05.11.2021 | Presseinfo Nr. 78

Das Berichtsjahr 2020/2021 am Ausbildungsmarkt im Kreis Höxter

Bewerberzahlen gehen zurück, Stellenzahlen steigen
Mehr unbesetzte Stellen als unversorgte Bewerber
 

Bewerberzahlen gehen zurück, Stellenzahlen steigen

Mehr unbesetzte Stellen als unversorgte Bewerber

  • 61 Jugendliche noch nicht versorgt
  • 95 Ausbildungsstellen nicht besetzt
  • Bewerbergewinnung als Schwerpunktaufgabe für alle Akteure am Ausbildungsmarkt

Heinz Thiele, Leiter der Paderborner Arbeitsagentur, zieht die Bilanz am Ausbildungsmarkt: „Der Ausbildungsmarkt 2020/2021 ist durch eine Lücke zwischen Bewerber und Stellen gekennzeichnet. Grund dafür ist der – erfreuliche – Anstieg der Stellenmeldungen im Vergleich zum Vorjahr, aber auch der gleichzeitige, wenn auch leichte, Rückgang der Bewerberzahlen.“

Diese Entwicklung begründet der Experte wie folgt: „Nachdem die Unternehmen im letzten Jahr aufgrund der unsicheren Umstände ihre Ausbildungsbemühungen teils pausiert oder zurückgefahren haben, dreht sich dieses Verhalten im aktuellen Berichtsjahr. Hier spielen sicherlich die Krisen-Erfahrungen, die eine bessere Planbarkeit ermöglichen, aber auch die Erkenntnis über die wichtige Bedeutung von Ausbildung zur Bekämpfung des Fachkräftemangels eine Rolle.“ Bezüglich der Bewerber fügt er hinzu: „Leider beobachten wir die entgegensetzte Entwicklung bei den Bewerbern. Die Jugendlichen haben sich in diesem Jahr eher zurückhaltend gezeigt, nicht zuletzt auch wegen der negativen Nachrichtenlage im Wirtschaftssektor. Hinzu kommt, dass die Schulen für einen Großteil des vergangenen Schuljahres geschlossen waren oder zumindest keinen Regelunterricht stattgefunden hat. Das hat es unseren Berufsberatern und Berufsberaterinnen erschwert, in die Schulen zu gehen und damit die Jugendlichen direkt dort, wo sie – normalerweise – sind, zu erreichen. Und diese Anwesenheit der Berufsberatung in der Schule ist nicht ohne Grund eine wichtige Säule des Beratungskonzepts.“

Er betont aber auch: „Mit alternativen Angeboten wie Telefon- und Videoberatung haben die Beratungsfachkräfte massiv gegengesteuert und versucht, aus der schwierigen Situation das Beste zu machen. Diese Anstrengungen haben sicherlich ihren Beitrag dazu geleistet, dass der Rückgang auf der Bewerberseite im Kreis Höxter nur niedrig ausfällt. Auch in Zukunft werden wir um jeden Bewerber kämpfen müssen, da die demographische Entwicklung mit dem damit verbundenen Fachkräftebedarf die größte Herausforderung der nächsten Jahre sein wird.“

Gesamtangebot / Gesamtnachfrage im Laufe des Berichtsjahres:

1.163 gemeldete Ausbildungsstellen / 992 gemeldete Bewerber 

Im Berichtsjahr wurden der Arbeitsagentur in Höxter 1.163 Ausbildungsstellen zur Besetzung gemeldet, 64 oder 5,8 Prozent mehr als im Vorjahr.

Auf der Bewerberseite haben sich im Laufe des Berichtsjahres 992 Jugendliche über die Berufsberatung der Arbeitsagentur in Höxter und Warburg bzw. des Jobcenters um einen Ausbildungsplatz bemüht, das waren 19 junge Menschen (minus 1,9 Prozent) weniger als im Vorjahr.

Von den Ausbildungsstellen waren Ende September noch 95 unbesetzt, 61 Jugendliche waren noch auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle. Daraus ergab sich eine rechnerische Relation von 156 unbesetzten Stellen auf 100 unversorgte Bewerber.

Bilanz der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld

„Wir beobachten eine Stagnation des Ausbildungsmarktes“, berichtet Jürgen Behlke, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld und Leiter der Zweigstelle Paderborn + Höxter, mit Blick auf die in 2021 neu eingetragenen Ausbildungsverhältnisse bei den IHK-Mitgliedsunternehmen. Das Vor-Corona-Niveau sei noch lange nicht wieder erreicht, aber immerhin hat sich im Kreis Höxter das Minus von insgesamt 10,8 Prozent in ein leichtes Minus von 1,2 Prozent gewandelt. In absoluten Zahlen verringere sich die Zahl der neuen Ausbildungsverträge um 5 auf jetzt 408. Die prozentuale Entwicklung sei zwischen den kaufmännischen und gewerblich-technischen Ausbildungsberufen jedoch sehr unterschiedlich: mit minus 9,4 Prozent (Vorjahr: minus 9,1 Prozent) liege die Anzahl der neu eingetragenen Ausbildungsverhältnisse im gewerblich-technischen Bereich wieder relativ weit unter dem Vorjahresniveau, während mit zusätzlichen 9 Verträgen im kaufmännischen Ausbildungsbereich ein Wachstum von 3,4 Prozent erreicht worden sei.

Besonders in der Metalltechnik mit einem Rückgang von 33,3 Prozent zeichne sich eine bedenkliche Entwicklung ab. Erfreulich sei dagegen, dass der Beruf des Fachinformatikers im Kreis Höxter erneut kräftig zulegen konnte.

Allerdings habe sich der Ausbildungsmarkt im Hotel- und Gaststättenbereich noch nicht vom Einfluss der Corona-Pandemie erholt, während die Ausbildungsberufe im Handel um 5 Prozent zulegen konnten.

„Mit dieser Situation sind wir vor dem Hintergrund der Entwicklungen im vergangenen Jahr noch nicht zufrieden. Hier besteht im Kreis Höxter noch großes Entwicklungspotential.  Es lässt sich festhalten: Die berufliche Ausbildung muss verstärkt in den Fokus von Eltern und Schülerinnen und Schülern kommen. Dennoch freut uns zu erleben, dass die in 2020 aus Gründen des Gesundheitsschutzes eingeschränkten Informations- und Beratungsmöglichkeiten in Schulen allmählich wieder in gewohnte Bahnen übergehen und Unternehmen wieder Praktika vor Ort möglich machen können“, hält Behlke fest, denn dies trage wesentlich zur beruflichen Orientierung junger Menschen bei.

Trotzdem sei das Zusammenfinden von geeigneten Bewerbern und Unternehmen immer noch recht schwierig. Die IHK hat in Zusammenarbeit mit den Partnern in der Berufsorientierung der Region u.a. durch digitale Angebote des sogenannten AZUBI-Speeddatings auf der Plattform „Ausbildungschance OWL“ und der Berufsorientierungsplattform „Step1“ versucht, diese Lücke zu füllen.

Besonders die Plattform Step1, auf der auch die gleichnamige, dieses Jahr noch digitale, Ausbildungsmesse integriert ist, bietet Schülerinnen und Schülern, sowie Lehrkräften und Eltern hervorragende Möglichkeiten, sich sehr breit und vielfältig über die Möglichkeiten des Übergangs Schule – Beruf zu informieren und Ausbildungs- und Praktikums-stellen zu finden.

„Für die Zukunft werden wir weiterhin alles daransetzen, gemeinsam mit den Partnern rund um die berufliche Ausbildung unseren ‚Instrumentenkasten‘ für die Informationen zu Ausbildungsmöglichkeiten, Ausbildungsbetrieben und darüber hinaus für die potenziellen Auszubildenden so zu erweitern, dass wir eine nachhaltige Berufswahlvorbereitung für die jungen Menschen ermöglichen können“, so Behlke weiter.

Die IHK selbst werde sich auch zukünftig massiv für die Förderung der Beruflichen Bildung einsetzen und die bereits seit Jahren erfolgreich eingeführten Projekte wie die schon erwähnten Plattformen „Ausbildungschance OWL“ und „Step1“, sowie das Projekt „Kooperation IHK-Schule-Wirtschaft“ oder „Berufliche Bildungslotsen“ fortsetzen. Bei den „Beruflichen Bildungslotsen“ spreche die IHK in Abstimmung mit den jeweiligen Ausbildungsbetrieben Auszubildende an, um sie zu schulen und in den Klassen der allgemeinbildenden Schulen über ihre Ausbildungsberufe berichten zu lassen. Hier diskutieren sie mit den Schülerinnen und Schülern auf Augenhöhe über die positiven Perspektiven beruflicher Bildung und vor allem über die eigenen Erfahrungen.

Mit dem Berufsstarterseminar „Fit in die Ausbildung“ entspräche die IHK zudem seit vielen Jahren dem Wunsch vieler Ausbildungsbetriebe, die Ausbildungsreife der jugendlichen Bewerberinnen und Bewerber noch stärker zu fördern, ergänzte der IHK-Geschäftsführer. „Es ist immer sehr schade, wenn Ausbildungsstellen unbesetzt blieben, weil geeignete Bewerberinnen und Bewerber fehlen. Dem wollen wir entgegenwirken.“

Behlke wies auch noch einmal intensiv darauf hin, dass neue Ausbildungsverträge auch jetzt noch eingetragen werden können. „Mit dem 31. Oktober ist noch nichts vorbei!“, so der IHK-Chef. Eine Eintragung ist noch bis zum Jahreswechsel möglich und sinnvoll.

Handwerk verzeichnet weniger Ausbildungsverträge

Klaus Niemeier von der Kreishandwerkerschaft Höxter-Warburg, stellt fest, dass die bei der Kreishandwerkerschaft Höxter-Warburg registrierten Ausbildungsverträge im aktuellen Ausbildungsjahr leicht zurückgegangen sind. Die Anzahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge hat sich zum Stichtag 30.09.2021 gegenüber dem Vorjahr von 258 auf 251 leicht verringert. Das sind 2,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Der Rückgang der handwerklichen Ausbildungszahlen für den gesamten Kreis Höxter war dagegen noch etwas größer. Hier war ein Minus von 11,3 % auf 321 zu verzeichnen.

Er geht davon aus, dass sich die Folgen der Corona-Pandemie und damit das Einstellungsverhalten von Jugendlichen und Handwerksbetrieben im Kreis Höxter erst in diesem Jahr stärker ausgewirkt haben. Im Jahre 2020 konnten die Ausbildungsverträge noch zu diesem Zeitpunkt um 4,5 % gesteigert werden.

Trotz dieses Rückganges konnten aber auch einige Ausbildungsberufe im Kreis Höxter Zuwächse verzeichnen. Besonders erfreulich war der Anstieg bei den Maurern (19 Neuverträge + 27 %) als auch bei den Fachverkäuferinnen im Lebensmittelhandwerk (19 Neuverträge+ 130 %), sowie bei den Dachdeckern (12 Neuverträge+ 20 %).

Rückläufig hingegen waren die Ausbildungsverhältnisse in den Berufen Elektroniker/-in, Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik (30 Neuverträge - 12 %), Maler und Lackierer, FR Gestaltung und Instandhaltung (13 Neuverträge - 13 %), Metallbauer (26 Neuverträge -7 %) und  Tischler (20 Neuverträge - 25 %).

Gleichbleibende Zahlen konnten in den Berufen Anlagenmechaniker für Sanitär- Heizungs- und Klimatechnik (30 Neuverträge), Friseur (15 Neuverträge) und Zimmerer (16 Neuverträge) konstatiert werden.

„Viele Betriebe registrieren, dass es immer weniger Bewerber für die offenen Ausbildungsplätze gibt, zu einem hängt dieses auch mit einem zunehmenden Trend zu höheren Schulabschlüssen zusammen, was zu einem längeren Verbleib der Jugendlichen im Schulsystem führt, und zum anderen gibt es Unsicherheit während der Corona-Pandemie“, so Niemeier.

Trotz guter Konjunkturaussichten im Handwerk, und einer weiterhin hohen Auslastung in den Ausbaugewerken konnten jedoch nicht alle Stellen besetzt werden. Diese Entwicklung wird sich auch in Zukunft verstärken, da die Zahl der Bewerber für eine duale Ausbildung auch in den nächsten Jahren weiter rückläufig sein wird.

Die heimischen Betriebe suchen dennoch weiter qualifizierten Nachwuchs, um die Qualität und Leistungsfähigkeit ihrer Betriebe zu erhalten und damit der eigenen Zukunftssicherung Rechnung zu tragen, betont Klaus Niemeier.

Weiterhin informiert er über das neue Projekt Übergangsbegleitung der Landesgewerbeförderungsstelle des Handwerks, dass vom Land NRW und dem Europäischen Sozialfonds finanziert wird. Hier sollen ausbildungsinteressierte Schülerinnen und Schüler der Abgangsjahrgänge noch enger auf ihrem Weg in eine duale Ausbildung unterstützt und begleitet werden. Das Ziel ist auch, das Durchschnittsalter der jungen Menschen, die eine duale Ausbildung beginnen, zu verjüngen. Dieses soll auch einen positiven Effekt auf die Akzeptanz und Durchführung einer dualen Ausbildung haben.

Jugendliche, die noch für dieses, aber auch für nächstes Jahr, eine Ausbildungsstelle suchen, sollten sich über die kostenlose Hotline 0800 4 555500 einen Beratungstermin anfragen. Der einfachste und schnellste Weg zu den freien Ausbildungsstellen führt über die Internet-Adresse: www.arbeitsagentur.de/jobsuche