03.12.2020 | Presseinfo Nr. 47

Internationaler Tag der Menschen mit Behinderung

Anlässlich des Internationalen Tages der Menschen mit Behinderung am 3. Dezember 2020 macht die Arbeitsagentur Oschatz auf Stärken und Potenziale von Menschen mit Handicap aufmerksam.
 

„Nicht jeder kann alles. Am Arbeitsmarkt geht es vielmehr darum, wer was besonders gut kann! Menschen mit Handicap werden oftmals in ihrem beruflichen Vorankommen behindert. Ihr Können sehen wir nicht sofort. Die meisten Menschen mit Handicap sind leistungsfähig, hochmotiviert und bringen einen echten Mehrwert. Aber sie brauchen dafür eine faire Chance oder einen zweiten, einen anderen Blick“, erläutert Arbeitsagenturchefin Cordula Hartrampf-Hirschberg.

Damit sich die Arbeitsmarktchancen für Menschen mit Handicap verbessern, unterstützen die Arbeitsagentur und das Jobcenter Nordsachsen die Einstellung von Schwerbehinderten auch finanziell. „Betriebe, die Menschen mit Handicap einstellen, können zusätzliche finanzielle Unterstützung erhalten. Damit kann eine echte Chance geboten werden und z.B. der Aufwand für eine längere oder intensivere Einarbeitung ausgeglichen werden. Das kann z.B. ein Lohnzuschuss für mehrere Jahre oder eine Einstellungspauschale sein“, wirbt Cordula Hartrampf-Hirschberg. Zusätzlich unterstützt der Technische Berater der Arbeitsagentur bei der Planung, Beschaffung und Finanzierung von Arbeitshilfen im Betrieb, damit Schwerbehinderte ohne Einschränkungen volle Leistungen bringen können.

Die Bundesagentur für Arbeit hat sich selbst zum Ziel gesetzt, für sich eine Beschäftigungsquote für schwerbehinderte und gleichgestellte Arbeitnehmer/-innen von zehn Prozent zu erreichen. „Wir wollen nicht nur von Inklusion reden, sondern sie auch leben. Aktuell sind rund 13 Prozent unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schwerbehindert bzw. schwerbehinderten Menschen gleichgestellt“, erklärte Arbeitsagenturchefin Cordula Hartrampf-Hirschberg.

Hintergrund:

824 Schwerbehinderte waren Ende November im Arbeitsagenturbezirk Oschatz arbeitslos gemeldet; 44 Menschen bzw. 5,6 Prozent weniger als im November des Vorjahres. Damit sind 5,8 Prozent aller Arbeitslosen schwerbehindert. Rund Dreiviertel von ihnen verfügt über eine abgeschlossene schulische oder betriebliche Ausbildung. Die meisten Arbeitslosen mit Handicaps haben also formal gute Voraussetzungen für eine Integration ins Berufsleben.

Die Zahl Schwerbehinderter, die sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind, stieg von 2010 bis 2018 um mehr als ein Viertel auf zuletzt 2.375 Arbeitnehmer/-innen. Hinzu kamen 692 sog. gleichgestellte Arbeitnehmer/-innen, die schwerbehinderten Menschen gleichgestellt sind.

Informationen über Regelungen und Fördermöglichkeiten für schwerbehinderte Menschen gibt es beim gemeinsamen Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit und des Jobcenter Nordsachsen – persönlich oder telefonisch unter der kostenlosen Servicenummer 0800 4 5555 20.  Die  Beratungs- und Vermittlungsangebote, sowie die finanzielle oder technische Unterstützung hängen immer davon ab, was die behinderte Arbeitskraft benötigt bzw. welche Ausstattung beim Betrieb erforderlich ist.

Behindert ist ein Mensch im Sinne des Gesetzes, wenn seine körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit nicht nur vorübergehend wesentlich gemindert ist – wenn er dadurch Hilfen z.B. für die Teilhabe am Arbeitsleben, benötigt.

Schwerbehindert ist ein Mensch nach dem Sozialgesetzbuch IX, wenn vom Versorgungsamt ein Grad der Behinderung 50 oder mehr festgestellt wird. Wichtig: Der Behinderungsgrad alleine sagt nichts über die berufliche Leistungsfähigkeit eines Menschen aus.

Gleichgestellt mit schwerbehinderten Menschen werden Personen mit einem Grad der Behinderung von mindestens 30 aber unter 50 von der zuständigen Agentur für Arbeit, wenn die Aufnahme oder der Erhalt des Arbeitsplatzes behinderungsbedingt gefährdet ist.

Beschäftigungspflicht

Arbeitgeber mit monatlich mindestens 20 Arbeitsplätzen im Jahresdurchschnitt sind gesetzlich verpflichtet, mindestens 5 Prozent Ihrer Arbeitsplätze durch Menschen mit Schwerbehinderung oder ihnen gleichgestellten Menschen zu besetzen. In der Regel wird die Beschäftigung eines Menschen mit einer Schwerbehinderung auf einen Pflichtplatz angerechnet. Eine Mehrfachanrechnung ist auf Antrag möglich, wenn die Eingliederung auf dem Arbeitsmarkt behinderungsbedingt besonders schwierig ist oder, wenn Betriebe behinderte Jugendliche ausbilden.

Ausgleichsabgabe

Arbeitgeber, die ihre Beschäftigungspflicht nicht erfüllen, müssen monatlich eine Ausgleichsabgabe entrichten. Diese wird von den Integrationsämtern erhoben und verwendet, um die Beschäftigungschancen und –bedingungen von Menschen mit Schwerbehinderung zu verbessern. Sie soll einen Ausgleich unter den Arbeitgebern herbeiführen.