19.01.2021 | Presseinfo Nr. 4

Jahresbilanz 2020 und Ausbilck 2021 am Arbeitsmarkt des Kreises Höxter

Jahresbilanz 2020

2019 2020 Veränderung
Arbeitslosigkeit gesamt 2.824 3.223 +14,2 %
SGB III 1.289 1.574 +22,1 %
SGB II 1.535 1.650 +7,5 %
Arbeitslosenquote 3,7 % 4,3 % +0,6 %
Stellenangebote (Zugang) 3.488 2.784 -20,2 %
Neuzugänge in Arbeitslosigkeit 10.448 9.048 -13,4 %
Abmeldungen aus Arbeitslosigkeit 10.521 8.742 -16,9 %

Ausblick 2021

  • Der Arbeitsmarkt wird vorerst weiterhin von den Entwicklungen der Corona-Pandemie abhängig sein
  • Mithilfe des Instruments der Kurzarbeit wird die Arbeitsagentur weiter versuchen, möglichst viele Entlassungen zu verhindern
  • Hoffnung auf schnelle Erholung nach der Krise
  • Fachkräftemangel wird sich verschärfen: Zeit der geringeren Auslastung in den Betrieben zur Qualifizierung der Mitarbeiter nutzen, zum Beispiel mithilfe des Qualifizierungschancengesetzes

Jahresbilanz 2020 und Ausblick 2021

Im Jahresdurchschnitt 2020 waren 3.223 Personen im Kreis Höxter arbeitslos, und damit 400 Personen bzw. 14,2 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Die Arbeitslosenquote im Jahresdurchschnitt stieg im Vergleich zum Vorjahr um 0,6 Prozentpunkte von 3,7 Prozent auf 4,3 Prozent. Dabei stieg die Arbeitslosigkeit im Versichertenbereich (SGB III) von 1.289 um 22,1 Prozent auf 1.574. Im SGB II (Grundsicherung) stieg die Arbeitslosenzahl von 1.535 um 7,5 Prozent auf 1.650 Personen.

„Die Arbeitslosigkeit ist im Vergleich zum Vorjahr – wie bereits von den meisten sicherlich erwartet – gestiegen. Die Zugänge der Menschen in die Arbeitslosigkeit ist jedoch gesunken, was dafürspricht, dass die meisten Betriebe ihre Mitarbeiter*innen halten wollen, auch mit dem Instrument der Kurzarbeit. Die Steigerung der Arbeitslosigkeit ist in erster Linie darauf zurückzuführen, dass die Abgänge aus Arbeitslosigkeit deutlich geringer waren als die Neuzugänge in Arbeitslosigkeit. Auch die Stellenmeldungen gingen 2020 stark zurück. Hier sieht man: Es ist weniger Bewegung an Markt, die Vermittlung von Arbeitslosen in Erwerbstätigkeit, aber auch in Fördermaßnahmen, war in diesem Jahr schwieriger“, analysiert Heinz Thiele, Leiter der Paderborner Arbeitsagentur, die Situation im Kreis Höxter.

„Dabei gilt es zu beachten, dass wir im Kreis Höxter aus einer sehr komfortablen Position in die Krise gekommen sind: Auch, wenn die Arbeitslosenquote im Schnitt um 0,6 Prozent gestiegen ist, sind wir selbst in der Krise immer noch bei einer sehr niedrigen Durchschnitts-Arbeitslosenquote von 4,3 Prozent. Im Hinblick auf die Dimension der Pandemie hat sich der Arbeitsmarkt als robust erwiesen. Das macht Hoffnung, dass eine Erholung nach der Corona-Pandemie schnell und effizient geschehen kann. Wann genau das sein wird ist jedoch nicht seriös zu prognostizieren, da der Zeitpunkt stark von der Pandemie-Entwicklung abhängig ist“, so der Agenturchef weiter.

Die Zahl der Kurzarbeitsanzeigen gehen aktuell etwas zurück. Im Vergleich zum Vormonat gab es im Dezember mit Stand 28.12.2020 36 Anzeigen weniger, nämlich 115 Anzeigen. In diesen Anzeigen wurden 1.061 potenziell von Kurzarbeit betroffene Personen genannt, das sind 122 weniger als in den Anzeigen im November. „Man muss auch beachten, dass wir damit noch weit von unseren Spitzenwerten aus dem April – 662 Anzeigen und 9.057 – entfernt sind“, so Heinz Thiele. Die aktuellsten Hochrechnungen zeigen, dass im Juli 2020 467 Betriebe im Kreis in Kurzarbeit waren, betroffen waren 4.478 Kurzarbeiter. „Den bisherigen Höchststand der tatsächlich realisierten Kurzarbeit hatten wir im April beziehungsweise Mai – der April war der Monat mit den meisten kurzarbeitenden Betrieben, die meisten Kurzarbeiter hatten wir im Mai. Im Hinblick auf die Verlängerung der günstigeren und vereinfachten Regelungen zur Kurzarbeit bis Ende 2021 gehen wir davon aus, dass das Instrument Kurzarbeit auch 2021 noch stark beansprucht werden wird“, erläutert Thiele weiter.

Der Arbeitsmarktexperte empfiehlt, die Zeit der geringeren Auslastung in den Betrieben sinnvoll zu nutzen: Maßnahmen wie das Qualifizierungschancengesetz ermöglichen es der Agentur für Arbeit, auch Beschäftigte Personen bei Firmen zu fördern. „Keine sinnvolle Qualifizierung wird an der Finanzierung scheitern“, verspricht er. Andrea Wesemann, Geschäftsstellenleiterin der Agentur für Arbeit Höxter, erläutert: „Grundvoraussetzung ist, dass die Qualifizierungen berufsbezogen sind und die Mitarbeiter auf neue Arbeitsfelder oder –Tätigkeiten vorbereiten. Allein die durch die Corona-Krise ausgelöste Digitalisierung macht eine berufliche Qualifizierung in vielen Betrieben notwendig. Unternehmen, die die Phase der Pandemie derartig nutzen, sorgen neben einer sinnvollen Nutzung des Leerlaufs auch dafür, dass der Betrieb und seine Mitarbeiter zukunftsfähig bleiben – und wirken damit dem Fachkräftemangel entgegen. Eine Beratung zu den individuellen Möglichkeiten bietet unser Arbeitgeber-Service gerne an.“

Die Arbeitslosigkeit der über 50-Jährigen hat im Jahresdurchschnitt im Vergleich zum Vorjahr um 111 Personen von 1.090 auf 1.201 Personen zugenommen. Die altersspezifische Arbeitslosenquote stieg im Jahresdurchschnitt von 3,8 Prozent in 2019 auf 4,2 Prozent in 2020.

Auch bei den Langzeitarbeitslosen ist ein Anstieg zu verzeichnen: 2020 gab es im Jahresdurchschnitt mit einem Anstieg von 828 Personen auf 885 Personen 57 mehr Langzeitarbeitslose als 2019.

Die Jugendarbeitslosigkeit (unter 25 Jahre) ist im Jahresdurchschnitt 2020 im Vergleich zu 2019 um 60 Personen von 292 auf 321 Personen gestiegen – die altersspezifische Arbeitslosenquote stieg hier um 0,8 Prozentpunkte auf 4,2 Prozent.

Ein starker Anstieg der Arbeitslosigkeit ist auch bei den Ausländern zu verzeichnen: Hier stieg die Arbeitslosigkeit im Jahresdurchschnitt um 100 Personen von 472 auf 572 Personen an.

Der Zugang von Stellenmeldungen bei dem Arbeitgeberservice im Kreis Höxter ist deutlich gesunken: In der Jahressumme wurden 2.784 Stellen gemeldet, 704 oder 20,2 Prozent weniger als noch 2019. Der Bestand an offenen Arbeitsstellen lag 2020 im Jahresdurchschnitt bei 1.081 Stellen – 2019 waren es im Schnitt 206 mehr, nämlich 1.287 Stellen.