30.09.2020 | Presseinfo Nr. 40

Entwicklung des Arbeitsmarktes im September

Offenburg –  Im September waren im Ortenaukreis 10063 Menschen ohne Arbeit, 189 Personen weniger als im Vormonat.

Damit ist die Arbeitslosenquote um 0,1 Prozentpunkte leicht gesunken und liegt über beide Rechtskreise zusammen bei 3,9 Prozent. Niedrigere Arbeitslosenquoten haben in Baden-Württemberg nur die Agenturbezirke Ulm (3,7 Prozent) und Schwäbisch Hall-Tauberbischofsheim (3,8 Prozent). Die Regionaldirektion in Stuttgart gab im September 2020 für Baden-Württemberg eine Arbeitslosenquote von 4,6 Prozent bekannt.

Entwicklung nach Rechtskreisen

Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit verläuft in den beiden Rechtskreisen im Vorjahresvergleich sehr unterschiedlich: Im Bereich der Arbeitslosenversicherung (Rechtskreis SGB III) steht der Arbeitsmarkt vor großen Herausforderungen – im Vergleich zum Vorjahr stieg die Arbeitslosigkeit um 66,3 Prozent. Der Arbeitsmarkt reagiert hier einerseits auf konjunkturelle und strukturelle Veränderungen. Andererseits sind wegen der Pandemie Menschen arbeitslos geworden oder konnten ihre Arbeitslosigkeit nicht beenden. Der Anstieg der arbeitslosen Menschen fällt im Bereich der Grundsicherung (Rechtskreis SGB II) im Vorjahresvergleich schwächer aus und steigt nur um 4,6 Prozent.

Entwicklung am Arbeitsmarkt (SGB III)

„Der Herbstbeginn sorgt für einen leichten jahreszeitlich üblichen Rückgang der Arbeitslosenzahlen. Im Vergleich zum Vorjahr konnten erstmals seit Beginn der Corona-Krise wieder mehr Menschen ihre Arbeitslosigkeit beenden.  Es ist erfreulich festzustellen, dass sich die Nachfrage der Arbeitgeber nach Arbeitskräften stabilisiert, allerdings noch unter dem Niveau des Vorjahres. Insofern hat der Bereich der Arbeitslosenversicherung starke Auswirkung der Pandemie zu spüren bekommen, hiervon sind alle Geschäftsstellen im Ortenaukreis gleichermaßen betroffen“ sagt Horst Sahrbacher, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Offenburg.

Arbeitslosenversicherung (SGB III)

Bei der Arbeitsagentur Offenburg und ihren Geschäftsstellen meldeten sich im Berichtsmonat 1387 Personen neu oder erneut arbeitslos, 225 Arbeitslosmeldungen weniger als im Vormonat (-14,0 Prozent). Im gleichen Zeitraum beendeten 1561 Personen ihre Arbeitslosigkeit, das sind 371 Menschen oder 31,2 Prozent mehr als im Vormonat August, somit haben wir das Niveau der Vorjahre erreicht (September 2019: 1533 Personen, September 2018: 1477 Personen).

Seit Jahresbeginn haben sich 13236 Personen, bei der Agentur für Arbeit Offenburg arbeitslos gemeldet, im Vergleich zum Vorjahreszeitraum waren das 817 bzw. 6,6 Prozent Arbeitslosmeldungen mehr. Dem gegenüber stehen im gleichen Zeitraum 10750 Abmeldungen von arbeitslosen Personen, 929 bzw. 8,0 Prozent weniger als noch vor einem Jahr.

Entwicklung nach Personengruppen (SGB III)

Betrachtet man die Entwicklung der Arbeitslosigkeit bei den Personengruppen, so zeigt sich folgendes Bild: 3516 Männer im Ortenaukreis waren im September ohne Arbeit, 1458 mehr als im Vorjahr. Im Jahresvergleich stieg bei den Frauen die Zahl der Arbeitslosen um 1005 auf 2661. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie betrifft vor allem junge Menschen – die Arbeitsmarktbedingungen sind schwieriger geworden. Aktuell suchen 976 junge Menschen unter 25 Jahren eine Beschäftigung, 34 weniger als im August. Vor einem Jahr konnten von August auf September doppelt so viele Jugendliche ihre Arbeitslosigkeit beenden, es waren 391 Jugendliche weniger von Arbeitslosigkeit betroffen. „Ich möchte an dieser Stelle an die Arbeitgeber im Ortenaukreis appellieren den jungen Menschen, die einen Arbeitsplatz suchen, eine Chance zu geben. Viele junge Fachkräfte wurden nach der Ausbildung arbeitslos, weil sie von ihrem Ausbildungsbetrieb nicht übernommen wurden“, so Horst Sahrbacher.
Mit einem Anteil von 34,6 Prozent bilden die Menschen, die 50 Jahre und älter sind, die größte Gruppe unter den Arbeitslosen. Hier erhöhte sich die Zahl um 694 Personen gegenüber dem Vorjahr auf 2138. Besonders schwierig ist es aktuell für Menschen, die ein Jahr oder länger arbeitslos sind. 584 Menschen waren im September von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen, 253 mehr als im Vorjahr.

Die Arbeitslosenzahlen (SGB III) aus den Geschäftsstellen

Regional betrachtet ist im September die Zahl der Menschen, die eine Beschäftigung suchen, im Vergleich zum August, in allen Geschäftsstellen leicht zurückgegangen. Gegenüber dem Vorjahr ist die Zahl arbeitsloser Menschen aber in allen Geschäftsstellen stark angestiegen. Ein Rückgang zum Vormonat von 85 Personen ist in der Geschäftsstelle Lahr zu verzeichnen. 1806 Frauen und Männer waren im September dort arbeitslos gemeldet (Vorjahr: 1035). Derzeit sind in der Geschäftsstelle Kehl 915 Menschen ohne Arbeit. Gegenüber dem Vormonat ist ihre Zahl um 38 Personen gesunken (Vorjahr: 533). In der Hauptagentur Offenburg wurden gegenüber August 25 arbeitslose Menschen weniger gezählt, derzeit sind 1728 Personen ohne Job gemeldet (Vorjahr: 1124). Auch im Bezirk Oberkirch nahm die Zahl der Arbeitslosen um 16 auf 446 Personen ab (Vorjahr: 263). In Hausach suchen 615 Personen eine Arbeit, dies entspricht einem Rückgang von 11 im Vergleich zum August (Vorjahr: 363)

In der Geschäftsstelle Achern ist die Arbeitslosenzahl im Vergleich zum Vormonat fast unverändert. Im September waren 667 Menschen auf der Suche nach einer Arbeitsstelle (Vorjahr: 396).

Stellensituation

Der Arbeitgeber-Service der Arbeitsagentur Offenburg konnte im vergangenen Monat 668 neue Stellenangebote akquirieren. Die Nachfrage nach Arbeitskräfte steigt ab April 2020 Monat für Monat leicht an, das Vorjahresniveau wird aber deutlich unterschritten.

Waren im September 2019 noch 3912 Arbeitsplätze zur Besetzung gemeldet, sind es aktuell lediglich noch 2986.

Positive Signale setzten das Gastgewerbe, konstant das Handwerk und teilweise auch Industriebetriebe, je nach Branche, wie zum Beispiel im Kunststoffbereich. Wir setzen weiterhin bei arbeitslosen Menschen ohne Berufsausbildung auf berufliche Weiterbildung, um ihre Chancen auf eine Fachkraftstelle zu erhöhen. Arbeitgeber mit Bedarf sollten den Kontakt zum Arbeitgeber-Service der Arbeitsagentur Offenburg nutzen.

Kurzarbeit (KuG)

Im September haben insgesamt 29 Unternehmen im Ortenaukreis Kurzarbeit für 476 Menschen neu angezeigt. Damit bleibt die Entwicklung auf dem Niveau des Vormonats (August: 28 Firmen für 598 Beschäftigte). Seit Beginn der Ausnahmesituation aufgrund der Corona Pandemie haben insgesamt 4866 Ortenauer Firmen für 72586 betroffene Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Kurzarbeit angezeigt. Wie viele Beschäftigte tatsächlich verkürzt arbeiten müssen, wird sich erst zeitversetzt zeigen, wenn die Betriebe Kurzarbeit abrechnen. Für die Vorlage der Abrechnungsunterlagen können sich die Unternehmen bis zu drei Monate Zeit lassen. Inzwischen liegen für den Agenturbezirk erste Hochrechnungen für die Monate März, April und Mai 2020 vor. Im März haben 2040 Betriebe, Kurzarbeitergeld für 14045 Arbeitnehmer abgerechnet. Im April waren im Agenturbezirk insgesamt 3452 Betriebe mit 34801 Arbeitskräften in Kurzarbeit. Im Mai gab es 3103 Betriebe mit 37964 Beschäftigte in Kurzarbeit.