07.01.2022 | Presseinfo Nr. 3

Jahresbilanz 2021 und Ausblick 2022 am Arbeitsmarkt des Kreises Paderborn

Jahresbilanz 2021
 

  • Trotz noch nicht beendeter Pandemie deutliche Verbesserung am Arbeitsmarkt gegenüber 2020
  • Arbeitslosigkeit seit Oktober schon wieder unter dem Vorkrisenniveau von 2019
  • Im Vergleich zum Vorjahr insgesamt sinkende Arbeitslosigkeit, Zunahme der Stellenangebote, Rückgang der Kurzarbeit und Steigerung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung
 
Ausblick 2022
 
  • Der Arbeitsmarkt wird auch 2022 weiter von der Corona-Pandemie beeinflusst
  • Lieferengpässe als weiteres Risiko für den Arbeitsmarkt
  • Fachkräftemangel, demografischer Wandel, Strukturwandel als wichtigste Herausforderungen der nächsten Jahre
  • Geschäftspolitische Schwerpunkte der Agentur für Arbeit sind der Übergang Schule und Beruf, sowie die Qualifizierung von Arbeitslosen und Beschäftigten

Jahresbilanz 2021 und Ausblick 2022

Im Jahresdurchschnitt 2021 waren 9.209 Menschen im Kreis Paderborn arbeitslos, und damit 1.004 Personen bzw. 9,8 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Die Arbeitslosenquote im Jahresdurchschnitt sank im Vergleich zum Vorjahr um 0,6 Prozentpunkte von 5,9 Prozent auf 5,3 Prozent. Dabei sank die Arbeitslosigkeit im Versichertenbereich (SGB III) von 4.264 um 24,9 Prozent auf 3.202 während sie im SGB II (Grundsicherung) von 5.949 um 1,0 Prozent auf 6.007 Personen stieg.

„2020 war als erstes Pandemiejahr stark von den Auswirkungen der Gesundheitsschutzmaßnahmen geprägt. Das Jahr 2021 stand zwar ebenfalls im Zeichen der Pandemie, konnte aber zeigen, wie robust die lokale Konjunktur und der Arbeitsmarkt sind: Die Arbeitslosenzahlen sind wieder zurückgegangen, die Stellenmeldungen stark angestiegen“, so Heinz Thiele, Leiter der Paderborner Arbeitsagentur, über den Arbeitsmarkt 2021 im Kreis Paderborn. Gründe für diese Entwicklung sieht der Experte in der positiven Pandemieentwicklung, die ab Jahresmitte zunächst bis Oktober stattfand: Zurückgehende Infektionszahlen, dadurch geringe Gesundheitsschutzmaßnahmen, aber auch die Impfkampagne. „Die dadurch in hohem Umfang stattgefundene Normalisierung des Lebens hat zu einer deutlichen Belebung der Konjunktur und damit auch zu einer gestiegenen Nachfrage nach Arbeitskräften geführt. Vergessen werden darf dabei nicht, dass es bei der Entwicklung erhebliche Unterschiede zwischen den Branchen gegeben hat.“

Eine große Rolle bei der Entlastung der Wirtschaft und der Arbeitnehmer in der Krise hat das Instrument der Kurzarbeit gespielt: „Die Inanspruchnahme dieser Leistung war 2020 sehr hoch. 2021 ist diese wieder zurückgegangen, wenn auch noch weitaus mehr Anzeigen und Anträge als vor der Pandemie eingegangen sind.“ Die aktuellsten Daten zur abgerechneten und damit realisierten Kurzarbeit für den Kreis beziehen sich auf den Monat Juli 2021. In diesem Monat gab es nach ersten Hochrechnungen 559 Betriebe in Kurzarbeit, 4.152 Menschen waren betroffen. „Zum Vergleich: Im April 2020 hatten wir 2.146 Betriebe mit 23.885 Menschen in Kurzarbeit. Die Lage hat sich 2021 also deutlich erholt. Trotzdem bleibt die Kurzarbeit weiterhin ein wichtiger stabilisierender Faktor, auch im nächsten Jahr, um möglichst viele Arbeitsplätze zu sichern.“

Die größten Herausforderungen für den Arbeitsmarkt der nächsten Jahre sieht der Agenturchef aber beim Fachkräftebedarf, dem demografischen Wandel und dem Strukturwandel. Thiele erläutert: „Sie sind altbekannt, durch die Pandemie aber etwas in den Hintergrund gerückt. Der zunehmende Fachkräftebedarf hat sich schon im Jahr 2021 bemerkbar gemacht, zum Beispiel im Gaststättenbereich oder dem Gesundheitswesen. Diese Entwicklung wird sich in allen Bereichen deutlich verstärken - besonders im Hinblick auf die geburtenstarken Jahrgänge, die in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen. Der Strukturwandel hat durch die Pandemie eine deutliche Beschleunigung erfahren – die Digitalisierung lief unter anderem schneller ab – wird aber in den nächsten Jahren durch politische Entscheidungen zu etwa Klimawandel oder Automobilindustrie voraussichtlich noch zunehmen.“

Der Agenturchef betont: „Die wichtigsten Instrumente um diesen Herausforderungen zu begegnen sind Ausbildung und Qualifizierung von Arbeitslosen und Beschäftigten. Mit Beratung und finanziellen Fördermöglichkeiten sind wir in der Lage diesen Prozess positiv zu unterstützen.“

Mit Blick auf das Jahr 2022 prognostiziert er: „Auch das kommende Jahr wird weiterhin von der Pandemie geprägt sein. Hinzu kommen noch die Schwierigkeiten bei den Lieferengpässen, die sich schon in 2021 bemerkbar gemacht haben. Wie und in welchen Umfang sich das auf den Arbeitsmarkt auswirkt ist nur schlecht vorhersehbar, da auch im nächsten Jahr kurzfristige politische Entscheidungen als Reaktion auf das Pandemiegeschehen nicht auszuschließen sind. Dennoch bin ich für 2022 optimistisch was die Stabilität des Arbeitsmarktes betrifft. Mit dem Instrument der Kurzarbeit können wir flexibel reagieren, viele Arbeitgeber versuchen alles, um ihre Mitarbeiter zu halten und der Druck durch den Fachkräftebedarf wird größer sein, als die Auswirkungen der Pandemie. Wichtig wird es aber sein, dass sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer kreativ und flexibel bleiben um den strukturellen Veränderungen gerecht zu werden.“

Daten zum Arbeitsmarkt im Jahr 2021

Die Arbeitslosigkeit der über 50-Jährigen ist im Jahresdurchschnitt im Vergleich zum Vorjahr um 313 Personen von 3.694 auf 3.381 Personen gesunken. Die altersspezifische Arbeitslosenquote lag im Jahresdurchschnitt bei 5,6 Prozent.

Bei den Langzeitarbeitslosen ist ein Anstieg zu verzeichnen: 2021 gab es im Jahresdurchschnitt mit einem Anstieg von 3.230 Personen auf 3.778 Personen 548 mehr Langzeitarbeitslose als 2020.

Die Jugendarbeitslosigkeit (unter 25 Jahre) ist im Jahresdurchschnitt 2021 im Vergleich zu 2020 um 116 Personen von 948 auf 832 Personen gesunken – die altersspezifische Arbeitslosenquote ist hier von 4,5 Prozent auf 3,9 Prozent gesunken.

Auch die Zahl der ausländischen Arbeitslosen ist gesunken: Hier nahm die Arbeitslosigkeit im Jahresdurchschnitt um 271 Personen von 2.623 auf 2.352 Personen ab.

Der Zugang von Stellenmeldungen bei dem Arbeitgeberservice im Kreis Paderborn ist deutlich gestiegen: In der Jahressumme wurden 7.403 Stellen gemeldet, 1.233 oder 20,0 Prozent mehr als noch 2020. Der Bestand an offenen Arbeitsstellen lag 2021 im Jahresdurchschnitt bei 2.680 Stellen – 2020 waren es im Schnitt 565 weniger, nämlich 2.1