30.10.2019 | Presseinfo Nr. 81

Appell: Ausbildungschancen nutzen!

Die hohe Zahl an Ausbildungsplatz-Bewerbern der beiden Vorjahre wird in diesem Jahr nicht erreicht. Mit 6.351 jungen Leuten, die sich von der Berufsberatung der Agentur für Arbeit Oldenburg-Wilhelmshaven unterstützen ließen, liegt die Zahl um 7,6 Prozent unter dem Vorjahreswert. 725 der Bewerberinnen und Bewerber haben einen Fluchthintergrund, das sind 11,4 Prozent. Die Unternehmen meldeten 5.390 freie Ausbildungsstellen, 2,9 Prozent weniger als im Berichtsjahr 2017/18.

„Die demografische Komponente mit sinkenden Schulabgänger-Zahlen zeigt sich in diesem Jahr deutlicher als bislang bei den Bewerbern", sagt Dr. Thorsten Müller, Leiter der Agentur für Arbeit Oldenburg-Wilhelmshaven. „Das Angebot an Ausbildungsstellen ist weiterhin hoch. Für viele jungen Leute ist der Besuch einer weiterführenden Schule attraktiv, obwohl die meisten von ihnen direkt einen Ausbildungsplatz finden und ins Berufsleben starten könnten."

Zum Bilanz-Stichtag der Bundesagentur für Arbeit am 30. September waren 241 dieser Ausbildungsplätze als unbesetzt gemeldet und 253 Bewerber als unversorgt, davon 40 junge Leute mit Fluchthintergrund. „Berufswünsche und Stellen passen nicht immer ideal zusammen. Manchmal ist die Stelle nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Manchmal passen die eigenen Fähigkeiten nicht gut zum Wunschberuf", so Müller. „Unsere Berufsberaterinnen und -berater helfen den jungen Leuten, jetzt noch ein passendes Angebot zu finden. Das kann eine Ausbildungsstelle sein, ein Freiwilliges Soziales Jahr oder aber eine Einstiegsqualifizierung."

Zum 30. September 2019 verzeichnete die Handwerkskammer Oldenburg mit 2.862 neu abgeschlossenen Ausbildungsverhältnissen seit Jahresbeginn nahezu identisch viele wie im Vorjahr (2.896). „Das leichte Minus von 1,2 Prozent ist in Anbetracht der Situation am Ausbildungsmarkt und der kleiner werdenden Gruppe der Ausbildungsinteressierten ein positives Ergebnis", so Kai Vensler, Geschäftsbereichsleiter Berufsbildung bei der Handwerkskammer.

Das Handwerk sucht aufgrund der sehr guten Konjunktur deutlich mehr Auszubildende als es finden kann. Nur mit genügend Fach- und Führungskräften sowie Unternehmensgründern und -übernehmern hat das Handwerk eine gute Perspektive und die Gesellschaft eine entsprechende Versorgungsleistung für die wichtigen Alltagssituationen. Laut Vensler zeigt die Jahrestendenz eine Zunahme an Ausbildungsverträgen in den Bauberufen und eine Abnahme in den Bereichen Metall- und Kfz-Gewerbe.

Im Bereich der Oldenburgischen IHK haben die Unternehmen 4.294 Ausbildungsverträge abgeschlossen. Im Vergleich zum Vorjahr ergibt sich ein insgesamt leicht negativer Trend von -1,4 Prozent (60 Ausbildungsverträge). Trotz der geringeren Ausbildungszahlen wurden in den gewerblich-technischen Berufen 19 Verträge (+1,3 %) mehr abgeschlossen als im Jahr 2018. Besonders positiv ist der Metallbereich (+5,7 % und 33 Verträge) sowie die Berufe in der Gastronomie (+11,8 %, 32 Verträge). Im Beruf der Industriekaufleute reduzierten sich die Verträge auf 314 Auszubildende (-9,8%, 34 Verträge).

„Die Zahlen zeigen, dass die Wirtschaft im Oldenburger Land dem Fachkräftemangel begegnet und trotz der wirtschaftlich unsicheren Lage nahezu unverändert ausbildet. Die Ausbildungssituation in den einzelnen Branchen ist derzeit unterschiedlich. In der Metalltechnik (+ 5,7 %, 33 Verträge) und in der Elektrotechnik (+ 3,3 %, 11 Verträge) verzeichnen wir seit Jahren steigende Ausbildungszahlen." erklärt Stefan Bünting, Leiter des Geschäftsbereiches Bildung der Oldenburgischen IHK. "Besonders erfreulich ist die positive Entwicklung in der Gastronomie mit einer Steigerung um 11,8 % (32 Verträge). Ein weiterer Trend zeichnet sich im Ausbildungsbereich der IHK ab. Die Nachfrage nach dem neuen IHK-Qualitätssiegel "TOP-Ausbildung" ist unverändert hoch. Mittlerweile wurden 14 Unternehmen mit dem Siegel TOP-Ausbildung ausgezeichnet und in diesem Jahr kommen noch weitere dazu." berichtet Bünting.

Für das letzte Ausbildungsjahr liegen die Zahlen bei 5.546 Ausbildungsverhältnissen. Davon ist ungefähr ein Drittel im Beruf Landwirt/Landwirtin angesiedelt. Über alle Berufe, die die Landwirtschaftskammer betreut, ist in den vergangenen zehn Jahren bedingt durch den demografischen Wandel ein Rückgang von circa zehn Prozent festzustellen. Damit bewegen sich die Bewerberzahlen aber immer noch auf einem relativ hohen Niveau.

Unverändert beliebt sind gartenbauliche und landwirtschaftliche Berufe, Fachkraft Agrarservice in Lohnunternehmen, die weißen Berufe der Milchwirtschaft, Pferdewirte/Pferdewirtin sowie Pflanzentechnologen/Pflanzentechnologin.

Einen spürbaren Rückgang gibt es schon seit Jahren in der Hauswirtschaft, obwohl dies ein zunehmend wichtiger Dienstleistungsberuf für die Gesellschaft ist. Hier sind die Ausbildungszahlen seit 2010 um die Hälfte zurückgegangen. Das ZEHN, Zentrum für Ernährung und Hauswirtschaft Niedersachsen, soll durch eine Imagekampagne für die Hauswirtschaft dazu beitragen, die gesellschaftliche Akzeptanz des Berufsbildes zu steigern. Das neue Landeszentrum hat Anfang Oktober mit Sitz bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen in Oldenburg seine Arbeit aufgenommen.

Die Qualität der dualen Berufsausbildung im Agrarbereich spiegelt darin wieder, dass 35 Prozent der Auszubildenden von ihrer Herkunft her nicht aus dem agrarischen Bereich kommen. Die jungen Menschen schätzen an der grünen Branche das breite Ausbildungsspektrum sowie den Umgang mit Menschen, Tieren und Natur. Es gibt vielfältige Möglichkeiten, sich im durchlässigen Bildungssystem weiterzuentwickeln. Außerdem gibt es gute Beschäftigungsmöglichkeiten in der Agrar- und Hauswirtschaft, aber auch in vor- und nachgelagerten Bereichen wie in Genossenschaften oder der lebensmittelverarbeitenden Industrie.

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