07.11.2022 | Presseinfo Nr. 120

Das Berichtsjahr 2021/2022 am Ausbildungsmarkt

Bewerberzahlen gehen leicht zurück, Stellenzahlen steigen
Mehr unversorgte Bewerber als unbesetzte Stellen
 

  • 1.371 gemeldete Ausbildungsstellen
  • 977 Bewerber
  • 55 Jugendliche noch nicht versorgt
  • 41 Ausbildungsstellen nicht besetzt

Zum Abschluss des Berichtsjahres zieht Heinz Thiele, Leiter der Paderborner Arbeitsagentur, Bilanz zum Ausbildungsmarkt: „Der Ausbildungsmarkt im Kreis Höxter wird charakterisiert durch ein starkes Plus beim Angebot an Ausbildungsstellen.“  1.371 Ausbildungsstellen haben Arbeitgeber seit Beginn des Berichtsjahres im Oktober 2021 im Kreis Höxter gemeldet, das sind 177 (oder 14,8 Prozent) mehr als im Vorjahr. „Diese positive Entwicklung zeigt deutlich, dass Arbeitgeber im Kreis Höxter verstärkt mit Ausbildung in die Zukunft investieren wollen, um dem Fachkräftemangel entgegen zu treten“, begründet der Agenturchef diese Tendenz.

Der Zunahme von Ausbildungsstellen stehen leicht sinkende Bewerberzahlen gegenüber. „Den Jugendlichen und jungen Erwachsenen bieten sich viele Möglichkeiten, einen passenden Ausbildungsplatz zu finden“, sagt Heinz Thiele.  „Der Wechsel vom Arbeitgeber- zum Arbeitnehmermarkt ist auch auf dem Ausbildungsmarkt zu beobachten. Das bedeutet aber auch, dass Unternehmen und Betriebe auf diese Entwicklung reagieren und ihre Strategien zur Gewinnung von Nachwuchskräften überprüfen sollten. Unser Arbeitgeberservice berät dazu gerne.“   

Die Agentur für Arbeit unterstützt mit verschiedenen Instrumenten und Maßnahmen Ausbildungswillige und Arbeitgeber. Die Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen (BvB) beispielsweise helfen Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die Probleme haben eine Ausbildung zu finden oder bereits eine Ausbildung abgebrochen haben. Es geht in dem Programm um das Erkennen von Stärken und Schwächen, die Vermittlung von erforderlichen Kenntnissen und Fähigkeiten in Theorie und Praxis bis zur Unterstützung im Bewerbungsprozess. 78 Plätze standen im abgelaufenen Berichtsjahr im Kreis Höxter zur Verfügung.

Die Assistierte Ausbildung (AsA) ist ein weiteres Förderinstrument der Arbeitsagentur. In dieser Maßnahme steht die Unterstützung bei der Bewältigung der Anforderungen in der Berufsschule im Fokus. Das Ziel ist es, die Zahl der Abbrecher zu reduzieren. Das Stundenkontingent hier betrug im Kreis Höxter 4.910 Stunden.

Um Jugendlichen die Orientierung und den Berufseinstieg im Kreis Höxter zu erleichtern, arbeitet die Agentur für Arbeit eng mit starken Partnern zusammen und informiert mit verschiedenen Angeboten. Die Berufsorientierungsplattform STEP1 beispielsweise bietet Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften, Eltern und Arbeitgebern ganzjährig Informationen. Außerdem wird einmal im Jahr die Messe STEP1 im Kolping Berufsbildungswerk in Brakel veranstaltet. Der nächste Termin steht bereits fest: vom 07. bis 09. September 2023 können sich Interessierte informieren und Kontakte knüpfen. Zudem stehen Tage der offenen Betriebstür in vier Kreisregionen des Kreises Höxter auf dem Programm. Auch diese sind für das nächste Jahr schon terminiert: 11.03.2023, 25.03.2023, 06.05.2023 und 13.05.2023. Darüber hinaus sind im Zeitraum vom 23.01.2023 bis 07.06.2023 Schulhofaktionen unter dem Motto „Schüler*in trifft Azubi“ an den weiterführenden und berufsbildenden Schulen des Kreises Höxter geplant. In einer Nachvermittlungsaktion unterstützt die Agentur für Arbeit überdies noch unversorgte Jugendliche intensiv bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz.

Gesamtangebot / Gesamtnachfrage im Laufe des Berichtsjahres:

1.371 gemeldete Ausbildungsstellen / 977 gemeldete Bewerber 

Im Berichtsjahr wurden der Arbeitsagentur in Höxter 1.371 Ausbildungsstellen zur Besetzung gemeldet, 177 oder 14,8 Prozent mehr als im Vorjahr.

Auf der Bewerberseite haben sich im Laufe des Berichtsjahres 977 Jugendliche über die Berufsberatung der Arbeitsagentur in Höxter und Warburg bzw. des Jobcenters um einen Ausbildungsplatz bemüht, das waren 15 junge Menschen (minus 1,5 Prozent) weniger als im Vorjahr.

Von den Ausbildungsstellen waren Ende September noch 41 unbesetzt, 55 Jugendliche waren noch auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle.

Bilanz der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld

„Wir beobachten eine weitere Stagnation des Ausbildungsmarktes“, berichtet Jürgen Behlke, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld und Leiter der Zweigstelle Paderborn + Höxter, mit Blick auf die in 2022 neu eingetragenen Ausbildungsverhältnisse bei den IHK-Mitgliedsunternehmen. Das Vor-Corona-Niveau sei noch lange nicht wieder erreicht, aber immerhin hat sich im Kreis Höxter das leichte Minus von insgesamt 1,2 Prozent in eine annähernde Stagnation von -0,2 Prozent gewandelt. In absoluten Zahlen verringere sich die Zahl der neuen Ausbildungsverträge um 1 auf jetzt 407. Die prozentuale Entwicklung sei zwischen den kaufmännischen und gewerblich-technischen Ausbildungsberufen jedoch unterschiedlich: mit minus 3,0 Prozent (Vorjahr: minus 9,4 Prozent) liege die Anzahl der neu eingetragenen Ausbildungsverhältnisse im gewerblich-technischen Bereich wieder unter dem Vorjahresniveau, während mit 3 zusätzlichen Verträgen im kaufmännischen Ausbildungsbereich ein leichtes Wachstum von 1,1 Prozent erreicht worden sei.

Besonders in der Holztechnik und in der Bauwirtschaft mit einem Rückgang von 63,2 bzw. 11,1 Prozent zeichne sich eine bedenkliche Entwicklung ab. Erfreulich sei dagegen, dass der Beruf des Fachinformatikers im Kreis Höxter kräftig zulegen konnte.

Auch habe sich der Ausbildungsmarkt im Hotel- und Gaststättenbereich ein wenig vom Einfluss der Corona-Pandemie erholt, während die Ausbildungsberufe im Verkehrsgewerbe um 23,8 Prozent zurückgegangen sind.

„Mit dieser Situation sind wir vor dem Hintergrund der Entwicklungen im vergangenen Jahr noch nicht zufrieden. Hier besteht im Kreis Höxter noch großes Entwicklungspotential.  Es lässt sich festhalten: Die berufliche Ausbildung muss verstärkt in den Fokus von Eltern und Schülerinnen und Schülern kommen. Dennoch freut uns zu erleben, dass die in 2021 noch leicht eingeschränkten Informations- und Beratungsmöglichkeiten in Schulen allmählich wieder in gewohnte Bahnen übergehen und Unternehmen wieder Praktika vor Ort möglich machen können“, hält Behlke fest, denn dies trage wesentlich zur beruflichen Orientierung junger Menschen bei.

Trotzdem sei das Zusammenfinden von geeigneten Bewerbern und Unternehmen immer noch recht schwierig. Die IHK hat in Zusammenarbeit mit den Partnern in der Berufsorientierung der Region u.a. durch digitale Angebote des sogenannten AZUBI-Speeddatings auf der Plattform „Ausbildungschance OWL“ und der Berufsorientierungsplattform „Step1“ versucht, diese Lücke zu füllen.

Besonders die Plattform Step1, auf der auch die gleichnamige, dieses Jahr wieder sehr erfolgreiche, Ausbildungsmesse integriert ist, bietet Schülerinnen und Schülern, sowie Lehrkräften und Eltern hervorragende Möglichkeiten, sich sehr breit und vielfältig über die Möglichkeiten des Übergangs Schule – Beruf zu informieren und Ausbildungs- und Praktikums-stellen zu finden.

„Für die Zukunft werden wir weiterhin alles daransetzen, gemeinsam mit den Partnern rund um die berufliche Ausbildung unseren ‚Instrumentenkasten‘ für die Informationen zu Ausbildungsmöglichkeiten, Ausbildungsbetrieben und darüber hinaus für die potenziellen Auszubildenden so zu erweitern, dass wir eine nachhaltige Berufswahlvorbereitung für die jungen Menschen ermöglichen können“, so Behlke weiter.

Die IHK selbst werde sich auch zukünftig massiv für die Förderung der Beruflichen Bildung einsetzen und die bereits seit Jahren erfolgreich eingeführten Projekte wie die schon erwähnten Plattformen „Ausbildungschance OWL“ und „Step1“, sowie das Projekt „Kooperation IHK-Schule-Wirtschaft“ oder „Berufliche Bildungslotsen“ fortsetzen. Bei den „Beruflichen Bildungslotsen“ spreche die IHK in Abstimmung mit den jeweiligen Ausbildungsbetrieben Auszubildende an, um sie zu schulen und in den Klassen der allgemeinbildenden Schulen über ihre Ausbildungsberufe berichten zu lassen. Hier diskutieren sie mit den Schülerinnen und Schülern auf Augenhöhe über die positiven Perspektiven beruflicher Bildung und vor allem über die eigenen Erfahrungen.

Mit dem Berufsstarterseminar „Fit in die Ausbildung“ entspräche die IHK zudem seit vielen Jahren dem Wunsch vieler Ausbildungsbetriebe, die Ausbildungsreife der jugendlichen Bewerberinnen und Bewerber noch stärker zu fördern, ergänzte der IHK-Geschäftsführer. „Es ist immer sehr schade, wenn Ausbildungsstellen unbesetzt blieben, weil geeignete Bewerberinnen und Bewerber fehlen. Dem wollen wir entgegenwirken.“

Behlke wies auch noch einmal intensiv darauf hin, dass neue Ausbildungsverträge auch jetzt noch eingetragen werden können. „Mit dem 31. Oktober ist noch nichts vorbei!“, so der IHK-Chef. Eine Eintragung ist noch bis zum Jahreswechsel möglich und sinnvoll.

Das Handwerk ist zukunftsfähig – Bedarf an Auszubildenden wächst

„Das Vorkrisenniveau von 2019 ist bei den aktuellen Zahlen der Ausbildungsverträge in diesem Jahr im Kreis Höxter noch nicht wieder erreicht“, stellt Gerald Studzinsky, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Höxter-Warburg, fest.

„Das liegt zum einen, neben den bekannten demographischen Ursachen, an den durch Corona ausgefallenen Praktika und den nicht in Präsenz durchgeführten Berufemessen.

Zum anderen daran, dass immer mehr junge Menschen studieren wollen. Es zeigt sich aber, trotz dieser Faktoren auf unserem heimischen Ausbildungsmarkt für 2022 eine leicht positive Tendenz bei der Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Handwerk im Kreis Höxter. Hier konnten die Ausbildungszahlen gegenüber dem Vorjahr um 12,1 Prozent auf 360 neu eingetragene Verträge gesteigert werden. Dieser Trend zur Ausbildung reicht natürlich bei Weitem nicht aus, um die Nachfrage aller Handwerksbetriebe und aller Gewerke im Kreis Höxter nach Auszubildenden zu befriedigen“, so Studzinsky weiter.

„Dabei ist das Handwerk gerade heute mehr als zukunftsfähig. Durch die geplante Energiewende sind auch die klassischen Handwerksberufe jetzt auch „grüne Klimaberufe": Gleich, ob Elektriker, Mechatronikerinnen, Anlagenmechaniker, Installateure, Bauhandwerker oder Dachdecker, sie werden den entscheidenden Beitrag zur Energiewende leisten müssen. Die Aspekte Umwelt, Regionalität und Nachhaltigkeit werden bei der Berufswahl für junge Menschen immer wichtiger und wirken sich hoffentlich bei der Berufswahl zukünftig auch im Lebensmittelhandwerk und anderen handwerklichen Dienstleistungen positiv aus.

Bis zum Jahr 2030 werden bundesweit etwa 440.000 zusätzliche Fachkräfte benötigt, um die Energieziele der Bundesregierung zu erreichen. Solar- und Windanlagen müssen gewartet und neue gebaut, Elektroautos repariert, Heizungsanlagen erneuert und Gebäude klimafreundlich saniert werden.

Das bedeutet für das Handwerk, dass wir einen weiterhin stark wachsenden Bedarf an Auszubildenden haben, die wiederum beste berufliche Perspektiven haben werden“, betont der Hauptgeschäftsführer.

Jugendliche, die noch für dieses, aber auch für nächstes Jahr, eine Ausbildungsstelle suchen, sollten über die kostenlose Hotline 0800 4 555500 einen Beratungstermin anfragen. Der einfachste und schnellste Weg zu den freien Ausbildungsstellen führt über die Internet-Adresse: www.arbeitsagentur.de/jobsuche