30.10.2020 | Presseinfo Nr. 77

Das Berichtsjahr 2019/2020 am Ausbildungsmarkt im Kreis Paderborn

Rückläufige Bewerber- und Stellenzahlen im Kreis Paderborn
 

Mehr unversorgte Bewerber als unbesetzte Ausbildungsstellen   

  • 184 Jugendliche noch nicht versorgt
  • 124 Ausbildungsstellen nicht besetzt
  • Pandemie hinterlässt Spuren, verursacht aber keinen Einbruch
  • Ausbildungsbeginn bis 31. Januar möglich

Heinz Thiele, Leiter der Paderborner Arbeitsagentur, berichtet über den Ausbildungsmarkt im Kreis: „Wir verzeichnen einen Rückgang sowohl bei den Bewerberzahlen, als auch bei den Stellenmeldungen. Wichtig dabei ist, zu beachten: Einen Rückgang haben wir bereits vor Beginn der Pandemie verzeichnet, sodass wir ihn auch auf demografische und allgemeine konjunkturelle Entwicklungen, und nicht ausschließlich auf die Corona-Pandemie zurückführen. Dennoch ist festzustellen, dass die Pandemie ihre Auswirkungen auch auf den Ausbildungsmarkt hat – dieser aber nicht eingebrochen ist.“ So sind derzeit noch von insgesamt 1.950 Bewerbern noch 184 ohne Ausbildungsstelle, von 1.938 Ausbildungsstellen noch 124 ohne Auszubildende.

Heinz Thiele weiter: „Dieses Jahr war und ist in fast allen Bereichen des Lebens ein besonderes Jahr, und so ist es auch beim Ausbildungsmarkt. Viele Unternehmen mussten anders priorisieren, Bewerbungsgespräche und Stellenmeldungen für Ausbildungen aufschieben. Das hat dazu geführt, dass sich das Ausbildungsjahr als Ganzes verschoben hat – wir ziehen heute zwar statistische Bilanz, aber ein Ausbildungsbeginn, so hat auch der Ausbildungskonsens NRW beschlossen – ist noch bis Ende Januar möglich. Dabei unterstützen die Partner im Konsens, also beispielsweise IHK, HWK, Kreishandwerkerschaft sowie Berufsschulen, aber auch wir die jungen Menschen. Sollten Unternehmen und Jugendliche also dazu bereit sein, steht dem verspäteten Ausbildungsstart nichts im Wege“, so Thiele.

Berufswünsche der unversorgten Bewerber sind nicht komplett deckungsgleich mit den Bedarfen der Betriebe. So möchten die Jugendlichen besonders in den Bereichen im Büro und Sekretariat sowie in der Verwaltung arbeiten. Der Markt bietet jedoch offene Stellen in den Bereichen Hochbau sowie Klempnerei, Sanitär, Heizung, und Klimatechnik. Überschneidungen von Angebot und Nachfrage gibt es im Verkauf.

„Die Passungsprobleme existieren auch in diesem Jahr. Die Pandemie hat das Problem Fachkräftemangel nicht gelöst. Im Hinblick auf die geburtenstarken Jahrgänge, die in den in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen, wird sich die Situation in der Zukunft noch verschärfen. Es wird in einigen Berufsfeldern, wie zum Beispiel im Handwerk oder in der Pflege, weiterhin Personalengpässe und einen deutlichen Bedarf an Fachkräften geben. Deshalb der Appell an die Unternehmen: Planen Sie für Ihren Betrieb mittel- und langfristig und verlieren das Thema Ausbildung nicht aus dem Auge!“

Gesamtangebot / Gesamtnachfrage im Laufe des Berichtsjahres:

1.938 gemeldete Ausbildungsstellen / 1.950 gemeldete Bewerber

Im Berichtsjahr wurden der Arbeitsagentur in Paderborn 1.938 Ausbildungsstellen zur Besetzung gemeldet, 489 (minus 20,1 Prozent) weniger als im Vorjahr.

Auf der Bewerberseite haben sich im Laufe des Berichtsjahres 1.950 Jugendliche über die Berufsberatung der Agentur für Arbeit um einen Ausbildungsplatz bemüht, das waren 444 junge Menschen (minus 18,5 Prozent) weniger als im Vorjahr.

Von den Ausbildungsstellen waren Ende September noch 124 unbesetzt, 184 Jugendliche waren noch auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle. Daraus ergab sich eine rechnerische Relation von 67 unbesetzten Stellen auf 100 unversorgte Bewerber.

Neu abgeschlossene Ausbildungsverträge

Wie Jürgen Behlke, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld und Leiter der Zweigstelle Paderborn + Höxter, erläuterte, gibt es nach den vorläufigen IHK-Zahlen für den Kreis Paderborn zum Stichtag 30. September ein Minus von 17 Prozent bei den neu eingetragenen Ausbildungsverhältnissen, und zwar von 1.368 im Vorjahr auf insgesamt 1.135 Abschlüsse in 2020.                                

Im Kreis Paderborn sank damit die Zahl der eingetragenen Ausbildungsverhältnisse um 233. Dabei zeigt sich bei den Berufsgruppen ein unterschiedliches Bild. Die gewerblich/technischen Ausbildungsberufe sind mit einem recht starken Rückgang von 20,6 Prozent weit unter Vorjahresniveau. Im kaufmännischen Bereich verzeichnet die IHK ebenfalls ein Minus, hier von 14,5 Prozent, das sind 116 Ausbildungsverhältnisse.

Der insgesamt zu verzeichnende Abwärtstrend der Ausbildungszahlen seit 2013 hat sich in dem Corona-Jahr 2020 noch verstärkt.
Die stärksten Einbrüche bei den wesentlichen kaufmännischen Berufsgruppen mussten in den Bereichen Versicherung (minus 36,4 Prozent) und Gastgewerbe (minus 25,4 Prozent), ein leichter Anstieg im Bereich der Banken (plus 4,4 Prozent), festgestellt werden.

Im Bereich der gewerblich/technischen Ausbildungsberufe ist vor allem die Metalltechnik (minus 31 Prozent) und Holztechnik (minus 47,6 Prozent) betroffen.
Die meisten Verträge in den Einzelberufen wurden bei den Kaufleuten im Einzelhandel und den Industriekaufleuten mit jeweils 103, bzw. 77 Verträgen abgeschlossen. Der stärkste Ausbildungsberuf im gewerblich-technischen Bereich ist der Fachinformatiker/die Fachinformatikerin mit 151 neu eingetragenen Ausbildungsverhältnissen.

Die Gründe für diese schlechte Entwicklung liegt ganz eindeutig in den Folgen der durch die Corona-Pandemie ausgelösten Wirtschaftskrise. Auch die erschwerten Bedingungen bei der Berufsorientierung in den Schulen spielen eine Rolle. Das Zusammenfinden von geeigneten Bewerbern und Unternehmen war sehr schwierig. Die IHK hat u.a. durch die App „Ausbildungschance digital“ versucht, diese Lücke zu füllen.

Auch die Ausbildungsmesse „Connect“, die die IHK zusammen mit der Kreishand-werkerschaft, der Agentur für Arbeit und dem Kreis Paderborn jährlich durchführt, kann dieses Jahr nicht als Präsenzveranstaltung stattfinden.

„Wir arbeiten hier an einer digitalen Version, die auch wesentlich Elemente der Vorbereitung für den Übergang Schule – Beruf enthalten wird“, so Behlke.
Er wies auch noch einmal intensiv darauf hin, dass neue Ausbildungsverträge auch jetzt noch eingetragen werden können. „Mit dem 31. Oktober ist noch nichts vorbei!“, so der IHK-Chef. Eine Eintragung ist noch bis zum Jahreswechsel möglich und sinnvoll.

Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Paderborn-Lippe Peter Gödde geht für den Kreis Paderborn davon aus, dass die Anzahl der neu eingetragenen Ausbildungsverträge im Handwerk im Vergleich zu 2019 gehalten oder sogar leicht über-troffen werden wird.

In der handwerklichen Ausbildung gibt es keinen Negativtrend trotz der Corona-bedingten Einschränkungen in der Kommunikation und der Berufsorientierung. Die Zahl der noch unbesetzten Stellen im Handwerk ist sogar deutlich gestiegen und bietet noch für Einsteiger in die Berufsausbildung im Handwerk bis zum 31.01.2021 in praktisch allen Berufsbereichen Ausbildungsplätze an.
In den einzelnen Berufsbereichen ist ein erfreulicher und positiver Trend in den technischen Berufen festzustellen, das betrifft beispielsweise die Anlagenmechaniker im Bereich der Klimahandwerke, das Elektrohandwerk, die Maler und die Tischler.

„Das Handwerk und seine Betriebe haben erkannt, dass trotz Corona die Fachkräfteproblematik weiter zunehmen wird und bilden daher bereitwillig aus. Zunehmend stellen wir fest, dass auch junge Leute mit Abitur in die handwerkliche Ausbildung kommen, sicher eine sehr gute Wahl“, stellt Peter Gödde resümierend fest.

Jugendliche, die noch für dieses, aber auch für nächstes Jahr, eine Ausbildungsstelle suchen, sollten sich über die kostenlose Hotline 0 52 51 / 120 301 mit der Berufsberatung in Verbindung setzen. Der einfachste und schnellste Weg zu den freien Ausbildungsstellen führt über die Internet-Adresse: www.jobboerse.arbeitsagentur.de