02.12.2020 | Presseinfo Nr. 61

Tag der Menschen mit Behinderung

Der Rollstuhl ist zum Symbolbild für Behinderung geworden – obwohl die meisten Behinderungen nicht sichtbar sind. Damit Menschen mit einer Schwerbehinderung einen individuell passenden Arbeitsplatz, finden, gibt es in der Arbeitsagentur Oldenburg-Wilhelmshaven spezialisierte Vermittlerinnen und Vermittler, die nach der richtigen Stelle fahnden und arbeitslose Schwerbehinderte mit Betrieben zusammenbringen.

Hand in Hand arbeiten Arbeitsvermittler und Arbeitgeber-Spezialisten, um den Platz zu finden, der zu einer Person, ihren Fähigkeiten und Besonderheiten passt. „Meine Kollegen in der Arbeitsvermittlung kennen ihre Kunden sehr gut und beschreiben uns deren Stärken, Einschränkungen und Besonderheiten. Manchmal sitzen wir auch zu dritt im Gespräch. Mit diesen Informationen mache ich mich auf die Suche nach einem Arbeitgeber", sagt Stefan Hollatz. Im Team des Arbeitgeber-Service der Arbeitsagentur Bad Zwischenahn ist er der Fachmann, der schwerbehinderte Menschen und Betriebe zusammenbringt.

Fünf solcher Spezialistinnen und Spezialisten gibt es im Bezirk der Arbeitsagentur. Sie kennen die Betriebe in ihrem Einzugsgebiet gut und bekommen zudem Unterstützung aus ihrem Team. Grundsätzlich ist die Passung von Bewerber und Betrieb ganz entscheidend, und das gilt hier umso mehr, weil Schwerbehinderungen ganz individuelle Ausprägungen haben, weiß Spezialistin Nathalie Völkers (Wilhelmshaven und Landkreis Friesland): „Ob Sehbehinderung, Autoimmunerkrankung oder überwundene Depression – wir schauen bei jedem Menschen genau hin, um sein individuelles Profil, seine Möglichkeiten zu ermitteln und im Kontakt mit den Betrieben vor Ort Beschäftigungsmöglichkeiten zu finden. So gibt es auch unter Autisten Persönlichkeiten, die im Kundenkontakt arbeiten können."

Beate Weidgang ist die Spezialistin für Delmenhorst, den Großteil des Landkreises Oldenburg und die Wesermarsch. Sie rät Betrieben zu einer Probebeschäftigung: „Bis zu drei Monate können schwerbehinderte Arbeitslose, größtenteils von der Arbeitsagentur finanziert, in einem Betrieb arbeiten. Ziel ist es herauszufinden, ob man zueinander passt. Das ist gut investierte Zeit für beide Partner." Der Arbeitgeber habe so Gelegenheit, einen Bewerber gut kennen zu lernen: Was kann die Person, wie passt sie ins Team, wo sind möglicherweise durch die Schwerbehinderung Grenzen gesetzt? Lassen sich dafür Lösungen finden, beispielsweise durch technische Hilfsmittel?

Sehr zufrieden war ein Handwerksbetrieb, der sich trotz anfänglicher Skepsis entschied, einen 60-jährigen einzustellen. Der Arbeitnehmer hatte einen gelähmten Arm und Teil-Lähmungserscheinungen in einem Bein. „Der Bewerber hat nach kurzer Zeit durch sein umfangreiches Fachwissen und seine ruhige, ausgeglichene Art überzeugt. Die körperlichen Einschränkungen spielten dann keine Rolle mehr", so die Spezialistin.

Die Arbeitgeber-Spezialisten wissen: Manche Menschen mit Schwerbehinderung brauchen zusätzliche Unterstützung. Manche sind weniger belastbar oder sollten nicht unter Stress arbeiten. Bei anderen wirkt sich die Schwerbehinderung im Arbeitsalltag kaum aus, so etwa bei Diabetikern. „Wir fördern die Beschäftigung mit zusätzlichen Mitteln. Die Unternehmen bekommen einen Eingliederungszuschuss, die Höhe richtet sich nach dem Unterstützungsbedarf", betont Robert Grashorn. Am Standort Oldenburg berät er gemeinsam mit seinem Kollegen Hermann Bierbach die Betriebe in der Stadt Oldenburg, den Gemeinden Hude, Hatten und Wardenburg. Eine Pflegehelferin, die aufgrund einer Erkrankung kurzatmig und damit weniger belastbar ist, hat mit Grashorns Unterstützung einen Arbeitsplatz in einem Seniorenheim gefunden. Der Arbeitgeber berücksichtigt ihre körperlichen Einschränkungen, wenn er die Aufgaben festlegt und das Personal einteilt.

„Die Motivation zu arbeiten ist bei Menschen mit Behinderung sehr groß", sagt Hollatz. „Ich erlebe, dass Arbeit für Menschen mit Behinderung einen hohen Stellenwert hat." Manchmal dauere etwas länger, bis die Person an ihrem Arbeitsplatz eine gute Leistung bringen könne. „Nach meiner Erfahrung haben Beschäftigte mit Schwerbehinderung eine sehr hohe Bereitschaft, sich anzustrengen und das Ziel zu erreichen", sagt Hollatz. „Ich kenne hier im Ammerland verschiedene Arbeitgeber, die so zufrieden sind, dass sie gezielt immer wieder Menschen mit Schwerbehinderung einstellen."

Diese Förderleistungen der Arbeitsagentur kann der Arbeitgeber nutzen:

Eine Probebeschäftigung ist mit einem Praktikum zu vergleichen: Der Bewerber/die Bewerberin kann bis zu drei Monate im Betrieb arbeiten und ist in dieser Zeit sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Der Arbeitgeber kann den Kandidaten/die Kandidatin über einen längeren Zeitraum mit den Stärken, Fähigkeiten und Grenzen kennen lernen.

Der Betrieb zahlt lediglich einen Teil der Kosten der Sozialversicherung, den übrigen Anteil sowie das komplette Gehalt übernimmt die Arbeitsagentur.

Stellt ein Betrieb einen Menschen mit Schwerbehinderung ein, kann er einen Eingliederungszuschuss bekommen. Wie hoch der Zuschuss ist, wird individuell festgelegt, wichtige Faktoren sind der Qualifizierungsbedarf und die Leistungsfähigkeit am konkreten Arbeitsplatz sowie der Unterstützungsbedarf.

Für die Ausbildung eines jungen Menschen mit Schwerbehinderung oder Behinderung zahlt die Arbeitsagentur dem Betrieb einen Ausbildungszuschuss. Die Höhe richtet sich nach dem Umfang des Unterstützungsbedarfs.

Diese Spezialistinnen und Spezialisten sind Ansprechpartner für Unternehmen:

Beate Weidgang (zuständig für Betriebe in Delmenhorst, Landkreise Wesermarsch und Oldenburg ohne Gemeinden Wardenburg, Großenkneten, Dötlingen, Hatten und Hude) Rufnummer 04221/9800-48

Robert Grashorn, Hermann Bierbach (Stadt Oldenburg sowie Gemeinden Wardenburg, Großenkneten, Dötlingen, Hatten, Hude) 0441/228-1185 bzw. -1039

Stefan Hollatz (Ammerland) 04403/9388-11

Nathalie Völkers (Wilhelmshaven, Landkreis Friesland) 04421/298-3001

Zum Hintergrund:

Laut Mikrozensus gab es in Deutschland im Jahr 2017 rund 3,1 Millionen Menschen mit Schwerbehinderung im erwerbsfähigen Alter zwischen 15 und unter 65 Jahren. Die Erwerbsquote der Schwerbehinderten lag bei 49,0 Prozent, während sie in der Bevölkerung insgesamt 78,2 Prozent betrug.

Zu den schwerbehinderten zählen Menschen, die einen Grad der Behinderung (GdB) von 50 oder mehr aufweisen sowie diejenigen mit einem GdB ab 30, die eine so genannte Gleichstellung beantragt haben.

Nur bei drei Prozent aller schwerbehinderten Menschen ist die Behinderung angeboren. Ursache einer Schwerbehinderung ist zumeist eine Krankheit, die im Lebensverlauf eintritt, und bei einem Prozent der Betroffenen ein Unfall. Daher gibt es unter den Älteren einen höheren Anteil von Personen mit Schwerbehinderung. In der Altersgruppe 55 bis unter 65 Jahre liegt er bei knapp 15 Prozent.

Im Bezirk der Agentur für Arbeit gab es im November 1.641 arbeitslose Schwerbehinderte, das waren 70 Personen bzw. 4,5 Prozent mehr als vor einem Jahr. Im Schnitt aller Personen- und Altersgruppen beträgt der Anstieg der Arbeitslosenzahlen im Vorjahresvergleich 17,9 Prozent.

In den Kommunen des Agenturbezirks sieht die Situation folgendermaßen aus:

Landkreis Ammerland: 158 arbeitslose Schwerbehinderte, das waren 9 Personen bzw. 5,4 Prozent weniger als im November 2019

Stadt Delmenhorst: 194, +11 Personen bzw. +6,0 Prozent

Landkreis Friesland: 191, +5 Personen bzw. +2,7 Prozent

Stadt Oldenburg: 412, +32 Personen bzw. +8,4 Prozent

Landkreis Oldenburg: 184, +13 Personen bzw. +7,6 Prozent

Landkreis Wesermarsch: 213, -6 Personen bzw. -2,7 Prozent

Stadt Wilhelmshaven: 289, +24 Personen bzw. 9,1 Prozent

Veranstaltungen in der Region

Jobmessen, Initiativen, Workshops und weitere interessante Veranstaltungen in der Region

PresseMarketing der Arbeitsagentur Oldenburg-Wilhelmshaven