03.02.2021 | Presseinfo Nr. 5

Ausbildung in Zeiten der Pandemie

Gemeinsame Bilanz zum Ausbildungsjahr 2020 in Oberhausen
 

Anfang November 2020 zogen die Partner am Ausbildungsmarkt in Oberhausen - die Agentur für Arbeit, das Jobcenter, die IHK zu Essen, die Kreishandwerkerschaft, der Unternehmerverband und der DGB - gemeinsam eine erste Zwischenbilanz und machten deutlich: hier geht noch was! Corona hat das Geschehen am Ausbildungsmarkt verschoben und so ziehen die Konsenspartner erst heute eine finale Bilanz.

Die Botschaft Anfang November während der gemeinsamen Zwischenbilanz der Oberhausener Ausbildungsmarktpartner war deutlich: das Ausbildungsjahr ist noch nicht vorbei - Chancen werden im sogenannten 5. Quartal (Oktober bis Dezember) und sogar darüber hinaus noch bis Ende Januar vorhanden sein. Denn die Corona-Pandemie hat durch vielfältige Widrigkeiten das Zusammenfinden von Unternehmen und angehenden Auszubildenden zeitlich verschoben.

Die Ausbildungsmarktpartner reagierten schnell auf diese Entwicklung und stellten neue Online-Angebote sowie digitale Lösungen zur Verfügung.

Christiane Artz, Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit Oberhausen, zieht Bilanz:

„Erfreulicherweise hat unser Appell zumindest einige Jugendliche erreicht. Dies erkennen wir im Vorjahresvergleich. So meldeten sich bei der Berufsberatung 110 weitere Jugendliche, die noch für das aktuelle Ausbildungsjahr eine Ausbildungsstelle suchen – etwas mehr als im Vergleichszeitraum 2019. Leider ist es im Gegenzug nicht gelungen, mehr Ausbildungsstellen einzuwerben als 2019. Im 5. Quartal wurden mit 36 Ausbildungsstellen rund 30 weniger gemeldet als im Vorjahr. Es ist durchaus nachvollziehbar, dass die Unternehmen aktuell verunsichert und zurückhaltend sind bei dem Thema Ausbildung. Viele wissen nicht, wie es im Betrieb weitergeht, und haben andere Sorgen. Aktuell befinden wir uns im Grunde schon in einem fließenden Übergang zum neuen Ausbildungsjahr. Auch dieses wird sicherlich noch stark unter dem Einfluss der Corona-Pandemie stehen.“

Im 5. Quartal 2020 meldeten sich 143 junge Menschen aus der Berufsberatung ab und nahmen eine Berufsausbildung auf. Das waren 31 mehr als im selben Zeitraum 2019 (+ 27,7 %). Am Ende des 5. Quartals blieben aber auch noch 38 Ausbildungsstellen unbesetzt und 288 Bewerberinnen unversorgt.

Mit Blick auf das neue Ausbildungsjahr appelliert Uwe Weinand, Geschäftsführer des Jobcenter Oberhausen an die Arbeitgeber mehr Ausbildungsplätze zu schaffen und freie Ausbildungsstellen umgehend zu melden, um dem sich verschärfenden Fachkräftemangel wirksam zu begegnen. Schon jetzt sollten zudem Jugendliche und junge Erwachsene, die eine Ausbildung anstreben, unverzüglich Beratungstermine vereinbaren.  „Denn“, so Uwe Weinand, „wir planen eine große Ausbildungsmesse in digitaler Form, die den direkten Kontakt zwischen Ausbildungsbetrieben und Jugendlichen und jungen Erwachsenen ermöglicht.“

„Betrachtet man die Entwicklung der Jugendarbeitslosigkeit auf dem Arbeitsmarkt in Oberhausen und Mülheim an der Ruhr so ist festzustellen, dass es trotz der wirtschaftlichen großen Probleme im Jahre 2020 gelungen ist, lediglich einen leichten Anstieg entstehen zu lassen. Dieses ist erfreulich und zeigt die gute Zusammenarbeit zwischen der Wirtschaft, den Verbänden und behördlichen Institutionen. Auch der Ausbildungsmarkt hat sich relativ stabil gezeigt. Dies zeigen die Meldedaten und dies zeigt sich insbesondere durch die Bereitschaft der Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber und der Schulen den Beginn des Ausbildungszeitpunktes innerhalb des Jahres nach hinten zu verlegen. Entscheidend ist natürlich der weiterhin gegebene große Wille der jungen Menschen, auch unter den besonderen Ereignissen des Jahres 2020, eine Ausbildung zu beginnen.“ betont Beigeordneter der Stadt Oberhausen Frank Motschull.

„Das "5. Quartal" sorgte für leichte Verbesserungen am Ausbildungsmarkt in Oberhausen. Es konnten noch 38 Verträge mehr als Ende September 2020 registriert werden. Erfreulich ist, dass die deutlichen – Corona bedingten - Rückgänge zum Jahresabschluss zumindest etwas abgemildert werden konnten.“ erläutert Franz Roggemann, Geschäftsführer Aus- und Weiterbildung der IHK zu Essen.

Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Mülheim an der Ruhr - Oberhausen, Barbara Yeboah zieht wie folgt Bilanz: „In beiden Städten haben wir für das "5. Quartal“ intensiv geworben und informiert. Im Vorjahresvergleich können wir nur ein kleines Aufholen vermelden. Der Rückgang der eingetragenen Lehrverhältnisse liegt in Mülheim und in Oberhausen gleichauf) nun bei 14 %.“

„Zuerst einmal ist es gut, dass es trotz der Corona Pandemie gelungen ist, im sogenannten V. Ausbildungsquartal, rund 35 zusätzliche Ausbildungsplätze gewonnen zu haben, so sind dennoch eine Reihe junger Menschen ohne einen Ausbildungsplatz geblieben,“ so Dieter Hillebrand, Regionsgeschäftsführer des DGB. „Auch, wenn ich die aktuellen Bemühungen der lokalen Wirtschaft anerkenne, dann ändert das nichts an der Tatsache, dass die Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen und Betriebe zu gering ist. Gerade einmal rund jedes fünfte Unternehmen und Betrieb beteiligt sich noch an der dualen Berufsausbildung. Das ist definitiv zu wenig, so Hillebrand weiter. Nach wie vor gilt eine qualifizierte Berufsausbildung als ein wichtiger Einstieg in die Arbeitswelt und verschafft den Unternehmen und Betrieben die Fachkräfte von Morgen.“

„Trotz der gravierenden Einbrüche in der Wirtschaft aufgrund des Corona-Virus und vor allem dessen Gegenmaßnahmen stehen die Firmen zur Ausbildung. Der weltweite Lockdown über Monate hinweg hat viele Industrieunternehmen stark betroffen, aber auch andere Bereiche wie die Pflege. Liquiditätsengpässe, Ausfälle in den Lieferketten, enorm hoher Aufwand zur Abwehr des Virus, Einrichtung von Homeoffice, Ausfall von Mitarbeitern, die sich um ihre Kinder zu Hause kümmern müssen und Beachtung der exorbitanten Bürokratie rauben jede letzte freie Sekunde bei Arbeitgebern wie -nehmern. Zudem kommen die umweltpolitischen Vorgaben zum beschleunigten Strukturwandel, die gerade auch in Oberhausen Spuren hinterlassen. Dafür, dass relativ viele Unternehmen um ihr Überleben kämpfen müssen, ist Gott sei Dank der Rückgang an Ausbildungsplätzen noch relativ gering. Das zeigt das enorme Engagement der Unternehmen für den Nachwuchs, zumal der Aufwand in Corona-Zeiten, Auszubildende zu finden, noch gestiegen ist. Wir benötigen allerdings dringend eine politische Strategie, in Zukunft mit dem Virus zu leben, um die Unsicherheit zu beenden. Die Jugendlichen ermuntern wir, trotz aller Widrigkeiten der Pandemie sich um einen Ausbildungsplatz zu bewerben“, erklärt Elisabeth Schulte, Mitglied der Geschäftsführung des Unternehmerverbandes Ruhr-Niederrhein.

Jugendliche, die Kontakt zur Berufsberatung oder eine Berufsausbildungsstelle suchen, können sich unter der kostenfreien Telefonnummer 0208 8506 112 an die Agentur für Arbeit wenden und einen Beratungstermin vereinbaren. Weitergehende Informationen gibt es auch auf der Homepage: https://www.arbeitsagentur.de/vor-ort/oberhausen/berufsberatung

Unternehmen, die Unterstützung bei der Suche nach Auszubildenden wünschen, erreichen den gemeinsamen Arbeitgeber-Service der Arbeitsagentur und des Jobcenter Oberhausen unter der kostenfreien Telefonnummer 0800 4 5555 20.  

Zudem finden interessierte Jugendliche wichtige Informationen zum Thema Ausbildung sowie aktuelle Ausbildungsstellenangebote von Unternehmen auf der Internetseite https://my.walls.io/oberhausenbildetaus (Link bitte kopieren, in Internet Browser einfügen und bestätigen).