30.04.2020 | Presseinfo Nr. 39

Corona prägt den Arbeitsmarkt

· extrem viele Betriebe zeigen Kurzarbeit an
· Anstieg der Arbeitslosigkeit resultiert auch aus weniger Abgängen in Arbeit und arbeitsmarktpolitische Maßnahmen

Im April waren im Offenbacher Agenturbezirk 16.801 Personen arbeitslos gemeldet. Das sind 2.720 Menschen oder 19,3 Prozent mehr als im März und 2.999 Personen (21,7 Prozent) mehr als im April 2019. Daraus ergab sich eine Arbeitslosenquote von 6,3 Prozent gegenüber 5,3 Prozent im März und im April 2019.

„Die Folgen der Corona-Krise schlagen sich deutlich in den aktuellen Zahlen zum Arbeitsmarkt nieder. Wie erwartet ist die Arbeitslosigkeit im Offenbacher Agenturbezirk gestiegen, ganz im Gegensatz zu der sonst üblichen Entwicklung in dieser Jahreszeit. Dennoch lohnt es, sich die Zahlen genauer anzusehen. Ein Teil des Anstiegs der Arbeitslosigkeit ergibt sich aus einem stärkeren Zugang von Menschen aus Beschäftigung. Ein weiterer Teil ergibt sich daraus, dass es derzeit keine neuen Beschäftigungsmöglichkeiten und keine arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen gibt, in die arbeitslose Menschen einmünden können und die folglich länger als sonst arbeitslos bleiben“, erläutert Thomas Iser, Leiter der Offenbacher Agentur für Arbeit, die aktuellen Zahlen. „Zugänge in Arbeitslosigkeit gab es aus nahezu allen Branchen, wobei die Wirtschaftszweige Gastgewerbe und sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen den größten Anteil hatten.

Die Möglichkeit, Kurzarbeit anzuzeigen, wird von extrem vielen Betrieben wahrgenommen; die Anzahl der Unternehmen übersteigt die auf dem Höhepunkt der Krise 2008/09 um ein Vielfaches. Die anzeigenden Unternehmen kommen aus nahezu allen Wirtschaftszweigen und repräsentieren alle Größenordnungen. Die Arbeitgeber nutzen damit die Chance, ihre Beschäftigten für den Zeitpunkt nach der Krise im Unternehmen zu halten und vor der Arbeitslosigkeit zu bewahren.“

Kurzarbeit

Im Bezirk der Agentur für Arbeit Offenbach zeigten im April 3.762 Betriebe Kurzarbeit an. Im Vorjahresmonat gab es keine betrieblichen Kurzarbeitergeldanzeigen. Ob und in welchem Ausmaß die Kurzarbeit tatsächlich realisiert wird, zeigt sich erst, wenn die Unternehmen das Kurzarbeitergeld beantragen. Bis zu drei Monate nach der Anzeige können die Betriebe bei der Agentur für Arbeit das Kurzarbeitergeld beantragen, für das sie zunächst in Vorleistung treten.

Stadt und Landkreis Offenbach

7.221 Personen waren im April in der Stadt Offenbach arbeitslos, 919 Personen oder 14,6 Prozent mehr als im März. Im Vergleich zum April des Vorjahres ergab sich ein Anstieg von 13,4 Prozent. Die Arbeitslosenquote stieg auf 9,7 Prozent gegenüber 8,5 Prozent im Vormonat (April 2019: 8,8 Prozent).

9.580 Männer und Frauen waren im Landkreis Offenbach arbeitslos gemeldet, das waren 1.801 Personen oder 23,2 Prozent mehr als im Vormonat. Gegenüber April 2019 war dies eine Steigerung von 2.148 Personen oder 28,9 Prozent. Daraus ergab sich eine Arbeitslosenquote von 5,0 Prozent gegenüber 4,0 Prozent im Vormonat und 3,9 Prozent im April 2019.

Die Entwicklung in den Rechtskreisen

Arbeitslose, die nach einer vorherigen Beschäftigung Arbeitslosengeld I erhalten, werden von der Arbeitsagentur betreut. Für Arbeitslose, die keinen Anspruch (mehr) auf Arbeitslosengeld I haben und auf Leistungen der Grundsicherung (Arbeitslosengeld II, umgangssprachlich ‚Hartz IV') angewiesen sind, sind die Jobcenter MainArbeit (Stadt Offenbach) und ProArbeit (Kreis Offenbach) zuständig.

In der Arbeitslosenversicherung, also bei den Menschen, die vorher in Beschäftigung waren und Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch (SGB) III erhalten, waren am Stichtag im April 7.088 Personen gemeldet, 1.549 Personen mehr als im März. Im Vergleich zum Vorjahr ergab sich ein Anstieg um 2.349 Personen. 

Bei den Jobcentern MainArbeit und ProArbeit waren 9.713 Menschen arbeitslos gemeldet, 1.171 mehr als im Vormonat und 650 mehr als im Vorjahresmonat.

Entwicklung in den Personengruppen

8.812 Männer waren im April arbeitslos gemeldet, 1.397 mehr als im Vormonat und 1.640 mehr als im April 2019. 7.989 Frauen waren ohne Arbeit, 1.323 mehr als im März. Gegenüber April 2019 waren es 1.359 Frauen mehr. 1.623 Jugendliche waren arbeitslos, gegenüber März sind das 318 Personen mehr, gegenüber dem Vorjahresmonat 499 mehr. 3.213 über 55-jährige waren arbeitslos gemeldet, 381 mehr als im Monat vorher und 545 mehr als im April des Vorjahres. 

Zu- und Abgänge in Arbeitslosigkeit

Im Monat April meldeten sich im Agenturbezirk Offenbach 4.884 Personen neu oder erneut arbeitslos, 21,0 Prozent mehr als im April 2019. 48,1 Prozent kamen aus Erwerbstätigkeit, 18,3 Prozent aus einer Ausbildung oder sonstigen Maßnahme und 19,0 Prozent aus Nichterwerbstätigkeit.

2.162 Personen konnten ihre Arbeitslosigkeit beenden, 50,7 Prozent weniger als im April 2019. 33,6 Prozent gingen in Erwerbstätigkeit. 21,0 Prozent meldeten sich in Ausbildung oder eine sonstige Maßnahme und 30,6 Prozent in Nichterwerbstätigkeit ab.

Offene Stellen

2.671 offene Stellen sind von Unternehmen beim Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit Offenbach zur Vermittlung gemeldet worden, 18,6 Prozent weniger als im Vorjahr. 330 offene Stellen wurden neu gemeldet, das sind 44,4 Prozent weniger als im April 2019. 538 offene Stellen konnten erledigt werden, 11,4 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Viele Stellen der als erledigt gemeldeten Stellen wurden nicht besetzt, sondern storniert.

Ausbildungsmarkt

2.730 junge Frauen und Männer meldeten sich von Oktober 2019 bis April 2020 ausbildungssuchend. Im gleichen Zeitraum wurden der Arbeitsagentur 1.884 offene Ausbildungsstellen von Betrieben gemeldet.