01.07.2020 | Presseinfo Nr. 48

Anstieg der Arbeitslosigkeit flacht auf hohem Niveau ab

- Auswirkungen der Pandemie werden Arbeitsmarkt längerfristig prägen
- Appell an Ausbildungsbereitschaft der Betriebe

Im Juni waren im Offenbacher Agenturbezirk 19.388 Personen arbeitslos gemeldet. Das sind 749 Menschen oder 4,0 Prozent mehr als im Mai und 5.938 Personen (44,1 Prozent) mehr als im Juni 2019. Daraus ergab sich eine Arbeitslosenquote von 7,2 Prozent gegenüber 6,9 Prozent im Mai und 5,0 Prozent im Juni 2019.

„Die Arbeitslosigkeit ist im Juni ein weiteres Mal gestiegen, allerdings nicht mehr ganz so stark wie in den Monaten April und Mai. Die stärksten Zugänge gab es in der Arbeitslosenversicherung, also bei jenem Personenkreis, der sich nach einer Beschäftigung arbeitslos melden musste.

Wir können davon ausgehen, dass, selbst wenn die Zahlen nicht mehr so dramatisch steigen werden, die Pandemie dem Arbeitsmarkt noch über einen langen Zeitraum ihren Stempel aufdrücken wird. Denn die Folgen der Lockdown-Maßnahmen sind noch nicht ausgestanden. Die Zahl der Betriebe, die Kurzarbeit angezeigt haben, ist immer noch hoch und die Einstellungsbereitschaft ist nach wie vor kaum vorhanden“, erläutert Thomas Iser, Vorsitzender der Geschäftsführung der Offenbacher Agentur für Arbeit, die aktuellen Daten.

„Unternehmen sollten in Anbetracht der gegenwärtigen Probleme aber keinesfalls in ihrer Ausbildungsbereitschaft nachlassen. Fachkräfte, die schon vor Corona gefehlt haben, werden nach der Krise umso mehr gebraucht werden, wenn sich die Situation wieder konsolidiert. Es gibt für Betriebe bewährte und neue finanzielle Fördermaßnahmen, wenn sie ausbildungsbereit sind. Meine Kolleginnen und Kollegen im Arbeitgeber-Service beraten individuell im persönlichen Gespräch unter der Hotline 0800 4 5555 20.“

Kurzarbeit

Im Bezirk der Agentur für Arbeit Offenbach gingen bis Juni 5.269 Anzeigen für Kurzarbeit ein.

Ob und in welchem Ausmaß die angezeigte Kurzarbeit realisiert wird, zeigt sich erst, wenn die Unternehmen das Kurzarbeitergeld beantragen. Bis zu drei Monate nach der Anzeige können die Betriebe bei der Agentur für Arbeit das Kurzarbeitergeld beantragen, für das sie zunächst in Vorleistung treten.

Stadt und Landkreis Offenbach

7.903 Personen waren im Juni in der Stadt Offenbach arbeitslos, 202 Personen oder 2,6 Prozent mehr als im Mai. Im Vergleich zum Juni des Vorjahres ergab sich ein Anstieg von 29,3 Prozent. Die Arbeitslosenquote stieg auf 10,4 Prozent gegenüber 10,1 Prozent im Vormonat (Juni 2019: 8,2 Prozent). 

11.485 Männer und Frauen waren im Landkreis Offenbach arbeitslos gemeldet, das waren 547 Personen oder 5,0 Prozent mehr als im Vormonat. Gegenüber Juni 2019 war dies eine Steigerung von 4.145 Personen oder 56,5 Prozent. Daraus ergab sich eine Arbeitslosenquote von 5,9 Prozent gegenüber 5,6 Prozent im Vormonat und 3,8 Prozent im Juni 2019.

Die Entwicklung in den Rechtskreisen

Arbeitslose, die nach einer vorherigen Beschäftigung Arbeitslosengeld I erhalten, werden von der Arbeitsagentur betreut. Für Arbeitslose, die keinen Anspruch (mehr) auf Arbeitslosengeld I haben und auf Leistungen der Grundsicherung (Arbeitslosengeld II, umgangssprachlich ‚Hartz IV') angewiesen sind, sind die Jobcenter MainArbeit (Stadt Offenbach) und ProArbeit (Kreis Offenbach) zuständig.

In der Arbeitslosenversicherung, also bei den Menschen, die vorher in Beschäftigung waren und Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch (SGB) III erhalten, waren am Stichtag im Juni 8.658 Personen gemeldet, 549 Personen mehr als im Mai. Im Vergleich zum Vorjahr ergab sich ein Anstieg um 4.028 Personen. 

Bei den Jobcentern MainArbeit und ProArbeit waren 10.730 Menschen arbeitslos gemeldet, 200 mehr als im Vormonat und 1.910 mehr als im Vorjahresmonat.

Entwicklung in den Personengruppen

10.362 Männer waren im Juni arbeitslos gemeldet, 484 mehr als im Vormonat und 3.499 mehr als im Juni 2019. 9.026 Frauen waren ohne Arbeit, 265 mehr als im Mai. Gegenüber Juni 2019 waren es 2.439 Frauen mehr. 1.869 Jugendliche waren arbeitslos, gegenüber Mai sind das 92 Personen mehr, gegenüber dem Vorjahresmonat 667 mehr. 3.612 über 55-jährige waren arbeitslos gemeldet, 107 mehr als im Monat vorher und 1.000 mehr als im Juni des Vorjahres. 

Zu- und Abgänge in Arbeitslosigkeit

Im Monat Juni meldeten sich im Agenturbezirk Offenbach 3.200 Personen neu oder erneut arbeitslos, 14,8 Prozent weniger als im Juni 2019. 43,3 Prozent kamen aus Erwerbstätigkeit, 17,3 Prozent aus einer Ausbildung oder sonstigen Maßnahme und 18,7 Prozent aus Nichterwerbstätigkeit.

2.471 Personen konnten ihre Arbeitslosigkeit beenden, 40,8 Prozent weniger als im Juni 2019. 34,1 Prozent gingen in Erwerbstätigkeit. 19,8 Prozent meldeten sich in Ausbildung oder eine sonstige Maßnahme und 25,2 Prozent in Nichterwerbstätigkeit ab.

Sozialversicherungspflichtige Beschäftigte

Nach den neuesten Daten zu den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (SvB) gab es im Offenbacher Agenturbezirk im Vergleich zum Vorjahr einen leichten Rückgang an Arbeitsplätzen. Nach den neuesten verfügbaren Zahlen vom Dezember 2019 ergab sich mit 177.745 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (SvB) am Arbeitsort ein Minus von 0,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal.

Im Produzierenden Gewerbe kam, verglichen mit dem Vorjahresquartal, mit 41.275 Beschäftigten ein Minus von 1,2 Prozent zustande. In den Dienstleistungsbereichen gab es dagegen mehr Beschäftigte als im Vorjahr. Mit 136.201 SvB gab es hier eine Steigerung von 0,3 Prozent.

Offene Stellen

2.257 offene Stellen sind von Unternehmen beim Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit Offenbach zur Vermittlung gemeldet worden, 30,3 Prozent weniger als im Vorjahr. 401 offene Stellen wurden neu gemeldet, das sind 44,2 Prozent weniger als im Juni 2019. 644 offene Stellen konnten erledigt werden.

Ausbildungsmarkt

3.084 junge Frauen und Männer meldeten sich von Oktober 2019 bis Juni 2020 ausbildungssuchend. Im gleichen Zeitraum wurden der Arbeitsagentur 1.980 offene Ausbildungsstellen von Betrieben gemeldet.