07.11.2022 | Presseinfo Nr. 61

Jahresbilanz Ausbildungsmarkt 2021/2022

Das Berufsausbildungsjahr 2021/2022 endete am 30.September. Zusammen mit den Ausbildungsmarktpartnern der Industrie- und Handelskammer, der Handwerkskammer, dem Grafschafter Jobcenter und dem Jobcenter Emsland bilanzierte die Agentur für Arbeit Nordhorn am 7. November im Rahmen einer Pressekonferenz die Situation auf dem Ausbildungsmarkt.
 
 

Agentur für Arbeit Nordhorn

Im Bezirk der Agentur für Arbeit Nordhorn sind die Bewerberzahlen stärker zurückgegangen als die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen. Somit bleibt der hiesige Ausbildungsmarkt ein „Bewerbermarkt“ mit guten Chancen ins Berufsleben zu starten. Doch oft passen die Berufswünsche der Jugendlichen nicht mit den angebotenen Ausbildungsstellen zusammen.

„Für den Ausbildungsmarkt bleibt daher die berufliche Orientierung besonders wichtig. Nur so kann bei den vielfältigen beruflichen Möglichkeiten das individuell passende Angebot gefunden werden. Je besser es gelingt, diese Puzzleteile zusammenzufügen, desto geringer ist das Risiko des Ausbildungsabbruchs. Dies gilt es zu vermeiden, um die angespannte Lage nicht noch weiter zu verschärfen“, kommentiert René Duvinage, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Nordhorn, die Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt. „Die Anforderungen sind in vielen Ausbildungsberufen gestiegen. Trotzdem empfehlen wir den Betrieben, sich noch mehr für junge Menschen zu öffnen, die nicht zu den „optimalen“ Kandidaten gehören. In Zeiten von Fachkräftemangel können wir auf keine Nachwuchskraft verzichten. Die Bundesagentur für Arbeit hat viele Fördermöglichkeiten, damit die Ausbildung auch in diesen Fällen gelingen kann (zum Beispiel die assistierte Ausbildung)“, so Duvinage.

Grafschafter Jobcenter

Trotz der aktuellen Herausforderungen für die regionale Wirtschaft ist der Ausbildungsmarkt auch in den Jahren 2021/2022 von einem großen Angebot an offenen Ausbildungsstellen gekennzeichnet. Aufgrund des steigenden Bedarfs an Fach- und Arbeitskräften spielt die betriebliche Ausbildung zur Personalakquise eine zunehmend größere Rolle. Das Grafschafter Jobcenter registriert, dass mehr und mehr regionale Unternehmen auch Bewerbern ohne geradlinigen Lebenslauf oder guten Schulnoten eine Chance geben. Kein/e Jugendliche*r bleibt zum 30.09.2022 ohne konkrete Perspektive. Soweit noch Ausbildungsabbrüche erfolgen, werden den betroffenen Jugendlichen im Zuge der Nachvermittlung und/oder über vorbereitende Einstiegsqualifizierung weitere Angebote unterbreitet.

„In diesem Jahr haben noch keine jungen Flüchtlinge aus der Ukraine eine Ausbildung begonnen. Sie halten sich erst seit wenigen Monaten in der Grafschaft auf und sind derzeit mit dem Erwerb der deutschen Sprache beschäftigt. Dank der engen Zusammenarbeit des Teams für unter 25 Jährige im Jobcenter, des Integrationszentrums, des Pro-Aktiv-Centers, der Jugendberufsagentur und der Volkshochschule als Sprachkursträger ist der Landkreis optimal aufgestellt, um die ukrainischen Jugendlichen im Übergang Schule-Beruf, bei der Berufsorientierung und der Aufnahme einer Ausbildung in den kommenden Jahren zu fördern und zu begleiten“, erläutert Valentin Drechsler, Leiter des Grafschafter Jobcenter, die aktuelle Situation auf den regionalen Ausbildungsmarkt.

Jobcenter Emsland

Im Berufsausbildungsjahr 2021/2022 nahmen die unmittelbaren Auswirkungen der Corona Pandemie auf den Ausbildungsmarkt langsam ab. Allerdings zeigten sich im abgelaufenen Ausbildungsjahr die langfristigen Folgen der Corona Pandemie sehr deutlich. So hat sich die Zahl der Bewerber aus dem SGB II im Vergleich zum Vorjahr deutlich reduziert.

„Aufgrund der Einschränkungen im Bereich der beruflichen Orientierung haben sich viele junge Menschen zunächst für eine Fortsetzung der Schullaufbahn entschieden. Jugendliche, die eine Ausbildung starten wollten und über eine entsprechende Ausbildungsreife verfügten konnten vom Jobcenter Emsland aber relativ schnell versorgt werden“, so Stefan Kley, Leiter des Jobcenter Emsland.

Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim

Das regionale Handwerk meldet ein Minus von 5,4 Prozent bei neuen Lehrverträgen. Die Zahlen für den Landkreis Grafschaft Bentheim: 298 neue Lehrverträge (2021: 337, -11,6 %). Die Zahlen für den Landkreis Emsland: 963 neue Lehrverträge (2021: 987, -2,4 %).

Anna Brockhoff, Geschäftsführerin des Dezernats Berufsbildung und Recht bei der Handwerkskammer, stellt die Vorteile einer Ausbildung heraus: „Jeder, der einen Beruf von der Pike auf lernt, hat später viel drauf. Auszubildende können sich im Handwerk einbringen und weiterentwickeln. Egal ob Bau, Mode, Technik, Gesundheit oder Genuss: Wer Bereitschaft und Einsatz zeigt, wird zur begehrten Fachkraft ausgebildet.“

Industrie- und Handelskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim

„Die Ausbildungsbereitschaft der regionalen Unternehmen ist sehr hoch. Doch bleibt es laut der aktuellen IHK-Aus- und Weiterbildungsumfrage für die Betriebe eine große Herausforderung, die dringend benötigten Fachkräfte über die eigene Ausbildung zu sichern. Lediglich etwas mehr als die Hälfte (61 %) der regionalen Unternehmen konnte im vergangenen Ausbildungsjahr alle seine angebotenen Ausbildungsplätze besetzen. Hiervon sind besonders die Branchen Gastgewerbe, Industrie, Logistik, IT sowie Handel betroffen“, erläuterte Juliane Hünefeld-Linkermann, IHK-Geschäftsbereichsleiterin Aus- und Weiterbildung. Bis Ende September 2022 registrierte die IHK in den Landkreisen Emsland und Grafschaft Bentheim 1.727 neue Ausbildungsverträge. Dies entspricht einem Rückgang um -3,8 Prozent. In Niedersachsen gab es ebenfalls einen Rückgang von -3,0 Prozent bzw. -782 Verträgen im Vergleich zum Vorjahresmonat.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Marktlage richten sich die Aktivitäten der IHK auf die Gewinnung weiterer Jugendlicher für die Berufliche Bildung. Hierbei wird vor allem auf digitale Formate gesetzt, so u. a. die Online-Ausbildungskampagne „Moin Future - Eine Ausbildung machen. Alles werden.“ Als besondere Zielgruppe stehen aktuell junge Migranten im Fokus. Um diese und deren Eltern von den Vorteilen einer beruflichen Ausbildung zu überzeugen, veröffentlicht die IHK muttersprachliche Informationen auf den Social-Media-Kanälen (u. a. türkisch, arabisch, ukrainisch). Ukrainischen Flüchtlingen bietet die IHK seit dem 15. August 2022 mit der IHK-Projektkoordinatorin Ukraine, Anastasija Daut, eine neue Ansprechpartnerin an.

"Auf dem Ausbildungsmarkt ist nach wie vor Bewegung und die Ausbildungsbetriebe bieten freie Ausbildungsstellen in unterschiedlichen Branchen an. Unser Appell an alle, die jetzt noch einen Ausbildungsplatz suchen: Nutzen Sie die Chancen, die sich bieten", so Juliane Hünefeld-Linkermann, Leiterin des Geschäftsbereichs Aus- und Weiterbildung der Industrie- und Handelskammer Osnabrück - Emsland - Grafschaft Bentheim.