01.10.2019 | Presseinfo Nr. 71

Bauhelfer erarbeiten den Berufsabschluss:

„Wir sind offen für alle, die sich als Helfer bewerben. Auch wenn sie vorher noch nie auf dem Bau gearbeitet haben, geben wir ihnen eine Chance", sagt Ralf Cordes, Inhaber der Günter Cordes GmbH in Bad Zwischenahn. „Nach Möglichkeit stellen wir gelernte Straßenbauer und Tiefbauer ein, aber die gibt es kaum noch. Deshalb ist unsere Strategie: Wissbegierige Leute einstellen und weiterbilden."

So wie Johannes Nonn. Der 23-jährige brach seine Konditorlehre ab. Bei Firma Cordes bekam er eine neue Chance: Einstieg als Helfer und nun die Umschulung zum Straßenbauer im Unternehmen. Auch sein 27-jähriger Kollege Marvin Janßen hatte bislang als Helfer gearbeitet und strebt nun einen Abschluss in diesem Beruf an. Für die Umschulung der beiden hat sich das Unternehmen mit gut 40 Beschäftigten die Unterstützung der Arbeitsagentur geholt.

„Wer als Helfer arbeitet, kommt meistens nicht mehr mit einem Lehrlingsgehalt zurecht, oft gibt es schon Familie und weitere Verpflichtungen", erläutert Qualifizierungsberater David Icke von der Agentur für Arbeit Bad Zwischenahn. „Damit Erwachsene mit Berufserfahrung einen beruflichen Abschluss nachholen können, braucht es eine Lösung für den Arbeitnehmer und den Arbeitgeber. Die Arbeitsagentur hat dafür die passenden Fördermittel."

Bei einer Umschulung bleibt der Beschäftigte im Betrieb und bekommt weiter seinen bisherigen Lohn. Die Arbeitsagentur zahlt dem Arbeitgeber einen Teil der Lohnkosten und der Sozialabgaben. Dadurch ist eine Umschulung sowohl für den Betrieb wie für den Umschüler finanziell gut leistbar. Umschulungen sind gegenüber der Ausbildungsdauer im jeweiligen Beruf um ein Drittel verkürzt und richten sich ausschließlich an Berufserfahrene. Die Ausbildung zum Straßenbauer dauert regulär drei Jahre, als Umschulung also nur 24 Monate.

Wer eine Umschulung machen möchte, hat idealerweise schon zuvor im Umschulungsbetrieb als Helfer gearbeitet. „Als Betrieb wollen wir eine gewisse Sicherheit haben, dass der Umschüler am Ende seinen Abschluss schafft", so Jackelin Cordes, die im Bauunternehmen den kaufmännischen Bereich leitet. „Deshalb stellen wir Helfer ein und schauen gezielt: Hat er Durchhaltevermögen, hat er eine gewisse Frustrationstoleranz? Und ist er bereit, Anleitung und Ratschläge von Kollegen anzunehmen, selbst wenn sie jünger sind? Das sind nach unserer Erfahrung wichtige Faktoren für den Erfolg." Durchhaltevermögen brauchen viele Berufserfahrene insbesondere für den Schulstoff, den sie sich in kürzerer Zeit aneignen müssen. Auch deshalb finanziert die Arbeitsagentur Nachhilfe-Unterricht, „Umschulungsbegleitenden Hilfen", für die erwachsenen Lernenden.

„Für die Fachkräftesicherung ist die Umschulung von Beschäftigten ein sehr wichtiger Weg", bekräftigt Dr. Thorsten Müller, Leiter der Agentur für Arbeit Oldenburg-Wilhelmshaven. „Es gibt auf dem Arbeitsmarkt viele arbeitslose Helfer und wenig Fachkräfte. Das gilt besonders für die Bau- und die Pflegeberufe, und auch für etliche andere. Mit erwachsenen Umschülern erschließen Betriebe ein zusätzliches Potenzial. Dank des neuen Qualifizierungschancengesetzes können wir die Betriebe umfassend mit Beratung und Förderung unterstützen."

Veranstaltungen in der Region

Jobmessen, Initiativen, Workshops und weitere interessante Veranstaltungen in der Region

PresseMarketing der Arbeitsagentur Oldenburg-Wilhelmshaven