30.10.2020 | Presseinfo Nr. 78

Das Berichtsjahr 2019/2020 am Ausbildungsmarkt im Kreis Höxter

Bewerber- und Stellenzahlen gehen zurück

Mehr unversorgte Bewerber als unbesetzte Stellen

  • 83 Jugendliche noch nicht versorgt
  • 64 Ausbildungsstellen nicht besetzt
  • Corona-Pandemie hat Auswirkungen auf den Ausbildungsmarkt, hat aber keinen Einbruch verursacht
  • Ausbildungsstart noch bis Ende Januar möglich

Heinz Thiele, Leiter der Paderborner Arbeitsagentur, berichtet über den Ausbildungsmarkt im Kreis: „Sowohl bei den Stellen als auch bei den Bewerbern sehen wir in der Statistik in diesem Jahr einen Rückgang – ähnlichen wie in vielen anderen Kreisen der Region. Tatsächlich war ein Teil dieses Rückgangs auf beiden Seiten auch schon vor April in den Statistiken erkennbar. Deshalb ist diese Entwicklung nicht nur auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie, sondern auch auf den demografischen Wandel und allgemeine konjunkturelle Tendenzen – die sich schon vor Corona abzeichneten – zurückzuführen.“

Aktuell sind noch 83 Jugendliche auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle, 64 Ausbildungsstellen sind noch unbesetzt. Heinz Thiele weiß: „An dieser Stelle macht sich dann die Pandemie bemerkbar. Im Frühjahr mussten einige Unternehmen priorisieren, und deshalb zum Beispiel Bewerbungsverfahren aussetzen oder Stellenmeldungen verschieben. Das hat dazu geführt, dass sich die Jahresentwicklung am Ausbildungsmarkt als Ganzes verschoben hat. Deshalb hat der Ausbildungskonsens NRW gemeinsam beschlossen, verspätete Ausbildungsbeginne bis Ende Januar aktiv zu unterstützen und zu fördern. Das bedeutet auch für IHK, HWK, Kreishandwer-kerschaft, Berufsschulen und natürlich uns vor Ort, dass wir – sofern bei Bewerbern und Arbeitgebern die Bereitschaft besteht – mit Rat und Tat zur Seite stehen, wenn eine Ausbildung später gestartet werden soll.“

Berufswünsche der unversorgten Bewerber sind nicht komplett deckungsgleich mit den Bedarfen der Betriebe. Es gibt viele Bereiche, in denen Angebot und Nachfrage nicht übereinstimmen. Während die unversorgten Bewerber Stellen im Büro und Sekretariat suchen, bieten Unternehmen freie Ausbildungsstellen in Bereichen wie dem Verkauf und der Herstellung von Lebensmitteln an. Überschneidungen gibt es im Bereich Verkauf ohne Produktspezialisierung.

„Passungsprobleme sind ein Aspekt des verstärkten Fachkräftemangels in einigen Branchen – sind also ein Problem, dass auch die Corona-Pandemie nicht gelöst hat. Insbesondere vor dem Hintergrund des demographischen Wandels mit den kommenden geburtenstarken Jahrgängen, die in den Ruhestand gehen, ist es für Unternehmen wichtig, jetzt mittel- und langfristig zu planen und nicht aufgrund der aktuellen Situation das Thema Nachwuchskräftegewinnung aus dem Blick zu verlieren“, betont der Experte abschließend.

Gesamtangebot / Gesamtnachfrage im Laufe des Berichtsjahres:

1.099 gemeldete Ausbildungsstellen / 1.011 gemeldete Bewerber

Im Berichtsjahr wurden der Arbeitsagentur in Höxter 1.099 Ausbildungsstellen zur Besetzung gemeldet, 88 oder 7,4 Prozent weniger als im Vorjahr.

Auf der Bewerberseite haben sich im Laufe des Berichtsjahres 1.011 Jugendliche über die Berufsberatung der Arbeitsagentur in Höxter und Warburg bzw. des Jobcenters um einen Ausbildungsplatz bemüht, das waren 139 junge Menschen (minus 12,1 Prozent) weniger als im Vorjahr.

Von den Ausbildungsstellen waren Ende September noch 64 unbesetzt, 83 Jugendliche waren noch auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle. Daraus ergab sich eine rechnerische Relation von 77 unbesetzten Stellen auf 100 unversorgte Bewerber.

Neu abgeschlossene Ausbildungsverträge

Wie Jürgen Behlke, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld und Leiter der Zweigstelle Paderborn + Höxter, erläuterte, gibt es nach den vorläufigen IHK-Zahlen für den Kreis Höxter zum Stichtag 30. September ein Minus von 10,8 Prozent bei den neu eingetragenen Ausbildungsverhältnissen, und zwar von 463 im Vorjahr auf insgesamt 413 Abschlüsse in 2020.                                

Im Kreis Höxter sank damit die Zahl der eingetragenen Ausbildungsverhältnisse um 50. Dabei zeigt sich bei den Berufsgruppen ein leicht unterschiedliches Bild. Die gewerblich/technischen Ausbildungsberufe sind mit einem Rückgang von 9,1 Prozent weit unter Vorjahresniveau. Im kaufmännischen Bereich verzeichnet die IHK ebenfalls ein Minus, hier von 11,7 Prozent, das sind 35 Ausbildungsverhältnisse.

Der insgesamt zu verzeichnende Abwärtstrend der Ausbildungszahlen seit 2010 hat sich in dem Corona-Jahr 2020 noch verstärkt.

Die stärksten Einbrüche bei den wesentlichen kaufmännischen Berufsgruppen mussten in den Bereichen Versicherung (minus 62,5 Prozent) und Handel (minus 20,8 Prozent), ein Anstieg im Bereich Verkehr (plus 9,5 Prozent), festgestellt werden.

Im Bereich der gewerblich/technischen Ausbildungsberufe ist vor allem die Berufsgruppe Papier und Druck (minus 30 Prozent) und Holztechnik (minus 26,7 Prozent) betroffen.

Die meisten Verträge in den Einzelberufen wurden bei den Industriekaufleuten und den Kaufleuten im Einzelhandel mit jeweils 56, bzw. 40 Verträgen abgeschlossen. Der stärkste Ausbildungsberuf im gewerblich-technischen Bereich ist der Industriemechaniker mit 42 neu eingetragenen Ausbildungsverhältnissen.

Die Gründe für diese schlechte Entwicklung liegt ganz eindeutig in den Folgen der durch die Corona-Pandemie ausgelösten Wirtschaftskrise. Auch die erschwerten Bedingungen bei der Berufsorientierung in den Schulen spielen eine Rolle. Das Zusammenfinden von geeigneten Bewerbern und Unternehmen war sehr schwierig. Die IHK hat u.a. durch die App „Ausbildungschance digital“ versucht, diese Lücke zu füllen.

Auch die Ausbildungsmesse „Step1“, die die IHK zusammen mit der Kreishandwerkerschaft, der Agentur für Arbeit und dem Kreis Höxter jährlich durchführt, kann dieses Jahr nicht als Präsenzveranstaltung stattfinden.
„Wir arbeiten hier an einer digitalen Version, die auch wesentlich Elemente der Vorbereitung für den Übergang Schule – Beruf enthalten wird“, so Behlke.

Er wies auch noch einmal intensiv darauf hin, dass neue Ausbildungsverträge auch jetzt noch eingetragen werden können. „Mit dem 31. Oktober ist noch nichts vorbei!“, so der IHK-Chef. Eine Eintragung ist noch bis zum Jahreswechsel möglich und sinnvoll.

Handwerk steigert Ausbildungszahlen

Gerald Studzinsky, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Höxter-Warburg berichtet, dass sich zum Stichtag 30.09.2020 mehr Jugendliche als im Vorjahr für eine handwerkliche Ausbildung im Kreis Höxter entschieden haben.

Die bei der Kreishandwerkerschaft Höxter-Warburg registrierten Ausbildungsverträge konnten trotz Corona-Pandemie und den damit verbundenen Einschränkungen sogar um 4,5 % gesteigert werden. Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge hat sich gegenüber dem Vorjahr von 247 auf 258 erhöht.

Auch die handwerklichen Ausbildungszahlen für den gesamten Kreis Höxter können sich sehen lassen. Hier ist ein leichtes Plus von 1,1 % zu verzeichnen. Die Zahl der Ausbildungsverträge erhöhte sich hier von 358 auf 362.
Deutliche Unterschiede gab es zwischen den verschiedenen Berufsgruppen. Besonders die Metall- und Elektroberufe haben sich wieder ähnlich gut wie im Vorjahr oder gar besser entwickelt, beispielsweise die Metallbauer (26 Neuverträge + 7 %), Elektroniker/-in, Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik (31 Neuverträge + 10 %) und die Anlagenmechaniker/-in für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik (29 Neuverträge + 3 %).

Erfreulich waren aber auch die Ausbildungszahlen in folgenden Berufen. Hier konnten die Friseure (15 Neuverträge + 50 %), die Maler und Lackierer/-in, FR. Gestal-tung und Instandhaltung (15 Neuverträge + 27 %), Tischler (27 Neuverträge + 50 %) und Zimmerer (16 Neuverträge + 23 %) gute Zahlen präsentieren.

Dagegen gab es bei den Dachdeckern (10 Neuverträge -15 %), den Bäckern (7 Neuverträge -12,5 %), den Fachverkäufer/innen im Lebensmittelhandwerk (8 Neuverträ-ge -58 %) starke Rückgänge.

„Diese doch insgesamt positive Entwicklung der Ausbildungszahlen spricht für sich und ist für das heimische Handwerk ein besonderer Erfolg und gleichzeitig eine Einladung an alle jungen Menschen ins Handwerk zu kommen. Denn das Handwerk bietet auch unter den gegenwärtigen Bedingungen sichere Ausbildungs- und Arbeitsplätze. Unsere Handwerksbetriebe suchen händeringend Nachwuchs. Durch die demografische Entwicklung und die hohe Neigung junger Menschen zum Studium oder schulischen Bildungsgängen erweist sich die Suche immer schwieriger und zahlreiche Lehrstellen bleiben unbesetzt. Diese Situation bleibt weiterhin eine große Herausforderung für das Handwerk“, so Studzinsky.

Jugendliche, die noch für dieses, aber auch für nächstes Jahr, eine Ausbildungsstelle suchen, sollten sich über die kostenlose Hotline 0 52 51 / 120 301 mit der Berufsberatung in Verbindung setzen. Der einfachste und schnellste Weg zu den freien Ausbildungsstellen führt über die Internet-Adresse: www.jobboerse.arbeitsagentur.de