16.01.2020 | Presseinfo Nr. 4

Rückblick auf den Arbeitsmarkt 2019 und Ausblick

Auch im Jahr 2019 ist die Arbeitslosigkeit in den vier Landkreisen und den drei kreisfreien Städten, die den Bezirk der Agentur für Arbeit Oldenburg-Wilhelmshaven bilden, weiter zurückgegangen. Um 4,8 Prozent niedriger ist die Zahl der Arbeitslosen, die im Jahresdurchschnitt 23.105 betrug, 1.155 weniger als 2018. Die Arbeitslosenquote lag im Jahresdurchschnitt bei 5,6 Prozent und damit 0,4 Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert.

„Im Jahr 2019 verzeichneten wir eine hohe Nachfrage nach Fachkräften mit abgeschlossener Ausbildung", sagt Dr. Thorsten Müller, Leiter der Agentur für Arbeit Oldenburg-Wilhelmshaven. „Betriebe, die die gewünschten Fachkräfte nicht fanden, suchten verstärkt nach Helferinnen und Helfern mit Entwicklungspotenzial. Der Anteil arbeitslos gemeldeter Fachkräfte unter den Arbeitslosen ist in den vergangenen Jahren deutlich gesunken." Im Jahresdurchschnitt 2019 hatten 37,1 Prozent der Arbeitslosen eine abgeschlossene Berufsausbildung, vier Jahre zuvor waren es 42,1 Prozent. Demgegenüber ist der Anteil der Arbeitslosen ohne abgeschlossene Berufsausbildung um 5,3 Prozentpunkte auf 56,2 Prozent der arbeitslos Gemeldeten gestiegen.

Müller führt weiter aus: „Die Zahl der Beschäftigten ist im vergangenen Jahr weiter gestiegen, die Zahl der Arbeitslosen geht weiter zurück. Weil es weniger Kandidaten mit passgenauer Qualifikation für freie Stellen gibt, ist die Offenheit bei vielen Arbeitgebern gewachsen. Sie stellen auch Frauen und Männer ein, die im Betrieb noch hinzulernen müssen, und machen damit vielfach gute Erfahrungen."

Zusätzliche Möglichkeiten hierfür bieten zwei neue Gesetze, die am 1. Januar 2019 in Kraft traten:

Das Teilhabechancengesetz bringt Menschen, die mindestens zwei bzw. mindestens sechs Jahre arbeitslos waren, wieder in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Das Arbeitsentgelt wird weitgehend vom zuständigen Jobcenter bezuschusst. Der Arbeitgeber-Service von Arbeitsagentur und Jobcentern sucht für die Jobcenter-Kundinnen und –Kunden die passenden Betriebe. Arbeitnehmern und Arbeitgebern steht auf Wunsch ein Coach zur Seite.

Im Agenturbezirk nutzten Ende Dezember 350 zuvor langzeitarbeitslose Frauen und Männer dieses Angebot, um wieder im Arbeitsleben Fuß zu fassen. „Die geförderten Arbeitsverhältnisse sind eine wichtige Unterstützung für den Arbeitsmarkt", so Dr. Thorsten Müller. „Durch die Förderung ist es für die Betriebe leichter, die neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter länger einzuarbeiten. Das ist hilfreich, damit motivierte Persönlichkeiten nach längerer Arbeitslosigkeit Schritt für Schritt wieder im Erwerbsleben ankommen." Bislang habe es nur in wenigen Fällen Vertragsauflösungen gegeben.

Das Qualifizierungschancengesetz unterstützt Unternehmen und deren Beschäftigte, die vom Strukturwandel, beispielsweise Digitalisierung, betroffen sind oder die eine Weiterbildung in einem Engpassberuf anstreben. Die Höhe der Förderung richtet sich nach der Unternehmensgröße und nach der Art der Weiterbildung.

„Das Interesse an unseren Beratungsleistungen und an der finanziellen Unterstützung für Weiterbildung ist groß", betont Müller. „Unsere Spezialisten haben im vergangenen Jahr rund 1.100 Arbeitgeber beraten." Die Zahl der Weiterbildungen aufgrund von technischem Wandel nehme langsam zu.

Besonders gefragt waren auch im Jahr 2019 Umschulungen, mit denen Helferinnen und Helfer einen Berufsabschluss erwerben. 147 Beschäftigte begannen bei ihrem Arbeitgeber eine Umschulung, davon gut zwei Drittel als Altenpfleger/in bzw. als Kranken- und Gesundheitspfleger/in. Weitere 16 Arbeitnehmer legten eine Externenprüfung ab, um den Berufsabschluss zu erlangen. 13 Arbeitnehmer, die ihren Berufsabschluss im Ausland erworben hatten, nehmen erfolgreich an einem Anerkennungslehrgang teil, um ihr Wissen zu vervollständigen und im Anschluss als Fachkraft zu arbeiten.

Weitere 154 Beschäftigte erwarben in kürzeren Lehrgängen zusätzliche Kenntnisse. Gefördert wurden auch Kurz-Ausbildungen für Schulbegleiter und Pflegehelfer, ferner Weiterbildungen im IT-Bereich und der Physiotherapie.

Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit in unterschiedlichen Personengruppen

Die Arbeitslosigkeit sank im Jahr 2019 unter Frauen stärker als unter Männern – um 6,0 Prozent, bei den Männern waren es 3,8 Prozent.

Einen weiteren Rückgang der Arbeitslosenzahl gab es auch bei den Arbeitslosen unter 25 Jahre: um 3,2 Prozent oder 76 Personen auf 2.277 Personen.

Gut jeder dritte Arbeitslose im Agenturbezirk ist langzeitarbeitslos, also ein Jahr oder länger arbeitslos gemeldet. Das betraf im vergangenen Jahr 7.795 Frauen und Männer, 918 oder 10,5 Prozent weniger als im Jahresdurchschnitt 2018.

Im Jahr 2019 waren im Durchschnitt 5.329 Ausländerinnen und Ausländer arbeitslos gemeldet, gegenüber 2018 ein Anstieg um 78 Personen bzw. 1,5 Prozent.

In Jahresdurchschnitt 2019 gab es 5.810 arbeitssuchende Geflüchtete, von denen wiederum 2.256 arbeitslos gemeldet waren. Ein Jahr zuvor waren im Jahresdurchschnitt 6.166 Geflüchtete arbeitssuchend gemeldet, davon 2.139 arbeitslos.

Es zeichnet sich eine positive Entwicklung ab: 2.808 Frauen und Männer aus den acht Herkunftsländern Afghanistan, Irak, Iran, Syrien, Eritrea, Nigeria, Somalia und Pakistan waren am 30. Juni 2019 in sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung, 879 mehr als ein Jahr zuvor.

Unterbeschäftigung1

Die Quote der Unterbeschäftigung sank von 8,5 Prozent auf 8,1 Prozent. Die Zahl der Personen, die als unterbeschäftigt, aber nicht arbeitslos gezählt wurden, liegt im Jahresdurchschnitt 2019 bei 10.850 und damit um 266 niedriger als im Vorjahr.

Stellenmeldungen und sozialversicherungspflichtige Beschäftigung

Im Jahr 2019 meldeten die Unternehmen der Agentur für Arbeit und den Jobcentern 20.419 offene sozialversicherungspflichtige Stellen, 486 bzw. 2,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Insgesamt wurden 20.942 Stellen gemeldet, 550 (-2,6 Prozent) weniger als 2018. Zahlenmäßig gab es einen spürbaren Rückgang der Stellenmeldungen in Verkehr und Lagerei, im Baugewerbe sowie im Verarbeitenden Gewerbe.

Der Stellenbestand war im Jahresdurchschnitt mit 7.546 freien gemeldeten Stellen um 345 bzw. 4,8 Prozent höher als 2018. Grund ist in einigen Berufen der Engpass an Bewerberinnen und Bewerbern, der die Suchphase verlängert und damit auch die Laufzeit von offenen Stellen.

Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Agenturbezirk stieg nochmals um 2,0 Prozent auf 276.585. Darunter waren 32,1 Prozent in Teilzeit beschäftigt, gegenüber dem Vorjahr stieg der Anteil um 0,4 Prozentpunkte.

Die Zahl der ausschließlich geringfügig Beschäftigten nahm um 2,6 Prozent auf 49.824 ab.

Die beschäftigungsstärksten Wirtschaftsbereiche im Agenturbezirk waren Ende Juni 2019 weiterhin das Gesundheits- und Sozialwesen (17,0 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten), das Verarbeitende Gewerbe (16,2 Prozent) und „Handel sowie Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen" (15,2 Prozent) mit Wachstumsraten zwischen 1,8 und 2,5 Prozent.

In „Erziehung und Unterricht" steig die Beschäftigtenzahl um 5,2 Prozent oder 538 Personen, 10.982 Frauen und Männer waren am Stichtag in diesem Wirtschaftsbereich beschäftigt. Einen Rückgang um 3,7 Prozent oder 257 Beschäftigte verzeichnete die Arbeitnehmerüberlassung. Im Agenturbezirk gehörten 2,4 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten zu diesem Wirtschaftsbereich.

Prognose für die Entwicklung im Jahr 2020:

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit prognostiziert für den Bezirk der Arbeitsagentur Oldenburg-Wilhelmshaven, dass die Arbeitslosigkeit im Jahr 2020 erneut leicht sinken wird, während der Beschäftigungsaufbau weitergeht, wenngleich in geringerem Umfang als 2019.

Nach dieser Prognose würde die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten um ein Prozent steigen, die Arbeitslosenzahl im Jahresdurchschnitt um knapp ein Prozent sinken.

Der Bedarf an Fachkräften und Spezialisten wird demnach einigen Branchen wie z.B. im IT-Bereich, in der Pflege sowie im Gesundheitswesen weiterhin hoch bleiben, da diese Nachholbedarf haben, zudem ist die Beschäftigungsentwicklung in der Pflege von der Konjunktur abgekoppelt.

1 Als unterbeschäftigt werden Menschen gezählt, die arbeitslos sind, aber auch solche, die an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen teilnehmen und während dieser Zeit nicht als arbeitslos, jedoch als unterbeschäftigt gerechnet werden. Das sind u.a. Teilnehmerinnen und Teilnehmer an Aktivierungs- und Weiterbildungskursen, im so genannten Zweiten Arbeitsmarkt Beschäftigte und Personen, die an einem Kurs teilnehmen, der von anderen Institutionen finanziert wird, beispielsweise die Integrationskurse des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge.

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