arbeitsmarktpolitik und in kurzfristiger Arbeitsunfähigkeit mitzählt, belief sich in 2021 durchschnittlich auf 11.068. Das waren 670 weniger (-5,7 Prozent) als im Vorjahr. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten stieg trotz Corona im vergangenen Jahr weiter an. Zur Jahreshälfte (Stichtag: 30.06.2021) waren 195.515 Menschen erwerbstätig, 1,8 Prozent mehr als zur gleichen Zeit im Vorjahr. Der Aufbau der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung erwies sich im Bezirk der Agentur für Arbeit Nordhorn als leicht stärker als im Land Niedersachsen. In Niedersachsen stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im gleichen Zeitraum lediglich um 1,4 Prozentpunkte. Gleichwohl gab es deutliche Hinweise, dass die Pandemie den Aufbau weiterer Arbeitsplätze nicht zuließ.

Stellenangebot

Im Jahr 2021 wurden der Agentur für Arbeit Nordhorn 12.714 sozialversicherungspflichtige Stellen zur Besetzung gemeldet, das sind 2.929 Stellen (+29,9 Prozent) mehr als noch im Vorjahr. Stellenzugänge gab es vor allem in den Bereichen Zeitarbeit, im Handel und im verarbeitenden Gewerbe. Große Nachfrage bestand auch im Gesundheits- und Sozialwesen. „Der Zugang an neuen Arbeitsstellen ist im vergangenen Jahr wieder gestiegen“, sagt René Duvinage. „Nach wie vor sind die Betriebe jedoch aufgrund der Pandemie und den Materialengpässen noch vorsichtig bei Neueinstellungen. Das führt weiterhin zu Nachteilen bei den Jobchancen für Arbeitslose und Berufseinsteiger.“ Die Unsicherheit der wirtschaftlichen Entwicklung bei den Arbeitgebern gilt hier als Auslöser. Der Anstieg der Nachfrage nach Arbeitskräften gegenüber dem letzten Jahr verschärft die Schwierigkeit in vielen Branchen, gemeldete Arbeitsstellen mit passendem Personal zu besetzen. Duvinage: „Zu den wichtigsten Zielen des Jahres 2022 zählt die Bekämpfung des Fachkräftemangels. Unser Fokus wird daher noch stärker auf Weiterbildungsmöglichkeiten sowohl für Beschäftigte insgesamt, aber insbesondere auch für Geringqualifizierte und Bewerberinnen und Bewerber ohne abgeschlossene Berufsausbildung, liegen.“ 

Kurzarbeit

Infolge der Corona-Krise wurde im April 2020 bei den Anzeigen ein Höchstwert erreicht: Betriebe zeigten für 51.078 Personen Kurzarbeit an. Die höchste Zahl an Leistungsbeziehenden lag im Mai 2020 bei 30.059 Kurzarbeitern. Bis zum Frühjahr 2021 folgte die Entwicklung der Kurzarbeit im Wesentlichen unmittelbar den erfolgten Einschränkungen und Lockerungen für die Wirtschaft und das öffentliche Leben. In 2021 wurde Kurzarbeit zunehmend auch in Anspruch genommen, weil Firmen von den indirekten Folgen der Pandemie (Lieferengpässe von Rohstoffen und Vorprodukten) betroffen waren. Bezogen auf die Zahl der Beschäftigten wurde im Juni 2021 konjunkturelles Kurzarbeitergeld im Agenturbezirk von 4,0 Prozent in Anspruch genommen. Bezogen auf den Zeitraum Januar 2020 bis Juni 2021 liegt dieser Wert deutlich unter dem Höchstwert von 15,5 Prozent. Gleichzeitig ist der niedrigste Stand von 0,8 Prozent merklich überschritten. So wurde im Agenturbezirk im Juni 2021 für 1.065 Betriebe und 7.877 Beschäftigte Kurzarbeitergeld realisiert. „Kurzarbeit hat auch im vergangenen Jahr viele Arbeitsplätze gesichert und damit für eine große Zahl der Beschäftigten die Arbeitslosigkeit verhindern können. Im Internet ist darüber hinaus sowohl auf arbeitsagentur.de als auch auf  Youtube ein Erklärvideo „Weiterbildung während Kurzarbeit“ eingestellt“, so Duvinage.

Ausblick 2022

Die Pandemie wirkt sich auch im Jahr 2022 auf die Arbeit der Arbeitsagentur Nordhorn aus. Da persönliche Gespräche weiterhin nur eingeschränkt möglich sind, haben sich das Online-Angebot und die telefonische Beratung inzwischen etabliert. „Viele Anliegen können bereits von zu Hause aus erledigt werden“, erläutert Duvinage. „Die Videokommunikation in Beratungsgesprächen mit Kundinnen und Kunden wird immer weiter ausgebaut Bei der Digitalisierung ist die Entwicklung nach wie vor enorm. Seit Beginn des Jahres können sich die Bürgerinnen und Bürger online arbeitslos melden. “Die Situation am Arbeits- und Ausbildungsmarkt bleibt dynamisch. „Wir sehen die Lage des Arbeitsmarktes in unserer Region verhalten optimistisch. Trotz der Pandemie ist die Arbeitslosigkeit gesunken und die Nachfrage nach Arbeitskräften gestiegen. Hinsichtlich der gestiegenen Zahl an Langzeitarbeitslosen kommt es verstärkt auf Qualifizierung an“, so Duvinage.

Duvinage ist überzeugt, dass mittelfristig die Themen – Digitalisierung, Dekarbonisierung und Demografie – immer mehr in den Fokus rücken.

René Duvinage (Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Nordhorn) prä-sentiert den Arbeitsmarkt 2021 und gibt einen Ausblick auf das Jahr 2022.
René Duvinage (Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Nordhorn) prä-sentiert den Arbeitsmarkt 2021 und gibt einen Ausblick auf das Jahr 2022.