31.03.2021 | Presseinfo Nr. 16

Halbzeit auf dem Ausbildungsmarkt im Kreis Paderborn

Rückgang bei Bewerber- und Stellenmeldungen

Entwicklung am Ausbildungsmarkt in diesem Jahr besonders wichtig – ein „Jahrgang Corona“ muss verhindert werden

  • 773 Jugendliche noch nicht versorgt 
  • 900 Ausbildungsstellen nicht besetzt
  • Die Spuren der Pandemie vertiefen sich weiter
  • Betriebe und Bewerber dürfen Ausbildung nicht aus dem Blick verlieren

Als die Agentur für Arbeit Paderborn im Januar eine Bilanz für den Arbeitsmarkt im Jahr 2020 zog, sagte Agenturleiter Heinz Thiele, er mache sich mehr Sorgen um den Ausbildungsmarkt als um den Arbeitsmarkt. „Zu dieser Aussage stehe ich auch weiterhin“, so der Agenturleiter heute, circa zwei Monate später und mit ersten, handfesten Zahlen zum Ausbildungsmarkt im Kreis auf dem Tisch.

Aus diesen Zahlen geht hervor: Sowohl Bewerbermeldungen als auch Stellenmeldungen sind im Vergleich zum März 2020 rückläufig. „Sowohl bei den Bewerber- als auch bei den Stellenzahlen sehen wir aktuell die Auswirkungen der Corona-Pandemie. Wirtschaftliche Krise und Schulschließungen hatten und haben einen großen Einfluss auf beide Seiten. Man muss aber auch beachten, dass es bis zum Ausbildungsstart und zum Ende des Berichtsjahres noch Zeit ist und sich bis dahin noch einiges ändern kann. Aber es gilt schon jetzt vor allem einen Absturz bei den abgeschlossenen Ausbildungsverträgen zu vermeiden: Wir müssen möglichst vielen Jugendlichen einen Ausbildungsplatz vermitteln um unnötige Warteschleifen für die Bewerber zu verhindern und die Zukunft der Betriebe im Hinblick auf den Fachkräftebedarf zu sichern“, erklärt der Experte.

Er betont, dass dies bereits das zweite Jahr in Folge ist, in dem der Kreis mit einem Minus bei Stellen und Bewerbern in die Berichterstattung zum Ausbildungsmarkt startet. „Im letzten Jahr war das Minus sogar auf beiden Seiten noch viel größer. Darüber hinaus hat Corona in unser aller Leben viel verändert, aber den Fachkräftemangel hat das Virus nicht beseitigt. In den nächsten zehn Jahren werden über 20 Prozent der Beschäftigten im Kreis das Rentenalter von 65 Jahren erreichen. Das sind viele Fachkräfte, und diese müssen durch neue Nachwuchskräfte ersetzt werden. Genau deshalb dürfen Betriebe die Nachwuchskräftegewinnung jetzt nicht vernachlässigen!“, appelliert er.

Andrea Wesemann, Bereichsleiterin für die Berufsberatung der Agentur, setzt mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern deshalb dieses Jahr besonders viel daran, Stellen und Bewerber zusammen zu bringen. „Es ist uns wichtig, keine Jugendlichen auf dem Weg ins Berufsleben zu verlieren. Wir werden uns deshalb in diesem Jahr stark auf die Gewinnung von Bewerbern und Ausbildungsstellen konzentrieren, um so möglichst vielen Jugendlichen eine Ausbildung zu ermöglichen und den Arbeitgebern die Fachkräfte der Zukunft zu vermitteln. Dafür sind wir gut aufgestellt, konnten zusätzliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen für die Berufsberatung gewinnen und die Videoberatung einführen. Das ermöglicht es uns auch in der aktuellen Situation, besser auf Jugendliche zuzugehen und in Zusammenarbeit mit unserem Arbeitgeber-Service für sie die passenden Stellen zu finden. Auch die gute Zusammenarbeit mit unseren Partnern wie beispielsweise IHK, Kreishandwerkerschaft oder dem Kreis ist von großer Bedeutung und schafft Möglichkeiten.“

Die Devise bleibe also: Ausbildung ist die Zukunft, nicht nur für Bewerber, sondern insbesondere auch für Unternehmen, so Thiele. „Zur Unterstützung der Unternehmen, die sich in der Corona-Krise – trotz der erschwerten Bedingungen – für Ausbildung einsetzen, plant die Bundesregierung deshalb eine verbesserte Neuauflage des Programms „Ausbildungsplätze sichern!“ Die Prämien und Zuschüsse ab Juni 2021 sollen im Vergleich zum Vorjahr höher und auch für größere Betriebe zugänglich sein“, erklärt der Experte. Deshalb appelliert er an die Unternehmen: „Auch, wenn die Lage aktuell sehr herausfordernd ist: Bilden Sie auch dieses Jahr aus!“

Gesamtangebot / Gesamtnachfrage mit Stand März 2021:

1.530 gemeldete Ausbildungsstellen / 1.431 gemeldete Bewerber 

Im Berichtsjahr wurden der Arbeitsagentur in Paderborn 1.530 Ausbildungsstellen zur Besetzung gemeldet, 104 (minus 6,4 Prozent) weniger als im Vorjahr.

Auf der Bewerberseite haben sich im Laufe des Berichtsjahres bisher 1.431 Jugendliche über die Berufsberatung der Agentur für Arbeit um einen Ausbildungsplatz bemüht, das waren 79 junge Menschen (minus 5,2 Prozent) weniger als im Vorjahr.

Von den Ausbildungsstellen sind Ende März noch 900 unbesetzt, 773 Jugendliche sind noch auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle. Daraus ergibt sich eine rechnerische Relation von 116 unbesetzten Stellen auf 100 unversorgte Bewerber.

Jugendliche, die noch für dieses, aber auch für nächstes Jahr, eine Ausbildungsstelle suchen, sollten sich über die kostenlose Hotline 0 52 51 / 120 301 mit der Berufsberatung in Verbindung setzen. Der einfachste und schnellste Weg zu den freien Ausbildungsstellen führt über die Internet-Adresse: www.jobboerse.arbeitsagentur.de   

Darüber hinaus empfiehlt sich auch ein Blick auf die Website der Connect, der digitalen Berufsorientierungsplattform im Kreis Paderborn: www.connectausbildungsmesse.de, über die bereits circa 200 Aussteller der Region ihre Angebote präsentieren und aktuelle Veranstaltungen, Termine sowie Tipps und Tricks rund um den Übergang Schule – Beruf eingestellt sind.