30.06.2022 | Presseinfo Nr. 38

Arbeitslosigkeit steigt, Beschäftigung sinkt leicht

Erstmalig seit Januar steigen die Arbeitslosenzahlen im Juni an Ems und Vechte. Mit 6.925 Personen bei den Geschäftsstellen der Agentur für Arbeit und den Jobcentern waren 635 Personen bzw. 10,1 Prozent mehr erwerbslos gemeldet als im Mai. Die Arbeitslosenquote steigt im Juni auf 2,6 Prozent.

„Erste Auswirkungen des Ukrainekrieges auf dem hiesigen Arbeitsmarkt sind nun auch bei den Arbeitslosenzahlen erkennbar. Der Anstieg der Arbeitslosenzahlen an Ems und Vechte ist darin begründet, dass seit Juni ukrainische Flüchtlinge bei entsprechender rechtlicher Voraussetzung von den Jobcentern betreut werden. In vielen Fällen erfolgte diese Betreuungsübernahme. In der Folge ist ein Anstieg der Arbeitslosigkeit bei den kommunalen Jobcentern von 18,1% zu verzeichnen. Entsprechend ist der Anteil der Leistungsberechtigten in der Grundsicherung ebenfalls gestiegen. Ein Anstieg der Arbeitslosigkeit aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung ist indes in beiden Rechtskreisen im Juni nicht zu verzeichnen gewesen“, erläutert René Duvinage, Chef der Nordhorner Agentur für Arbeit. „Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ist zwar leicht gesunken, der Bedarf an Arbeitskräften ist aber nach wie vor auf einem hohen Niveau. Trotz der angespannten gesamtwirtschaftlichen Situation bleiben die Beschäftigungsperspektiven weiter gut, denn der Arbeitsmarkt ist aufnahmefähig. Risiken bestehen allerdings hinsichtlich einer möglichen geopolitischen Ausweitung des russischen Kriegs gegen die Ukraine oder eines weitgehenden Energie-Lieferstopps“, ergänzt der Arbeitsmarktexperte.

Abschließend unterstreicht Duvinage: „Die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen steigt, die Zahl der gemeldeten Bewerberinnen und Bewerber geht im Jahresvergleich weiter zurück. Wir appellieren an die jungen Menschen, unser Beratungsangebot anzunehmen. Es gibt gute Chancen am Ausbildungsmarkt.“

Kurzarbeit

Im Juni zeigten 17 Betriebe Kurzarbeit für 176 Beschäftigte an. Seit Beginn der Corona-Krise wurden 104.480 Personen in Anzeigen gemeldet. Die Zahl der Anzeigen sagt aber noch nichts über die Inanspruchnahme der Kurzarbeit aus. Diese steht erst nach drei Monaten fest, wenn die Betriebe ihre tatsächliche Kurzarbeit mit der Agentur für Arbeit abgerechnet haben. Im Monat November 2021 haben insgesamt 494 Betriebe für 1.950 Beschäftigte Kurzarbeit abgerechnet. Im Dezember 2021 haben 396 Betriebe für 2.682 Beschäftigte Kurzarbeit abgerechnet.

Stellenmarkt

Im Juni zeigten Betriebe und Verwaltungen der Agentur für Arbeit Nordhorn 894 offene Stellen an. Das sind 16 oder 1,8 Prozent mehr als im Vormonat. Insgesamt gab es im Juni 6.949 Stellen (+ 19,3 Prozent ggü. Juni 2021), über deren Besetzung noch nicht endgültig entschieden war. Stellenzugänge kamen vor allem aus der Zeitarbeit, der Lager- und Logistikbranche und dem Hotel- und Gaststättenbereich.

Entwicklung der Arbeitslosigkeit nach Rechtskreisen

Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit in der Arbeitslosenversicherung (Sozialgesetzbuch III / Arbeitslosengeld I) und in der steuerfinanzierten Grundsicherung (Sozialgesetzbuch II / Arbeitslosengeld II) verlief im Juni unterschiedlich. Im Bereich der Arbeitslosenversicherung ist die Zahl der Arbeitslosen gegenüber dem Vormonat um 45 oder 1,8 Prozent auf 2.490 Personen gesunken. Bei den für die steuerfinanzierte Grundsicherung verantwortlichen Jobcentern stieg die Arbeitslosenzahl im Juni gegenüber dem Vormonat um 680 oder 18,1 Prozent auf 4.435 Personen.

Entwicklung der Arbeitslosigkeit nach Personengruppen

Mit 3.507 arbeitslosen Männern waren 82 Personen mehr gemeldet als noch im Mai. Bei den Frauen war eine Zunahme von 553 auf insgesamt 3.418 Personen zu verzeichnen. Der Anteil der Frauen an allen Arbeitslosen betrug 49,4 Prozent, der der Männer lag bei 50,6 Prozent. Von den Arbeitslosen waren 9,9 Prozent Jugendliche. Die Arbeitslosenzahl stieg auf 684 Personen (+ 130).

Die Zahl der arbeitslosen Ausländer stieg auf 2.282 Personen. Das waren 718 Personen oder 45,9 Prozent mehr als im Vormonat und 380 oder 20 Prozent mehr als im Juni 2021. Zu der Gruppe der Ausländer gehören sowohl Menschen, die schon länger im Emsland und in der Grafschaft Bentheim leben, als auch neu hinzugekommene Flüchtlinge (1)und Zugewanderte.

Entwicklung der Arbeitslosigkeit in den Landkreisen

Im Emsland waren im Monat Juni insgesamt 5.003 Personen arbeitslos gemeldet, die Arbeitslosenquote steigt auf 2,6 Prozent. Verglichen mit dem Vormonat nahm die Zahl der Arbeitslosen um 313 Personen (+ 6,7 Prozent) zu. Auch in der Grafschaft Bentheim stieg die Zahl der Arbeitslosen. Hier gab es mit 1.922 Arbeitslosen 322 Personen (+ 20,1 Prozent) mehr als im Monat Mai. Die Arbeitslosenquote steigt auf 2,5 Prozent.

Unterbeschäftigung (ohne Kurzarbeit)

Ergänzend zur Arbeitslosenstatistik werden auch Daten zur Unterbeschäftigung veröffentlicht. Dazu zählen die gesetzlich definierten Arbeitslosen sowie Personen, die nicht als arbeitslos gelten, aber ohne Beschäftigung sind, z.B. in Maßnahmen beruflicher Weiterbildung, Arbeitsgelegenheiten und Sonderregelungen für Arbeitslose. Die Unterbeschäftigung umfasste im Agenturbezirk nach vorläufigen Angaben im Juni 10.093 Personen.

 

(1) Flüchtlinge sind im allgemeinen Sprachgebrauch Menschen, die wegen Verfolgung, Krieg oder Katastrophen aus ihrer Heimat geflohen sind. Im Kontext der Fluchtmigration werden folgende Gruppen unterschieden: Asylbewerber, anerkannte Asylbewerber bzw. Schutzsuchende, Kontingentflüchtlinge und geduldete Ausländer. Anerkannte Schutzberechtigte werden von Jobcentern betreut, Asylbewerber und Geduldete von Arbeitsagenturen.