30.06.2022 | Presseinfo Nr. 71

Kreis Höxter

Der Arbeitsmarkt im Juni 2022
 

Die Zahl der Arbeitslosen im Kreis Höxter ist im Juni 2022 gegenüber dem Vormonat nahezu konstant geblieben und liegt mit einem Plus von 4 Personen bei jetzt 2.057 Arbeitslosen weiterhin auf einem niedrigen Niveau. „Die weiterhin positive Entwicklung wird besonders deutlich, wenn man zum Vergleich den Wert vom Juni des Vorjahres mit 3.024 Arbeitslosen und den Wert aus Juni 2020 mit 3.512 Arbeitslosen heranzieht“, sagt Heinz Thiele, Leiter der Agentur für Arbeit Paderborn. „Der Arbeitsmarkt ist weiterhin in guter Verfassung!“ Erfreulich ist, dass die Zahl der Arbeitslosen ab 50 Jahre gesunken ist. Auch die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist gesunken. Allerdings könnte sich die Aufnahme geflüchteter Ukrainer*innen in die Grundsicherung in den kommenden Monaten auch im Kreis Höxter in den Arbeitsmarktzahlen niederschlagen. Da der Übergang in die Betreuung durch das Jobcenter seit dem 1. Juni noch läuft, ist davon auszugehen, dass noch nicht alle Personen in der Statistik erfasst sind. „Sollten ukrainische Geflüchtete nicht in ihre Heimat zurückkehren, sondern bleiben wollen, sehe ich darin im Hinblick auf den demografischen Wandel und den daraus resultierenden Fachkräftebedarf eine große Chance, um die Herausforderungen am Arbeitsmarkt besser bewältigen zu können. Der Arbeitsmarkt im Kreis Höxter ist nach wie vor aufnahmefähig“, sagt Heinz Thiele.

Kurzarbeit

Im Juni 2022 wurden von Unternehmen aus dem Kreis Höxter 6 Anzeigen über Kurzarbeit eingereicht. In diesen Anzeigen sind 52 Personen als potenziell von Kurzarbeit betroffene Beschäftigte benannt. Im Vormonat waren es 13 Anzeigen und 289 Personen.

Arbeitslosigkeit

Die Zahl der Arbeitslosen ist im Kreis Höxter im Juni 2022 gestiegen. Insgesamt waren 2.574 Personen arbeitslos gemeldet. Verglichen mit den Zahlen des Vormonates sind dies 4 Personen oder 0,2 Prozent mehr. Im Vergleich zum Juni des Vorjahres sinkt die Zahl der Arbeitslosen um 450 Personen bzw. 14,9 Prozent. Die Arbeitslosenquote beträgt im Juni 2022 3,4 Prozent. Vor einem Jahr belief sie sich auf 4,0 Prozent (minus 0,6 Prozentpunkte).

Entwicklung in der Arbeitslosenversicherung - SGB III

Im Bereich der Arbeitslosenversicherung wurden in diesem Monat 1.049 Personen gemeldet. Die Zahl hat sich im Vergleich zum Vormonat erhöht um 39 Personen bzw. 3,9 Prozent. Im Vorjahresvergleich bedeutet dies eine Verringerung um minus 220 Personen oder minus 17,3 Prozent.

Entwicklung in der Grundsicherung - SGB II

In der Grundsicherung sind 35 Arbeitslose weniger als im Vormonat und 230 weniger als im Vorjahr zu verzeichnen. Im Verhältnis entspricht dies minus 2,2 Prozent zum Vormonat bzw. minus 13,1 Prozent zum Vorjahr. Insgesamt sind es 1.525 Personen und damit 59,2 Prozent aller Arbeitslosen, die zur Grundsicherung gemäß SGB II zählen.

Jugendarbeitslosigkeit

224 Arbeitslose sind im Berichtsmonat im Kreis Höxter unter 25 Jahre alt. Im Vormonat waren dies noch 20 weniger und im gleichen Monat des Vorjahres 66 mehr arbeitslose junge Menschen. Die prozentuale Veränderung beläuft sich somit auf plus 9,8 Prozent zum vorherigen Monat bzw. minus 22,8 Prozent im Vorjahresvergleich.

Arbeitslose ab 50 Jahre

Die Anzahl arbeitsloser Personen ab 50 Jahre ist im Vergleich zum Vormonat gesunken (minus 62 Personen oder minus 5,8 Prozent). Im Vergleich zum Vorjahr sind es 254 Arbeitslose weniger (minus 20,2 Prozent). Insgesamt sind 1.004 Menschen ab 50 Jahre im Kreis Höxter betroffen.

Langzeitarbeitslose

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist im Kreis Höxter im Berichtsmonat gesunken. 852 Personen waren länger als ein Jahr nicht sozialversicherungspflichtig beschäftigt, darunter zählen 80,6 Prozent (687 Personen) zur Grundsicherung. Verglichen mit den Gesamtzahlen des Vormonates sind dies 23 Langzeitarbeitslose weniger. Im Vergleich zum Vorjahr sinkt die Zahl dieser Arbeitslosen damit um 267 Personen.

Stellenangebot

Unternehmen aus dem Kreis haben in diesem Monat 286 Stellen gemeldet (plus 19 zum Vormonat). Im Bestand befanden sich insgesamt 1.702 offene Stellen, 6 mehr als im Vormonat und 454 mehr als im Vorjahresmonat.

Der Arbeitsmarkt in Ostwestfalen-Lippe

Die Arbeitslosigkeit in Ostwestfalen-Lippe ist im Juni 2022 gestiegen. Aktuell sind 57.728 Personen arbeitslos gemeldet. Die Meldungen von Personen, welche im aktuellen Berichtsmonat neu arbeitslos geworden sind, fällt mit 12.065 Personen im Vergleich zum Vorjahresmonat um 2.363 höher aus.

Saisonüblich wäre ein leichter Rückgang der Arbeitslosigkeit von Mai auf Juni eines Jahres. Vor der Pandemie (2015 – 2019) betrug dieser Rückgang durchschnittlich 1,2 Prozent (2020: plus 1,5 Prozent, 2021: minus 1,4 Prozent). Ein Anstieg der Arbeitslosigkeit von Mai auf Juni in diesem Jahr von 3,6 Prozent ist vorrangig einer gesetzlichen Änderung zum 01.06.2022 zuzuordnen. Bislang erhielten Personen, welche aufgrund des Krieges in der Ukraine von dort geflohen sind, Asylbewerberleistungen. Ab dem 01.06.2022 kann dieser Personenkreis unter bestimmten Voraussetzungen Grundsicherung von den Jobcentern erhalten. Die Beantragung der entsprechenden Leistung geht mit einer Arbeitslosmeldung bei den Jobcentern einher. Im Vergleich zum Vormonat ist der Bestand arbeitsloser Ausländer im Juni 2022 um 1.774 Personen gestiegen (plus 10,4 Prozent). Im Juni 2021 waren in Ostwestfalen-Lippe 141 Personen mit ukrainischer Staatsangehörigkeit arbeitslos gemeldet. Im aktuellen Berichtsmonat stieg die Anzahl Arbeitsloser dieses Personenkreises um 1.956 auf nun 2.097 Personen an. Davon sind ca. 97 Prozent allein bei den Jobcentern gemeldet.

Ein weiterer Grund für die saisonunübliche Zunahme der Arbeitslosigkeit im Berichtsmonat Juni 2022 ist der frühe Beginn der Sommerferien. Durch die damit verbundene Beendigung von Berufsausbildungsverhältnissen sind einige junge Menschen bereits im Juni arbeitslos geworden, bis sie in den nächsten Monaten eine neue Beschäftigung beginnen werden. Üblicherweise wäre diese Entwicklung in den Monaten Juli und August zu erwarten. In Ostwestfalen-Lippe sind im aktuellen Berichtsmonat 573 junge Menschen im Alter von 15 bis unter 25 Jahren mehr arbeitslos gemeldet als im Vormonat (plus 12 Prozent).

Insgesamt entspricht der Bestand an arbeitslos gemeldeten Personen im aktuellen Berichtsmonat etwa dem Niveau des Juni 2019 (57.482).

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist während der Pandemie stark angestiegen und beträgt aktuell 24.853. Das sind 1.115 Menschen oder 4,7 Prozent mehr als im Juni 2020. Seit April letzten Jahres ist ein kontinuierliches Abschmelzen der Langzeitarbeitslosen zu beobachten. So ist die Zahl der Menschen, die länger als ein Jahr auf Arbeitssuche sind aktuell um 3.548 Menschen bzw. 12,5 Prozent niedriger als im Juni 2021. Der Anteil Langzeitarbeitsloser an allen Arbeitslosen beträgt aktuell 43,1 Prozent (Juni 2021: 43,9 Prozent; Juni 2020: 32,6 Prozent) und ist im Vergleich zum Vormonat (Mai 2022: 45,0 Prozent) deutlich gesunken. Diese plötzliche Verschiebung des Anteils ist jedoch auf die schlagartige Zunahme der Arbeitslosen insgesamt wegen der Arbeitslosmeldung ukrainischer Flüchtlinge zum 01.06.2022 zurückzuführen.

Der Bestand an gemeldeten Arbeitsstellen, welche durch Jobcenter und Arbeitsagenturen in OWL angeboten werden können, hat ein Rekordhoch von 28.069 Stellen erreicht. Das ist eine Zunahme zum Vorjahresmonat um 6.836 Stellen oder 32,2 Prozent. Der zweithöchste Bestand im Juni in den letzten fünf Jahren betrug 21.692 im Juni 2018. Im aktuellen Berichtsmonat wurden 4.139 freie Arbeitsstellen neu gemeldet. Damit sind im Vergleich zum Vorjahresmonat 368 Stellen weniger gemeldet worden. Damit zeigen sich erste Auswirkungen aufgrund der wirtschaftlichen Unsicherheiten bezogen auf die Preissteigerungen und Energiekosten sowie Lieferengpässen. Arbeitgeber zeigen sich vorsichtig mit der Meldung neuer Arbeitsstellen und scheinen weniger Arbeitskräfte neu einzustellen, worauf der Zuwachs des Bestandes an gemeldeten Arbeitsstellen hindeutet. Dass gemeldete Arbeitsstellen jedoch nicht zurückgezogen werden, lässt eine Hoffnung der Arbeitgeber auf baldige Verbesserung der Lage erkennen.

Die niedrigste Arbeitslosenquote in unserer Region findet sich im Kreis Höxter (3,4 Prozent), gefolgt von den Kreisen Gütersloh (3,8 Prozent), Paderborn (4,7 Prozent), Minden-Lübbecke (4,9 Prozent), Herford (5,2 Prozent), Lippe (5,2 Prozent) und der Stadt Bielefeld (7,6 Prozent). Insgesamt hat Ostwestfalen-Lippe eine Arbeitslosenquote von 5,1 Prozent (Vormonat 4,9 Prozent, Vorjahr 5,7 Prozent).