16.01.2020 | Presseinfo Nr. 6

Rückblick auf Arbeitsmarkt 2019 im Landkreis Friesland

Der Rückgang der Arbeitslosigkeit setzte sich im Landkreis Friesland im Jahr 2019 weiter fort. Im Jahresdurchschnitt lag die Arbeitslosenquote bei 4,3 Prozent. Die Zahl der Arbeitslosen ging um 8,4 Prozent zurück, durchschnittlich waren in den zwölf Monaten des Jahres 2.159 Frauen und Männer arbeitslos, 198 weniger als im Vorjahr.

„Die gute Entwicklung der letzten Jahre hat sich 2019 fortgesetzt, die Zahl der Arbeitslosen ist im Landkreis Friesland nochmals spürbar zurückgegangen", sagt Dr. Thorsten Müller, Leiter der Agentur für Arbeit Oldenburg-Wilhelmshaven. „Davon haben auch viele Menschen nach Zeiten längerer Arbeitslosigkeit profitiert. Der Anteil der Arbeitslosen, die eine Ausbildung abgeschlossen haben, ist in Friesland mit knapp 48 Prozent vergleichsweise hoch. Sie finden leichter eine neue Arbeitsstelle als Personen ohne Berufsausbildung."

Müller erläutert: „Der Arbeitsmarkt im Landkreis Friesland ist gut aufgestellt mit einem breiten Branchenmix. Es gibt viele Arbeitsplätze, zudem pendeln viele Berufstätige aus dem Landkreis Friesland nach Oldenburg, ins Ammerland und nach Wilhelmshaven. Das Verarbeitende Gewerbe ist stark im Landkreis, der Anteil liegt nur um gut drei Prozentpunkte unter dem Landesdurchschnitt. Gesundheits- und Sozialwesen sowie Öffentliche Verwaltung sind im Landkreis in Hinblick auf die Beschäftigtenzahl überdurchschnittlich stark. Auch wenn im vergangenen Jahr weniger freie Stellen im Landkreis Friesland gemeldet wurden, war die Situation für Arbeitssuchende weiterhin positiv."

Einen Engpass an Fachkräften in verschiedenen Berufen gab es 2019 auch im Landkreis Friesland. Müller stellt fest: „Weil es weniger Kandidaten mit passgenauer Qualifikation für freie Stellen gibt, ist die Offenheit bei Arbeitgebern gewachsen. Sie stellen auch Frauen und Männer ein, die im Betrieb noch hinzulernen müssen und machen damit vielfach gute Erfahrungen."

Zusätzliche Möglichkeiten für Arbeitgeber, für Arbeitslose und Beschäftigte bieten zwei neue Gesetze, die am 1. Januar 2019 in Kraft traten:

Das Teilhabechancengesetz bringt Menschen, die mindestens zwei bzw. sechs Jahre arbeitslos waren, wieder in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Das Arbeitsentgelt wird weitgehend vom zuständigen Jobcenter bezuschusst. Der Arbeitgeber-Service sucht für die Jobcenter-Kundinnen und –Kunden die passenden Betriebe. Arbeitnehmern und Arbeitgebern steht auf Wunsch ein Coach zur Seite.

Im Landkreis Friesland nutzten Ende Dezember 76 zuvor langzeitarbeitslose Frauen und Männer dieses Angebot, um wieder im Arbeitsleben Fuß zu fassen. „Die geförderten Arbeitsverhältnisse sind eine wichtige Unterstützung für den Arbeitsmarkt", so Dr. Thorsten Müller. „Durch die Förderung ist es für die Betriebe leichter, die neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter länger einzuarbeiten. Das ist hilfreich, damit motivierte Persönlichkeiten nach längerer Arbeitslosigkeit Schritt für Schritt wieder im Erwerbsleben ankommen." Bislang habe es nur in wenigen Fällen Vertragsauflösungen gegeben.

Das Qualifizierungschancengesetz unterstützt Unternehmen und deren Beschäftigte, die vom Strukturwandel, beispielsweise Digitalisierung, betroffen sind oder die eine Weiterbildung in einem Engpassberuf anstreben. Die Höhe der Förderung richtet sich nach der Unternehmensgröße und nach der Art der Weiterbildung.

„Das Interesse an unseren Beratungsleistungen und an der finanziellen Unterstützung für Weiterbildung ist groß", betont Müller. „Unsere Spezialisten haben 2019 im Landkreis Friesland rund 160 Arbeitgeber beraten, der Schwerpunkt lag im Wangerland." Die Zahl der Weiterbildungen aufgrund von technischem Wandel nehme langsam zu.

Besonders gefragt waren auch im Jahr 2019 Umschulungen, mit denen Helferinnen und Helfer einen Berufsabschluss erwerben. So begannen rund 25 Beschäftigte eine Umschulung in Betrieben, beispielsweise als Zahnmedizinische Fachangestellte. Der Schwerpunkt lag auch in Friesland auf den Berufen der Altenpflege.

Die Entwicklungen in unterschiedlichen Personengruppen

Von der starken Nachfrage am Arbeitsmarkt profitierten Frauen und Männer gleichermaßen. Während die Zahl arbeitsloser Frauen im Jahr 2019 um 8,6 Prozent bzw. 95 sank, waren es 103 arbeitslose Männer (-8,2 Prozent) weniger.

Von der positiven Arbeitsmarktentwicklung haben jüngere Arbeitslose unter 25 Jahre weniger profitiert. Der Rückgang in dieser Altersgruppe lag mit 1,5 Prozent (-3 Personen auf 202) unter dem Durchschnitt.

Besonders positiv war die Entwicklung bei Langzeitarbeitslosen: Um 17,5 Prozent oder 126 Personen ist ihre Zahl im Jahresdurchschnitt 2019 gesunken. Ihr Anteil an allen Arbeitslosen betrug 27,4 Prozent.

In Jahresdurchschnitt lebten im Landkreis Friesland 433 arbeitssuchende Geflüchtete, von denen wiederum 194 arbeitslos gemeldet waren. Im Jahr 2018 waren es im Jahresdurchschnitt 469 arbeitssuchende und davon 204 arbeitslose Geflüchtete.

185 Frauen und Männer aus den acht Herkunftsländern Afghanistan, Irak, Iran, Syrien, Eritrea, Nigeria, Somalia und Pakistan waren am 30. Juni 2019 im Landkreis Friesland in sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung, 78 mehr als ein Jahr zuvor.

Unterbeschäftigung1

Die Zahl der Personen, die als unterbeschäftigt gezählt wurden, liegt mit 2.962 Personen im Jahresdurchschnitt 2019 um 168 niedriger als im Vorjahr. Die Unterbeschäftigungsquote betrug 5,8 Prozent; im Vorjahr waren es 6,1 Prozent.

Stellenmeldungen und Beschäftigung

Auch im Landkreis Friesland lag 2019 die Zahl der Stellenmeldungen niedriger als im Vorjahr. 2.281 Arbeitsstellen (-9,8 Prozent), davon 2.197 sozialversicherungspflichtige (-11,3 Prozent), gaben Unternehmen an Arbeitsagentur und Jobcenter zur Besetzung.

In mehreren Wirtschaftszweigen sank im vergangenen Jahr die Zahl der gemeldeten offenen Stellen, so in der Arbeitnehmerüberlassung von 822 um 247 (-30,0 Prozent) auf 575. Hatten im Jahr 2018 noch 264 Arbeitslose eine Stelle in der Arbeitnehmerüberlassung angetreten, so waren es im Jahr 2019 234, also 30 weniger.

Zahlenmäßig geringer als im Vorjahr fiel die Zahl der Stellenmeldungen auch im Gesundheits- und Sozialwesen mit -35 Stellen (-12,9 Prozent) aus, ferner im Verarbeitenden Gewerbe mit -34 Stellen (-26,2 Prozent), im Gastgewerbe (-30/-12,8 Prozent) und in Verkehr und Lagerei (-25/-22,3 Prozent). Mehr Stellen als im Vorjahr meldeten hingegen „Handel, Instandhaltung und Reparatur" von KfZ mit +42 freien Stellen (+17,5 Prozent) sowie „Erbringung wirtschaftlicher Dienstleistungen", worunter auch Call Center fallen, mit +100 Stellen (+32,1 Prozent).

Das Wachstum der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung setzte sich 2019 weiter fort, wenngleich schwächer ausgeprägt als im Vorjahr: Am 30. Juni 2019 wurden 29.458 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte gezählt, 0,4 Prozent oder 111 Personen mehr ein Jahr zuvor. Der Anteil der Teilzeit-Beschäftigten lag bei 35,3 Prozent, er ist gegenüber dem Vorjahr nochmals um einen Prozentpunkt gestiegen. Auch die Zahl der geringfügigen Beschäftigten ist in Friesland leicht höher als im Vorjahr: 6.189 Frauen und Männer arbeiteten Ende Juni 2019 in einem Minijob, das ist ein Anstieg um 0,5 Prozentpunkte.

Die beschäftigungsstärksten Wirtschaftsbereiche im Landkreis Friesland waren Ende Juni 2019 weiterhin das Gesundheits- und Sozialwesen (18,6 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, +1,9 Prozent zum Vorjahr), das Verarbeitende Gewerbe (17,9 Prozent; +0,2 Prozent Wachstum) und „Handel sowie Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen" (14,4 Prozent; +1,9 Prozent Wachstum).

1 Als unterbeschäftigt werden in der Statistik neben den Arbeitslosen auch Frauen und Männer geführt, die nicht arbeitslos waren, aber dem Arbeitsmarkt nicht unmittelbar zur Verfügung standen. Dazu gehören Personen, die an einer von Arbeitsagentur oder Jobcenter finanzierten Weiterbildung teilnehmen, im Rahmen einer Arbeitsgelegenheit beschäftigt waren, als Unternehmensgründer einen Gründungszuschuss bekamen, an einem von Dritten geförderten Kurs (zB einem Integrationskurs) teilnahmen oder kurzfristig arbeitsunfähig gemeldet waren.

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