04.06.2019 | Presseinfo Nr. 40

Umschulung gegen den Fachkräfte-Engpass:

Hohe Nachfrage von Kunden einerseits, schwierige Suche nach Fachkräften andererseits. So wie Danjo Stöckel, Chef der 2014 gegründeten DS Holzbau in Sandkrug mit acht Mitarbeitern, erleben etliche Unternehmen in der Region den Arbeitsalltag. Stöckel reagiert darauf, indem er einen erwachsenen Umschüler zum Zimmerer ausbildet.

Kennen gelernt hat Stöckel den 24-jährigen Oldenburger Patrick Rasch bei seinem Bauholz-Lieferanten, wo dieser als Lagerhelfer beschäftigt war. Patrick Rasch begann zunächst nebenberuflich, bei DS Holzbau mitzuarbeiten. „Patrick hatte mal eine Dachdecker-Lehre angefangen, er machte seine Arbeit wirklich gut, und ich wollte ihn gern ausbilden", erzählt Danjo Stöckel. „Ich dachte, mit einem Lehrlingsgehalt kommt keiner mehr aus, der schon Verpflichtungen hat, und habe mich bei der Arbeitsagentur erkundigt. Und tatsächlich gibt es eine Lösung."

Seit Anfang 2019 heißt die Lösung Qualifizierungschancengesetz. „Wir unterstützen Betriebe, die bereits bei ihnen beschäftigte Helferinnen und Helfer umschulen", erklärt Matthias Jantos von gemeinsamen Arbeitgeber-Service von Arbeitsagentur und Jobcenter Oldenburg. Besonders attraktiv sei dies für Arbeitgeber, die in einem Mangelberuf umschulen. Dazu gehören viele Handwerksberufe wie etwa Bau-, Metall- und Elektroberufe, aber auch Gesundheitsberufe. Hier können Arbeitgeber mit erwachsenen Nachwuchs-Fachleuten ein zusätzliches Potenzial erschließen. Denn hier sind ausgebildete Kräfte am Arbeitsmarkt schwer zu finden. In einigen Berufen ist zudem die Zahl der Ausbildungsbewerber gering – so auch bei den Zimmerern. Jantos: „Wir können eine Förderung zahlen, die einem Gutteil des Arbeitsentgelts entspricht. Damit ist die Umschulung für den Betrieb wie für den Umschüler finanziell attraktiv."

Geringqualifizierte Erwachsene, die Berufserfahrung auf Helfer-Niveau haben, fördert die Arbeitsagentur mittels Umschulung. Umschulungen sind um ein Drittel kürzer als die reguläre duale Ausbildung, am Ende steht die reguläre Gesellenprüfung. Die dreijährige Zimmerer-Lehre dauert als Umschulung 24 Monate. „Als Ausbilder muss man dranbleiben, damit das Lernen in der verkürzten Zeit klappt, auf der Baustelle und auch in der Berufssschule", sagt Stöckel. „Mein Meister und ich setzen uns mit Patrick hin und gehen die Aufgaben für den Fachunterricht gemeinsam durch." Zusätzlich könnte sein Umschüler die „Umschulungsbegleitenden Hilfen" nutzen, eine kostenlose Nachhilfe, die von der Arbeitsagentur finanziert wird.

Rein rechnerisch erschließen sich die Betriebe im Bau- und Ausbaugewerbe ein kräftiges Potenzial, wenn sie Ungelernte einbeziehen: Knapp 300 Helfer zwischen 25 und 39 Jahren waren im Agenturbezirk zwischen Wilhelmshaven, Bad Zwischenahn und Delmenhorst für diese Gewerke im April arbeitslos gemeldet. Zugleich waren 480 Arbeitsstellen in diesen Berufen gemeldet, von denen 79 für Helfer, aber 343 für Fachkräfte ausgeschrieben sind.

Mit seiner Entscheidung ist Stöckel zufrieden: „Ich würde jederzeit wieder einen Helfer umschulen, wenn er die nötige Motivation hat. Patrick macht seine Sache wirklich gut."

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