16.01.2020 | Presseinfo Nr. 5

Rückblick auf den Arbeitsmarkt 2019 in Wilhelmshaven

Die Arbeitslosigkeit sank 2019 in Wilhelmshaven weiter, wenngleich in geringerem Umfang als im Vorjahr. Im Jahresdurchschnitt lag die Zahl der Arbeitslosen bei 3.987 und damit um 102 oder 2,5 Prozent unter dem Vorjahreswert. Die Arbeitslosenquote betrug im Durchschnitt 10,3 Prozent.

„Auch 2019 war ein gutes Jahr für den Wilhelmshavener Arbeitsmarkt, im November und im Dezember lag die Arbeitslosenquote unter zehn Prozent", sagt Dr. Thorsten Müller, Leiter der Agentur für Arbeit Oldenburg-Wilhelmshaven. „Die Planungen für die kommenden Jahre in Hinblick auch auf den Hafen und den Tourismus lassen weitere Arbeitsplätze und eine sinkende Arbeitslosenquote erwarten."

Müller führt aus: „Im Jade Weser Port konnten viele Menschen im ersten Halbjahr 2019 einen neuen Arbeitsplatz finden. Der große Aufwuchs an Stellen ist damit zunächst geschafft. Dennoch wird dort weiter eingestellt, allerdings in geringerem Umfang."

Für den Wilhelmshavener Arbeitsmarkt stellt Müller abschließend fest: „Die Zahl der Beschäftigten ist im vergangenen Jahr weiter gestiegen, die Zahl der Arbeitslosen ging erneut zurück. Wir haben in der Stadt weiterhin überdurchschnittlich viele Menschen ohne Berufsausbildung. Damit sie eine der freien Stellen einnehmen können, brauchen manche noch Unterstützung oder auch Weiterbildung. Die Chancen sind auch für diesen Personenkreis gewachsen: Weil es weniger Kandidaten mit passgenauer Qualifikation für freie Stellen gibt, ist die Offenheit bei vielen Arbeitgebern größer. Sie stellen auch Frauen und Männer ein, die im Betrieb noch hinzulernen müssen und machen damit vielfach gute Erfahrungen."

Zusätzliche Möglichkeiten hierfür bieten zwei neue Gesetze, die am 1. Januar 2019 in Kraft traten:

Das Teilhabechancengesetz bringt Menschen, die mindestens zwei bzw. sechs Jahre arbeitslos waren, wieder in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Das Arbeitsentgelt wird weitgehend vom zuständigen Jobcenter bezuschusst. Der gemeinsame Arbeitgeber-Service von Arbeitsagentur und Jobcenter sucht für die Jobcenter-Kundinnen und –Kunden die passenden Betriebe. Arbeitnehmern und Arbeitgebern steht auf Wunsch ein Coach zur Seite.

In Wilhelmshaven nutzten Ende Dezember 81 zuvor langzeitarbeitslose Frauen und Männer dieses Angebot, um wieder im Arbeitsleben Fuß zu fassen. „Die geförderten Arbeitsverhältnisse sind eine wichtige Unterstützung für den Arbeitsmarkt", so Dr. Thorsten Müller. „Durch die Förderung ist es für die Betriebe leichter, die neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter länger einzuarbeiten. Das ist hilfreich, damit motivierte Persönlichkeiten nach längerer Arbeitslosigkeit Schritt für Schritt wieder im Erwerbsleben ankommen." Bislang habe es nur in wenigen Fällen Vertragsauflösungen gegeben.

Das Qualifizierungschancengesetz unterstützt Unternehmen und deren Beschäftigte, die vom Strukturwandel, beispielsweise Digitalisierung, betroffen sind oder die eine Weiterbildung in einem Engpassberuf anstreben. Die Höhe der Förderung richtet sich nach der Unternehmensgröße und nach der Art der Weiterbildung.

„Das Interesse an unseren Beratungsleistungen und an der finanziellen Unterstützung für Weiterbildung ist groß", betont Müller. „Unsere Spezialisten haben im vergangenen Jahr in Wilhelmshaven rund 250 Arbeitgeber beraten." Die Zahl der Weiterbildungen aufgrund von technischem Wandel nehme langsam zu.

Besonders gefragt waren auch im Jahr 2019 Umschulungen, mit denen Helferinnen und Helfer einen Berufsabschluss erwerben. In Wilhelmshaven starteten im Herbst zwei komplette Lehrgänge, einmal für Sozialassistentinnen und einmal für Maler und Lackierer, Fachrichtung Bauten- und Korrosionsschutz. Darüber hinaus begannen rund 30 Beschäftigte eine Umschulung in Betrieben, beispielsweise als Maurer und als Hotelfachfrau."

Weitere Beschäftigte erwarben in kürzeren Lehrgängen zusätzliche Kenntnisse, beispielsweise absolvierten sie Kurz-Ausbildungen als Schulbegleiter und Pflegehelfer. Stärker gefragt waren ferner Weiterbildungen im IT-Bereich.

Die Entwicklungen in unterschiedlichen Personengruppen

Der Rückgang der Arbeitslosigkeit fiel bei den Frauen mit einem Minus von 4,4 Prozent etwas stärker aus als bei den Männern, wo es 1,1 Prozent Arbeitslose weniger gab.

Von der positiven Arbeitsmarktentwicklung haben ältere Arbeitslose, die 55 Jahre und älter sind, weniger profitiert: Ihre Zahl stieg leicht um 0,2 Prozent (2 Personen) auf 874. 21,9 Prozent der Arbeitslosen gehörten zu dieser Altersgruppe.

Bei den jüngeren Wilhelmshavenern unter 25 Jahre lag der Rückgang bei 2,4 Prozent und damit nahe am Durchschnittswert. 320 Personen waren im Jahresdurchschnitt in dieser Altersgruppe arbeitslos, das waren 8,0 Prozent aller Arbeitslosen.

Besonderes Augenmerk legen Arbeitsagentur und Jobcenter auf die Langzeitarbeitslosen. Sie werden stark gefördert, auch das Teilhabechancengesetz wird dafür eingesetzt. 1.610 Personen oder 40,4 Prozent der Wilhelmshavener Arbeitslosen waren im Jahresdurchschnitt 2019 langzeitarbeitslos – gegenüber dem Vorjahr ein Rückgang um 82 Personen oder 4,9 Prozent.

In Jahresdurchschnitt gab es 1.120 arbeitssuchende Geflüchtete, von denen 426 arbeitslos gemeldet waren. Im Jahr 2018 waren es im Jahresdurchschnitt 1.132 arbeitssuchende und davon 417 arbeitslose Geflüchtete.

Es zeichnet sich eine positive Entwicklung ab: 278 Frauen und Männer aus den acht Herkunftsländern Afghanistan, Irak, Iran, Syrien, Eritrea, Nigeria, Somalia und Pakistan waren am 30. Juni 2019 in Wilhelmshaven in sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung, 84 mehr als ein Jahr zuvor.

Unterbeschäftigung1

Die Zahl der Personen, die als unterbeschäftigt gezählt wurden, liegt mit 5.707 Personen im Jahresdurchschnitt 2019 um 51 niedriger als im Vorjahr. Die Unterbeschäftigungsquote betrug 14,3 Prozent; im Vorjahr waren es 14,6 Prozent.

Stellenmeldungen und Beschäftigung

2018 waren 3.000 Stellen von Unternehmen in Wilhelmshaven gemeldet worden, im Jahr 2019 fiel die Zahl der Stellenmeldungen mit 2.716 um 9,5 Prozent geringer aus. Ebenso sank die Zahl der gemeldeten sozialversicherungspflichtigen Stellen um 8,8 Prozent (-256) auf 2.660. Der Hintergrund: Ende 2018 wurden zahlreiche Stellen für den Jade Weser Port gemeldet, besetzt wurden sie vorwiegend im ersten Halbjahr 2019. Damit war ein Großteil des Beschäftigungsaufbaus bei den großen Betrieben im Hafen abgeschlossen.

Infolgedessen war die Zahl der Stellenmeldungen in Verkehr und Lagerei im Jahr 2019 mit 161 (-136) spürbar niedriger als im Vorjahr. Dasselbe gilt auch für Stellen in der Arbeitnehmerüberlassung, wo mit 906 nun 83 Stellen weniger als 2018 gemeldet wurden. Im Verarbeitenden Gewerbe ging die Zahl um 48 zurück und lag im Jahr 2019 bei 74 Stellenmeldungen. Ein Plus gab es im Gesundheits- und Sozialwesen (+42 auf 358) und in der Öffentlichen Verwaltung (+34; 239).

Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung wuchs erneut im Vergleich zum Vorjahr, und zwar um 1,4 Prozent bzw. 422 auf 30.534 Beschäftigte zum Stichtag 30. Juni 2019. Unter den sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten arbeiten 30,0 Prozent in Teilzeit, das ist ein Wachstum um 0,6 Prozentpunkte.

In einem Minijob arbeiten 4.996 Menschen in Wilhelmshaven, ihre Zahl ist gegenüber Juni 2018 um 2,4 Prozent gesunken.

In Verkehr und Lagerei, wozu auch die Hafenwirtschaft gehört, waren Mitte 2019 1.668 Menschen tätig, 242 mehr als im Vorjahr. Der Anteil dieses Wirtschaftsbereichs an allen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in Wilhelmshaven ist innerhalb eines Jahres von 4,7 auf 5,5 Prozent gestiegen.

Den weitaus größten Anteil an der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung vereint in Wilhelmshaven das Gesundheits- und Sozialwesen: 22,9 Prozent der Beschäftigten sind hier tätig (+102 bzw. 1,5 Prozent). Dahinter folgt die Öffentliche Verwaltung mit 13,1 Prozent (-57 bzw. -1,4 Prozent). Das Verarbeitende Gewerbe (Anteil von 12,6 Prozent; -81 bzw. -2,1 Prozent auf 3.851) und „Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen" (12,4 Prozent; -78 bzw. -2,0 Prozent auf 3.799) waren Ende Juni 2019 in punkto Beschäftigtenanzahl nahezu gleichauf.

1 Als unterbeschäftigt werden in der Statistik neben den Arbeitslosen auch Frauen und Männer geführt, die nicht arbeitslos waren, aber dem Arbeitsmarkt nicht unmittelbar zur Verfügung standen. Dazu gehören Personen, die an einer von Arbeitsagentur oder Jobcenter finanzierten Weiterbildung teilnehmen, im Rahmen einer Arbeitsgelegenheit beschäftigt waren, als Unternehmensgründer einen Gründungszuschuss bekamen, an einem von Dritten geförderten Kurs (zB einem Integrationskurs) teilnahmen oder kurzfristig arbeitsunfähig gemeldet waren.

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