18.03.2021 | Presseinfo Nr. 10

Umschulung in einem Betrieb

Was steckt hinter einer Umschulung, was ist der Unterschied zur Ausbildung und wie geht Umschulung in Teilzeit? Anlässlich der Woche der Beruflichen Bildung beantwortet die Arbeitsgemeinschaft der Beauftragten für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt in der Region Oldenburg-Wilhelmshaven offene Fragen.

Für wen kommt eine betriebliche Umschulung in Frage

Heike Loers, Agentur für Arbeit Oldenburg-Wilhelmshaven:

Eine betriebliche Umschulung ist eine fantastische Chance für Arbeitnehmer, sich aus einer Arbeitslosigkeit heraus beruflich weiterzuentwickeln oder neu zu orientieren. So kann ein fehlender Berufsabschluss nachgeholt werden oder aus gesundheitlichen Gründen eine Neuorientierung erfolgen. Ist ein Berufsabschluss vorhanden, wurde dieser Beruf aber mehr als vier Jahre nicht ausgeübt, kann ebenso eine Umschulung erfolgen. Von dieser Regelung profitieren insbesondere Frauen und Männer, die z.B. wegen der Kinderbetreuung längere Zeit nicht berufstätig waren. Für eine Umschulung muss nicht zwingend Arbeitslosigkeit vorliegen, denn auch ungelernte und gering qualifizierte Beschäftigte können eine Umschulung absolvieren.

Wann bietet sich eine betriebliche Umschulung in Teilzeit an?

Kirsten Brüggemann, Jobcenter Oldenburg:

Es gibt viele Gründe, warum Menschen eine Vollzeitumschulung nicht in Betracht ziehen, weil die Lebenssituation dieses nicht zulässt. Da sind beispielsweise Mütter und Väter mit Betreuungspflichten, Alleinerziehende, Personen mit Migrationshintergrund, die parallel ihre Deutschkenntnisse verbessern möchten, Menschen mit Pflegeaufgaben oder körperlichen Einschränkungen und auch solche, die neben einer Erwerbstätigkeit einen neuen Beruf erlernen möchten.

Gibt es Altersbeschränkungen?

Bärbel Valerius, Jobcenter Ammerland:

Ein ganz klares „Nein“. Da das Renteneintrittsalter zurzeit auf 67 Jahre festgelegt ist und aufgrund von steigender Lebenserwartung eventuell weiter steigen wird, ist es durchaus sinnvoll, sich auch im lebenserfahrenen Alter durch eine Umschulung neue Perspektiven zu schaffen. Bei einer Neuorientierung sollte einerseits berücksichtigt werden, dass im angestrebten Beruf gute Beschäftigungschancen bestehen. Zudem kann es hilfreich sein, wenn die bisherige Berufserfahrung inhaltlich in den neuen Beruf einfließen kann.
Am allerwichtigsten für eine Umschulung ist die Motivation der Person selbst.

Wie funktioniert eine betriebliche Umschulung in Voll- und Teilzeit?

Silke Keller, Jobcenter Wesermarsch:

Grundsätzlich ist eine betriebliche Umschulung in allen anerkannten Berufen des dualen Ausbildungssystems möglich. Im Einzelfall muss aber geschaut werden, welcher Beruf arbeitsmarktlich gesehen sinnvoll ist. Wie bei einer Ausbildung findet die theoretische Unterweisung in der Berufsschule, die praktische im Betrieb statt.

Bei einer Umschulung verkürzt sich die Dauer im Vergleich zu einer Ausbildung um ein Drittel. In Vollzeit ergibt das bei einer dreijährigen Ausbildung eine Dauer von zwei Jahren. In Teilzeit verbleibt es annähernd bei der Gesamtdauer, es verkürzt sich jedoch die wöchentliche Ausbildungszeit. Der Berufsschulunterricht findet bei beiden Arten in vollem Umfang zu den normalen Zeiten statt.

Welche Vorteile haben Arbeitgeber von einer Umschulung?

Stefanie-Maria Martin, Jobcenter Delmenhorst:

Eine betriebliche Umschulung erweitert die Aussicht, dringend benötigten Fachkräftenachwuchs zu gewinnen und im Unternehmen zu halten. Eine unbesetzt gebliebene Ausbildungsstelle oder ein zusätzlich geschaffener Umschulungsplatz bietet erwachsenen Bewerbern die Perspektive, sich in das Unternehmen einzubringen. Diese sind in der Regel lebenserfahren und sehen die Umschulung als zweite berufliche Chance. Dafür bringen sie sehr viel Motivation auf. Insbesondere Mütter und Väter, die sich aufgrund ihrer familiären Verantwortung für eine Teilzeitumschulung entscheiden, zeichnen sich zudem häufig durch ihre Selbständigkeit und Organisationsfähigkeit aus.

Im Rahmen der Beschäftigtenförderung können Arbeitgeber neu eingestellte oder langjährig Beschäftigte für eine Umschulung freistellen. So kann das Potenzial von guten, aber gering qualifizierten Mitarbeitern für die Fachkräftegewinnung genutzt werden.  

Gibt es finanzielle Fördermöglichkeiten?

Claudia Heidenreich, Jobcenter Wilhelmshaven:

Wie bei einer Erstausbildung erhalten Umschülerinnen und Umschüler in der Regel eine Ausbildungsvergütung vom Betrieb. Bei einer Teilzeitumschulung kann diese an den wöchentlichen Stundenumfang angepasst sein. Zudem ist in jedem Einzelfall ein Anspruch auf Arbeitslosengeld zu prüfen.

Neben den Leistungen zum Lebensunterhalt können auch Weiterbildungskosten über einen Bildungsgutschein erstattet werden. Dazu gehören insbesondere: Berufsschulgebühren, Fahrkosten, Kinderbetreuungskosten, Lernmittel, Arbeitskleidung, Prüfungsgebühren und im Bedarfsfall Kosten für einen Stützunterricht.

Im Rahmen der Beschäftigtenförderung kann auch ein Zuschuss zum Arbeitsentgelt und eine Pauschale zu den Sozialversicherungsbeiträgen an den Arbeitgeber gezahlt werden.

An wen muss ich mich wenden, wenn ich mich für eine Umschulung interessiere?

Maria Tiemann, Jobcenter Friesland:

Zur Klärung, ob eine Umschulung im individuellen Fall in Frage kommt, sollten Arbeitnehmer einen Termin zur persönlichen Beratung bei der Agentur für Arbeit bzw. beim Jobcenter vor Ort vereinbaren. 

Arbeitgeber finden ihren Ansprechpartner beim Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit und der Jobcenter.

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