19.01.2021 | Presseinfo Nr. 3

Jahresbilanz 2020 und Ausblick 2021 am Arbeitsmarkt des Kreises Paderborn

Jahresbilanz 2020

2019 2020 Veränderung
Arbeitslosigkeit gesamt 8.603 10.213 +18,7 %
SGB III 3.176 4.264 +34,2 %
SGB II 5.426 5.949 +9,6 %
Arbeitslosenquote 5,0 % 5,9 % +0,9 %
Stellenangebote 7.394 6.170 -16,6 %
Zugänge in Arbeitslosigkeit 26.096 23.390 -10,4 %
Abmeldungen aus Arbeitslosigkeit 25.794 22.186 -14,0 %

Ausblick 2021

  • Weitere Entwicklung nicht zu prognostizieren, da stark von Entwicklung der Pandemie abhängig
  • Starke Inanspruchnahme der Kurzarbeit, Arbeitsagentur wird das Instrument weiter nutzen, um möglichst viele Entlassungen zu verhindern
  • Das Bestreben der Betriebe, Mitarbeiter*innen möglichst zu halten, sowie die gute Konjunkturlage vor der Krise machen Hoffnung auf schnelle Erholung nach dem Ende der Pandemie
  • Fachkräftemangel existiert auch während der Krise und wird sich weiter verschärfen, Zeit der geringeren betrieblichen Auslastung zur Mitarbeiterqualifizierung nutzen

Jahresbilanz 2020 und Ausblick 2021

Im Jahresdurchschnitt 2020 waren 10.213 Menschen im Kreis Paderborn arbeitslos, und damit 1.610 Personen bzw. 18,7 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Die Arbeitslosenquote im Jahresdurchschnitt stieg im Vergleich zum Vorjahr um 0,9 Prozentpunkte von 5,0 Prozent auf 5,9 Prozent. Dabei stieg die Arbeitslosigkeit im Versichertenbereich (SGB III) von 3.176 um 34,2 Prozent auf 4.264 während sie im SGB II (Grundsicherung) von 5.426 um 9,6 Prozent auf 5.949 Personen stieg.

„Dieser Anstieg der Arbeitslosigkeit im Vorjahresvergleich kommt unter den Rahmenbedingungen der Pandemie wahrscheinlich für die wenigsten überraschend. Dass es sich hierbei insbesondere um Arbeitslose handelt, die erst kürzlich mit dieser konfrontiert wurden, wird deutlich, wenn man beachtet, dass der größte Anstieg im SGBIII – und damit bei den Beziehern des Arbeitslosengeld I – zu verzeichnen ist. Insgesamt muss aber festgehalten werden, dass der Arbeitsmarkt sich erstaunlich robust gezeigt hat im Hinblick auf die Dimension der Krise. Dass am Markt momentan die Chancen, eine neue Arbeitsstelle zu finden, geringer sind als sonst üblich, zeigt der starke Rückgang bei den Stellenmeldungen und der deutliche Rückgang an Abmeldungen aus Arbeitslosigkeit“, analysiert Heinz Thiele, Leiter der Paderborner Arbeitsagentur, die Lage im Kreis.

 „Dennoch habe ich die Hoffnung, dass wir uns nach der Krise schnell wieder erholen können. Die Konjunktur im Kreis war in den Vorjahren sehr stabil und widerstandsfähig, sodass eine rasche Erholung nach Ende der Krise möglich ist. Das Instrument der Kurzarbeit soll Entlassungen möglichst verhindern, was auch dabei hilft, ein schnelles Hochfahren der Wirtschaft nach der Krise einfacher zu machen. Wann genau diese Erholung eintreten wird ist aktuell allerdings nicht seriös zu prognostizieren – keiner von uns kann den Verlauf der Pandemie und die damit verbundenen Einschränkungen genau voraussehen“, erläutert der Agenturchef weiter.

Die Zahl der Kurzarbeitsanzeigen ist aktuell weitestgehend konstant. Im Vergleich zum Vormonat gab es im Dezember mit Stand 28.12.2020 eine Anzeige mehr, nämlich 269 Anzeigen. In diesen Anzeigen wurden 2.897 potenziell von Kurzarbeit betroffene Personen genannt, das sind 398 mehr als in den Anzeigen im November. „Unser Spitzenwert bei den Anzeigen über Kurzarbeit in der Corona-Krise liegt im April bei 1.673 Anzeigen und 30.485 potenziell betroffenen Personen. Vom Anstieg des Frühjahrs sind wir aktuell noch weit entfernt.“ Die aktuellsten Hochrechnungen zeigen, dass im Kreis im Juli 2020 1.109 Betriebe mit 12.214 Kurzarbeitern betroffen waren. „Die höchste Zahl an Betrieben in Kurzarbeit und Kurzarbeitern hatten wir im April. Wie sich diese Zahlen weiter verhalten ist, wie so vieles momentan, abhängig von der Pandemieentwicklung. Dennoch ist davon auszugehen, dass das Instrument auch 2021 weiter stark in Anspruch genommen wird. Vor dem Hintergrund der Verlängerung der erleichterten und verbesserten Regelungen zum Kurzarbeitergeld bis zum Ende des Jahres 2021 werden wir uns auch in Zukunft darum bemühen, mit diesen Leistungen weiter möglichst viele Entlassungen zu vermeiden“, verspricht Thiele.

Um die jetzige Zeit sinnvoll zu überbrücken empfiehlt der Arbeitsmarktexperte Qualifizierung: „Mit dem Qualifizierungschancengesetz ist es uns möglich, berufsbezogene Weiterbildungen auch bei Beschäftigten zu fördern. Unternehmen, die dieses Angebot in Anspruch nehmen, können die Zeit der leeren Auftragsbücher und geschlossenen Filialen nutzen, um ihre Mitarbeiter für die Digitalisierung oder andere neue Herausforderungen fit zu machen. So bleiben sie wettbewerbsfähig und haben nach der Krise Mitarbeiter mit neuen Kenntnissen direkt im Betrieb, um wieder schnell durchzustarten. Unser Arbeitgeber-Service berät Unternehmen gerne zu den individuellen Möglichkeiten.“

Die Arbeitslosigkeit der über 50-Jährigen ist im Jahresdurchschnitt im Vergleich zum Vorjahr um 463 Personen von 3.231 auf 3.694 Personen gestiegen. Die altersspezifische Arbeitslosenquote lag im Jahresdurchschnitt bei 6,2 Prozent.

Bei den Langzeitarbeitslosen ist ebenfalls ein Anstieg zu verzeichnen: 2020 gab es im Jahresdurchschnitt mit einem Anstieg von 2.942 Personen auf 3.230 Personen 288 mehr Langzeitarbeitslose als 2019.

Die Jugendarbeitslosigkeit (unter 25 Jahre) ist im Jahresdurchschnitt 2020 im Vergleich zu 2019 um 114 Personen von 834 auf 948 Personen gestiegen – die altersspezifische Arbeitslosenquote ist hier von 4,0 Prozent auf 4,5 Prozent gestiegen.

Die Zahl der ausländischen Arbeitslosen ist gestiegen: Hier nahm die Arbeitslosigkeit im Jahresdurchschnitt um 487 Personen von 2.127 auf 2.613 Personen zu.

Der Zugang von Stellenmeldungen bei dem Arbeitgeberservice im Kreis Paderborn ist deutlich gesunken: In der Jahressumme wurden 6.170 Stellen gemeldet, 1.224 oder 16,6 Prozent weniger als noch 2019. Der Bestand an offenen Arbeitsstellen lag 2020 im Jahresdurchschnitt bei 2.115 Stellen – 2019 waren es im Schnitt 534 mehr, nämlich 2.649 Stellen.