05.06.2019 | Presseinfo Nr. 41

Umschulung gegen den Fachkräfte-Engpass:

Auch Helfer haben gute Aufstiegschancen. Das zeigt die Stührenberg Erd- und Tiefbau GmbH in Nordenham. Gleich drei Bauhelfer drücken die Schulbank - sie machen eine Umschulung und bekommen nach zwei Jahren ihren Gesellenbrief als Kanalbauer bzw. Straßenbauer.

„In den Tiefbau-Berufen gibt es nahezu keine Arbeitslosen. Fachkräfte bei anderen Betrieben abwerben wollen wir nicht, und Bewerber um Ausbildungsplätze sind rar", sagt Geschäftsführer Jörn Wieland. „Über die Umschulung können wir Fachleute heranziehen, und unsere Helfer können sich dauerhaft einen besseren Verdienst sichern." Das war der Wunsch der drei jungen Mitarbeiter.

In einem Gespräch mit dem gemeinsamen Arbeitgeber-Service von Arbeitsagentur und Jobcenter Wesermarsch erfuhr Wieland von der Möglichkeit der Umschulung und der damit verbundenen Förderung. „Wir unterstützen Betriebe, die bereits bei ihnen beschäftigte Helferinnen und Helfer umschulen", erklärt Frank Albers vom gemeinsamen Arbeitgeber-Service. „Während der Umschulung erhalten die Beschäftigten den bisherigen Lohn. Wir können dem Arbeitgeber dank des Qualifizierungschancengesetzes eine Förderung zahlen, die einem Gutteil des Arbeitsentgelts entspricht. Damit ist die Umschulung für den Betrieb wie für den Umschüler finanziell gut zu schultern."

Besonders attraktiv sei dies für Arbeitgeber, die in einem Mangelberuf umschulen. Dazu gehören viele Handwerksberufe wie etwa Bau-, Metall- und Elektroberufe, aber auch Gesundheitsberufe. Hier können Arbeitgeber mit erwachsenen Umschülern ein zusätzliches Potenzial erschließen, weil ausgebildete Kräfte am Arbeitsmarkt schwer zu finden sind und die Zahl der Ausbildungsbewerber gering ist.

Geringqualifizierte Erwachsene, die Berufserfahrung auf Helfer-Niveau haben, fördert die Arbeitsagentur mittels Umschulung. Umschulungen sind um ein Drittel kürzer als die reguläre duale Ausbildung, am Ende steht die reguläre Gesellenprüfung. Die Ausbildungen zum Straßenbauer und Kanalbauer dauern regulär drei Jahre, als Umschulung also nur 24 Monate.

Die Umschüler bei Stührenberg Erd- und Tiefbau sind zwischen 26 und 33 Jahre alt. Jan Laarmann ist der älteste. Im Sommer legt er seine Gesellen-Prüfung ab. „Die Arbeit macht mir jetzt mehr Spaß, weil ich mehr kann und deshalb eigenständiger arbeite", erzählt Laarmann. Der Stundenlohn der Gesellen ist um einige Euro höher als der Helferlohn. Durch Weiterbildung kann der Lohn weiter steigen. Jan Laarmann könnte sich vorstellen, sich künftig verstärkt mit Praxis-Modulen weiterzubilden.

Rein rechnerisch erschließen sich die Betriebe im Bau- und Ausbaugewerbe ein kräftiges Potenzial, wenn sie Ungelernte einbeziehen: Gut 300 Helfer zwischen 25 und 39 Jahren waren im Agenturbezirk zwischen Wilhelmshaven, Bad Zwischenahn und Delmenhorst für diese Gewerke im Mai arbeitslos gemeldet. Zugleich waren 491 Arbeitsstellen in diesen Berufen gemeldet, von denen 83 für Helfer, aber 353 für Fachkräfte ausgeschrieben sind.

Bislang gibt es im Unternehmen keine weiteren Kandidaten für eine Umschulung. Denn nicht alle Helfer trauen sich zu, zwei Jahre lang neben der Praxis noch den Schulstoff zu lernen. Für Jörn Wieland steht fest: „Ich achte jetzt bereits bei der Einstellung von Bau-Helfern darauf, ob sie Lust am Lernen haben. Wir nehmen gern Leute, die einen krummen Lebenslauf, aber Potenzial haben und sich noch weiterentwickeln könnten."

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