07.11.2022 | Presseinfo Nr. 119

Das Berichtsjahr 2021/2022 am Ausbildungsmarkt

Steigende Stellenzahlen im Kreis Paderborn, Bewerberzahlen konstant
Weniger unbesetzte Ausbildungsstellen als unversorgte Bewerber

  • 2.318 gemeldete Ausbildungsstellen
  • 1.837 Bewerber
  • 175 Jugendliche noch nicht versorgt
  • 23 Ausbildungsstellen nicht besetzt

Heinz Thiele, Leiter der Paderborner Arbeitsagentur, zieht Bilanz zum Berichtsjahr am Ausbildungsmarkt: „1.837 Jugendliche und junge Erwachsene haben sich seit Oktober 2021 auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz an die Agentur für Arbeit gewandt. Im Vergleich zum Vorjahr ist diese Zahl nahezu konstant geblieben. Auf der anderen Seite ist die Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen im Kreis Paderborn sehr hoch“, erklärt der Arbeitsmarktexperte.

2.318 Ausbildungsstellen sind seit Beginn des Berichtsjahres von Betrieben gemeldet worden. Das Angebot ist im Vergleich zum Vorjahr um 253 Stellen gestiegen. „Der Trend von einem Arbeitgebermarkt zu einem Arbeitnehmermarkt setzt sich auch auf dem Ausbildungsmarkt fort“, sagt Heinz Thiele.

„Vielen Unternehmen und Betrieben ist die Bedeutung der Berufsausbildung längst bewusst geworden. Sie haben erkannt, dass Ausbildung der Schlüssel zur Bewältigung des Fachkräfteengpasses ist. Die Chancen für Jugendliche und junge Erwachsene, auf dem Ausbildungsmarkt eine Stelle zu finden, sind also auch für das kommende Jahr sehr gut“, fasst Thiele zusammen. Natürlich gibt es Passungsprobleme, denn Angebot und Nachfrage passen nie 1:1 zusammen. „Aber der Vorteil liegt klar bei den Jugendlichen.“

„Das Engagement der Betriebe, verstärkt auszubilden, ist eine überaus positive Entwicklung, die wir sehr begrüßen“, sagt Heinz Thiele. „Auch wenn es nicht immer einfach ist, geeignete Auszubildende zu finden, bitten wir alle Arbeitgeber auch weiterhin möglichst viele Ausbildungsstellen zu melden.“

Die Agentur für Arbeit unterstützt mit verschiedenen Instrumenten und Maßnahmen Ausbildungswillige und Arbeitgeber. Die Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen (BvB) beispielsweise helfen Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die Probleme haben eine Ausbildung zu finden oder bereits eine Ausbildung abgebrochen haben. Es geht in dem Programm um das Erkennen von Stärken und Schwächen, die Vermittlung von erforderlichen Kenntnissen und Fähigkeiten in Theorie und Praxis bis zur Unterstützung im Bewerbungsprozess. 111 Plätze standen im abgelaufenen Berichtsjahr im Kreis Paderborn zur Verfügung.

Die Assistierte Ausbildung (AsA) ist ein weiteres Förderinstrument der Arbeitsagentur. In dieser Maßnahme steht die Unterstützung bei der Bewältigung der Anforderungen in der Berufsschule im Fokus. Das Ziel ist es, die Zahl der Abbrecher zu reduzieren. Das Stundenkontingent hier betrug im Kreis Paderborn 5.864 Stunden.

Um Jugendlichen die Orientierung und den Berufseinstieg im Kreis Paderborn zu erleichtern, arbeitet die Agentur für Arbeit eng mit starken Partnern zusammen. So bietet beispielsweise die Internet-Plattform CONNECT Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften, Eltern und Unternehmen ganzjährig Hilfestellung. Jährlich gibt es zudem auf der Ausbildungsmesse CONNECT im Schützenhof Möglichkeiten zur Information und Kontaktaufnahme. Im nächsten Jahr ist die Messe vom 21. bis 23. September geplant. Zudem werden regelmäßig Speed-Datings veranstaltet, die Messe „Ausbildung klarmachen“ und die Nachvermittlungsaktion zur Versorgung noch unversorgter Jugendlichen sind weitere Aktionen, um Jugendliche bei der Ausbildungsplatzsuche zu unterstützen.

Gesamtangebot / Gesamtnachfrage im Laufe des Berichtsjahres:

2.318 gemeldete Ausbildungsstellen / 1.837 gemeldete Bewerber 

Im Berichtsjahr wurden der Arbeitsagentur in Paderborn 2.318 Ausbildungsstellen zur Besetzung gemeldet, 253 (0der 12,3 Prozent) mehr als im Vorjahr.

Auf der Bewerberseite haben sich im Laufe des Berichtsjahres 1.837 Jugendliche über die Berufsberatung der Agentur für Arbeit um einen Ausbildungsplatz bemüht, das waren 5 junge Menschen weniger als im Vorjahr.

Von den Ausbildungsstellen waren Ende September noch 23 unbesetzt, 175 Jugendliche waren noch auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle.

Bilanz der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld

„Wir beobachten trotz der momentanen Krisensituation einen stabilen, teilweise verbesserten Ausbildungsmarkt“, berichtet Jürgen Behlke, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld und Leiter der Zweigstelle Paderborn + Höxter, mit Blick auf die in 2022 neu eingetragenen Ausbildungsverhältnisse bei den IHK-Mitgliedsunternehmen. Das Vor-Corona-Niveau sei zwar noch nicht wieder erreicht, aber immerhin habe sich im Kreis Paderborn im Vorjahresvergleich das leichte Plus von insgesamt 3,7 Prozent zu einem ordentlichen Plus von 8 Prozent Anfang Oktober verbessert. In absoluten Zahlen erhöhte sich die Zahl der neuen Ausbildungsverträge um 94 auf jetzt 1.271. Die prozentuale Entwicklung sei zwischen den kaufmännischen und gewerblich-technischen Ausbildungsberufen jedoch sehr unterschiedlich: mit plus 1,2 Prozent (Vorjahr: minus 0,1 Prozent) liege die Anzahl der neu eingetragenen Ausbildungsverhältnisse im kaufmännischen Bereich leicht über dem Vorjahresniveau, während mit zusätzlichen 86 Verträgen im gewerblich-technischen Ausbildungsbereich ein Wachstum von 17,4 Prozent erreicht worden sei.

Besonders bei den IT-Berufen mit einem Zuwachs von 42,4 Prozent zeichne sich eine sehr gute Entwicklung ab. Erfreulich sei, dass der Ausbildungsberuf „Kaufleute im Einzelhandel“ nach dem Rückgang im Vorjahr im Kreis Paderborn wieder zulegen konnte.

Nach den Corona-bedingten starken Rückgängen bei den gastgewerblichen Berufen freut sich die Branche über einen Zuwachs in diesem Jahr von 25,6 Prozent.

„Mit dieser Situation sind wir vor dem Hintergrund der Entwicklungen im vergangenen Jahr sehr zufrieden. Auch wenn sicherlich noch weiteres Entwicklungspotential besteht, lässt sich festhalten: Die berufliche Ausbildung meldet sich zurück. Es freut uns dabei zu erleben, dass die auch noch in 2021 eingeschränkten Informations- und Beratungsmöglichkeiten in Schulen allmählich wieder in gewohnte Bahnen übergehen und Unternehmen wieder Praktika vor Ort möglich machen können“, hält Behlke fest. Dies trage wesentlich zur beruflichen Orientierung junger Menschen bei.

Trotzdem sei das Zusammenfinden von geeigneten Bewerbern und Unternehmen immer noch recht schwierig. Die IHK habe in Zusammenarbeit mit den Partnern in der Berufsorientierung der Region unter anderem durch digitale Angebote des sogenannten AZUBI-Speeddatings auf der Plattform „Ausbildungschance OWL“ und der Berufsorientierungsplattform „Connect“, sowie der sehr erfolgreichen Ausbildungsmesse „Connect“, versucht, diese Lücke zu füllen.

Besonders die Plattform Connect, auf der auch die gleichnamige Ausbildungsmesse integriert sei, biete Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften und Eltern hervorragende Möglichkeiten, sich sehr breit und vielfältig über die Möglichkeiten des Übergangs von Schule in den Beruf zu informieren und Ausbildungs- und Praktikumsstellen zu finden.

„Für die Zukunft werden wir weiterhin alles daransetzen, gemeinsam mit den Partnern rund um die berufliche Ausbildung unseren ‚Instrumentenkasten‘ für die Informationen zu Ausbildungsmöglichkeiten, Ausbildungsbetrieben und darüber hinaus für die potenziellen Auszubildenden so zu erweitern, dass wir eine nachhaltige Berufswahlvorbereitung für die jungen Menschen ermöglichen können“, so Behlke weiter.

Die IHK selbst werde sich auch zukünftig massiv für die Förderung der Beruflichen Bildung einsetzen und die bereits seit Jahren erfolgreich eingeführten Projekte wie die schon erwähnten Plattformen „Ausbildungschance OWL“ und „Connect“, sowie das Projekt „Kooperation IHK-Schule-Wirtschaft“ oder „Berufliche Bildungslotsen“ fortsetzen. Bei den „Beruflichen Bildungslotsen“ spreche die IHK in Abstimmung mit den jeweiligen Ausbildungsbetrieben Auszubildende an, um sie zu schulen und in den Klassen der allgemeinbildenden Schulen über ihre Ausbildungsberufe berichten zu lassen. Hier diskutieren sie mit den Schülerinnen und Schülern auf Augenhöhe über die positiven Perspektiven beruflicher Bildung und vor allem über die eigenen Erfahrungen.

Mit dem Berufsstarterseminar „Fit in die Ausbildung“ entspräche die IHK zudem seit vielen Jahren dem Wunsch vieler Ausbildungsbetriebe, die Ausbildungsreife der jugendlichen Bewerberinnen und Bewerber noch stärker zu fördern, ergänzte der IHK-Geschäftsführer. „Es ist immer sehr schade, wenn Ausbildungsstellen unbesetzt blieben, weil geeignete Bewerberinnen und Bewerber fehlen. Dem wollen wir entgegenwirken.“

Behlke wies auch noch einmal intensiv darauf hin, dass neue Ausbildungsverträge auch jetzt noch eingetragen werden können. „Mit dem 31. Oktober ist noch nichts vorbei!“, so der IHK-Geschäftsführer. Eine Eintragung sei noch bis zum Jahreswechsel möglich und sinnvoll.

Kreishandwerkerschaft kann Höchstwert an Ausbildungsverträgen im Handwerk verbuchen

 „Die Zahl der Ausbildungsverhältnisse im Handwerk zeigt in der Statistik nicht nur einen Anstieg der Ausbildungsverhältnisse im Vergleich zum Vorjahr, sondern stellt auch innerhalb der vergangenen zehn Jahre einen Höchstwert dar“, blickt Michael H. Lutter, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Paderborn-Lippe, auf die Entwicklungen im Handwerk.  

„Das zeigt uns, dass unsere Anstrengungen in Form der Ausbildungsoffensive „Folge-deinem-ich“ Früchte tragen. Diese Kampagne wurde 2015 von den Delegierten der Kreishandwerkerschaft beschlossen und seither mit viel Geld unterstützt. Mit der Aktion gehen wir gezielt und auf Augenhöhe auf Schülerinnen und Schüler zu und werben für die vielen Möglichkeiten in den handwerklichen Ausbildungsberufen.“

Michael H. Lutter fährt fort: „Und die Ergebnisse über die letzten Jahre hinweg belegen, dass das Projekt hervorragend läuft.  Unser Team kann in diesem Zusammenhang auf zahlreiche Beratungen und Vermittlungen verweisen. Und das spiegelt sich in den aktuellen Ausbildungszahlen wieder.

Allerdings täuscht dieser positive Trend nicht über die Tatsache hinweg, dass das Handwerk auch hier vor Ort unter einem massiven Nachwuchs- und Fachkräftemangel leidet. In Zahlen ausgedrückt bedeutet das, dass das Handwerk allein aufgrund des Rentenabgangs aktuell und in den nächsten Jahren, anderthalb bis zweimal so viele Ausbildungsverträge jährlich benötigt wie zurzeit.“

„Zugespitzt wird die Lage dann noch durch den Klimawandel und die angestrebte Energiewende. Vor diesem Hintergrund fehlt es zusätzlich schlicht und ergreifend an der notwendigen Menge zukünftiger Handwerksgesellen. Hier geht es allerdings nicht nur um die reine Anzahl, die fehlt. Es müssen auch die notwendigen Qualifikationen vorhanden sein, wenn es in die Bereiche Digitalisierung, Dekarbonisierung etc. geht.

Notwendig ist nach wie vor ein gesellschaftliches Umdenken. Es reicht einfach nicht aus, den Handwerker nur dann wertzuschätzen, wenn er die Heizungsstörung oder den Kurzschluss repariert hat. Die Wertschätzung des Handwerks und die Hinführung zu einer dualen Berufsausbildung ist eine wichtige Daueraufgabe, die bereits in den Schulen, auch in den Gymnasien und den Gesamtschulen, stattfinden sollte“, so der Hauptgeschäftsführer abschließend.

Jugendliche, die noch für dieses, aber auch für nächstes Jahr, eine Ausbildungsstelle suchen, sollten über die kostenlose Hotline 0800 4 555500 einen Beratungstermin anfragen. Der einfachste und schnellste Weg zu den freien Ausbildungsstellen führt über die Internet-Adresse: www.arbeitsagentur.de/jobsuche