22.01.2021 | Presseinfo Nr. 7

Der Arbeitsmarkt im Jahr 2020

- Im Durchschnitt fast ein Fünftel mehr Arbeitslose als noch im Jahr 2019.
- Über das Jahr Kurzarbeit für insgesamt bis zu rund 100.000 Beschäftigte angezeigt.
- Ausblick 2021: Ausbildung und Qualifizierung rücken weiter in den Fokus.
 
Durchschnittswerte für das Gesamtjahr 2020:
 
Arbeitslosenzahl:     14.436       Arbeitslosenquote  (+Vorjahreswert):                4,8% (4,1%)
ggü. Vorjahr:     +2.253 (+18,5%)      Stellenbestand (+ggü. Vorjahr):               5.321 (-9,2%)
 

Die Zahl der Arbeitslosen im Agenturbezirk lag im Jahr 2020 bei durchschnittlich 14.436. Im Vorjahresvergleich waren damit durchschnittlich 2.253 Menschen mehr arbeitslos gemeldet. Die Arbeitslosenquote lag im Durchschnitt des Jahres 2020 bei 4,8 Prozent, gegenüber dem Vorjahresdurchschnitt war dies ein Anstieg um 0,7 Prozentpunkte.

Arbeitsmarkt: Kurzarbeit verhindert deutlich höhere Arbeitslosenzahlen.

„Über den Jahreswechsel 2019/2020hatten wir bereits eine leichte Eintrübung durch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen“, so Christiane Fern, Leiterin der Agentur für Arbeit Osnabrück. „Aber seit Mitte März 2020 steht der Arbeitsmarkt ganz im Zeichen der Corona-Pandemie. Die Arbeitslosenquote ist um 0,7 Prozentpunkte gewachsen, ungefähr 0,6 davon aufgrund des Corona-Effekts. Mit Beginn der Krise ist die Dynamik, die üblicherweise vor allem im Frühjahr besteht, massiv eingebrochen. Das hatte zur Folge, dass die Menschen, die sonst wieder hätten erwerbstätig sein können, weiter arbeitslos geblieben sind. Ein Großteil des Wachstums bei den Arbeitslosenzahlen geht auf diesen Stillstand zurück.“ Ein etwas kleinerer Teil der Zuwächse sei auf Jobverluste zurückzuführen. Fern: „Da waren vor allem diejenigen im Nachteil, die die unsichersten Verträge hatten, darunter Leiharbeiter, befristete Kräfte, Geringqualifizierte, Jugendliche ohne Berufsausbildung und Berufseinsteiger. Neben den Jüngeren waren in diesen Gruppen auch einige ausländische Staatsbürger.“

Deutliche Unterschiede bei den Steigerungen in der Arbeitslosenstatistik gab es zwischen Stadt und Landkreis sowie zwischen Arbeitslosenversicherung und Grundsicherung. Wuchs die Gruppe der Arbeitslosen in der Stadt 2020 um durchschnittlich 14,1 Prozent, waren es im Landkreis 23,1 Prozent. Meldeten sich im gleichen Zeitraum 31,7 Prozent mehr Menschen in der gesamten Region bei der Arbeitsagentur für den Bezug von Arbeitslosengeld I arbeitslos, waren es beim Jobcenter der Stadt sowie beim Jobcenter „MaßArbeit“ des Landkreises für den Bezug von Arbeitslosengeld II „nur“ neun Prozent mehr.

Kurzarbeit: vor allem in Einzel- und Großhandel, Gastronomie und Gesundheitswesen.

Trotz der Zuwächse bei den Arbeitslosen, habe die Inanspruchnahme von Kurzarbeit aber viel aufgefangen, so Fern. In der Spitze waren im April knapp 41.000 Beschäftigte in Kurzarbeit. Durch den „Shutdown“ im Frühjahr bzw. ab November sowie die diversen Kontakt- und Auslastungsbeschränkungen über das Jahr hinweg waren 2020 deutlich mehr Branchen betroffen. Vor allem aber waren solche besonders stark betroffen, für die dies in früheren Krisen eher selten zutraf: Von April bis Dezember 2020 hatten Unternehmen aus Stadt und Landkreis insgesamt 7.382 Anzeigen für konjunkturelle Kurzarbeit gestellt (gleicher Zeitraum 2019: 104) – für insgesamt bis zu 101.618 Personen (2019: 1.965). Bezogen auf die jeweiligen Anteile am Gesamtaufkommen aller Anzeigen für Kurzarbeit von März bis einschließlich November 2020 war der Einzelhandel (ohne Handel mit Kfz) mit 7,6 Prozent am stärksten betroffen. Es folgten: Gastronomie (6,2 Prozent), Großhandel (ohne Handel mit Kfz) mit 5,7 Prozent, Gesundheitswesen (5,7 Prozent) und der Bereich „Handel mit Kfz; Instandhaltung und Reparatur von Kfz“ (5,1 Prozent).

Beschäftigung: deutliche Verluste bei Minijobs.

Laut Fern habe Corona vor allem geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse geschadet. „Zwischen März und Juni ist durch die fehlenden Abgänge die Zahl sozialversicherungspflichtiger Verhältnisse zwar zurückgegangen. Über das Jahr hinweg hatten wir dort aber trotzdem noch ein minimales Wachstum von 0,5 Prozent. Bei den Minijobs hingegen gab es geradezu einen Einbruch.“ Diese reduzierten sich im Vergleich zum Vorjahr um 9,1 Prozent. Fern: „In der Gastronomie sind traditionell viele Minijobber beschäftigt. In einer Universitätsstadt wie Osnabrück verdienen beispielsweise viele Studierende ihr Geld als Servicekräfte. Durch ‚Shutdown‘ und Einschränkungen sind hier aber ganz viele Minijobs weggefallen.“

Rückgänge bei der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung registrierte vor allem die Leiharbeit (minus 5,8 Prozent), insbesondere in der Stadt. Verluste gab es auch im Gastgewerbe (minus 3,2 Prozent) und im verarbeitenden Gewerbe (minus 2,8 Prozent). Mehr Beschäftigte waren es dagegen bei „Information und Kommunikation“ (plus sieben Prozent), „Erziehung und Unterricht“ (plus 4,5 Prozent), im Gesundheits- und Sozialwesen (plus drei Prozent), in der öffentlichen Verwaltung (plus 2,2 Prozent) oder auch im Baugewerbe (plus 2,8 Prozent).

Ausblick 2021: Menschen für Nach-Corona-Zeit ausbilden und qualifizieren.

Für das neue Jahr rechnet die Expertin trotz der neuerlichen Einschränkungen nicht mit stark wachsenden Arbeitslosenzahlen – auch wenn die weitere Entwicklung der Pandemie noch Unsicherheiten bereithält. „Der Arbeitsmarkt hat sich erstaunlich stabil gezeigt“, erklärt Fern. „Die Kurzarbeit steigt zwar wieder, wir sind aber weit von dem Niveau des vergangenen Frühjahrs entfernt. Und da die Arbeitslosenzahlen bis zum Jahresende auch eher gesunken sind, zeigt sich, dass die Unternehmen ihr Personal unbedingt halten wollen. Das ist nachvollziehbar, denn es wird auch eine Nach-Corona-Zeit geben. Die wird geprägt sein von strukturellem und demografischem Wandel, und es wird wieder um den großen Fachkräfteengpass gehen.“ Wer also qualifiziert sei, werde nach dem „Shutdown“, nach der Krise schnell wieder einen Job finden, da der Arbeitsmarkt flexibel sei. Fern: „Schwieriger dürfte es bei Angelernten werden sowie bei Ausländern und ehemaligen Geflüchteten mit schlechten Deutschkenntnissen. Hier Abhilfe zu schaffen, daran werden Agentur und die Jobcenter arbeiten.“ Daher appelliert die Expertin, unbedingt Weiterbildung voranzubringen: „Wir müssen das Jahr und auch die Phasen der Kurzarbeit nutzen, um die Menschen zu qualifizieren. Vor allem junge Leute dürfen nicht auf der Strecke bleiben, sondern müssen den Weg zu einer erfolgreich abgeschlossenen Berufsausbildung schaffen können.“

Der Arbeitsmarkt 2020 in Zahlen:

Jugendarbeitslosigkeit

Im Jahr 2020 waren im Agenturbezirk durchschnittlich 1.498 junge Menschen unter 25 Jahren arbeitslos gemeldet, somit 317 Personen mehr als im Jahr 2019 (plus 26,8 Prozent). Die Jugendarbeitslosenquote (bis unter 25 Jahre) betrug im Schnitt 4,1 Prozent und lag somit um 0,8 Prozentpunkte über dem Niveau des Vorjahres.

Ausländer

Die Gruppe arbeitslos gemeldeter Ausländer wuchs im Vorjahresvergleich um durchschnittlich 811 auf 3.974 Personen (plus 25,6 Prozent).

Arbeitslosenversicherung und Grundsicherung

Im Bereich der Arbeitslosenversicherung, für den die Arbeitsagentur verantwortlich zeichnet, wuchs der Bestand an gemeldeten Arbeitslosen gegenüber dem Vorjahr um 1.617 auf durchschnittlich 6.723 Personen – ein Plus von 31,7 Prozent.

In der Grundsicherung – verantwortlich hierfür sind das Jobcenter der Stadt Osnabrück sowie das Jobcenter „MaßArbeit“ des Landkreises – umfasste die Arbeitslosenzahl im Schnitt 7.713 Personen, 637 mehr als im Jahr 2019 – ein Zuwachs um 9,0 Prozent.

Bewegung am Arbeitsmarkt

Die Fluktuation am Arbeitsmarkt lässt sich an den Zahlen zu Arbeitslos(ab)meldungen verdeutlichen. Im Jahr 2020 nahmen Agentur und die Jobcenter in Stadt und Landkreis insgesamt 36.008 Arbeitslosmeldungen auf (3.008 weniger als im Vorjahreszeitraum) und registrierten 33.929 Abmeldungen (4.816 weniger als im Jahr 2019). Es meldeten sich 15.578 zuvor erwerbstätige Menschen arbeitslos, 379 mehr als ein Jahr zuvor. Durch die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit konnten 2020 12.585 Personen ihre Arbeitslosigkeit beenden, 122 weniger als im Vorjahr.

Stadt und Landkreis Osnabrück

In der Stadt Osnabrück wurden 2020 im Schnitt 7.142 arbeitslose Menschen gezählt, 883 mehr als ein Jahr zuvor – eine durchschnittliche Arbeitslosenquote von 7,5 Prozent (2019: 6,6 Prozent). 2.427 Personen waren im Schnitt bei der Arbeitsagentur in der Stadt Osnabrück arbeitslos gemeldet, ein Zuwachs um 530 Menschen gegenüber dem Vorjahr (plus 28,0 Prozent). Beim Jobcenter Osnabrück waren im Schnitt 4.715 Personen als arbeitslos registriert – ein Plus von 352 Menschen im Vergleich zum Jahr 2019 (plus 8,1 Prozent).

Im Landkreis stieg die Arbeitslosenquote mit 3,5 Prozent im Vorjahresvergleich um 0,6 Prozentpunkte an. So waren durchschnittlich 7.294 Menschen ohne Arbeit und damit insgesamt 1.371 mehr als 2019. Im Schnitt 4.296 Arbeitslose (1.086 mehr als im Vorjahr) zählte die Arbeitsagentur, hinzu kamen im Durchschnitt 2.998 Personen beim Jobcenter des Landkreises („MaßArbeit“) – ein Zuwachs um 285 Personen gegenüber 2019.

Arbeitslosenzahlen und Arbeitslosenquoten nach Geschäftsstellen und Kreisen


Arbeitslosenzahl

Veränderung gegenüber
Vorjahr

Arbeitslosenquote
(Vorjahreswert)
Agentur für Arbeit Osnabrück 14.436 + 2.253 / + 18,5% 4,8% / (4,1%)
Stadt Osnabrück 7.142 + 883/ + 14,1% 7,5% / (6,6%)
Kreis Osnabrück 7.294 + 1.371/ + 23,1% 3,5% / (2,9%)
Geschäftsstelle
Osnabrück
8.337 + 1.078/ + 14,8% 6,3% / (5,6%)
Geschäftsstelle
Georgsmarienhütte
1.961 + 356/ + 22,2% 3,3% / (2,7%)
Geschäftsstelle
Melle
1.678 + 431/ + 34,6% 3,5% / (2,6%)
Geschäftsstelle
Bersenbrück
2.460 + 389/ + 18,8% 3,9% / (3,3%)

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Volkmar Lenzen, Pressesprecher
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