30.07.2020 | Presseinfo Nr. 53

Die Schallmauer durchbrochen

erstmals seit 13 Jahren 20.000 Arbeitslose im Juli / Kurzarbeit wird weiterhin stark nachgefragt

„20.000 Menschen, die in einem Juli arbeitslos gemeldet sind - diese Schallmauer wurde zuletzt vor 13 Jahren durchbrochen. 11.900 Arbeitslose im Kreis und 8.100 in der Stadt Offenbach sind Größenordnungen, die wir uns bis vor wenigen Wochen kaum mehr vorstellen konnten. Auch wenn der Anstieg zum Vormonat weniger deutlich ist, werden die Folgen der Pandemie weiterhin das Arbeitsmarktgeschehen bestimmen und perspektivisch wird das wohl noch eine ganze Zeit lang so bleiben“, resümiert Thomas Iser, Vorsitzender der Geschäftsführung der Offenbacher Arbeitsagentur.

„Abgemildert werden die Anstiege durch die Kurzarbeit, von der die Arbeitgeber weiterhin ausgiebig Gebrauch machen. Das lässt darauf schließen, dass die Mehrzahl der Betriebe bestrebt ist, ihr Personal zu halten. Zum Glück, denn sie werden es wieder brauchen, wenn sich die Situation sukzessive verändert, auch wenn wir von der Normalität der letzten Jahre sicher noch weit entfernt sind. Neu eingestellt wird dagegen derzeit kaum. Das geht vor allem zu Lasten junger Leute, die nach dem Ende ihrer Ausbildung am Anfang ihrer beruflichen Karriere stehen.

Dennoch sollten Jugendliche auf die Zukunft setzen und eine Ausbildung machen, denn wenn die Wirtschaft wieder anzieht, werden sie als Fachkräfte mehr gebraucht denn je. Unsere Berufsberatung berät Jugendliche unter Telefon 069 82997-795 auch in den Ferien.“

20.001 Frauen und Männer waren im vergangenen Monat in Stadt und Kreis Offenbach arbeitslos gemeldet. Das sind 613 Personen oder 3,2 Prozent mehr als im Juni und 6.033 Personen (43,2 Prozent) mehr als im Juli des Vorjahres. Mehr als 20.000 Arbeitslose in einem Juli gab es zuletzt im Jahr 2007.

Die Arbeitslosenquote lag bei 7,4 Prozent; im Juni waren es 7,2 Prozent und im Juli des Vorjahres 5,2 Prozent.

Kurzarbeit

Im Bezirk der Agentur für Arbeit Offenbach gingen bis Juli 5.378 Anzeigen für Kurzarbeit ein.

Ob und in welchem Ausmaß die angezeigte Kurzarbeit realisiert wird, zeigt sich erst, wenn die Unternehmen das Kurzarbeitergeld beantragen. Bis zu drei Monate nach der Anzeige können Betriebe bei der Agentur für Arbeit das Kurzarbeitergeld beantragen, für das sie zunächst in Vorleistung treten.

Stadt und Landkreis Offenbach

8.101 Personen waren im Juli in der Stadt Offenbach arbeitslos, 198 Personen oder 2,5 Prozent mehr als im Juni. Im Vergleich zum Juli des Vorjahres ergab sich ein Anstieg von 31,4 Prozent. Die Arbeitslosenquote stieg auf 10,7 Prozent gegenüber 10,4 Prozent im Vormonat (Juli 2019: 8,3 Prozent). 

11.900 Männer und Frauen waren im Landkreis Offenbach arbeitslos gemeldet, das waren 415 Personen oder 3,6 Prozent mehr als im Vormonat. Gegenüber Juli 2019 war dies eine Steigerung 52,5 Prozent. Daraus ergab sich eine Arbeitslosenquote von 6,1 Prozent gegenüber 5,9 Prozent im Vormonat und 4,1 Prozent im Juli 2019.

Die Entwicklung in den Rechtskreisen

Arbeitslose, die nach einer vorherigen Beschäftigung Arbeitslosengeld I erhalten, werden von der Arbeitsagentur betreut. Für Arbeitslose, die keinen Anspruch (mehr) auf Arbeitslosengeld I haben und auf Leistungen der Grundsicherung (Arbeitslosengeld II, umgangssprachlich ‚Hartz IV') angewiesen sind, sind die Jobcenter MainArbeit (Stadt Offenbach) und ProArbeit (Kreis Offenbach) zuständig.

In der Arbeitslosenversicherung, also bei den Menschen, die vorher in Beschäftigung waren und Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch (SGB) III erhalten, waren am Stichtag im Juli 9.405 Personen gemeldet, 747 Personen mehr als im Juni. Im Vergleich zum Vorjahr ergab sich ein Anstieg um 4.295 Personen. 

Bei den Jobcentern MainArbeit und ProArbeit waren 10.596 Menschen arbeitslos gemeldet, 134 weniger als im Vormonat und 1.738 mehr als im Vorjahresmonat.

Entwicklung in den Personengruppen

10.696 Männer waren im Juli arbeitslos gemeldet, 334 mehr als im Vormonat und 3.577 mehr als im Juli 2019. 9.305 Frauen waren ohne Arbeit, 279 mehr als im Juni. Gegenüber Juli 2019 waren es 2.456 Frauen mehr. 1.996 Jugendliche waren arbeitslos, gegenüber Juni sind das 127 Personen mehr, gegenüber dem Vorjahresmonat 623 mehr. 3.708 über 55-jährige waren arbeitslos gemeldet, 96 mehr als im Monat vorher und 1.030 mehr als im Juli des Vorjahres. 

Zu- und Abgänge in Arbeitslosigkeit

Im Monat Juli meldeten sich im Agenturbezirk Offenbach 3.384 Personen neu oder erneut arbeitslos, 15,0 Prozent weniger als im Juli 2019. 44,3 Prozent kamen aus Erwerbstätigkeit, 21,5 Prozent aus einer Ausbildung oder sonstigen Maßnahme und 17,7 Prozent aus Nichterwerbstätigkeit.

2.753 Personen konnten ihre Arbeitslosigkeit beenden, 20,5 Prozent weniger als im Juli 2019. 32,6 Prozent gingen in Erwerbstätigkeit. 21,6 Prozent meldeten sich in Ausbildung oder eine sonstige Maßnahme und 27,3 Prozent in Nichterwerbstätigkeit ab.

Offene Stellen

2.111 offene Stellen sind von Unternehmen beim Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit Offenbach zur Vermittlung gemeldet worden, 36,3 Prozent weniger als im Vorjahr. 494 offene Stellen wurden neu gemeldet, das sind 17,7 Prozent weniger als im Juli 2019. 617 offene Stellen konnten erledigt werden, wobei viele Stellen storniert wurden.

Ausbildungsmarkt

3.239 junge Frauen und Männer meldeten sich von Oktober 2019 bis Juli 2020 ausbildungssuchend. Im gleichen Zeitraum wurden der Arbeitsagentur 2.041 offene Ausbildungsstellen von Betrieben gemeldet.