01.09.2020 | Presseinfo Nr. 60

Arbeitslosigkeit steigt, aber langsamer

Ausbildungseinstieg ist immer noch möglich / Kurzarbeit verstärkt für Weiterbildung nutzen

„Die Arbeitslosigkeit im Offenbacher Agenturbezirk hat im August zugenommen. Wenn auch die Anstiege im Vergleich mit dem Vorjahr ausgeprägt sind, zeigt sich im Vormonatsvergleich eine allmähliche Verflachung. Die Folgen der Pandemie treten besonders bei jungen Leuten zutage, die nach der Ausbildung nicht übernommen werden und auch keinen neuen Arbeitgeber finden. Die Bereitschaft, Stellen zu besetzen, ist nach wie vor auf niedrigem Niveau, insbesondere in Fertigungsberufen sowie in den sozialen und kulturellen Dienstleistungen“, so die Geschäftsführerin der Offenbacher Arbeitsagentur, Birgit Günther.
„Um Entlassungen wo immer möglich zu vermeiden, nutzen Unternehmen aus nahezu allen Wirtschaftsbranchen weiterhin Kurzarbeitergeld. Wünschenswert ist, dass sich mehr Betroffene auf das Thema Weiterbildung fokussieren. Die beschäftigungslose Zeit kann hervorragend genutzt werden, um sich zu qualifizieren und dadurch gestärkt aus der Krise hervorzugehen.
Noch stärker möchte ich das Augenmerk auf Jugendliche richten, die es schwerer als sonst haben, nach der Schule in eine Ausbildung einzusteigen. Berufsberatung und Arbeitgeber-Service arbeiten mit Hochdruck daran, Auszubildende und Betriebe zusammenzubringen. Zum Glück bemühen sich viele Betriebe, ihre Ausbildungsplätze wie geplant zu besetzen. Es gibt eine breite Palette an Förderinstrumenten, besonders auch für Jugendliche mit Einschränkungen, über die unser Arbeitgeber-Service jeden Ausbildungsbetrieb individuell berät.
Wer sich - aus welchen Gründen auch immer - erst jetzt entschließt, eine Ausbildung anzufangen, hat immer noch Chancen. Die Auswahlprozesse haben sich durch Corona nach hinten verschoben und es ist noch nicht zu spät, den Einstieg zu wagen. Hier ist unsere Berufsberatung die ideale Ansprechpartnerin - online, telefonisch und per Mail. Jeder und jede, der oder die Unterstützung benötigt, wird persönlich beraten; dies gilt übrigens auch für Eltern.“

Im Monat August stieg die Arbeitslosenquote auf 7,6 Prozent gegenüber 7,4 Prozent im Juli und 5,1 Prozent im August des Vorjahres.

20.466 Frauen und Männer in Stadt und Kreis Offenbach waren am Stichtag arbeitslos gemeldet. Das sind 465 Personen oder 2,3 Prozent mehr als im Juli und 6.785 Personen (49,6 Prozent) mehr als im Vorjahresmonat. 

Kurzarbeit

Im Bezirk der Agentur für Arbeit Offenbach gingen bis August 5.486 Anzeigen für Kurzarbeit ein.

Ob und in welchem Ausmaß die angezeigte Kurzarbeit realisiert wird, zeigt sich erst, wenn die Unternehmen das Kurzarbeitergeld beantragen. Bis zu drei Monate nach der Anzeige können Betriebe bei der Agentur für Arbeit das Kurzarbeitergeld beantragen, für das sie zunächst in Vorleistung treten.

Aktuellen Hochrechnungen zufolge machten im März 2020 1.866 Betriebe für 13.669 Beschäftigte Kurzarbeitergeld geltend. Im April realisierten 3.691 Betriebe für 33.940 Beschäftigte Kurzarbeit. 

Stadt und Landkreis Offenbach

8.250 Personen waren im August in der Stadt Offenbach arbeitslos, 149 Personen oder 1,8 Prozent mehr als im Juli. Im Vergleich zum August des Vorjahres ergab sich ein Anstieg von 34,7 Prozent. Die Arbeitslosenquote stieg auf 10,9 Prozent gegenüber 10,7 Prozent im Vormonat (August 2019: 8,3 Prozent). 

12.216 Männer und Frauen waren im Landkreis Offenbach arbeitslos gemeldet, das waren 316 Personen oder 2,7 Prozent mehr als im Vormonat. Gegenüber August 2019 war dies eine Steigerung von 61,7 Prozent. Daraus ergab sich eine Arbeitslosenquote von 6,3 Prozent gegenüber 6,1 Prozent im Vormonat und 3,9 Prozent im August 2019.

Die Entwicklung in den Rechtskreisen

Arbeitslose, die nach einer vorherigen Beschäftigung Arbeitslosengeld I erhalten, werden von der Arbeitsagentur betreut. Für Arbeitslose, die keinen Anspruch (mehr) auf Arbeitslosengeld I haben und auf Leistungen der Grundsicherung (Arbeitslosengeld II, umgangssprachlich ‚Hartz IV') angewiesen sind, sind die Jobcenter MainArbeit (Stadt Offenbach) und ProArbeit (Kreis Offenbach) zuständig.

In der Arbeitslosenversicherung, also bei den Menschen, die vorher in Beschäftigung waren und Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch (SGB) III erhalten, waren am Stichtag im August 9.644 Personen gemeldet, 239 Personen mehr als im Juli. Im Vergleich zum Vorjahr ergab sich ein Anstieg um 4.727 Personen. 

Bei den Jobcentern MainArbeit und ProArbeit waren 10.822 Menschen arbeitslos gemeldet, 226 mehr als im Vormonat und 2.058 mehr als im Vorjahresmonat.

Entwicklung in den Personengruppen

10.847 Männer waren im August arbeitslos gemeldet, 151 mehr als im Vormonat und 3.909 mehr als im August 2019. 9.619 Frauen waren ohne Arbeit, 314 mehr als im Juli. Gegenüber August 2019 waren es 2.876 Frauen mehr. 2.212 Jugendliche waren arbeitslos, gegenüber Juli sind das 216 Personen mehr, gegenüber dem Vorjahresmonat 846 mehr. 3.784 über 55-jährige waren arbeitslos gemeldet, 76 mehr als im Monat vorher und 1.122 mehr als im August des Vorjahres. 

Zu- und Abgänge in Arbeitslosigkeit

Im Monat August meldeten sich im Agenturbezirk Offenbach 3.693 Personen neu oder erneut arbeitslos, 11,9 Prozent weniger als im August 2019. 38,9 Prozent kamen aus Erwerbstätigkeit, 26,9 Prozent aus einer Ausbildung oder sonstigen Maßnahme und 20,2 Prozent aus Nichterwerbstätigkeit.

3.211 Personen konnten ihre Arbeitslosigkeit beenden, 28,5 Prozent weniger als im August 2019. 30,9 Prozent gingen in Erwerbstätigkeit. 29,0 Prozent meldeten sich in Ausbildung oder eine sonstige Maßnahme und 26,7 Prozent in Nichterwerbstätigkeit ab.

Offene Stellen

2.166 offene Stellen sind von Unternehmen beim Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit Offenbach zur Vermittlung gemeldet worden, 37,5 Prozent weniger als im Vorjahr. 456 offene Stellen wurden neu gemeldet, das sind 36,1 Prozent weniger als im August 2019. 403 offene Stellen konnten erledigt werden, dies ist ein Rückgang von 28,7 Prozent im Vorjahresvergleich.

Ausbildungsmarkt

3.365 junge Frauen und Männer meldeten sich von Oktober 2019 bis August 2020 ausbildungssuchend. Im gleichen Zeitraum wurden der Arbeitsagentur 2.085 offene Ausbildungsstellen von Betrieben gemeldet.