03.06.2020 | Presseinfo Nr. 44

Die Pandemie formt den Arbeitsmarkt

Kurzarbeitergeld kann höhere Arbeitslosigkeit zwar abmildern, aber nicht verhindern

Im Mai waren im Offenbacher Agenturbezirk 18.639 Personen arbeitslos gemeldet. Das sind 1.838 Menschen oder 10,9 Prozent mehr als im April und 4.758 Personen (34,3 Prozent) mehr als im Mai 2019. Daraus ergab sich eine Arbeitslosenquote von 6,9 Prozent gegenüber 6,3 Prozent im April und 5,2 Prozent im Mai 2019.

„Der Shutdown hat den Arbeitsmarkt großflächig erreicht. Die Zahl der Betriebe, die infolge der Schutzmaßnahmen Kurzarbeit anzeigen, ist weiterhin signifikant hoch. Das ermöglicht vielen Arbeitgebern, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu halten – und klugerweise nutzen sie diese Chance als Option für wirtschaftlich bessere Zeiten. Gleichwohl ist die Zahl der Arbeitslosen, besonders in der Arbeitslosenversicherung, sprunghaft angestiegen. Die Ursachen dafür sind vielfältig: einerseits die Zugänge durch Entlassung oder Nicht-Verlängerung befristeter Arbeitsverhältnisse, andererseits die Tatsache, dass die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen eingebrochen ist“, kommentiert Thomas Iser, Vorsitzender der Geschäftsführung der Offenbacher Agentur für Arbeit, die jetzt veröffentlichte Statistik. „Da die weitere wirtschaftliche Entwicklung in vielen Bereichen unsicher ist, werden Neueinstellungen verschoben oder es wird ganz darauf verzichtet. Erschwerend kommt hinzu, dass die entlastende Wirkung arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen entfällt.“

Kurzarbeit

Im Bezirk der Agentur für Arbeit Offenbach zeigten von April bis Mai 5.079 Betriebe Kurzarbeit an.

Ob und in welchem Ausmaß die angezeigte Kurzarbeit realisiert wird, zeigt sich erst, wenn die Unternehmen das Kurzarbeitergeld beantragen. Bis zu drei Monate nach der Anzeige können die Betriebe bei der Agentur für Arbeit das Kurzarbeitergeld beantragen, für das sie zunächst in Vorleistung treten.

Stadt und Landkreis Offenbach

7.701 Personen waren im Mai in der Stadt Offenbach arbeitslos, 480 Personen oder 6,6 Prozent mehr als im April. Im Vergleich zum Mai des Vorjahres ergab sich ein Anstieg von 22,5 Prozent. Die Arbeitslosenquote stieg auf 10,1 Prozent gegenüber 9,7 Prozent im Vormonat (Mai 2019: 8,5 Prozent). 

10.938 Männer und Frauen waren im Landkreis Offenbach arbeitslos gemeldet, das waren 1.358 Personen oder 14,2 Prozent mehr als im Vormonat. Gegenüber Mai 2019 war dies eine Steigerung von 3.343 Personen oder 44,0 Prozent. Daraus ergab sich eine Arbeitslosenquote von 5,6 Prozent gegenüber 5,0 Prozent im Vormonat und 3,9 Prozent im Mai 2019.

Die Entwicklung in den Rechtskreisen

Arbeitslose, die nach einer vorherigen Beschäftigung Arbeitslosengeld I erhalten, werden von der Arbeitsagentur betreut. Für Arbeitslose, die keinen Anspruch (mehr) auf Arbeitslosengeld I haben und auf Leistungen der Grundsicherung (Arbeitslosengeld II, umgangssprachlich ‚Hartz IV') angewiesen sind, sind die Jobcenter MainArbeit (Stadt Offenbach) und ProArbeit (Kreis Offenbach) zuständig.

In der Arbeitslosenversicherung, also bei den Menschen, die vorher in Beschäftigung waren und Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch (SGB) III erhalten, waren am Stichtag im Mai 8.109 Personen gemeldet, 1.021 Personen mehr als im April. Im Vergleich zum Vorjahr ergab sich ein Anstieg um 3.341 Personen. 

Bei den Jobcentern MainArbeit und ProArbeit waren 10.530 Menschen arbeitslos gemeldet, 817 mehr als im Vormonat und 1.417 mehr als im Vorjahresmonat.

Entwicklung in den Personengruppen

9.878 Männer waren im Mai arbeitslos gemeldet, 1.066 mehr als im Vormonat und 2.707 mehr als im Mai 2019. 8.761 Frauen waren ohne Arbeit, 772 mehr als im April. Gegenüber Mai 2019 waren es 2.051 Frauen mehr. 1.777 Jugendliche waren arbeitslos, gegenüber April sind das 154 Personen mehr, gegenüber dem Vorjahresmonat 672 mehr. 3.505 über 55-jährige waren arbeitslos gemeldet, 292 mehr als im Monat vorher und 800 mehr als im Mai des Vorjahres. 

Zu- und Abgänge in Arbeitslosigkeit

Im Monat Mai meldeten sich im Agenturbezirk Offenbach 4.340 Personen neu oder erneut arbeitslos, 7,2 Prozent mehr als im Mai 2019. 44,7 Prozent kamen aus Erwerbstätigkeit, 19,2 Prozent aus einer Ausbildung oder sonstigen Maßnahme und 12,2 Prozent aus Nichterwerbstätigkeit.

2.496 Personen konnten ihre Arbeitslosigkeit beenden, 36,7 Prozent weniger als im Mai 2019. 32,1 Prozent gingen in Erwerbstätigkeit. 16,6 Prozent meldeten sich in Ausbildung oder eine sonstige Maßnahme und 26,1 Prozent in Nichterwerbstätigkeit ab.

Offene Stellen

2.499 offene Stellen sind von Unternehmen beim Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit Offenbach zur Vermittlung gemeldet worden, 24,6 Prozent weniger als im Vorjahr. 412 offene Stellen wurden neu gemeldet, das sind 38,6 Prozent weniger als im Mai 2019. 601 offene Stellen konnten erledigt werden.

Ausbildungsmarkt

2.953 junge Frauen und Männer meldeten sich von Oktober 2019 bis Mai 2020 ausbildungssuchend. Im gleichen Zeitraum wurden der Arbeitsagentur 1.927 offene Ausbildungsstellen von Betrieben gemeldet.