16.06.2021 | Presseinfo Nr. 34

„Die Ausbildung ist nicht das Ende der Fahnenstange“

Die duale Ausbildung ist eine gute Karriereperspektive für Jugendliche – und ein Weg für Arbeitgeber, gute Nachwuchskräfte für ihr Unternehmen zu gewinnen. Dass eine duale Ausbildung einem Studium in nichts nachsteht und gerade auch während der Pandemie eine attraktive Berufsoption ist, das beweist die Geschichte von Maeve Hegenbart.

Maeve Hegenbart aus Brakel hatte eigentlich schon ihr Studium im Lehramt begonnen, als ihr klar wurde: „Das ist doch nichts für mich, ich möchte lieber etwas praktisches machen.“ Die 18-jährige konnte aufgrund der Corona-Krise nie regelmäßig den Campus besuchen, kannte ihre Kommilitonen nur aus den Online-Veranstaltungen. Schnell merkte sie, dass das für sie keine Option ist, und entschied sich dazu, das Studium abzubrechen und stattdessen eine Ausbildung zu machen.

Gemeinsam mit Franz-Josef Rabbe aus der Berufsberatung Höxter stieg sie in die Frage der Berufswahl ein. Mithilfe von verschiedensten Tools und durch persönliche Gespräche mit dem Experten ließ sich Maeve Hegenbarts Berufswunsch schließlich auf eine Ausbildung zur Industriekauffrau eingrenzen – die sie zum 01. August nun beim Höxteraner Unternehmen ALVI GmbH beginnt. „Für mich war der Bewerbungsprozess eigentlich erfolgreich. Ich habe nicht so viele Bewerbungen schreiben müssen und mit ALVI relativ schnell ein Unternehmen gefunden, bei dem es passt und das mir diese Chance geben wollte.“

Auch Gabriel Zboralski, Geschäftsführer des Unternehmens, das vor allem Baby-Schlafprodukte herstellt, freut sich, dass er in diesem Jahr wieder ausbilden kann: „Da wir letztes Jahr nicht wussten, wie es weitergeht, und wir wie viele andere Betriebe nur auf Sicht fahren konnten, konnten wir leider auch nicht ausbilden. Uns war aber immer wichtig, die Ausbildung so schnell wie möglich wiederaufzunehmen – und das haben wir mit Maeve nun getan.“

Ausbildung spiele für sein Unternehmen eine große Rolle, er selbst habe mit einer Ausbildung seine Karriere gestartet. Zwar konnte er bis jetzt immer gut auch Fachkräfte von außen einstellen, er kennt aber auch die Vorzüge der Ausbildung. „Der Vorteil bei selbst ausgebildeten Fachkräften ist klar: Sie kennen das Unternehmen und die Betriebsabläufe. Man kauft nicht die Katze im Sack. Maeve wird, wie alle anderen Auszubildenden bei uns auch, alle Abteilungen durchlaufen und dabei alle Bereiche kennen lernen. Um unsere letzte Auszubildende haben die Teams sich nach ihrem Abschluss gerissen – denn diese eigens geschulten Fachkräfte kennen sich einfach schon im Haus aus.“ Ihm ist aber auch bewusst, dass man sich heute um die Bewerber bemühen müsse, auch als Unternehmen muss man sich attraktiv für das potenzielle Personal machen. „Nicht nur der passende Lohn, auch Arbeitsatmosphäre und Benefits spielen eine große Rolle.“

Maeve Hegenbart hat also trotz der Krise Erfolg gehabt – und sehr schnell einen Ausbildungsplatz finden können. Dass das nicht immer der Fall ist, weiß sie aber auch selbst. In ihrem Freundeskreis erlebt sie: „Es ist ganz unterschiedlich. Manche bekommen sofort etwas, andere suchen länger. Es kommt aber eben auch drauf an, was man möchte. In einigen Branchen sieht es momentan sicher schlechter aus.“

Und tatsächlich ist es nicht immer leicht, eine Ausbildung zu finden – aber es ist möglich, auch in diesem besonderen Jahr. Wichtig ist dabei nur die Motivation. Was aber tun, wenn Jugendlichen aufgrund der aktuellen Situation die Motivation fehlt? Berufsberater Rabbe: „Ich frage die Schüler oft, wo sie sich in 10 Jahren sehen. Und zwar nicht beruflich, sondern im Leben allgemein – willst du Familie oder nicht, ein Haus, oder eine Wohnung? Was sind Interessen? Basierend auf diesen Informationen suchen wir dann gemeinsam Berufe, die diese 10-Jahres-Ziele realistisch machen. Wenn man den Jugendlichen dann noch klarmacht, dass es Ausbildungsstellen gibt, und dass diese eben nicht das Ende der Fahnenstange, sondern nur der Anfang der Karriereleiter sind, kommt die Motivation oft von allein.“

Marlene Klußmann, Ausbildungsverantwortliche beim 60-jährigen Traditionsunternehmen ALVI, bestätigt: „Im Bewerbungsgespräch ist für mich das wichtigste die Motivation. Deutlich gesagt: Hat der Bewerber oder die Bewerberin Bock? Das ist der elementarste Bestandteil. Natürlich spielen während der Ausbildung Qualitäten wie Pünktlichkeit und Verlässlichkeit eine Rolle. Aber grundsätzlich ist sowas einfacher, wenn eins vorhanden ist: Motivation.“

Maeve Hegenbarts Erfolg zeigt also: Ausbildung im Jahr 2021 geht – und muss nicht schwer sein. Und das auch jetzt noch. Franz-Josef Rabbe konnte Maeve dabei helfen, den für sich richtigen Berufsweg zu finden. Er möchte aber noch möglichst vielen anderen Jugendlichen helfen – auch in diesem Jahr: „Auch zu diesem Zeitpunkt gibt es noch gute Chancen, eine Ausbildungsstelle zu finden! Es sind noch genügend Stellenangebote vorhanden. Ich kann nur an die Jugendlichen appellieren: Meldet euch bei uns, setzt euch mit dem Thema Berufswahl auseinander. Der rein theoretische Berufsschulbesuch sollte eine bewusste Wahl, und nicht die Notlösung sein, die eben einfach ist. Die duale Ausbildung bietet einen guten Karriereeinstieg!“

Jugendliche, die noch auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind oder weitere Perspektiven für die Zeit nach ihrem Schulabschluss suchen, können sich bei der Berufsberatung telefonisch unter 05251 120 301 oder per Mail unter Hoexter.Jugendberufsagentur@arbeitsagentur.de  melden. Gemeinsam suchen die Berater nach den individuell besten Möglichkeiten auf dem Weg in das Berufsleben.

Unternehmen, die noch Ausbildungsstellen ausschreiben oder sich über die Ausbildungsprämie informieren möchten, können sich unter 0800 4 5555 20 oder hoexter.arbeitgeber@arbeitsagentur.de an den lokalen Arbeitgeber-Service wenden. Er gibt gerne auch Auskunft über andere Fördermöglichkeiten.